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Weisheitszähne

Veröffentlicht von Wiebke Raue

Wann muss man die Weisheitszähne "ziehen"? Manche Menschen sind der Ansicht, Weisheitszähne sollten immer entfernt werden – schließlich benötigt man sie nicht. Andere wiederum glauben, mit einer Weisheitszahn-OP würden die Probleme erst anfangen. Fest steht: Pauschal kann man die Frage nicht beantworten. Vielmehr hängt es von vielen Faktoren ab, ob eine Weisheitszahn-OP infrage kommt oder nicht.

Überblick

Die Weisheitszähne (Dens molaris tertius) zeigen sich in der Regel erst nach dem 16. Lebensjahr, manchmal auch deutlich später. Wenn ein Weisheitszahn "durchbricht" und im Mundraum sichtbar wird, kann dies ganz schön schmerzhaft sein, besonders, wenn es sich um einen Zahn im Unterkiefer handelt. Wenn alle Weisheitszähne gerade in der Zahnreihe stehen, gilt die gesunde Zahnentwicklung als abgeschlossen. Aber dies ist nicht immer der Fall – was mit Problemen verbunden sein kann.

Oft brechen Weisheitszähne gar nicht vollständig durch, sondern bleiben im Kiefer verborgen.

Häufig treten Weisheitszähne gar nicht durch – bis zu 80 Prozent der jungen Erwachsenen in der europäischen Bevölkerung hat mindestens ein Exemplar im Mund, das meist ohne Schmerzen unter dem Zahnfleisch verborgen bleibt oder nur teilweise sichtbar wird. Mediziner sprechen von einer Retention (lat. retenere = zurückhalten).

Eine Retention kann verschiedene Gründe haben: Zum einen kann es sein, dass der Weisheitszahn von Anfang an nicht gerade im Kiefer sitzt und somit gar nicht zum Vorschein kommen kann.

Zum anderen können andere Zähne den Zahndurchtritt verhindern, oder aber es ist im Kiefer nicht genug Platz für einen weiteren Zahn vorhanden.

Es gibt einige Komplikationen, die durch nicht normal "durchgebrochene" Weisheitszähne entstehen oder mit ihnen einhergehen können:

Das menschliche Erwachsenengebiss besteht aus 32 Zähnen – auf jeder Seite befinden sich oben und unten

  • 2 Schneidezähne,
  • 1 Eckzahn,
  • 2 Vorbackenzähne (Premolaren) und
  • bis zu 3 Mahlzähne (hintere Backenzähne, Molaren).

Die jeweils dritten, hintersten Mahlzähne sind die Weisheitszähne. Sie befinden sich im Kiefer ganz hinten auf jeder Seite oben und unten.

Woher der Begriff "Weisheitszähne" stammt, ist nicht genau bekannt. Vermutlich ist die Bezeichnung entstanden, weil die Weisheitszähne erst deutlich später als alle anderen Zähne durchbrechen; zu einem Zeitpunkt, an dem die Jugendlichen schon etwas älter sind – und möglicherweise auch weiser.

Das Gebiss eines Erwachsenen

Weisheitszähne ziehen oder nicht?

Wann muss der Zahnarzt meine Weisheitszähne entfernen? Die Entscheidung ""Weisheitszähne ziehen oder nicht" ist immer vom Einzelfall abhängig, so zum Beispiel davon, ob Schmerzen bestehen, aber auch vom allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten.

Um sich ein genaues Bild zu machen, wird der Zahnarzt das Gebiss gründlich untersuchen und ein Röntgenbild anfertigen. So kann er feststellen, ob sich die Weisheitszähne voraussichtlich gesund entwickeln können, ohne dass es zu Komplikationen kommt – oder ob er sie lieber entfernen sollte.

Zudem kann der Arzt im Röntgenbild erkennen, ob an den Weisheitszähnen oder in ihrer Umgebung krankhafte Veränderungen vorliegen oder in Zukunft zu erwarten sind. Ist dies der Fall, könnte möglicherweise ein operativer Eingriff notwendig sein.

