Weltkugel mit Spritzen und Pillen
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Internationaler Gesundheitsnotstand

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am 30.1.2020 wegen des neuartigen Coronavirus 2019-nCoV den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Wir erklären, was das bedeutet und was für Folgen es hat.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Internationaler Gesundheitsnotstand: Was bedeutet das?

Was ist der internationale Gesundheitsnotstand?

2005 haben 196 Länder gemeinsam die sogenannten "International Health Regulations (IHR)" erarbeitet. Mit dieser Vereinbarung haben sich die Länder dazu verpflichtet, im Falle einer Krise zusammenzuarbeiten, um die weltweite Bevölkerung vor gesundheitlichen Gefahren zu schützen.

Die Maßnahme war eine Reaktion auf die Erreger SARS (Ausbruch 2002/2003) und H5N1 (Vogelgrippe, Ausbruch 2004), die sich länderübergreifend ausbreiteten. Die International Health Regulations sind völkerrechtlich verbindlich. Sie gilt nicht nur für Infektionskrankheiten, sondern beispielsweise auch nach Chemieunfällen.

Im Fall des aktuellen Coronavirus-Ausbruchs bedeutet das: Die beteiligten Länder müssen der WHO sämtliche Krankeitsfälle melden und alle nötigen Informationen transparent weiterleiten.

Die Weltgesundheitsorganisation koordiniert die notwendigen Maßnahmen, um die Länder bei ihrer Arbeit zu unterstützen und eine Epidemie zu verhindern oder einzudämmen.

Wann ruft die WHO einen Gesundheitsnotstand aus?

Der "Notfall für die öffentliche Gesundheit von internationalem Ausmaß" (PHEIC), wie er offiziell heißt, kann ausgerufen werden, wenn es sich um eine plötzlich aufgetretene, außergewöhnliche Situation handelt, die

  • eine potenzielle globale Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstellt und
  • auf die unter Umständen schnell international reagiert werden muss.

Im Fall von 2019-nCoV hat sich die WHO dazu entschieden, den Gesundheitsnotstand auszurufen, weil sich mittlerweile Menschen auch außerhalb von China angesteckt haben. Auf diesem Wege will die WHO vor allem verhindern, dass sich das Virus in Entwicklungsländern ausbreitet, denen es an Ressourcen fehlt, um angemessen zu reagieren.

Wer entscheidet darüber, ob der internationale Gesundheitsnotstand ausgerufen wird?

Ein Notfallkomitee aus internationalen Experten wie beispielsweise Virologen und Epidemiologen und mindestens einem Vertreter des betroffenen Landes berät sich und erstellt eine Empfehlung für den Direktor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus. Dieser entscheidet dann darüber, ob der Notstand ausgerufen wird.

In welchen Fällen hat die WHO bislang den Gesundheitsnotstand ausgerufen?

Insgesamt hat die WHO den internationalen Gesundheitsnotstand nach 2005 sechsmal ausgerufen:

Der internationale Gesundheitsnotstand wurde ausgerufen – was bedeutet das?

Der Gesundheitsnotstand ermöglicht es, Maßnahmen wie Quarantäne, Grenzschließungen und Einschränkungen im Reiseverkehr und Handel international zu koordinieren, damit sich ein Erreger nicht weiter ausbreitet.

Die Weltgesundheitsorganisation überwacht die Situation, sammelt und bewertet Daten aus den betroffenen Ländern, leitet Informationen weiter und entscheidet, welche Maßnahmen erforderlich sind.

Wie lange besteht der internationale Gesundheitsnotstand?

Der Gesundheitsnotstand gilt zunächst für drei Monate. Dann berät sich der Notfallausschuss erneut und die WHO entscheidet darüber, ob der Ausnahmezustand beibehalten wird.