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Gewichtsabnahme

Letzte Änderung:
Autor*in: Till von Bracht, Medizinredakteur

Eine Gewichtsabnahme kann viele verschiedene Ursachen haben. Oftmals wünschen sich Menschen, die übergewichtig sind oder sich mit ihrem aktuellen Körpergewicht nicht wohl fühlen, ein geringeres Körpergewicht. Einige versuchen dann zum Beispiel durch den Verzicht auf Kohlenhydrate (Low Carb) oder durch Sport möglichst schnell an Gewicht zu verlieren.

Definition

Aber: Eine schnelle Gewichtsabnahme ist häufig nicht gesund. Übereilte Crash-Diäten führen zwar dazu, dass man schnell einige Kilos verliert – dabei handelt es sich aber vorwiegend um Wasser und Muskelmasse. Eine dauerhafte Gewichtsabnahme ohne Muskelabbau und ohne Jo-Jo-Effekt ist nur mit einer langfristigen Ernährungsumstellung und regelmäßigem Sport möglich. Ob man dabei nun auf Süßigkeiten, Milchprodukte oder Alkohol verzichtet und ob man auf dem Crosstrainer trainiert oder Krafttraining betreibt, ist erstmal nebensächlich. Wichtig ist vor allem, dass man täglich mehr Kalorien verbraucht, als man aufnimmt. 

Einige versuchen auch, durch die Einnahme von L-Thyroxin oder anderen Schilddrüsenmedikamenten besonders schnell abzunehmen. L-Thyroxin ist ein Hormonersatzpräparat, das eingesetzt wird, wenn die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert. Diese "Ersatzhormone" führen dazu, dass der Grundumsatz steigt – das heißt man verbrennt in Ruhe mehr Kalorien als vorher.

Hinter einer Gewichtsabnahme können aber auch verschiedene Krankheiten sowie psychische Belastung stecken – hierzu zählen beispielsweise

Auch im Rahmen einer HIV-Infektion beziehungsweise einer AIDS-Erkrankung nehmen die Patienten häufig ab.

Manchmal kommt es auch zu Beginn einer Schwangerschaft zu einer vorübergehenden Gewichtsabnahme. Dies ist zwar eher ungewöhnlich, aber in der Regel kein Grund zur Besorgnis. Die Ursachen können unter anderem Übelkeit und Erbrechen sein. Vier von fünf Schwangeren haben mit Schwangerschaftsübelkeit zu tun – vor allem morgens und vor allem in den ersten Schwangerschaftswochen. Darüber hinaus nehmen einige Frauen eine Schwangerschaft als Anlass dafür, sich gesünder zu ernähren. Auch das kann der Grund für eine anfängliche Gewichtsabnahme in der Schwangerschaft sein. 

Eine wichtige Rolle bei einer Gewichtsabnahme spielen auch Essstörungen wie Magersucht (Anorexia nervosa). Bei dieser psychischen Erkrankung hungern sich die Betroffenen bewusst "runter" – oftmals bis zu einem lebensbedrohlichen Untergewicht. Zusätzlich besteht die krankhafte Angst vor einer Gewichtszunahme. Magersucht tritt häufig bei Mädchen, etwas seltener auch bei Jungen auf. Oft beginnt die Essstörung in der Pubertät. Sie erfordert eine intensive Psychotherapie sowie eine medizinische Betreuung bei starkem Untergewicht.

Eine Gewichtsabnahme kann auch die Folge von emotionalem Stress und psychischer Anspannung sein, etwa nach Trauerfällen, bei Liebeskummer oder in Prüfungssituationen. Hierbei handelt es sich zumeist nur um eine vorübergehende Gewichtsabnahme. Oftmals reguliert sich das Körpergewicht wieder von alleine, sobald sich die Belastungssituation auflöst.

Tritt eine Gewichtsabnahme plötzlich, ohne erkennbaren Grund auf, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Das gilt insbesondere für eine starke und anhaltende Gewichtsabnahme.

Ursachen

Eine Gewichtsabnahme kann verschiedene Ursachen haben – meist ist sie harmlos und erklärt sich durch veränderte Ernährungs- oder Lebensgewohnheiten. Wer zum Beispiel weniger isst, sich mehr bewegt oder eine Diät macht, nimmt in der Regel ab.

Wenn die Gewichtsabnahme jedoch ohne Grund auftritt, kann auch Stress oder eine Krankheit dahinterstecken. In solchen Fällen sollte man seinen Hausarzt aufsuchen.

Das gezielte extreme Hungern bei Essstörungen, vor allem bei der Magersucht (Anorexia nervosa) und teilweise auch bei der Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa), führt zu einer mitunter lebensgefährlichen Gewichtsabnahme. Auch bei Stress oder anderen psychischen Erkrankungen, zum Beispiel Depressionen, treten häufig Gewichtsveränderungen auf, weil die Betroffenen die "Lust am Essen" verloren haben oder sich gezielt schädigen wollen. 

