Eine Frau riecht an einer Parfumprobe
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Geruchsstörung (Riechstörung, Dysosmie)

Plötzlich riecht der Kaffee nach gar nichts – oder nach etwas ganz anderem: Bei einer Geruchsstörung kann das Riechen in unterschiedlicher Weise beeinträchtigt sein. Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von Infekten über Allergien bis hin zu Schädelverletzungen, Schadstoffen und bestimmten Grunderkrankungen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Geruchsstörung

Riechstörungen sind keine Seltenheit. Schätzungen ist der Geruchssinn bei bis 5 von 100 Personen mehr oder weniger beeinträchtigt. Das bedeutet: Die Betroffenen riechen nur noch wenig oder gar nichts – oder aber ihre Geruchswahrnehmung ist gesteigert. Eine Riechstörung kann aber auch bedeuten, dass eine Person einen Geruch anders wahrnimmt als andere Menschen.

Was versteht man unter einer Geruchsstörung?

Eine Geruchsstörung (auch: Riechstörung) bezeichnen Mediziner als Dysosmie. Es gibt verschiedene Formen von Geruchsstörungen:

  • Bei einer quantitativen Geruchsstörung nimmt eine Person Gerüche deutlich schwächer oder stärker wahr als andere Menschen. Auch kann es vorkommen, dass die Person gar nichts mehr riechen kann.
  • Bei einer qualitativen Geruchsstörung ist die Geruchswahrnehmung hingegen krankhaft verändert. Betroffene nehmen Gerüche anders wahr als gesunde Menschen.

Quantitative Geruchsstörung: Zu viel oder zu wenig Geruch

Eine quantitative Geruchsstörung kann sich in verschiedenen Ausprägungen zeigen:

  • Anosmie: Der Geruchssinn ist entweder komplett verloren gegangen oder das Riechen ist stark vermindert.
    • komplette Anosmie: Der Geruchsinn ist komplett ausgefallen.
    • funktionelle Anosmie: Das Riechvermögen ist deutlich eingeschränkt.
    • partielle/spezifische Anosmie: Bestimmte Duftstoffe oder Duftstoffgruppen werden nicht mehr wahrgenommen.
  • Hyposmie: Bei einer Hyposmie ist das Riechvermögen ebenfalls vermindert, aber nicht so stark wie bei der Anosmie.
  • Hyperosmie: Die Person reagiert überempfindlich auf Geruchsreize. Eine Hyperosmie kommt selten vor.

Ist das Riechvermögen normal, spricht man von einer Normosmie.

Qualitative Geruchsstörung: Veränderte Geruchswahrnehmung

Bei den qualitativen Geruchsstörungen unterscheiden Ärzte zwischen folgenden Formen:

  • Parosmie: Betroffene nehmen Gerüche anders wahr als der Durchschnitt. Sie empfinden zum Beispiel einen Geruch als sehr unangenehm, während ihre Mitmenschen denselben Geruch als nicht störend empfinden.
  • Phantosmie: Menschen, die an dieser Geruchsstörung leiden, nehmen Gerüche wahr, die eigentlich nicht vorhanden sind – sie phantasieren einen Geruch.
  • olfaktorische Intoleranz: Betroffene reagieren übersensibel auf Duftstoffe, obwohl die Riechzellen nicht empfindlicher sind als normal.

Oft ist nicht nur der Geruchssinn, sondern gleichzeitig auch das Schmecken beeinträchtigt.

Wie funktioniert der Geruchssinn?

Ob Kaffeeduft, das Aroma einer leckeren Mahlzeit oder die Ausdünstung alter Socken: Gelangt ein Geruch aus der Atemluft oder dem Mund in die Nase, werden bestimmte Zellen aktiviert – die Riechzellen. Diese befinden sich zwischen den Augäpfeln tief im Inneren der Nase.

Das von den Riechzellen empfangende Geruchssignal gerät über den Riechnerv (Nervus olfactorius weiter) in das Gehirn. Dort wird der Reiz verarbeitet – und der Kaffeeduft normalerweise auch als solcher wahrgenommen.

