Für Männer ab 65: Die Aneurysma-Früherkennung

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (10. Januar 2018)

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Wenn ein Aneurysma im Bauchbereich reißt, bedeutet das akute Lebensgefahr. Seit Anfang 2018 haben gesetzlich versicherte Männer ab 65 Anspruch auf eine kostenlose Früherkennungsuntersuchung. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Was ist ein Aneurysma und warum kann es gefährlich sein?

Ein Aneurysma ist eine krankhafte Erweiterung einer Arterie. Die Gefäßwand weitet sich an einer Stelle immer mehr aus. Meist entsteht ein Aneurysma durch Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose). Die Gefäßwände verlieren dabei nach und nach an Elastizität.

Besonders häufig bilden sich Aneurysmen an der Hauptschlagader (Aorta) im Bauchraum. Mediziner sprechen von einem Bauchaortenaneurysma.

Schätzungen zufolge hat 1 von 100 Personen ein Bauchaortenaneurysma. Und das meist, ohne etwas davon zu bemerken: In der Regel verursacht die Gefäßerweiterung keine Symptome.

Zum Problem wird ein Aneurysma erst, wenn das Gefäß so sehr gedehnt ist, dass es reißt. Ein solcher Aortenriss (Aortenruptur) im Bauchbereich macht sich durch plötzliche, starke Schmerzen im Rücken, im Bauch und/oder in der Seite bemerkbar. Durch den hohen Blutverlust kann der Kreislauf zusammenbrechen. Ein Aortenriss kommt zwar relativ selten vor – tritt dieser Fall jedoch ein, ist er akut lebensbedrohlich.

Durch die Früherkennung können Bauchaortenaneurysmen rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Die Kassenleistung richtet sich an alle Männer ab 65.

Beim Bauchaortenaneurysma dehnt sich die Bauchschlagader immer mehr. Im schlimmsten Fall reißt sie. © iStock

Beim Bauchaortenaneurysma dehnt sich die Bauchschlagader immer mehr. Im schlimmsten Fall reißt sie.

Was passiert bei der Früherkennung?

Ein Bauchaortenaneurysma kann der Hausarzt durch eine Ultraschalluntersuchung feststellen. Auch Urologen, Radiologen, Internisten oder Chirurgen dürfen die Untersuchung durchführen, sofern sie eine entsprechende Genehmigung von der Kassenärztlichen Vereinigung haben. "Die Untersuchung ist absolut schmerzlos", versichert Chirurg und Phlebologe (Venenspezialist) Dr. Jan-Peter Siegers. Er ist Chefarzt am Venenzentrum Elbe-Weser des Capio Krankenhauses Land Hadeln.

Bei den meisten Männern ist die Bauchschlagader bei der Untersuchung unauffällig. Das bedeutet: Der Durchmesser der Aorta ist kleiner als drei Zentimeter. Nur bei rund 20 von 1.000 untersuchten Männern liegt der Wert höher. Dann sprechen Ärzte von einem Bauchaortenaneurysma.

Warum haben nur ältere Männer Anspruch auf die Früherkennung?

Gesetzlich versicherte Frauen sind von der neuen Regelung ausgeschlossen – was vor allem mit der Erkrankungswahrscheinlichkeit zu tun hat. "Statistisch gesehen sind Männer wesentlich häufiger betroffen als Frauen", erklärt Siegers.  

"Besonders gefährdet sind Männer, die bestimmte Risikofaktoren aufweisen. Dazu zählen etwa Übergewicht, Rauchen, erhöhte Blutfette, Diabetes und Bluthochdruck." Jan-Peter Siegers, Phlebologe und Chirurg

Dass sich das Angebot nur an ältere Männer richte, liege daran, dass das Risiko für ein Aneurysma im Laufe des Lebens zunähme. "Das therapiebedürftige Bauchaortenaneurysma tritt meist bei älteren Patienten auf, da es über Jahre bis Jahrzehnte langsam wächst", erläutert Siegers.

