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Zahnerhaltung

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin

Zur Zahnerhaltung zählen alle vorbeugenden und therapeutischen Maßnahmen, die den Zahn in seiner Form und Funktion erhalten oder wiederherstellen, ohne ihn durch ein künstliches Produkt zu ersetzen.

Allgemeines

Die Zahnerhaltungskunde umfasst folgende – sogenannte konservierende – Teilgebiete:

Ein künstlicher Zahn ist niemals so gut wie ein gesunder, natürlicher Zahn. Daher spielen die Erhaltung der Zahngesundheit und vorbeugende Maßnahmen eine sehr wichtige Rolle in der Zahnmedizin.

Besonders Zahnfüllungen kommen häufig zum Einsatz, denn viele Menschen haben Zahndefekte, etwa infolge von Karies. Diese Zahndefekte versorgt der Zahnarzt in der Regel mit einer Zahnfüllung. Hierzu nutzt er verschiedene Materialien. Sehr bekannt sind sogenannte plastische Zahnfüllungen, zum Beispiel mit Amalgam. Aber auch eine Zahnfüllung mit Kunststoffen oder Zement ist möglich.

Die Zahnfüllung verschließt nicht nur das Loch in der Zahnsubstanz, sie schützt den Zahn auch davor, dass sich erneut Karies bildet. Außerdem verhindert sie Zahnschmerzen, denn die Nervenendigungen im Zahn sind durch die Zahnfüllung wieder gut vor äußeren Reizen (z.B. Kältereiz) geschützt. Durch eine Zahnfüllung ist auch das Kauen wieder einwandfrei möglich.

Eine andere Form der Zahnerhaltung sind Einlagefüllungen, auch Inlays oder Onlays genannt. Der Zahntechniker stellt diese im Labor her und der Zahnarzt legt sie anschließend passend in das Zahnloch ein. Zuvor ist es dabei meist nötig, den Zahn etwas zu beschleifen und einen Gebissabdruck zu nehmen. Im Zahnlabor wird daran das passgerechte Stück angefertigt.

Nicht zuletzt verfolgt die Zahnerhaltung auch ein ästhetisches Ziel, damit das sanierte Gebiss nicht nur gesund, sondern auch optisch ansprechend ist.

Bei der Zahnerhaltung geht es darum, die natürlichen Zähne so lange wie möglich zu erhalten. Dabei steht neben der Zahngesundheit auch ein ästhetisches Gebiss im Vordergrund der Behandlung.

Kariesentfernung mit Laser

Bei Karies siedeln sich Bakterien auf dem Zahn an und schädigen die Zahnsubstanz durch ihre säurehaltigen Ausscheidungen. Diese Schäden der Zahnsubstanz muss der Zahnarzt sorgfältig entfernen, bevor er den kariösen Zahn mit einer Füllung verschließen kann. Neben der klassischen Methode mit dem Bohrer, die für viele Menschen mit unangenehmen Gefühlen und Angst verbunden ist, gibt es heutzutage auch eine spezielle Laser-Behandlung. Da eine Laserbehandlung fast geräuschlos und mit deutlich weniger Schmerzen verbunden ist als die klassische Methode, ist meistens keine Betäubung nötig. Der Laser verursacht am Zahn lediglich ein leichtes Pochen.

Der Laser strahlt einen hoch gebündelten, energiereichen Lichtstrahl aus, den der Zahnarzt bei der Kariesbehandlung in kurzen Impulsen einsetzt. Das Licht bewirkt im kariösen Zahngewebe mit jedem Impuls winzige "Explosionen". Der Lichtstrahl löst dadurch die erkrankte Substanz aus dem Zahn – er pulverisiert sie förmlich, sodass sie sich danach einfach wegspülen lässt. Der Laser versiegelt auch kleine sogenannte Dentinkanälchen in der Zahnsubstanz, die durch das Abtragen des kariösen Materials freigelegt wurden. Außerdem tötet der Laser die nicht sichtbaren Kariesbakterien ab. So ist die Wahrscheinlichkeit einer sogenannten Sekundärkaries, die unter der Füllung erneut auftritt, geringer und die Voraussetzungen für die Zahnerhaltung sind optimal.