Geruchsstörung: Ursachen

Je nachdem, welche Ursache eine Geruchsstörung (Dysosmie) hat, unterscheiden Ärzte zwischen

  • sinunasalen,
  • nicht-sinunasalen und
  • idiopathischen Geruchsstörungen.

Von einer sinunasalen Geruchsstörung sprechen Ärzte, wenn das Riechen behindert ist, etwa durch eine Erkrankung oder Veränderung der Nase oder der Nasennebenhöhlen. Das olfaktorische System – also die Riechzellen in der Riechschleimhaut (Riechepithel) sowie der Riechnerv – bleibt dabei intakt.

Bei einer nicht-sinunasalen Geruchsstörung sind Teile des Riechapparats (sog. olfaktorisches System) beschädigt. Zum Beispiel funktionieren die Riechzellen in der Nasenschleimhaut nicht mehr richtig. Auch kann es sein, dass der Geruchsnerv die Reize nicht mehr an das Gehirn weiterleitet.

Manchmal kann der Arzt keine konkrete Ursache für die Riechstörung finden. Dann handelt es sich um eine idiopathische Geruchsstörung, das heißt, eine Geruchsstörung unbekannter Ursache.

Riechstörungen im Alter

Im höheren Alter ist es ganz normal, dass die Geruchswahrnehmung abnimmt. Allerdings kann ein nachlassendes Riechvermögen bei Senioren auch auf eine Erkrankung hinweisen, zum Beispiel Alzheimer oder Parkinson. Daher ist es wichtig, solche Beschwerden ernst zu nehmen und im Zweifel abklären zu lassen.

Sinunasale Geruchsstörungen: Mögliche Ursachen

Die häufigsten Ursachen einer sinunasalen Geruchsstörung sind:

Als weitere Ursachen kommen infrage:

  • Polypen in der Nase
  • anatomische Gegebenheiten/Veränderungen, z.B. durch
    • eine Verkrümmung der Nasenscheidewand
    • Verengungen aufgrund von Tumoren oder Verletzungen
    • eine operative Nasenumgestaltung
  • Nebenwirkungen von Medikamenten, z.B. geschwollene Schleimhäute nach einer Hormontherapie
  • operative Entfernung des Kehlkopfes (totale Laryngektomie)

Nicht-sinunasale Geruchsstörungen: Mögliche Ursachen

Ursachen für nicht-sinunasale Geruchsstörungen können sein:

  • vorangegangene virale Infektionskrankheiten der oberen Luftwege: Vermutlich können bestimmte Stoffwechselprodukte der Viren den Riechnerv beschädigen, was das Riechvermögen beeinträchtigt.
  • Kopfverletzungen: Wenn durch eine Kopfverletzung Hirnbereiche geschädigt sind, die für den Geruchssinn verantwortlich sind, kann die Geruchswahrnehmung plötzlich ausfallen. Dies kann z.B. nach einem Schädel-Hirn-Trauma der Fall sein. Auch können durch einen Sturz oder ein Schlag auf den Kopf die Riechnerven beschädigt werden.
  • Kontakte mit giftigen oder reizenden Stoffen: Dazu gehören z.B. Kohlendioxid oder Zigarettenrauch.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Dazu zählen u.a. bestimmte Antibiotika (z.B. Streptomycin), Antirheumatika (z.B. D-Penicillamin), Chemotherapeutika (z.B. Methotrexat) oder Antidepressiva (z.B. Amitryptilin).

Riechstörungen können darüber hinaus durch bestimmte neurologische, internistische oder psychiatrische Erkrankungen ausgelöst werden. Hierzu zählen unter anderem:

Selten ist eine Geruchsstörung angeboren. Die betroffene Person kann dann von Geburt an nicht riechen. Manchmal steckt eine erbliche Erkrankung dahinter, zum Beispiel das sogenannte Kallmann-Syndrom.

Geruchsstörung: Diagnose

Das Gespräch zwischen Arzt und Patient kann bereits Aufschluss darüber geben,

  • ob tatsächlich eine Geruchsstörung vorliegt und
  • welche Ursachen diese haben könnte.