Sinnvolle Untersuchung oder unnötige Panikmache?

In den allermeisten Fällen ist ein Aneurysma harmlos. Stellt der Arzt ein Aneurysma fest, kann das jedoch große Angst machen. Auch wenn das Risiko, dass das Aneurysma reißt, gering ist, fühlen sich viele Betroffene verunsichert. Möglicherweise wünschen sie sich im Nachhinein, gar nichts von dem Ergebnis erfahren zu haben.

Sollte man sich also lieber nicht verrückt machen und daher lieber auf die Früherkennung verzichten? Venenspezialist Siegers hat dazu eine klare Meinung: "Die Vorsorgeuntersuchung ist auf jeden Fall sinnvoll, um Patienten mit einem therapie- oder zumindest überwachungspflichtigen Befund zu selektieren", erklärt er. "Wenn man ein therapiebedürftiges Bauchaortenaneurysma entdeckt, ist das ja eher ein Vorteil – und man lebt nicht mit einer tickenden Zeitbombe im Bauch weiter."

Studien belegen, dass die Früherkennungsuntersuchung das Risiko, dass ein Mann ab 65 an einem Aneurysma verstirbt, verringert.

Video: Bauchaortenaneurysma

Diagnose Aneurysma: Wie geht es weiter?

Ein Aneurysma muss nicht zwangsläufig behandelt werden. Bei kleinen Aneurysmen zwischen 3 und 5,4 Zentimetern sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen sinnvoll. Dabei kann der Arzt beobachten, ob sich das Aneurysma vergrößert und wenn ja, wie schnell.

Größere Gefäßaussackungen ab 5,5 Zentimetern erhöhen das Risiko für einen Riss der Hauptschlagader. Sie können operativ beseitigt werden. Da es sich um einen komplizierten Eingriff handelt, wird der Arzt sorgfältig abwägen, ob eine Operation notwendig ist.

Es gilt: Je größer das Aneurysma und je schneller es wächst, desto höher ist das Risiko, dass die Aorta reißt – und desto eher ist eine Operation sinnvoll.

Wie kann man einem Aneurysma vorbeugen?

Zu 100 Prozent können Sie einem Aneurysma nicht vorbeugen. Sie können jedoch der Hauptursache, der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), ein Stück weit entgegenwirken. "Hier spielt in erster Linie die Kontrolle der Risikofaktoren wie Übergewicht und Bluthochdruck eine große Rolle", empfiehlt Siegers. Zu weiteren Risikofaktoren für Arteriosklerose zählen Rauchen und erhöhte Blutfette. 

Diese Risikofaktoren zu minimieren, bedeutet vor allem: Leben Sie gesund – mit ausreichend Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und ohne Nikotin. Wenn Sie Bluthochdruck, Übergewicht und/oder hohe Cholesterinwerte haben, sollten Sie sich von Ihrem Arzt beraten lassen.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2018

Pressemitteilung des Deutschen Ärzteblatts: Niedrigerer Zusatzbeitrag, zusätzliche Vorsorgeuntersuchung für Männer (29. Dezember 2017)

Pressemitteilung des Deutschen Ärzteblatts: Vergütung für Ultraschallscreening zur Früherkennung von Bauchaorten­aneurysmen festgelegt (14. November 2017)

Aneurysma der Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma). Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 31.5.2017)

Pressemitteilung des Gemeinsamen Bundesausschusses: Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen – Künftig GKV-Leistung für Männer ab 65 (20. Oktober 2016)

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses über eine Richtlinie Ultraschallscreening auf Bauchaortenaneurysmen. Online-Publikation: www.g-ba.de (Stand: 20.10.2016)

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Ultraschall-Screening auf Bauchaortenaneurysmen: Abschlussbericht; IQWiG-Berichte, Band 294, Auftrag S13-04. (Stand: 02.04.2015)