Moxa-Therapie auf einer Hand.
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Moxa-Therapie (Moxibustion)

Der Therapeut legt dem Patienten etwa 5-Cent-Stück-große Ingwerscheiben auf den Handrücken, setzt kleine Kegel aus Moxa darauf und zündet diese an. Die Flamme verlischt, sodass die Kegel nur noch glimmen – Rauch steigt auf. Die Wärme der Kegel wird immer deutlicher spürbar. – So oder so ähnlich könnte eine Sitzung bei der Moxa-Therapie ablaufen.

Allgemeines

Die Moxa-Therapie ist eine Variante der Akupunktur und eine Methode der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Aber nicht bei allen Moxa-Formen kommen Nadeln zum Einsatz. Grundlegend für alle Moxa-Behandlungen ist, dass man über bestimmten Punkten der Haut feingeriebenes Beifußkraut (die sog. Moxa) abbrennt und diese Punkte so erwärmt. Das Abrennen von Moxa bezeichnet man als Moxibustion. Hin und wieder werden auch andere Kräuter für das "Moxen" verwendet.

Die bei der Moxa-Therapie behandelten Hautpunkte liegen auf sogenannten Meridianen oder Energiebahnen über den gesamten Körper verteilt. In ihnen soll das sogenannte Qi (sprich: Tschi oder lautschriftlich [t͜ʃiː]) fließen, also die körpereigene Energie. Das Reizen dieser Punkte durch Wärme soll mögliche Energieblockaden lösen und so das Qi wieder zum Fließen und ins Gleichgewicht bringen. Aus Sicht der traditionellen chinesischen Medizin lassen sich mithilfe der Moxibustion daher Beschwerden beheben, die durch einen gestörten Qi-Fluss entstehen.

Meist dauert eine Moxa-Behandlung im Durchschnitt 15 bis 30 Minuten, wobei insgesamt mehrere Sitzungen üblich sind. Im Laufe einer Sitzung erwärmt der Therapeut immer wieder bestimmte Hautpunkte. Das Abbrennen des Beifußkrauts während der Moxa-Therapie erfolgt in der Regel indirekt, also ohne echten Hautkontakt – insbesondere in China und Japan ist aber auch die direkte Moxibustion noch üblich.

Woher kommen die Begriffe Moxa und Moxibustion?
Zwar gehört die Moxa-Therapie zu den Methoden der traditionellen chinesischen Medizin, beim Namen hat sich jedoch die japanische Variante durchgesetzt: Der Begriff Moxa geht auf die beiden japanischen Wörter mo (= brennen) und kusa (= Kraut) zurück. Bei Moxibustion kommt außerdem noch ein lateinischer Begriff hinzu: combustio (= Verbrennung). Moxibustion bezeichnet also genaugenommen das Verbrennen von "Brennkraut".

Die vom Therapeuten gewählten Moxa-Punkte entsprechen in der Regel den Punkten, die auch für die klassische Akupunktur genutzt werden. Es gibt jedoch ein paar Unterschiede: So spart der Therapeut bei der Moxibustion normalerweise Akupunkturpunkte im Gesicht sowie am Schädel und Hals aus, ebenso wie alle Punkte im Bereich von Schleimhäuten. Auch direkt über Organen, Krampfadern oder Wunden wird der Therapeut keine Moxa-Behandlung beginnen. Im Unterschied zur klassischen Akupunktur meidet man den Bauchnabel bei der Moxibustion allerdings nicht, sondern behandelt diesen oft über die "indirekte Moxibustion" mit.

Generell ist es zu empfehlen, Gesundheitsbeschwerden zuerst von Ihrem Arzt abklären zu lassen. Lassen die Beschwerden nicht nach, sollten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt halten.

Aussagekräftige wissenschaftliche Studien zu Wirkung und Wirksamkeit der Moxa-Therapie gibt es bislang kaum.

Indirekte und direkte Moxibustion

Indirekte Moxibustion

Bei der indirekten Moxibustion (Moxa-Therapie) gibt es keinen Kontakt zwischen Haut und der glimmenden Moxa-Wolle. Zur indirekten Moxibustion zählt zum Beispiel die Therapie mit:

  • Moxa-Zigarren
  • Moxa-Kegeln auf einer Unterlage (z.B. Ingwer- oder Knoblauchscheiben)
  • Moxa auf Akupunkturnadeln

Moxa-Zigarren

Moxa-Zigarren sind etwa 20 Zentimeter lange Stangen aus geriebenem Beifußkraut, die von Papier umhüllt sind. Ihr Durchmesser beträgt ungefähr einen Zentimeter. Mit Moxa-Zigarren werden die Akupunkturpunkte indirekt gereizt.

Der Therapeut hält dabei die glühende Moxa-Zigarre nah an die Haut, sodass ein gleichmäßiges, angenehmes Wärmegefühl entsteht. Spürt der Patient die Hitze deutlich, nimmt der Therapeut die Moxa-Zigarre kurz weg. Er wiederholt die Moxibustion so lange, bis sich der Hautpunkt sichtbar rötet, in der Regel etwa 6- bis 8-mal.

Die Moxa-Zigarre lässt sich für eine Verwendung mit Akupunkturnadeln oder Zwischenlagen wie Ingwerscheiben auch zerteilen.

Moxa-Kegel auf Ingwerscheiben & Co.