Ein weiterer Vorteil des Lasers liegt darin, dass nur erkrankte Zahnsubstanz auf den Lichtstrahl reagiert. Bei der Behandlung geht deshalb kein gesundes Material verloren. Ist das durch die Karies geschädigte Zahnmaterial komplett entfernt, nutzt der Zahnarzt den Laser dazu, die Innenflächen des entstanden Lochs mit dem Laser aufzurauen. Anschließend verschließt er den Defekt mit geeignetem Füllmaterial (z.B. Kunststoff).

Zahnfüllung

Hat der Zahnarzt die Karies entfernt, nutzt er zur Zahnerhaltung eine Zahnfüllung, die das entstandene Loch in der Zahnsubstanz wieder verschließt. Die Zahnfüllung schützt davor, dass sich erneut Karies bildet. Außerdem verhindert sie Zahnschmerzen, denn die Nervenendigungen im Zahn sind durch die Zahnfüllung wieder gut vor äußeren Reizen (z.B. Kältereiz) geschützt. Zudem ermöglicht die Zahnfüllung wieder die Kaufunktion und sorgt für ein optisch ansprechendes Gebiss.

Je nachdem, welcher Zahn betroffen ist, wo der Schaden am Zahn genau sitzt und wie groß das Loch in der Zahnsubstanz ist, kommen unterschiedliche Füllungsmaterialien infrage. Der Zahnarzt wählt also jeweils das passende Material für eine Behandlung aus, das im individuellen Fall für eine optimale Zahnerhaltung sorgt.

Mögliche Füllstoffe sind:

Welches Material jeweils am ehesten geeignet ist, richtet sich zum Beispiel nach den physikalischen Eigenschaften – dazu gehören unter anderem die Haltbarkeit und die Belastbarkeit des Füllmaterials.

© Jupiterimages/Digital Vision
Zahnfüllungen zählen zu den Routineeingriffen.

Bei der Wahl des Materials berücksichtigt der Zahnarzt aber auch das äußere Erscheinungsbild ("Zahnästhetik ") und die Kosten. Neben den individuellen Erfahrungen des behandelnden Arztes spielen außerdem auch Besonderheiten des Patienten eine Rolle, etwa Allergien gegen bestimmte Materialien, Alter und Gebisszustand. Alle Füllungsmaterialien besitzen Vor- und Nachteile, die Zahnarzt und Patient im Einzelfall gemeinsam durchsprechen und abwägen.

In den letzten Jahren hat die medizinische Forschung eine Reihe von neuen Produkten für eine Zahnfüllung hervorgebracht, zum Beispiel Kompomere (Mischung aus Kunststoff und Glasionomer-Zement) oder Polyglass. Da es aber bislang noch wenig Langzeiterfahrung mit diesen Materialien gibt, kann man noch nicht komplett beurteilen, wie sich die neuen Füllungsmaterialien in der Praxis bewähren und welche Vorteile sie mit sich bringen. Sie können aber mit Ihrem Zahnarzt besprechen, für wie verlässlich er die neuen Werkstoffe im Einzelfall hält und ob sie für Ihren individuellen Fall infrage kommen.

Typische Materialien bei kleinen Zahnfüllungen sind:

Typische Materialien bei großen Zahnfüllungen:

Kunststoffe

Moderne Kunststoffe sind aufgrund der möglichen Annäherung an die individuelle Zahnfarbe kosmetisch sehr vorteilhaft. Sie besitzen einen hohen Grad an Lichtdurchlässigkeit und -reflexion, die den Schein des natürlichen Zahns gut nachahmen. Außerdem lassen sie sich als plastisches, formbares Material direkt im Mund modellieren.

Die Kunststoffe härten durch sogenanntes Kaltlicht aus. Der Zahnarzt hält dazu direkt nach dem Fertigstellen eine Speziallampe in den Mund des Patienten, sodass die Zahnfüllung dadurch sofort belastbar ist. Andere Kunststoffe härten über eine chemische Reaktion aus, die durch den Kontakt zweier unterschiedlicher Substanzen entsteht. Der Zahnarzt mischt also, wenn er damit das Zahnloch auffüllen möchte, zwei Kunststoff-Komponenten zusammen.

