Tabuthema Scheidentrockenheit

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (11. Dezember 2017)

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Scheidentrockenheit ist ein Thema, über das wohl kaum eine Frau gerne spricht. Eine trockene Scheide entsteht häufig aufgrund eines zu niedrigen Östrogenspiegels, so etwa in den Wechseljahren. Sie kann aber auch viele andere Ursachen haben.

Scheidentrockenheit, auch vaginale Trockenheit genannt, kann sich durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen.

Typische Symptome einer Scheidentrockenheit sind:

Auf Dauer kann eine zu trockene Scheide die Scheidenwände poröser und verletzlicher machen. Das Risiko für Infektionen mit Pilzen oder Bakterien ist erhöht, zudem kommen Blasenentzündungen häufiger vor. Nicht zuletzt kann Scheidentrockenheit auf Dauer zu Problemen in der Partnerschaft führen: Die Frau kann den Geschlechtsverkehr als unangenehm empfinden, denn das Eindringen des Penis in die trockene Scheide ist erschwert und kann schmerzhaft sein.

Was die Scheide feucht hält

Gebärmutterhals und Zellen der Scheidenschleimhaut sondern normalerweise ein milchiges Sekret ab: den Fluor genitalis. Er hält die Scheide feucht und schützt unter anderem vor Krankheitserregern.

Eine gewisse Menge an Ausfluss ist also nicht nur völlig normal, sondern auch notwendig. Eine wichtige Rolle bei der Produktion von Scheidenflüssigkeit spielt das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Ist nur wenig Östrogen vorhanden, kann dies dazu führen, dass sich nicht ausreichend Sekret bildet, was eine Scheidentrockenheit begünstigt.

Ist die Frau sexuell erregt, sondern Blutgefäße und Drüsen in der Scheidenregion zusätzliche Flüssigkeit ab. Diese wirkt beim Geschlechtsverkehr wie ein natürliches Gleitmittel. Diesen Vorgang nennt man Lubrikation (lat.: lubricare = schlüpfrig, glatt machen). Die Lubrikation entsteht als Reaktion auf eine sexuelle Stimulation. Bildet sich zu wenig Vaginalsekret, sodass eine trockene Scheide entsteht, sprechen Ärzte von mangelnder Lubrikation beziehungsweise Hypolubrikation. 

Scheidentrockenheit: Ursachen

Scheidentrockenheit kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Sowohl körperliche als auch psychische Faktoren können dabei eine Rolle spielen. 

Scheidentrockenheit durch Östrogenmangel

Insbesondere in den Wechseljahren haben viele Frauen mit Scheidentrockenheit zu kämpfen:

  • Nach der letzten Regelblutung (Menopause) sinkt der Östrogenspiegel. Ist zu wenig Östrogen vorhanden, werden Haut und Schleimhäute der Vagina dünner und verletzlicher (sog. vaginale Atrophie), was eine trockene Scheide begünstigt.
  • Zudem ist die Schleimhaut der Vagina mit zunehmendem Alter schlechter durchblutet, was eine Scheidentrockenheit ebenfalls fördert.

Nicht nur in der natürlichen Phase der Wechseljahre kann der Östrogenspiegel sinken. Östrogenmangel kann auch andere Ursachen haben. Der Östrogenspiegel sinkt zum Beispiel:

  • durch manche Medikamente, etwa im Rahmen einer antihormonellen Therapie zur Behandlung von Brustkrebs; durch die Therapie gerät die behandelte Frau in künstlich herbeigeführte Wechseljahre
  • nach einer Entfernung der Eierstöcke
  • als Nebenwirkung nach einer Chemotherapie
  • nach einer Bestrahlung im Bereich des Beckens
  • nach der Geburt/während der Stillzeit
In den Wechseljahren leiden viele Frauen unter Scheidentrockenheit. © iStock

In den Wechseljahren leiden viele Frauen unter Scheidentrockenheit.


