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Bauchkrämpfe

Till von Bracht
Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Till von Bracht • Medizinredakteur
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Ob Kneifen, Ziehen oder Stechen – Bauchkrämpfe können sich auf verschiedene Weise äußern. Zum Beispiel bei Durchfall, nach dem Essen oder in der Schwangerschaft entstehen sie, wenn sich die Muskeln in den Verdauungsorganen krampfhaft zusammenziehen. In vielen Fällen ist bei Bauchkrämpfen auch die Bauchdecke gespannt.

Überblick

Die gute Nachricht vorweg: Bauchkrämpfe sind meist harmlos und verschwinden oft nach kurzer Zeit. Sie können aber auch im Rahmen von verschiedenen Erkrankungen oder infolge von Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten auftreten. 

Normalerweise bewegt sich der Darm rund um die Uhr, um den Speisebrei durch den Verdauungstrakt zu transportieren und gleichzeitig gut zu durchmischen. Der medizinische Fachausdruck dafür lautet Darmperistaltik. Wenn die Verdauung jedoch gestört ist, ziehen sich die Muskeln im Magen-Darm-Trakt krampfhaft zusammen. Die Folge: Bauchkrämpfe.

Je nach Ursache gehen Bauchkrämpfe oft mit weiteren Beschwerden einher:

Vor allem bei länger andauernden, kolikartigen oder sehr starken Bauchkrämpfen ist es wichtig, die Ursache der Beschwerden rasch von einem Arzt abklären zu lassen. Er stellt dazu einige Fragen und untersucht den Betroffenen eingehend.

Da sich die Behandlung von Bauchkrämpfen nach der zugrunde liegenden Erkrankung richtet, ist es besonders wichtig, die jeweiligen Ursachen für die Bauchkrämpfe ausfindig zu machen.

Ursachen

Viele Menschen leiden immer mal wieder unter Bauchkrämpfen – in den meisten Fällen sind sie aber harmlos. Bauchkrämpfe können die unterschiedlichsten Ursachen haben: Stress und Aufregung, falsche Ernährung (wie fettige Speisen, zu viel Kaffee, zu hastiges Essen) oder eine vorübergehende Magenverstimmung sind nur einige davon. Das Reizdarm-Syndrom ist ebenfalls ein häufiger Grund für krampfartige Bauchschmerzen. Auch Durchfall oder längere Verstopfung (Obstipation) können Bauchkrämpfe auslösen.

Viele Frauen und Mädchen leiden während ihrer Regelblutung unter Unterleibskrämpfen (Regelschmerzen).

Darüber hinaus können weitere Erkrankungen Bauchkrämpfe hervorrufen. Zu den möglichen Ursachen zählen unter anderem:

Nicht immer ist der Darm Ursprung der Bauchkrämpfe. Auch Magenbeschwerden, etwa aufgrund einer Magenschleimhautentzündung oder eines Magengeschwürs, Nierenerkrankungen (wie Nierensteine) und gynäkologische Ursachen (wie Endometriose) stecken manchmal hinter den Symptomen.

Kolikartige Bauchschmerzen

Wenn die Bauchkrämpfe wehenartig stärker werden und dann wieder nachlassen, spricht man von Koliken. Ursache für Bauchkoliken sind häufig Steine, die nach einer fettreichen und üppigen Mahlzeit aus der Gallenblase in die Gallengänge gespült werden und dort stecken bleiben. Die Muskeln in der Wand der Gallenwege ziehen sich dann krampfartig zusammen, um den Gallenstein durch die Gallengänge bis in den Dünndarm zu pressen.

Sind die Bauchkrämpfe besonders schmerzhaft, verschlimmern sie sich, halten sie bereits mehrere Tage an oder/und treten weitere Beschwerden wie Fieber, Durchfall oder Erbrechen auf, ist es in jedem Fall ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Er kann herausfinden, was die Bauchkrämpfe auslöst und die jeweiligen Ursachen gegebenenfalls behandeln.

Ursachen im Überblick:

In der Schwangerschaft

Bauchschmerzen und -krämpfe können gerade in der Schwangerschaft sehr beunruhigend sein. Sie sind aber nicht zwangsläufig ein Anzeichen für eine Fehlgeburt oder andere schwerwiegende Probleme.

Trotzdem sollten Sie mit Ihrem Arzt der Ursache auf den Grund gehen, wenn sich die Krämpfe häufen – vor allem wenn Blutungen oder Fieber hinzukommen.

Therapie

Bauchkrämpfe bedürfen meistens keiner speziellen Therapie, da sie oft harmlos sind. In der Regel helfen schon ganz einfach Hausmittel.

Hausmittel gegen Bauchkrämpfe:

Besonders wichtig ist es jetzt, auf eine gesunde, nicht belastende Ernährung (wenig Fett, Alkohol und blähende Speisen) zu achten.

Wenn Sie ausreichend trinken (etwa eineinhalb bis zwei Liter pro Tag), viele Ballaststoffe zu sich nehmen und sich regelmäßig bewegen, fördern Sie die natürliche Darmbewegung und somit die Verdauung.

Die ursächliche Behandlung von Bauchkrämpfen richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung. Vor allem bei länger andauernden, kolikartigen oder sehr starken Bauchkrämpfen ist es wichtig, die Ursache der Beschwerden herauszufinden. Reichen bei einer "einfachen" Verstopfung oftmals abführende Maßnahmen aus, können bei bestimmten Darminfekten Antibiotika notwendig sein. Bei Gallensteinen oder Darmtumoren als Ursache der Bauchkrämpfe ist eine Operation zumeist die geeignete Therapie.

Neben der ursächlichen Therapie der Bauchkrämpfe sind oft auch sogenannte "symptomatische" Therapie-Maßnahmen notwendig, die zwar nicht die Ursachen beseitigen, aber die Beschwerden lindern. Als Medikamente können bei starken Bauchkrämpfen sogenannte Spasmolytika helfen, also krampflösende Schmerzmittel wie Butylscopolamin, sowie die Darmmuskulatur entspannende Medikamente wie Mebeverin und Phytotherapeutika (pflanzliche Mittel mit Pfefferminze, Kümmel, Kamille, Fenchel oder Anis).

Diagnose

Da es viele verschiedene Gründe für Bauchkrämpfe gibt, sind für eine genaue Diagnose unterschiedliche Untersuchungen notwendig. Zunächst ist es wichtig, die ausführliche Krankengeschichte (Anamnese) festzuhalten.

Der Arzt stellt deshalb eine Reihe von Fragen – zum Beispiel:

Es folgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt den Bauch abtastet, abklopft und mit dem Stethoskop abhorcht. Finden sich Hinweise auf eine Erkrankung des Dickdarms, tastet der Arzt gegebenenfalls den Enddarm des Patienten mit dem Finger aus (rektale Untersuchung).

Je nach Ergebnis der vorangegangenen Untersuchungen und nach vermuteter Ursache der Bauchkrämpfe können zur richtigen Diagnose weitere Maßnahmen notwendig sein. Dazu zählen unter anderem:

Ist die Ursache der Bauchkrämpfe immer noch nicht auffindbar, können gegebenenfalls weitere Diagnose-Tests Aufschluss bringen:

Quellen

Onmeda-Lesstipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2018

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 26.6.2018)

Füeßl, H., Middeke, M.: Duale Reihe. Anamnese und Klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2014

Siegenthaler, W.: Siegenthalers Differenzialdiagnose: Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2012

Nürnberger, H.-R. et al.: Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer, München 2010

Letzte inhaltliche Prüfung: 26.06.2018
Letzte Änderung: 26.04.2019