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Pubertät bei Jungen

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Zuletzt bearbeitet von Astrid Clasen • Medizinredakteurin

Ohne dass du es beeinflussen kannst, verändert sich dein Körper während der Pubertät in einem rasantem Tempo. Viele Jungen machen sich dabei Sorgen wegen ihrer Körpergröße und -form. Doch die Pubertät verläuft bei jedem Jungen anders – wir erklären dir, wie sich dein Körper in dieser aufregenden Zeit verändert.

Allgemeines

Die Pubertät bei Jungen beginnt etwa im Alter von 11 Jahren und ist etwa mit 19 Jahren abgeschlossen. Häufig macht der Körper während der Entwicklung regelrechte Wachstumsschübe durch, bei denen er sich schnell wandeln kann. Dabei nimmst du zunehmend männliche Formen an: Deine Muskelmasse wächst, deine Schultern werden breiter und deine Hüfte schmaler.

Doch wer steuert das Wachstum? Hauptsächlich deine Hormone! Den Startschuss für die Entwicklung gibt die sogenannte Hirnanhangdrüse (Hypophyse) im Gehirn: Sie veranlasst, dass der Körper das männliche Geschlechtshormon Testosteron herstellt. Testosteron sorgt unter anderem für das Wachstum des Penis und der Hoden und bewirkt die Reifung der Samenzellen. Auch die Haut verändert sich durch die hormonelle Umstellung: Die Drüsen in der Haut erreichen in der Pubertät ihre volle Funktion. Manchmal bilden sie in dieser Phase vorübergehend zu viel Talg – deshalb neigt die Haut während der Pubertät eher zu Pickeln.

Die Stimme verändert sich

Während der Pubertät wachsen bei Jungen die Stimmbänder und der Kehlkopf – und die Stimme verändert sich: Aus der Jungenstimme entwickelt sich zunehmend eine Männerstimme – diesen Vorgang bezeichnet man als Stimmbruch. Typisches Anzeichen hierfür ist, dass beim Sprechen plötzlich die Stimme bricht, kippt oder quietscht. Die Umstellung von der Jungen- zur Männerstimme findet zwischen 11 und 16 Jahren statt. Am Ende ist die Stimme dann rund eine Oktave tiefer als vor dem Stimmbruch. Die Dauer der Umstellung beträgt meist ein halbes Jahr – es braucht eine Weile, bis man sich an die neue Stimme gewöhnt hat und die Töne nicht mehr verrutschen.

Der erste Bartwuchs

Der männliche Bartwuchs gehört zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen. Diese entwickeln sich erst mit Beginn der Pubertät. Bei Jungen bildet sich zunächst ein weicher Flaum über der Oberlippe, der zunehmend in Bartstoppeln übergeht. Nach und nach verdichtet sich die Behaarung um Kinn und Wangen. Der erste Bartwuchs hängt von der Erbanlage (den Genen) ab und ist bei jedem Jungen unterschiedlich – einige Jungen sind stärker, andere weniger behaart. Entgegen der häufigen Annahme fördert häufiges Rasieren den Bartwuchs nicht. Wann du dein Barthaar rasieren willst, entscheidest du selbst. Dazu kannst du unter verschiedenen Methoden auswählen: Manche Jungen bevorzugen die Nassrasur, andere nehmen lieber einen elektrischen Rasierer. Nach dem Rasieren kannst du ein wenig Aftershave-Lotion auftragen, um die gereizte Haut zu desinfizieren und zu beruhigen.

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Bei manchen Jungen sprießen die ersten Barthaare schon recht kräftig, bei anderen weniger. Wie oft man sich rasiert, hat aber keinen Einfluss auf den Bartwuchs.
Auch die Achselhaare beginnen in der Pubertät langsam zu wachsen und die Schweißdrüsen geben vermehrt Schweiß und Duftstoffe ab. Dabei entwickelt jeder Junge seinen eigenen Körpergeruch. Zu starke oder unangenehme Gerüche kannst du vermeiden, indem du dich jeden Tag gründlich wäschst. Zusätzlich kann ein mildes Körperdeo Abhilfe schaffen.

Penisentwicklung und erster Samenerguss

Hoden und Penis werden größer

Die Hoden und der Penis gehören zu den primären Geschlechtsmerkmalen, die schon von Geburt an vorhanden sind. Das Hodenwachstum ist ein erstes Zeichen dafür, dass die Pubertät bei Jungen beginnt. Die Hoden wachsen im Alter von 9 bis 14 Jahren und werden etwa pflaumengroß. Sie sind nie spiegelgleich angelegt: Es kann zum Beispiel sein, dass ein Hoden etwas tiefer hängt als der andere – dies ist völlig normal und kein Grund zur Beunruhigung. Wenn du jedoch Schmerzen in den Hoden verspürst, solltest du einen Arzt aufsuchen, um die Sache abzuklären! Etwa sechs bis acht Monate nach Beginn des Hodenwachstums verändert sich auch der Hodensack: Er vergrößert sich, wird faltig und stärker pigmentiert.

