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Schäden durch Lärm

Letzte Änderung:
Verfasst von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Schäden durch Lärm sind keine Seltenheit. Ob Presslufthammer, Straßenbahn oder eher leise Geräusche wie das Ticken einer Uhr oder ein tropfender Wasserhahn – der Mensch ist einer permanenten Geräuschkulisse ausgesetzt, welcher er kaum entfliehen kann. Schnell kann man den hörbaren Schall als störend empfinden; in diesem Fall spricht man von Lärm.

Allgemeines

Lärm beeinträchtigt nicht nur das subjektive Wohlbefinden, sondern kann auch gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit haben und entsprechende Schäden nach sich ziehen. Als besonders belastend wird beispielsweise der Lärm im Straßenverkehr empfunden – etwa zwei Drittel der Deutschen fühlen sich davon belästigt. Aber auch Flugzeuge und Fahrzeuge des Schienenverkehrs verursachen Geräusche, die die meisten Menschen als unangenehm empfinden und zu Schäden führen können.

Im Berufsleben muss man ebenfalls oft laute Geräusche ertragen; insbesondere Personen, welche beispielsweise in der Metallindustrie oder im Tiefbau arbeiten, leiden daher häufig unter Hörschäden. Und auch in der Freizeit kann der Geräuschpegel erheblich anwachsen, so zum Beispiel in der Diskothek, auf einer Party oder im Konzert.

Was ist Lärm?

Als Lärm bezeichnet man Schall, den ein Mensch als unerwünscht, störend oder belästigend empfindet. Ab wann man etwas als Lärm bezeichnet, kann objektiv nicht festgelegt werden; vielmehr hängt es von der jeweiligen Person ab, die der Geräuschkulisse ausgesetzt ist. Starke Lärmbelastungen können zum Beispiel durch Flugzeuge, in der Industrie oder im Straßenverkehr entstehen.

Je nach Art des Geräuschs, der Lautstärke und der Einwirkzeit kann sich Lärm negativ auf das psychische, physische und soziale Wohlbefinden auswirken.

Lärmpegel

Wie hoch ist der Lärmpegel eines Geräuschs? Schall ist zwar objektiv messbar und wird mit der Messgröße Dezibel (dB) angegeben. Da der Mensch jedoch nicht auf alle Tonhöhen gleichermaßen empfindlich reagiert, gibt es einen Beurteilungspegel, welcher diese Tatsache berücksichtigt. Anhand von Bewertungskurven bezeichnet man die am häufigsten benutzten Frequenzkurven als A, die mittleren Frequenzen im hörbaren Bereich des Lärmpegels werden dabei stärker berücksichtigt. Daher wird der Beurteilungspegel in (dB(A)) angegeben.

Beurteilungspegel von Geräuschen

Schalldruckpegel Beispiel
­ 10 dB(A) Tickende Armbanduhr
­ 30 dB(A) Flüstern
­ 50 dB(A) Musik in Zimmerlautstärke, normale Unterhaltung
­ 70 dB(A) Rasenmäher
­ 80 dB(A) Vorbeifahrender PKW
­ 100 dB(A) Motorsäge
­ 120 dB(A) Presslufthammer, Musik in der Diskothek

Bereits Lärmpegel ab 30 dB(A) können – abhängig von der individuellen Empfindsamkeit einer Person – den Schlaf und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, wenn sie permanent vorhanden sind. Nicht zuletzt reagiert jeder Mensch unterschiedlich sensibel auf Geräusche. Ab etwa 90 dB(A) kann es bei dauerhafter Lärmeinwirkung zu einer nicht heilbaren Schädigung des Innenohrs kommen. Ab Werten von etwa 120 dB(A) besteht die unmittelbare Gefahr eines organischen Schadens.

Folgen von Lärm

Die Folgen von Lärm können gravierend sein. Lärm hat Auswirkungen auf den ganzen Organismus: Der Blutdruck steigt, die Pupillen erweitern sich und die Atem- und Herzfrequenz erhöht sich. Zudem kann man Veränderungen der Hirnströme, der Muskelaktivität und des elektrischen Hautwiderstands messen. Die Magensaft- und Speichelproduktion wird reduziert. Einzelne sehr laute Geräusche, wie zum Beispiel Explosionen oder Detonationen von mehr als 140 dB(A), können zu einer Schwerhörigkeit oder einem Hörverlust führen. Aber auch dauerhafter Lärm mit niedrigerem Geräuschpegel kann gesundheitliche Folgen haben.

Folgen dauerhaften Lärms

Ist eine Person über einen längeren Zeitraum hinweg Lärm ausgesetzt, kann dies erhebliche Folgen für die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit haben. Auch im Schlaf nimmt das Ohr permanent Geräusche im hörbaren Bereich auf und verarbeitet diese. Da Lärm den Organismus aktiviert, haben viele Betroffene Probleme mit dem Einschlafen. Geräusche verkürzen die wichtige sogenannte REM-Phase während des Schlafs, sodass die Erholungsphase eingeschränkt ist. Kopfschmerzen und Gereiztheit können unter anderem die Folge sein. Schon beständige Geräuschpegel ab 30 dB(A) können Schlafprobleme zur Folge haben. Dies entspricht in etwa einer Unterhaltung im Flüsterton. Ab 45 dB(A) – derartige Pegel nimmt man normalerweise bei Zimmerlautstärke wahr – scheiden schlafende Personen vermehrt Stresshormone aus. Je länger und stärker die Beschallung, desto kürzer die REM-Phase und desto länger benötigt man, um einzuschlafen.