Eine Behandlung mit Moxa-Kegeln, -Zylindern oder -Hütchen, die auf einer Unterlage auf der Haut abgebrannt werden, gehört ebenfalls zu den Methoden der indirekten Moxibustion. Hierbei setzt der Therapeut das gepresste Beifußkraut zum Beispiel auf eine Ingwerscheibe über einem Akupunkturpunkt.

Die angezündeten Kegel, Zylinder oder Hütchen verglühen langsam und erzeugen dabei Wärme. Ist die Hitze für den Patienten deutlich spürbar, nimmt der Therapeut die Moxa weg und macht bei einem anderen Akupunkturpunkt weiter. Insgesamt wird jeder gewählte Punkt bei dieser Form der Moxibustion so lange mehrfach erhitzt, bis am Ende eine Hautrötung zu erkennen ist.

Außer Ingwerscheiben sind für das Moxen auch andere Unterlagen möglich, wie zum Beispiel Knoblauch, Salz, Tofu, Papier oder Heilerde. Laut den Lehren der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) sollen sich mit den verschiedenen Unterlagen auch unterschiedliche Effekte bei der Moxibustion erzeugen lassen und diese die jeweiligen Symptome mildern, neutralisieren oder verstärken. Wissenschaftlich gesichert ist das jedoch nicht. Zur besseren Wärmeleitung kann es sinnvoll sein, die Moxa-Unterlage mit einer Nadel siebartig zu durchstechen.

Beispiele für Moxa-Unterlagen angenommener Effekt traditionelle Anwendung
Ingwer regt an, wärmt u.a. bei Kopfschmerzen, Schmerzen im Oberbauch, geschwächtem Immunsystem, Gelenkschmerzen, Durchfall, Kältegefühl
Knoblauch regt an, wärmt u.a. bei Rückenschmerzen, Muskelkrämpfen, Schwellungen nach Insektenstichen
Tofu kühlt, regt die Lymphzirkulation an u.a. bei Schwellungen, Ödemen
Heilerde neutralisiert, mildert die Hitze u.a. bei Ödemen

Auch der Bauchnabel lässt sich in die indirekte Moxibustion involvieren: Dazu gibt der Therapeut meist Salz in den Bauchnabel und setzt einen Moxa-Kegel darauf. Die hierbei erzeugte Wärme breitet sich im gesamten Bauchraum aus und wird von den meisten Patienten als sehr angenehm empfunden.

Moxa auf Akupunkturnadeln (heiße Nadel)

Bei der sogenannten "heißen Nadel" setzt der Therapeut zuerst die Akupunkturnadel auf den gewünschten Akupunkturpunkt, befestigt an deren Ende die Moxa und zündet sie an. Die Nadel leitet die Hitze des glimmenden Moxa-Krauts zum gewünschten Akupunkturpunkt. Nach etwa zwei bis fünf Minuten ist die Moxa auf der Nadel verglüht.

Direkte Moxibustion

Bei der direkten Moxibustion platziert der Therapeut Moxa-Kegel oder -Hütchen ohne Unterlage direkt auf der Haut. Diese sehr schmerzhafte Methode kann zu Verbrennungen führen und Brandblasen und Narben bewirken, was laut den Vorstellungen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) jedoch durchaus Teil der Therapie und beabsichtigt ist. In Deutschland kommt die direkte Moxibustion so gut wie nie zum Einsatz, in China und Japan ist sie jedoch durchaus üblich.

Moxa-Kegel auf der Haut Haut nach der direkten Moxibustion

 

Bei der direkten Moxibustion gibt es keine Unterlage, die die Haut schützt.

 

Dadurch kann es zu leichten bis starken Verbrennungen kommen.

Anwendungsgebiete

Dem Verständnis der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) zufolge kann ein gestörter Qi-Fluss zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Die Moxa-Therapie (Moxibustion) will diese Energieblockaden lösen und Gesundheitsprobleme dadurch bessern. Ob dies den Tatsachen entspricht, ist wissenschaftlich jedoch bislang nicht ausreichend belegt.

Anhänger der Moxa-Therapie glauben, dass die Moxibustion unter anderem bei folgenden Gesundheitsproblemen hilfreich sein soll:

Risiken

Wird die Moxa-Therapie (Moxibustion) ohne Unterlage, zu stark, zu lange oder ohne ausreichende Kontrolle angewendet, sind Verbrennungen bis hin zu Brandblasen möglich. In solchen Fällen können sich auch Narben bilden.

Im Rahmen der Moxa-Therapie können beim Betroffenen Kopfschmerzen oder Einschlafprobleme auftreten. In solchen Fällen sollte die Behandlung abgebrochen werden.

Führt der Therapeut die Moxa-Therapie korrekt durch, sollten dabei normalerweise keine Schmerzen auftreten.

Vorsicht gilt bei Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Betroffene, bei denen eine diabetische Polyneuropathie vorliegt, leiden auch unter Sensibilitätsstörungen in den Füßen. Die Moxa-Hitze wird dadurch oft nicht richtig wahrgenommen, sodass es rasch zu Verbrennungen kommen kann.

Wann besser nicht?

Bei bestimmten Gesundheitszuständen ist eine Moxa-Therapie (Moxibustion) nicht zu empfehlen. Dazu zählen zum Beispiel:

Ebenso wenig sollte man eine Moxibustion direkt über Wunden ausführen.