Die Forschung hat viele verschiedene Kunststoff-Variationen entwickelt. Mit ihrer unterschiedlichen Konsistenz, Haltbarkeit und Belastbarkeit stehen sie als Füllungsmaterialien für kleine und große Defekte im Front- und Seitenzahnbereich zur Verfügung. Eine Grundvoraussetzung ist allerdings, dass der Zahnarzt während der Behandlung den Bereich der Zahnfüllung komplett trocken legen kann, da sonst eine Aushärtung nicht gelingt oder die Füllung sogar wieder herausfällt. Darüber hinaus sind Kunststoff-Füllungen in Backenzähnen nur dann möglich, wenn der zu füllende Bereich rundherum von gesunder Zahnsubstanz – gewissermaßen von einem Zahnring – umgeben ist.

Im Vergleich zu anderen sogenannten plastischen Materialien, wie Amalgam und Zement, sind der Aufwand bei der Verarbeitung und die Kosten von Kunststofffüllungen höher. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen Füllungen aus Kunststoff in der Regel nicht. Nur in Ausnahmefällen, wenn ein ärztliches Attest über eine Quecksilber-Allergie oder über ein schweres Nierenleiden vorliegt, werden die Kosten erstattet. Wer sich dennoch für eine Kunststofffüllung entscheidet, kann eine sogenannte Mehrkostenvereinbarung mit der gesetzlichen Krankenkasse treffen. Hierbei beteiligt sich die gesetzliche Krankenkasse anteilig an den Kosten für eine Zahnfüllung aus Kunststoff. Der Zuschuss liegt in Höhe des Betrags, den eine einfache Amalgamfüllung kosten würde. Darüber hinausgehende Kosten muss der Versicherte jedoch selbst tragen.

Amalgam & Zement

Amalgam

Amalgam ist das am längsten bekannte und verwendete Füllungsmaterial in der Zahnerhaltung. Es wird im verformbaren Zustand in den Zahn eingebracht und härtet dort nach etwa 20 Minuten aus. Nach einer Stunde hält die Füllung der Belastung durch Kauen stand. Der Quecksilbergehalt von Amalgam hat immer wieder Anlass zu Diskussionen gegeben und viele Patienten verunsichert, ob Amalgamfüllungen ihrer Gesundheit schaden könnten. Wissenschaftlich lässt sich eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch Amalgamfüllungen aber bis heute nicht bestätigen. Aufgrund seines günstigen Preises, guter Verarbeitungseigenschaften und langer Haltbarkeit ist Amalgam nach wie vor der bevorzugte Füllstoff bei Zahnschäden im nicht sichtbaren Bereich des Gebisses.

Zement

Zemente sind Substanzen, die durch Anrühren von Pulver und Flüssigkeit über einen formbaren Zustand in eine feste Masse übergehen. Es gibt zahlreiche verschiedene Zementarten, die Zahnmediziner bei der Zahnerhaltung nutzen. Sie sind im Allgemeinen als Übergangslösung beziehungsweise für Zahnfüllungen im Milchzahngebiss gedacht. Außerdem eignen sie sich als Aufbau von Kronen und Gold-Inlays sowie als Unterlage für andere Füllmaterialien bei sehr großen Defekten im Zahn. Diese sogenannten Unterfüllungen sollen Zahnschmerzen vorbeugen, in dem sie den Zahnnerv vor chemischen Reizen schützen und ihn gegenüber hohen beziehungsweise tiefen Temperaturen isolieren.

Kurz nach dem Einfüllen des Zements in tiefere Zahndefekte kann der niedrige pH-Wert der Substanz beim Patienten einen Schmerz auslösen. Verwendet man ausschließlich Zement zur Zahnerhaltung, ist außerdem nicht gewährleistet, dass die Füllung lange hält: Vor allem im Bereich der Kauflächen reibt sich der Zement schnell ab. Farblich ist zwar eine gewisse Anpassung an den Zahn möglich, gehobenen ästhetischen Ansprüchen wird dieses Füllungsmaterial jedoch nicht gerecht.