Länger andauernder Lärm kann beispielsweise zu folgenden Beschwerden und Reaktionen führen:

Kinder können Angstsymptome entwickeln, so zum Beispiel eine erhöhte Schreckhaftigkeit. Zudem kann Lärm die Artikulation und Sprache stören sowie die intellektuelle Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Lärmschwerhörigkeit

Gerade Personen, welche beruflich einem hohen Geräuschpegel ausgesetzt sind, laufen Gefahr, eine Lärmschwerhörigkeit zu entwickeln. Etwa fünf Millionen Menschen arbeiten in Berufen, in denen das Risiko für Lärmschwerhörigkeit erhöht ist. Dabei sterben die feinen Haarzellen im Innenohr nach und nach ab, sodass sich die Hörfähigkeit immer weiter reduziert. Von Lärmschwerhörigkeit Betroffene können zudem immer schwerer zwischen Hintergrundgeräuschen und wichtigen Geräuschen unterscheiden.

Die Aufgabe der Haarzellen ist es, im Innenohr Schallwellen in elektrische Signale umzuwandeln und diese Informationen an das Gehirn weiterzuleiten. Die Haarzellen können sich nicht wieder regenerieren, sodass der entstandene Schaden bei einer Lärmschwerhörigkeit nicht wieder rückgängig gemacht werden kann.

Lärm beheben

Nicht immer ist es möglich, Lärm zu beheben und einer Lärmquelle völlig zu entkommen. Lärmschutzkopfhörer und Gehörschutzstöpsel können vor lästigen Geräuschen schützen, jedoch empfinden einige Personen die verstärkte Wahrnehmung der eigenen Körpergeräusche, wie zum Beispiel den Pulsschlag, als störend. Spezielle Schallschutzwände und -fenster schirmen Geräusche von außen zudem weitgehend ab.

Rechtliche Grundlagen

Eine einheitliche rechtliche Grundlage zum Thema Lärmschutz existiert bislang nicht. Vielmehr gibt es unterschiedliche gesetzliche Richtlinien, in welchen Grenzwerte für verschiedene Lärmquellen und -arten festgelegt wurden. Für manche Lärmursachen gibt es keine gesetzlichen Regelungen.

Lärm am Arbeitsplatz

Schätzungsweise fünf Millionen Menschen leiden unter Lärm am Arbeitsplatz mit einer gesundheitsschädlichen Geräuschkulisse von über 85 dB(A). Personen, welche aus beruflichen Gründen einem hohen Geräuschpegel ausgesetzt sind, sind besonders gefährdet, aufgrund des Lärms beeinträchtigt zu werden. In der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (LärmVibrationsArbSchV) hat die Bundesregierung in Anlehnung an die EU-Richtlinien festgelegt, dass bei Lärm am Arbeitsplatz bestimmte Grenzwerte eingehalten werden müssen, um einen ausreichenden Lärmschutz zu gewährleisten. Das Gesetz sieht vor, dass ein Lärmpegel von 80 dB(A) nicht überschritten werden darf – andernfalls ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem Arbeitnehmer einen Gehörschutz zur Verfügung zu stellen.

Lärm im Straßenverkehr

Lärm im Straßenverkehr empfinden viele Menschen als belastend. Durch verbesserte Straßenbeläge und optimierte Technik sind Autos, Busse und Bahnen zwar insgesamt leiser geworden, durch das erhöhte Verkehrsaufkommen wurde der Geräuschpegel jedoch nicht verringert. Beim Bau neuer Straßen beziehungsweise Veränderungen an Straßen schreibt die Verkehrslärmschutzverordnung bestimmte Grenzwerte vor. So darf in allgemeinen Wohngebieten der Wert von 59 dB(A) tagsüber nicht überschritten werden; in der Nacht gilt ein Grenzwert von 49 dB(A). Für ältere Straßen gelten diese Richtlinien allerdings nicht.

Zudem werden in Anlehnung an die 2002 ins Leben gerufene Umgebungslärmrichtlinie für Hauptverkehrsstraßen sogenannte Lärmkarten erstellt. Die Lärmkarten stellen dar, wie hoch der Geräuschpegel auf einer Straße ist und dienen der schrittweisen Einführung von Maßnahmen zur Minderung des Lärms.

Baulärm

Baulärm kann das Wohlbefinden erheblich einschränken. In der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm sind Richtlinien mit Grenzwerten für Baulärm festgehalten. So sollte der Geräuschpegel durch Bauarbeiten in einem Wohngebiet tagsüber Werte von 55 dB(A) nicht überschreiten. Nachts gilt der Baulärm-Grenzwert von 40 dB(A). Bei lauteren Geräuschen muss die Aufsichtsbehörde entsprechende Betriebszeiten festlegen oder für ausreichend Schutzmaßnahmen sorgen.

Das können Sie tun

Jeder Einzelne kann viel dazu beitragen, um sich oder andere vor Schäden durch Lärm zu schützen.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2010)

Online-Informationen des Umweltbundesamts: www.umweltbundesamt.de (Stand: 10.08.2010)

Online-Informationen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: www.baua.de (Stand: November 2009)

Lärm im Alltag. Online-Publikation der Deutschen Gesellschaft für Akustik e.V. (DEGA): www.tag-gegen-laerm.de (Stand: Juni 2007) Online-Publikation (Juni 2007)

Lärm: Krach, der uns krank macht. Online-Informationen des Helmholtz Zentrum München – FLUGS-Fachinformationsdienst: www.helmholtz-muenchen.de (Stand: 14. Juni 2007)

Online-Informationen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales: www.bmas.de (Stand: 09.03.2007)

Reichl, F.: Taschenatlas der Toxikologie. Substanzen, Wirkungen, Umwelt. Thieme, Stuttgart 2002

Letzte inhaltliche Prüfung: 03.01.2011
Letzte Änderung: 03.12.2018