Körperliche Krankheiten, die einer raschen Gewichtsabnahme als Ursachen zugrunde liegen können, sind unter anderem:

Diagnose

Eine ungewollte rasche Gewichtsabnahme ohne erkennbaren Grund erfordert eine genaue Diagnose durch den Hausarzt. Der Arzt erfragt im Anamnesegespräch unter anderem:

Ihr aktuelles Körpergewicht stellt der Arzt mithilfe einer Waage fest. Danach kann er Ihren Body Mass Index (BMI) errechnen. Dieser gibt einen Anhaltspunkt, ob Sie bereits untergewichtig sind. Um das Ausmaß und die Ursache der Gewichtsabnahme herauszufinden, folgt im Rahmen der Diagnose eine gründliche körperliche Untersuchung, bei der auch Puls und Blutdruck gemessen werden. Gegebenenfalls kommen auch ein EKG oder eine Ultraschalluntersuchung in Betracht.

Eine Blutuntersuchung gibt weiteren Aufschluss über die mögliche Ursache der Gewichtsabnahme. Für die Diagnose sind unter anderem folgende Werte wichtig:

Auch eine Stuhlprobe kann bei Gewichtsabnahme zur Diagnose sinnvoll sein, beispielsweise zum Nachweis einer Wurminfektion. Besteht der Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus, Darmerkrankung, Krebserkrankung) als Ursache der Gewichtsabnahme, sind für eine sichere Diagnose weitere spezielle Untersuchungen nötig.

Therapie

Was bei einer Gewichtsabnahme zu tun ist, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Wenn Sie sich unbewusst oder stressbedingt falsch ernährt haben, also zum Beispiel über einen längeren Zeitraum weniger gegessen haben, als Ihr Körper benötigt, ist es wichtig, Ihre Ernährung sowie Ihr Essverhalten wieder zu normalisieren. Der behandelnde Arzt sowie weitere Therapeuten können Sie dabei unterstützen. Zusammen mit einem Ernährungsberater können Sie zudem einen Ernährungsplan aufstellen, der Ihnen hilft, Ihr Körpergewicht wieder zu steigern und dauerhaft zu halten. Dies empfiehlt sich vor allem für Personen, die unter Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten leiden und dadurch Gewicht verloren haben.

Vor allem bei Essstörungen (wie Magersucht) und psychischen Erkrankungen, die eine Gewichtsabnahme verursachen, kann die Therapie auch eine psychotherapeutische und/oder psychiatrische Behandlung umfassen – dies ist insbesondere (überlebens)wichtig, wenn bereits starkes Untergewicht besteht.

Liegt der Gewichtsabnahme eine bestimmte organische Erkrankung zugrunde (z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes mellitus ), besteht die Therapie meist aus bestimmten Medikamenten. Wurminfektionen als Ursache der Gewichtsabnahme behandelt der Arzt mit speziellen Wurmmitteln (Anthelminthika, z.B. Niclosamid-Tabletten).

Hängt die Gewichtsabnahme mit einer Magen-Darm-Infektion zusammen, ist während und unmittelbar nach der Infektion Schonkost empfehlenswert. Nach überstandener Erkrankung können Sie Ihren Speiseplan dann langsam wieder an Ihre normalen Essgewohnheiten anpassen, um das verlorene Gewicht gegebenenfalls auszugleichen.

Sollte eine Krebserkrankung den Gewichtsverlust verursacht haben, ist je nach Tumor und Stadium eine gezielte Therapie (z.B. Operation, Chemo-, Strahlentherapie) erforderlich. Falls Sie einen Zusammenhang zwischen einer Gewichtsabnahme und bestimmten Medikamenten vermuten, sollten Sie Ihren Verdacht unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Er kann Ihnen gegebenenfalls ein anderes Präparat verordnen. Bitte setzen Sie auf keinen Fall Medikamenten ohne ärztliche Aufsicht ab!

Quellen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Gewichtsabnahme":

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Schilddrüsenhormone. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Schewior-Popp, S., Sitzmann, F., Ullrich, L.: Thiemes Pflege – Das Lehrbuch für Pflegende in Ausbildung. Thieme, Stuttgart 2012

Battegay, E. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2012

Steffen, H.M. et al.: Internistische Differenzialdiagnostik: Ausgewählte evidenzbasierte Entscheidungsprozesse und diagnostische Pfade. Schattauer, Stuttgart 2008

Dahmer, J.: Anamnese und Befund: Die symptom-orientierte Patientenuntersuchung als Grundlage klinischer Diagnost. Thieme, Stuttgart 2006

Sturm, A., Zidek, W.: Checkliste XXL Differenzialdiagnose Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2003

Letzte inhaltliche Prüfung: 19.01.2017
Letzte Änderung: 18.10.2021