Einlagefüllungen

Einlagefüllungen (Inlays oder Onlays) sind Zahnfüllungen, die der Zahntechniker im Labor herstellt und der Zahnarzt dann passend in das Zahnloch einlegt. Zuvor ist es dabei meist nötig, den Zahn etwas zu beschleifen, also gesunde Substanz zu entfernen. Dann nimmt der Zahnarzt vom Gebiss des Patienten einen Abdruck. Im Zahnlabor wird daran das passgerechte Stück angefertigt.

Einlagefüllungen haben eine wesentlich längere Haltbarkeit als plastische Füllungen, die im Mund modelliert werden und dort aushärten. Der Zahntechniker kann die Oberfläche eines In- oder Onlays auch feiner und genauer bearbeiten, sodass sie eher dem Kaurelief des natürlichen Zahns entspricht. Für die Zahnerhaltung mittels Einlagefüllungen (Inlays oder Onlays) bieten sich folgende Materialien an:

Vor- und Nachteile ergeben sich jeweils aus ihrer Farbe, Härte oder der notwendigen Beschleifung des Zahns. Beispielsweise kann sich ein Inlay aus Keramik sehr schön in Farbe und Oberfläche an das natürliche Aussehen der Zähne anpassen – allerdings ist dieses Material sehr hart und spröde, was zu Absplitterungen oder Abrieb am Gegenzahn führen kann. Gold-Inlays werden mit Zement am Zahn befestigt. Einlagefüllungen aus Kunststoff oder Keramik benötigen als Unterlage allerdings Kunststoff, der unterhalb des Zahnfleischs manchmal schlecht aushärtet. Die Vor- und Nachteile des jeweiligen Materials machen sich bei verschiedenen Zahndefekten mehr oder weniger stark bemerkbar, sodass Zahnarzt und Patient immer die im Einzelfall beste Lösung besprechen sollten.

Einlagefüllungen sind aufgrund ihrer Herstellungskosten recht teuer. Die Preise schwanken je nach verwendetem Material, der Größe und der Lage des zu behandelnden Zahns. Die Behandlungskosten für diese Form der Zahnerhaltung muss der gesetzlich versicherte Patient selbst tragen, da die gesetzlichen Krankenkassen davon ausgehen, dass eine Amalgamfüllung zur Gesunderhaltung des Zahns ausreichend ist. Bezahlt wird lediglich ein Zuschuss in Höhe der Kosten, die eine vergleichbare Amalgamfüllung verursacht hätte.

Inlays aus Gussmetallen haben eine sehr gute Haltbarkeit von 10 bis 15 Jahren oder mehr. Bei Inlays oder Onlays aus Keramik oder Kunststoff liegen weniger Langzeiterfahrungen vor.

Goldhämmerfüllungen

Die Goldhämmerfüllung ist inzwischen zur Rarität geworden. Bei dieser Technik bringt der Zahnarzt das Gold mittels einer Klopftechnik schichtweise direkt in das Zahnloch ein und poliert am Schluss der Behandlung die Oberfläche an.

Goldhämmerfüllungen sind geeignet für kleine Zahnschäden und an Stellen des Gebisses, die keiner hohen Belastung ausgesetzt sind. Goldhämmerfüllungen sind bei der heutigen Zahnerhaltung jedoch fast vollständig durch Kunststoffe verdrängt.

Weitere Informationen

Quellen:

Was die Krankenkasse übernimmt. Online-Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung: www.kzbv.de (Abruf: 12.8.2015)

Welche Zahnfüllungen gibt es? Online-Informationen der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung: www.kzbv.de (Abruf: 12.8.2015)

Metalle im Mund. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: www.dgzmk.de (Stand: 3.11.2014)

Zahnärztliche Füllungsmaterialien. Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde: www.dgzmk.de (Stand: 3.11.2014)

Amalgam, andere Zahnfüllungen und Zahnersatz: Risikomaterial im Mund? Online-Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, Krebsinformationsdienst KID: www.krebsinformationsdienst.de (Stand: 7.12.2011)

Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003

Letzte inhaltliche Prüfung: 12.08.2015
Letzte Änderung: 12.08.2015