Glycopyrronium

Allgemeines

Glycopyrronium wird in Form von Inhalationen bei erwachsenen Patienten mit COPD zu Erweiterung der Bronchien und Linderung der Beschwerden eingesetzt.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Wirkung von Acetylcholin aufheben
  • Bronchien erweitern
  • Magensaftproduktion drosseln
  • Schleimproduktion in den Atemwegen verringern
  • Darmtätigkeit verlangsamen

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Glycopyrronium im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Glycopyrronium nicht verwendet werden?

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff darf Glycopyrronium weder inhaliert noch gespritzt werden.

Weitere Anwendungseinschränkungen ergeben sich aus allen Erkrankungen, die durch einen Muskarinrezeptor-Antagonisten verschlimmert werden könnten. Dies sind für die Injektionsform im Einzelnen:

  • grüner Star (Glaukom)
  • Verengungen der Harnwege wie beispielsweise Verschluss des Harnblasenhalses infolge einer gutartigen Vergrößerung der Prostata
  • Verengungen im Bereich des Magen-Darm-Kanals (z.B. Krämpfe des Speiseröhrenschließmuskels)
  • lähmungsbedingter Dünndarmverschluss
  • fehlende Darmbewegung bei älteren oder geschwächten Patienten
  • geschwächte Herz-Kreislauf-Funktion bei akuten Blutungen
  • schwere Colitis ulcerosa (auch mit der Komplikation eines toxischen Megakolons)
  • die Muskelkrankheit Myasthenia gravis

Nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt und unter seiner Kontrolle darf der Wirkstoff eingesetzt werden bei

  • Herzrasen, verengten Herzkranzgefäßen, Herzmuskelschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • schwerer Nierenfunktionsstörung, weil die Wirkung von Glycopyrronium länger anhalten kann, was bei Operationen nicht erwünscht ist
  • Durchfall, weil er ein frühes Anzeichen eines unvollständigen Darmverschlusses sein kann (v.a. bei Patienten mit künstlichen Darmausgängen) - in diesem Fall wäre die Behandlung ungeeignet und möglicherweise schädlich

Glycopyrronium darf nur mit Vorsicht inhaliert werden bei

  • einer speziellen Form des grünen Stars, dem Engwinkelglaukom
  • Harnverhalt
  • schwerer Nierenfunktionsstörung einschließlich Blutwäschepatienten im Endstadium
  • schlecht behandelbaren Durchblutungsstörungen des Herzmuskels
  • Herzmuskelschwäche der linken Herzkammer
  • Herzinfarkt in der Vorgeschichte
  • Herzrhythmusstörungen (auch QT-Verlängerung) mit Ausnahme von chronisch stabilem Vorhofflimmern)
 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Es gibt keine Erfahrungen mit der Anwendung von Glycopyrronium bei Schwangeren. Tierexperimente ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen auf die Leibesfrucht. Glycopyrronium darf dennoch während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Arzt den erwarteten Nutzen für die Patientin über das mögliche Risiko für das Ungeborene stellt.

Es ist nicht bekannt, ob Glycopyrronium beim Menschen in die Muttermilch übergeht, wie es bei Ratten der Fall ist. Der Arzt wird die Anwendung bei stillenden Frauen nur in Betracht ziehen, wenn der erwartete Nutzen für die Frau größer ist als alle eventuellen Risiken für den Säugling.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Da Kinder nicht unter COPD leiden, wird Glycopyrronium bei ihnen für diese Anwendung nicht eingesetzt. Allerdings kann der Wirkstoff in der Intensivmedizin auch bei Kindern und Jugendlichen bei der Narkose verwendet werden.

Welche Nebenwirkungen kann Glycopyrronium haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Glycopyrronium. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Anwendung zur Inhalation:
Häufige Nebenwirkungen:
Nasen-Rachen-Entzündung, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Magen-Darm-Entzündung, Harnwegsinfektionen

Gelegentliche Nebenwirkungen:
Schnupfen, Harnblasenentzündung, Überempfindlichkeit, Gesichtsschwellung, Blutzuckerüberschuss, Empfindungsmangel, Vorhofflimmern, Herzklopfen, Sekretstau in den Nasennebenhöhlen, Husten mit Auswurf, Rachenreizung, Nasenbluten, Verdauungsstörung, Karies, Hautausschlag, Juckreiz, Arm- oder Beinschmerz, Brustmuskelschmerz, verminderte Harnausscheidung, Harnverhalt, Ermüdung, Schwäche

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
paradoxer Bronchialkrampf

Besonderheiten:
Bei ersten Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion (einschließlich Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken, Anschwellen von Zunge, Lippen und Gesicht), einer Nesselsucht oder eines Hautausschlags muss die Anwendung des Wirkstoffs sofort abgebrochen werden.

Gleiches gilt, wenn es bei der Behandlung zu einem sogenannten paradoxen Bronchialkrampf kommt.

