Melatonin: Wirkstoff bei Schlafstörungen

Allgemeines

Melatonin wird als Einzelmedikament eingesetzt zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen bei Patienten ab 55 Jahren. Diese Schlafstörungen dürfen keine organische Ursache haben und müssen durch eine schlechte Schlafqualität gekennzeichnet sein.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Einschlafen fördern
  • Schlaf-Wach-Rhythmus harmonisieren

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Melatonin im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Melatonin nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Melatonin nicht angewendet werden.

Bei Einschränkung der Leberfunktion kann es zu deutlich erhöhten Melatoninkonzentrationen während des Tages kommen, da der Wirkstoff weniger schnell abgebaut wird. Daher sollte die Anwendung von Circadin bei Patienten mit Leberfunktionseinschränkung unterbleiben.

Melatonin kann Schläfrigkeit hervorrufen. Daher ist der Wirkstoff mit Vorsicht anzuwenden, wenn die Auswirkungen von Schläfrigkeit ein Sicherheitsrisiko darstellen könnten (beispielsweise bei Autofahrten und dem Bedienen von Maschinen).

Melatonin wurde nicht an Personen mit Autoimmunerkrankungen (beispielsweise Lupus erythematodes) erprobt. Daher wird die Anwendung bei diesen Patienten nicht empfohlen.

Der Einfluss von Nierenfunktionsstörungen unterschiedlicher Ausprägung auf die Wirkung von Melatonin wurde nicht in klinischen Studien untersucht. Daher hat die Anwendung des Wirkstoffs bei solchen Patienten mit Vorsicht zu erfolgen.

 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher wurden keine Schwangeren mit Melatonin behandelt. Tierexperimente lassen nicht auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen auf Schwangerschaft, Entwicklung des Ungeborenen, Geburt oder Entwicklung von Neugeborenen schließen. Dennoch wird die Anwendung bei schwangeren Frauen und Frauen, die beabsichtigen, schwanger zu werden, nicht empfohlen.

Körpereigenes Melatonin wurde beim Menschen in der Muttermilch nachgewiesen, so dass wahrscheinlich auch von außen zugeführtes Melatonin in die Muttermilch übergehen wird. Außerdem weiß man aus Tierexperimenten mit Nagern, Schafen, Rindern und Affen, dass Melatonin über den Mutterkuchen oder die Milch von der Mutter auf das Un- und Neugeborene übergeht. Daher wird Frauen nicht empfohlen, während der Behandlung mit Melatonin zu stillen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Unbedenklichkeit und Wirksamkeit von Melatonin bei Kindern im Alter von bis 18 Jahren ist nicht nachgewiesen. Daher darf der Wirkstoff bei ihnen nicht angewendet werden.

Welche Nebenwirkungen kann Melatonin haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Melatonin. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Reizbarkeit, Nervosität, Rastlosigkeit, Schlaflosigkeit, unnormale Träume, Angst, Migräne, Antriebslosigkeit, seelische Überaktivität, Benommenheit, Schläfrigkeit, Bluthochdruck, Bauchschmerzen, Oberbauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Mundgeschwür, Mundtrockenheit, Überschuss an Bilirubin im Blut, Hautentzündung, nächtliches Schwitzen, Juckreiz (auch allgemein), Hautausschlag, trockene Haut, Schmerzen in Armen und Beinen, Wechseljahresbeschwerden, Schwäche, Schmerzen im Brustraum, Zucker im Urin, Eiweiß im Urin, unnormale Leberfunktionswerte, Gewichtszunahme.

Seltene Nebenwirkungen:
Gürtelrose, Mangel an weißen Blutkörperchen, Mangel an Blutplättchen, Angina pectoris, Herzklopfen, Überschuss an Triglyceriden im Blut, Calciummangel im Blut, Natriummangel im Blut, veränderte Stimmungslage, Aggression, Aufregung, Weinerlichkeit, Stresssymptome, fehlende Orientierung, frühmorgendliches Erwachen, gesteigerte Libido, gedrückte Stimmung, Depression, Ohnmacht, Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeitsstörung, Verträumtheit, Syndrom der ruhelosen Beine (Restless-Legs-Syndrome), schlechter Schlaf, Missempfindungen in Armen und Beinen, verminderte Sehschärfe, Verschwommensehen, vermehrter Tränenfluss, lageabhängiger Schwindel, Schwindel, Hitzewallungen, Sodbrennen (gastroösophageale Refluxkrankheit), Magen-Darm-Störung, Blasen an der Mundschleimhaut, Zungengeschwür, Verdauungsstörung, Erbrechen, auffällige Darmgeräusche, Blähungen, übermäßiger Speichelfluss, Mundgeruch, Bauchbeschwerden, Magenerkrankung, Magenschleimhautentzündung, Ekzeme, Hautrötung, Hautentzündung an der Hand, Schuppenflechte, Hautausschlag (allgemein, juckend), Nagelerkrankungen, Gelenkentzündung, Muskelkrämpfe, Nackenschmerzen, nächtliche Krämpfe, Dauererektionen, Entzündungen der Vorsteherdrüse, Abgeschlagenheit, Schmerzen, Durst, vermehrte Harnausscheidung, Blut im Urin, nächtliches Wasserlassen, Anstieg von Leberenzymen, unnormale Mineralkonzentrationen im Blut, abweichende Labortests.