Scheidentrockenheit als Folge von Erkrankungen

Eine trockene Scheide kann als Begleitsymptom bei verschiedenen Erkrankungen auftreten. Dazu zählen etwa

Psychische Ursachen von Scheidentrockenheit

Wenn sich in der Vagina beim Geschlechtsverkehr zu wenig Sekret bildet, kann dies psychische Ursachen haben. So können etwa mangelnde Libido, Schamgefühle oder die fehlende Einstimmung vor dem Sex zu einer trockenen Scheide führen. Aber auch sexuelle Funktionsstörungen, die zum Beispiel aufgrund traumatischer Erfahrungen entstanden sind, können die Ursachen sein.

Darüber hinaus können Stress und Depressionen den Östrogenspiegel beeinflussen und so eine trockene Scheide begünstigen.

Weitere Ursachen von Scheidentrockenheit

Scheidentrockenheit kann durch viele weitere äußere Einflüsse ausgelöst oder verstärkt werden. Hierzu zählen unter anderem

Aber auch übertriebene Pflege kann die Ursache sein. Aggressive Seifen, Parfüms oder Lotionen verändern den pH-Wert des Scheidenmilieus und die Schleimhäute trocknen aus. Krankheitserreger, die vorher kaum eine Chance hatten, haben nun leichtes Spiel.

Scheidentrockenheit: Diagnose

Wenn Sie unter Scheidentrockenheit leiden, sollten Sie den Frauenarzt aufsuchen. Im Gespräch wird er zunächst nach Ihren genauen Beschwerden fragen. Zum Beispiel wird er wissen wollen, ob Sie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben.  

Um die möglichen Ursachen eingrenzen zu können, wird er zum Beispiel wissen wollen, ob Sie

  • bestimmte Vorerkrankungen haben oder ob Sie
  • Medikamente oder
  • die "Pille" einnehmen.

Anschließend wird der Arzt die Intimregion genau untersuchen. Möglicherweise wird er den pH-Wert der Scheide bestimmen. Vermutet er, dass die Scheidentrockenheit aufgrund eines Östrogenmangels entstanden ist, etwa durch die Wechseljahre, wird er den Hormonstatus bestimmen. Dafür entnimmt er eine Blutprobe, die er im Labor untersuchen lässt.

Hat der Arzt keine körperlichen Ursachen für die trockene Scheide gefunden, können möglicherweise Stress, Beziehungsprobleme oder psychische Erkrankungen dahinterstecken. In diesem Fall kann es sinnvoll sein, einen Psychologen oder Psychiater um Rat zu fragen.

Scheidentrockenheit kann durch ganz unterschiedliche Ursachen entstehen – das Gespräch und verschiedene Untersuchungen helfen dem Arzt, die Diagnose zu stellen. © iStock

Scheidentrockenheit kann durch ganz unterschiedliche Ursachen entstehen. Das Gespräch und verschiedene Untersuchungen helfen dem Arzt, die Diagnose zu stellen.

Was tun bei Scheidentrockenheit?

Scheidentrockenheit bedarf nicht immer unbedingt einer speziellen Therapie. In leichten, vorübergehenden Fällen von Scheidentrockenheit können Sie die Scheide mithilfe von rezeptfreien Gleitmitteln auf Wasserbasis aus der Apotheke befeuchten. Ist die Vagina ausreichend feucht, kann der Penis beim Geschlechtsverkehr leichter eindringen und Sie können Schmerzen verhindern. Die eigentliche Ursache für die trockene Scheide beseitigen Sie mit solchen Präparaten jedoch nicht.

Um den natürlichen pH-Wert wiederherzustellen, können Produkte hilfreich sein, die Milchsäure zuführen, etwa in Form von Zäpfchen.

Bei der Intimhygiene sollten Sie auf übertriebene Pflege mit Seife und aggressiven Produkten verzichten. In der Regel reicht es völlig aus, wenn Sie die Intimregion ein- bis zweimal täglich mit lauwarmem Wasser reinigen. Wer auf Pflegeprodukte nicht verzichten will, kann auf milde Präparate mit niedrigem pH-Wert zurückgreifen, die meist Milchsäure enthalten.

Scheidentrockenheit durch Östrogenmangel

Ist ein Östrogenmangel die Ursache für die Scheidentrockenheit (sog. atrophische Vaginitis), reicht es meist aus, lokal Gels, Cremes oder Zäpfchen zu verwenden. Diese gibt es entweder hormonfrei oder als östrogenhaltige Variante.