© Jupiterimages/iStockphoto
Im Röntgenbild erkennt der Zahnarzt, ob sich die Weisheitszähne normal entwickeln oder ob er sie ggf. entfernen muss.

Das Entfernen eines Weisheitszahns kann angebracht sein, wenn …

Ob man Weisheitszähne "ziehen" muss oder nicht, ist jedoch letztlich immer eine Entscheidung, die der Zahnarzt zusammen mit dem Patienten treffen muss und bei der viele individuelle Faktoren berücksichtigt werden müssen.

Bei Erkrankungen eines Weisheitszahns (z.B. Entzündungen), Erkrankungen umliegender Zähne und Gewebe wird empfohlen, den Zahn zu entfernen. Wenn Weisheitszähne eine anstehende Behandlung stören würden, etwa beim Kieferorthopäden, kann ein operativer Eingriff ebenfalls nötig sein.

Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, Weisheitszähne zu entfernen, wenn ein langer Auslandsaufenthalt bevorsteht, insbesondere in Regionen mit schlechter medizinischer Versorgung.

In der Regel kann ein Weisheitszahn bleiben, wenn …

Weisheitszähne entfernen

Einen nicht oder nur teilweise durchgebrochenen Weisheitszahn operiert der Arzt in den meisten Fällen in einem ambulanten Eingriff unter örtlicher Betäubung heraus. Sollen mehrere Weisheitszähne raus, kann dies entweder in einer Sitzung geschehen oder auch in mehreren Einzelsitzungen. Manchmal wird der behandelnde Arzt vor dem Eingriff beruhigende Medikamente verabreichen, etwa, wenn der Betroffene starke Angst vor dem Eingriff hat.

Selten kann eine Operation auch stationär und in Vollnarkose sinnvoll sein, zum Beispiel bei Patienten mit schweren Erkrankungen oder bei Personen, die zu Blutungen neigen. Aber auch für Menschen, die an einer ausgeprägten Zahnarztangst (Dentalphobie) leiden, kommt eine Vollnarkose infrage.

Klären Sie offene Fragen zur Weisheitszahn-OP mit Ihrem Zahnarzt. Er kann Ihnen erklären, wie die Operation im Detail ablaufen wird.

Risiken

Wie bei jedem Eingriff ist auch eine Weisheitszahn-OP mit Risiken verbunden. Neben allgemeinen Risiken, die bei jeder Operation auftreten können – etwa stärkere Blutungen –, können weitere Probleme auftreten. Hierzu zählen etwa:

Nach der Operation

© Jupiterimages/iStockphoto
Kühlen, kühlen, kühlen.

Nach der Weisheitszahn-Operation bereitet das Essen oft noch für einige Tage Probleme: Der Mundbereich ist geschwollen und der Patient kann den Mund nicht so weit öffnen wie sonst. Auch können Schmerzen auftreten, die jedoch meist rasch wieder abklingen und mit Schmerzmitteln in der Regel gut in den Griff zu bekommen sind.

Viele Patienten kühlen die betroffene Kieferseite nach dem Eingriff, um die Schwellung zu lindern, manche spülen den Mund mit dem antibakteriellen Wirkstoff Chlorhexidin oder mit Mundwasser.

Wenn die Schmerzen und die Schwellung nach vier bis fünf Tagen wiederkehren oder stärker werden, sollten Sie sicherheitshalber den Zahnarzt aufsuchen – es könnte sein, dass sich der schützende Wundpfropf gelöst hat, sodass die Wunde ungeschützt ist (sog. trockene Alveole).

Nach der Operation sollten Sie einige Tage auf große körperliche Anstrengungen verzichten.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Online-Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV): www.kzbv.de (Abrufdatum: 1.7.2015)

Kunkel, M.: Patienteninformation: Operative Entfernung von Weisheitszähnen. Bundeszahnärztekammer, Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Online-Publikation (Januar 2013)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Stand: 18.6.2014)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG): Operative Entfernung von Weisheitszähnen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 007-003 (Stand: Dezember 2012)

Stand: 15. Dezember 2016