Besonderheiten:
Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Nasen-Rachen-Entzündungen, Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen. Allerdings traten diese ebenso oft in der Placebo-Gruppe der Studien auf. Die oben aufgeführten Nebenwirkungen beziehen sich nur auf die Gruppe mit Melatonin.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Melatonin?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Melatonin kann, besonders wenn es in Überdosis eingenommen wird, die Wirkung bestimmter anderer Substanzen abschwächen. Dazu gehören Makrolid-Antibiotika, Benzodiazepine (Beruhigungs- und Schlafmittel), Calciumkanalblocker (Blutdrucksenker), H1-Antihistaminika, Statine (außer Pravastatin und Rosuvastatin) und viele andere.

Vorsicht ist geboten bei Patienten, die mit dem Psychopharmakon Fluvoxamin behandelt werden. Es erhöht die Melatoninkonzentration durch Hemmung des Abbaus so stark, dass die Kombination vermieden werden muss.

Bei Patienten, die 5- oder 8-Methoxypsoralen gegen ihre Schuppenflechte, den Immunmodulator Tacrolimus oder Antibiotika aus der Wirkstoffgruppe der Gyrasehemmer erhalten, kann sich bei Kombination der Melatoninspiegel erhöhen. Gleiches gilt für die Kombination von Melatonin mit dem Magenmittel Cimetidin oder der gleichzeitigen Verabreichung von Östrogenen ("Pille" oder Hormonersatztherapie).

Zigarettenrauchen kann die Melatonin-Konzentration aufgrund eines beschleunigten Abbaus senken. Gleiches gilt für Carbamazepin (Antiepileptikum) oder Rifampicin (Tuberkulose-Mittel).

Melatonin darf nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden, da dieser die Wirkung auf den Schlaf herabsetzt.

Die beruhigenden Eigenschaften von Benzodiazepinen und von nicht-Benzodiazepin-ähnlichen Schlafmitteln wie Zaleplon, Zolpidem und Zopiclon können durch Melatonin verstärkt werden. Es kommt zu einer vermehrten Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, Gedächtnisleistung und Koordination.

Gemeinsame Verabreichung von Melatonin mit den Psychopharmaka Imipramin und Thioridazin führt zu einer übermäßigen Ruhigstellung und zu Schwierigkeiten in der Bewältigung von Aufgaben beziehungsweise zu einer vermehrten Benommenheit.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Das Medikament ist nicht zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren geeignet.
  • Das Medikament kann Schläfrigkeit hervorrufen, was beim Autofahren und der Bedienung von Maschinen gefährlich ist.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Melatonin?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Melatonin enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform

 

So wirkt Melatonin

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Melatonin. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen , zu welcher der Wirkstoff Melatonin gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Melatonin

Melatonin wird als Einzelmedikament eingesetzt zur kurzzeitigen Behandlung von Schlafstörungen bei Patienten ab 55 Jahren. Diese Schlafstörungen dürfen keine organische Ursache haben und müssen durch eine schlechte Schlafqualität gekennzeichnet sein.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Melatonin sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Melatonin

Melatonin ist ein natürlicherweise vorkommendes Hormon, das von der mittig im Gehirn sitzenden Zirbeldrüse produziert wird. Melatonin ist in seiner Struktur dem Hormon Serotonin verwandt. Der Körper schüttet Melatonin bald nach Einsetzen der Dunkelheit aus; am meisten um zwei bis vier Uhr nachts, in der zweiten Nachthälfte immer weniger. Melatonin steuert den Tagesrhythmus des Körpers und stimmt diese "innere Uhr" mit dem Tag-Nacht-Zyklus ab. Dazu hat Melatonin eine schlafanstoßende Wirkung und erhöht die Schlafneigung.

Typischerweise dockt Melatonin an bestimmten Bindungsstellen für das Hormon an, den MT1-, MT2- und MT3-Rezeptoren. Diese sind teilweise an der Steuerung der Tagesrhythmen im Körper und des Schlafes beteiligt. Aufgrund der Rolle von Melatonin für die Steuerung des Schlafes und der Tagesrhythmen und dem altersbedingten Rückgang der körpereigenen Produktion an Melatonin kann es wirksam die Schlafqualität verbessern, insbesondere bei Patienten über 55 Jahren mit Schlafstörungen ohne körperliche Ursache.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.