Bei Frauen in den Wechseljahren, die aufgrund des Östrogenmangels sehr stark unter Symptomen wie Scheidentrockenheit, Schwindel oder Hitzewallungen leiden, kommt eventuell auch eine Hormontherapie infrage. Hierfür stehen verschiedene Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate zur Verfügung, die jedoch auch Nebenwirkungen mit sich bringen können.

Ob eine solche Hormontherapie für Sie geeignet ist, wird der Arzt ganz individuell entscheiden. Sie sollte nur bei starken Beschwerden zum Einsatz kommen. Bei bestimmten Erkrankungen ist eine Hormontherapie ausgeschlossen, so etwa bei Brust- oder Gebärmutterkrebs.

Bei starken Beschwerden in den Wechseljahren kann der Arzt eine Hormontherapie in Erwägung ziehen. © iStock

Bei starken Beschwerden in den Wechseljahren kann der Arzt eine Hormontherapie in Erwägung ziehen.

Trockene Scheide bei Brustkrebs

Ist die Scheidentrockenheit als Folge einer antihormonellen Therapie bei Brustkrebs entstanden, normalisiert sich der Hormonspiegel bei jungen Frauen häufig wieder, wenn die Behandlung abgeschlossen ist. Dann lassen auch die Beschwerden nach. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Eine Hormonersatztherapie kommt bei Brustkrebspatientinnen nicht infrage, da dies das Risiko für einen Rückfall erhöht.

Um die Symptome zu lindern, können die Patientinnen auf Gleitmittel und spezielle Produkte zur Befeuchtung zurückgreifen. Östrogenhaltige Salben oder Gele können sie ebenfalls auftragen, sollten dabei aber auf eine niedrige Dosierung achten. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!

Hilfreich kann gegebenenfalls auch eine psychotherapeutische Behandlung sein, insbesondere, wenn die trockene Scheide als große Belastung erlebt wird oder wenn die Frau unter einer verminderten Libido leidet.

Trockene Scheide & Psyche

In einer Partnerschaft kann Scheidentrockenheit zum Problem werden, insbesondere, wenn die Frau beim Geschlechtsverkehr Schmerzen hat. Auch kann es sein, dass die Frau nicht ausreichend erregt ist, sodass nicht genug Flüssigkeit gebildet wird. Ein offenes Gespräch mit dem Partner kann oft schon zu einer unbeschwerten Sexualität verhelfen. Sollte das nicht ausreichen, sollte man sich nicht scheuen auf professionelle Hilfe zurückzugreifen.

Therapeutischer Rat kann auch bei einer sexuellen Funktionsstörung oder psychischen Erkrankungen vonnöten sein, etwa, wenn traumatische Erlebnisse dazu führen, dass die gewünschte Erregung ausbleibt.

Scheidentrockenheit: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Dyspareunie: Wenn Sex schmerzhaft ist
Forum Gynäkologie 
Forum Wechseljahre

Quellen:

Online-Informationen des Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Abrufdatum: 11.12.2017)

Vaginal atrophy. Online-Informationen der Mayo Clinic: mayoclinic.com (Stand: 4.8.2017)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2017)

Hormone und Krebsrisiko. Online-Informationen des Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: www.krebsinformationsdienst.de (Stand: 21.11.2016)

Regner, A.: Vaginaltrockenheit: Schmerzhaftes Tabu. Die PTA in der Apotheke 04/15, S. 130 f. (April 2015)

Lattrich, C.: Klimakterium: Hormontherapie unter der Lupe. Pharmazeutische Zeitung online, Ausgabe 30/2014 (Stand: 2014)

Ortmann, O., Lattrich, C.: Therapie von Beschwerden in den Wechseljahren. Deutsches Ärzteblatt Jg. 109, Heft 17, S. 316-324 (27. April 2012)

Gerdemann, A.: Intimhygiene: Weniger ist mehr. Die PTA in der Apotheke, Online-Publikation. Ausgabe 7/2011 (Juli 2011)

Aktualisiert am: 11. Dezember 2017

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