Anwendung zur Injektion
Sehr häufige Nebenwirkungen:
Mundtrockenheit, vermindertes Schwitzen, Unterdrückung der Milchproduktion

Häufige Nebenwirkungen:
Herzrhythmusstörungen (bei höherer Dosierung von 10 Mikrogramm/Kilogramm Körpergewicht und gemeinsamer Gabe mit Neostigmin und Pyridostigmin)

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
schwere allergische Reaktionen (allergischer Schock, Nesselsucht und andere Hauterscheinungen), Überempfindlichkeit, Gesichtsschwellung, Nervosität, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Verwirrtheit und / oder Erregtheit (v.a. bei älteren Patienten), Kopfschmerzen, Mattigkeit, Schwindel, Sehstörungen infolge von Pupillenerweiterung, Pupillenlähmung, erhöhter Augeninnendruck, Herzrasen, Herzklopfen, Geschmacksverlust, Übelkeit und Erbrechen, Verstopfung, Völlegefühl, Hitzestau (bei hoher Außentemperatur infolge eingeschränkter Schweißentwicklung), verzögertes Harnlassen, Harnverhalten, Impotenz

Besonderheiten:
Jeder Fall von Herzrasen muss vor der Anwendung des Wirkstoffs vom Arzt genau untersucht werden, da Glycopyrronium den Herzschlag beschleunigen kann.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Glycopyrronium?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Die gleichzeitige Anwendung von Glycopyrronium zur Inhalation und anderen Muskarinrezeptor-Antagonisten (z.B. manche Parkinson-Mittel) ist nicht untersucht worden und wird daher nicht empfohlen.

Mit anderen Wirkstoffen, die zur Behandlung der COPD eingesetzt werden (Alpha-Sympathomimetika, Theophyllin und Glukokortikoide zum Einnehmen und Inhalieren) ergaben sich keine Wechselwirkungen.

Glycopyrronium zur Injektion kann die beschleunigende Wirkung von Beta-Sympathomimetika auf den Herzschlag verstärken.

Bei Kombination mit anderen Muskarinrezeptor-Antagonisten verstärken sich die Nebenwirkungen von Glycopyrronium. Gleiches gilt für die Gabe zusammen mit Psychopharmaka (wie Phenothiazin und trizyklischen Antidepressiva), mit Antiarrhythmika wie Disopyramid, Procainamid und Chinidin, mit H1-Antihistaminika oder im Gehirn wirksamen Schmerzmitteln wie Meperidin.

Glycopyrronium kann, wie andere Muskarinrezeptor-Antagonistan auch, die Aufnahme anderer gleichzeitig verabreichter Wirkstoffe in den Körper verzögern.

Die gleichzeitige Verwendung des Wirkstoffs mit Glukokortikoiden kann zu einem erhöhten Augeninnendruck führen.

Die gleichzeitige Verwendung mit Herzmedikamenten mit langsam freisetzendem Digoxin kann zu erhöhten Digoxin-Werten im Blut und damit zu mehr Nebenwirkungen führen.

 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Bei jeglichen Anzeichen einer Überempfindlichkeit muss die Behandlung mit dem Medikament sofort abgebrochen werden.
  • Kommt es bei der Inhalation zu einem Bronchialkrampf, darf das Medikament nicht mehr eingesetzt werden.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Glycopyrronium?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Glycopyrronium enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Robinul zur Injektion 0,2 mg/ml, Injektionslösung
Injektionslösung
Inhalationskapseln

 

So wirkt Glycopyrronium

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Glycopyrronium. Lesen Sie dazu auch die Informationen zur Wirkstoffgruppe Muscarinrezeptor-Antagonisten, zu welcher der Wirkstoff Glycopyrronium gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Glycopyrronium

Glycopyrronium wird in Form von Inhalationen bei erwachsenen Patienten mit COPD zu Erweiterung der Bronchien und Linderung der Beschwerden eingesetzt.

Des Weiteren wird der Wirkstoff als Injektion in der Klinik verwendet. Dort dient er zum Schutz vor den Nebenwirkungen beispielsweise von Neostigmin und Pyridostigmin, die zur Aufhebung der Wirkung von Muskelrelaxanzien eingesetzt werden.

Außerdem wird Glycopyrronium in der Narkosevorbehandlung verwendet, um die Absonderung von Speichel sowie von Schleim im Rachen- und Bronchialbereich zu verringern und die Magensäureproduktion zu bremsen.

Vor und während Operationen hilft der Wirkstoff, eine plötzlich auftretende gefährliche Verlangsamung des Herzschlags zu vermeiden oder abzuschwächen.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Glycopyrronium sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Glycopyrronium

Glycopyrronium gehört zur Wirkstoffgruppe der Muskarinrezeptor-Antagonisten.

Zur Behandlung der COPD wird er inhaliert. Aufgrund seiner lang anhaltenden bronchienerweiternden Wirkung muss er nur einmal täglich angewendet werden. Die Brochialwege reagieren vor allem auf Reize des Parasympathicusnervs, der Teil der unbewussten nervlichen Körpersteuerung ist. Die Wirkung von Glycopyrronium beruht darauf, dass es die Wirkung des Nervenbotenstoffs Acetylcholin auf die Muskelzellen der Atemwege blockiert. Dadurch werden die Atemwege geweitet. Glycopyrronium hat einen schnellen Wirkungseintritt. Nach der Inhalation wird der Wirkstoff vom Körper nur sehr langsam abgebaut. Das bedingt eine anhaltend hohe Wirkstoffkonzentration in der Lunge und die lange Wirkungsdauer.

Nach der Injektion, wie sie in der Intensivmedizin im Umfeld von Operationen angewendet wird, erfolgt der Wirkungsverlust sehr viel schneller, was dort aber auch gewünscht ist. Glycopyrronium blockiert auch hier die Effekte von Acetylcholin wie vermehrten Bronchialschleim, Bronchialkrämpfe, verlangsamten Herzschlag und übermäßige Darmtätigkeit.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.