Erster Ansprechpartner kann der Hausarzt sein. Der Arzt wird seinem Patienten Fragen stellen wie:

  • Ist Ihr Geruchssinn eingeschränkt oder können Sie gar keine Gerüche mehr wahrnehmen?
  • Können Sie einen speziellen Duftstoff nicht mehr wahrnehmen?
  • Ist Ihr Geschmacksempfinden intakt?
  • Haben Sie weitere Beschwerden?
  • Nehmen Sie in letzter Zeit Medikamente ein? Wenn ja, welche?
  • Hatten Sie einen Unfall?
  • Hatten Sie Kontakt zu bestimmten Reizstoffen?
  • Haben Sie Vorerkrankungen, die zu vorübergehenden Geruchsstörungen führen können, z.B. Diabetes mellitus oder eine Allergie?

Wenn der Arzt diese und weitere Fragen geklärt hat, untersucht er gründlich die Nase, den Nasenrachen, die Nasennebenhöhlen und die Schleimhaut im oberen Nasengang (sog. Riechspalte). Gegebenenfalls überweist er seinen Patienten an einen HNO-Arzt oder einen Neurologen.

Riechtests

Um die Geruchsstörung genauer zu identifizieren, führt der Arzt unterschiedliche Riechtests durch. So ermittelt er zum Beispiel, in welcher Konzentration ein Duft vorliegen muss, damit ihn die Person noch riechen kann. Bei anderen Tests soll die Person bestimmte Duftstoffe erkennen (z.B. mithilfe von Riechstiften, sog. "Sniffin’ Sticks"). Andere Verfahren beruhen darauf, mithilfe eines EEGs Signale aus den Hirnströmen abzuleiten, die nach einer Duftreizung entstehen.

Weiterführende Untersuchungen

Je nach vermuteter Ursache sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen nötig, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können. Dazu gehören zum Beispiel eine Magnetresonanztomographie (CT bzw. MRT) sowie verschiedene neurologische Tests.

Geruchsstörung: Therapie

Die Therapie einer Geruchsstörung (Dysosmie) richtet sich nach der jeweiligen Ursache. Daher ist eine sorgfältige Diagnosestellung durch den Arzt besonders wichtig. Ist die Geruchsstörung Begleitsymptom einer Grunderkrankung wie zum Beispiel Parkinson, ist auf jeden Fall eine zielgerichtete Therapie dieser Krankheit notwendig.

Je nach Ursache kommen zum Beispiel folgende Behandlungsmöglichkeiten infrage:

  • die Therapie mit Medikamenten
  • ein operativer Eingriff
  • Riechtraining
  • Vermeiden der möglichen Auslöser

Welches Verfahren zum Einsatz kommt, ist vor allem von der Ursache abhängig. Einige Beispiele:

  • Bei einer chronischen Entzündung der Nase und Nasennebenhöhlen wird der Arzt entzündungshemmende Wirkstoffe aus der Gruppe der Kortikosteroide verschreiben. Möglicherweise ist auch ein operativer Eingriff nötig.
  • Bei einer Riechstörung, die aufgrund eines vorangegangenen Infekts entstanden ist, kann ein Riechtraining hilfreich sein. Dabei schult der Patient über mehrere Monate hinweg ganz gezielt sein Riechvermögen. Das Training sollte so bald wie möglich begonnen werden.
  • Polypen oder Tumoren der Nase oder der Nasennebenhöhlen können operativ entfernt werden.
  • Sind anatomische Veränderungen für die Geruchsstörung verantwortlich, etwa eine Verkrümmung der Nasenscheidewand, kann ein Chirurg diese in einer Operation korrigieren.
  • Verursacht ein bestimmtes Medikament die Geruchsstörung, wird der Arzt gegebenenfalls das Medikament austauschen oder die Dosis anpassen. Sind bestimmt Schadstoffe für die Störung verantwortlich, gilt es, diese möglichst zu meiden.

In manchen Fällen kann sich eine Riechstörung nach einiger Zeit spontan bessern. Eine vorübergehende Riechstörung, die im Rahmen einer akuten Erkältung auftritt, muss nicht speziell behandelt werden. Sie klingt in der Regel von allein wieder ab.