Das Wachstum des Penis beginnt ebenfalls etwa im Alter von 9 Jahren. Der Penis wächst zunächst in der Länge, dann in der Breite. Auch die Schamhaare beginnen in dieser Zeit zu wachsen. Vor der Geschlechtsreife ist die Vorhaut des Penis noch eng mit der Eichel verbunden und lässt sich kaum zurückziehen. Dies ändert sich im Verlauf der Entwicklung. Seine Endgröße erreicht der Penis mit etwa 16 bis 17 Jahren. Für die Größe gibt es kein Idealmaß. Mach dir also keine Sorgen, dass dein Penis zu klein sein könnte. Beim Geschlechtsverkehr passt sich die Scheide des Mädchens automatisch dem Penis an. Wenn ein Penis zu groß ist, kann dies sogar eher unangenehm für das Mädchen sein.

Der erste Samenerguss

Mit Beginn der Pubertät bei Jungen steht auch der erste Samenerguss bevor: Samenzellen (Spermien) werden in den Hoden gebildet. Schon vor der Geschlechtsreife kann es sein, dass weiße Flüssigkeit aus dem Penis fließt. Bis zum ersten richtigen Samenerguss (Ejakulation) dauert es dann aber meist noch einige Zeit. Erst wenn die Samenzellen in den Hoden ausgereift sind, kommt es zum ersten Samenerguss. Dieser findet zwischen 11 und 15 Jahren statt und stellt einen Übergang zum Mannsein dar. Denn ab dem ersten Samenerguss ist ein Junge zeugungsfähig.

Manche Jungen lösen den ersten Samenerguss durch Selbstbefriedigung aus. Häufig kommt der erste Samenerguss aber auch von selbst im Schlaf – dann spricht man vom sogenannten "feuchten Traum". Während einer sexuellen Vorstellung im Traum – an die du dich beim Aufwachen womöglich gar nicht erinnern kannst – läuft dein Körper auf Hochtouren und es kommt zu einer Erektion: Das heißt, der Penis richtet sich auf, weil er stärker durchblutet ist. Beim Samenerguss gibst du zwei bis sechs Milliliter Samenflüssigkeit ab – darin sind bis zu 300 Millionen Spermien enthalten. Während der Pubertät kann es bei Jungen häufiger zu spontanen Erektionen kommen – es dauert einige Zeit, bis sich der Körper an die hormonellen Veränderungen angepasst hat. Die Hormone steigern auch die sexuelle Lust. Vielleicht erlebst du in dieser Zeit das erste Mal mit einem Mädchen. Beim Geschlechtsverkehr solltest du aber stets an die richtige Verhütung denken!

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Was die erste Monatsblutung für Mädchen ist, bedeutet der erste Samenerguss für Jungen: Beide Ereignisse markieren den Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenleben.

Wachstum bei Jungen

Das wohl auffälligste Merkmal der Pubertät bei Jungen ist die rasante Veränderung des Körpers. Dabei kommt es sogar zu einem regelrechten Wachstumsschub. Dann kann das Wachstum bei Jungen jährlich bis zu zehn Zentimeter betragen. Die Muskeln werden größer, Rücken und Brust breiter und deine Stimme wird tiefer.

Etwa mit 19 Jahren ist die körperliche Entwicklung abgeschlossen, aber es gibt wie immer auch einige Früh- oder Spätentwickler. In der folgenden Tabelle findest du die durchschnittlichen Werte dazu, was sich wann bei Jungen in der Pubertät entwickelt.

Wachstum bei Jungen durchschnittliches Alter
beginnende Schambehaarung 13,5 Jahre
Pubertätswachstumsschub des Körpers 14 Jahre
Wachstum der Hoden 9-14 Jahre
Akne 12-14 Jahre
Reifung der Samenzellen 16 Jahre
Erster Samenerguss 11-15 Jahre
Wachstum des Penis 9-16 Jahre
Stimmbruch 11-16 Jahre
Bartwuchs 15-19 Jahre
Abschluss der körperlichen Entwicklung 18-19 Jahre

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In der Pubertät kommt es zu einem regelrechten Wachstumsschub.

Weitere Informationen

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Quellen:

Online-Informationen des Berufsverbands für Kinder- und Jugendärzte e.V.: www.kinderaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 11.9.2015)

Koletzko, B. (Hrsg.): Kinder- und Jugendmedizin. Springer, Berlin 2013

Weber, U., Kull, H., Heinlein, R.: facts about sex. Das Lexikon. Loewe Verlag, Bindlach 2008

Schütz, E.E., Kimmich, T., Pavoni, V.: Körper und Sexualität. Atlantis, Zürich 2007

Stier, B., Weissenrieder, N. (Hrsg.): Jugendmedizin. Springer, Berlin 2006

Gnielka, M.: Über Sexualität reden. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln 2006

Dörr, H., Rascher, W. (Hrsg.): Praxisbuch Jugendmedizin. Urban & Fischer, München 2001

Letzte inhaltliche Prüfung: 11.09.2015
Letzte Änderung: 25.06.2020