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Osteoporose vorbeugen – mit Sport

Letzte Änderung:
Verfasst von Till von Bracht • Medizinredakteur

Bereits ab dem 40. Lebensjahr nimmt die Knochenmasse bei jedem gesunden Menschen ab. Mit jedem Lebensjahr verlieren die Knochen dann circa 0,5 bis 1 Prozent ihrer Masse. Bei einigen verläuft der Knochenabbau allerdings schneller: Sie sind von einer Osteoporose betroffen, im Volksmund auch als Knochenschwund bezeichnet.

Allgemeines

Bei dieser Erkrankung werden die Knochen mit der Zeit immer poröser und weicher. Die Gefahr, dass sie zum Beispiel bei einem Sturz brechen, ist dann höher als bei einem gesunden Menschen.

Bei der Vorbeugung der Osteoporose spielen Sport und Bewegung – neben einer ausgewogenen Ernährung und dem Verzicht auf Rauchen und Alkohol – eine besondere Rolle. Denn mit regelmäßigem Sport kann man dem Knochenabbau effektiv entgegenwirken. Der Grund: Körperliche Aktivität regt die Knochen dazu an, neue Knochenzellen zu bilden und damit – Knochenmasse aufzubauen.

Besonders Krafttraining hat sich dabei in Studien als sehr wirkungsvolle Trainingsform erwiesen. Aber auch Wandern, Joggen, Gymnastik und Ballsportarten wie zum Beispiel Tennis stärken die Knochen und machen sie auch im Alter weniger anfällig für Brüche und Verletzungen.

Ursachen & Risikofaktoren

Neben einer genetischen Veranlagung können bestimmte Verhaltensweisen und Lebensumstände die Entstehung einer Osteoporose (Knochenschwund) erhöhen. Hierzu zählen:

Im höheren Lebensalter, etwa ab dem 70. Lebensjahr, tritt die als Altersosteoporose bezeichnete Form von Osteoporose auf. Sie führt bei beiden Geschlechtern verstärkt zu Knochenbrüchen.

Warum ist Sport so wichtig für die Knochen?

Bei der Vorbeugung einer Osteoporose (Knochenschwund) spielen Sport und Bewegung eine bedeutende Rolle. Denn körperliches Training fördert den Aufbau und Erhalt der Knochenmasse und der Knochenqualität. Der Grund: Während man sich bewegt, üben Muskelzug und Schwerkraft mechanische Reize auf den Knochen aus – an ihm wird quasi "gezogen" und "gezerrt". Der Knochen reagiert auf die Reize: Der Knochenstoffwechsel wird angeregt und es werden neue Knochenzellen gebildet.

Wer seinen Knochenstoffwechsel durch Sport ankurbelt, kann sich gerade in jüngeren Jahren eine Art "Knochenpolster" aufbauen. Denn bis zum 40. Lebensjahr ist der Körper darauf programmiert, mehr Knochenmasse auf- als abzubauen und Sport kann diesen Prozess unterstützen. Danach beginnt ein natürlicher Abbauprozess: Mit jedem Lebensjahr verlieren die Knochen dann circa 0,5 bis 1 Prozent ihrer Masse. Je mehr Knochenmasse Sie sich also im Laufe der Jahre durch Sport antrainieren, desto besser.

Aber selbst wenn Sie das 40. Lebensjahr überschritten haben sollten, können Sie durch regelmäßigen Sport den Abbauprozess der Knochen verlangsamen – und so das Risiko für eine Osteoporose auch im höheren Lebensalter senken. Aus diesem Grund erkranken auch sportlich aktive Menschen seltener an Knochenschwund.

Sport spielt übrigens auch eine bedeutende Rolle bei der Therapie der Osteoporose, dies belegen verschiedene Studien. So fördern gezielte Bewegungsprogramme den Erhalt und Aufbau der Knochenmasse auch bei Menschen, die an Knochenschwund erkrankt sind. Der Krankheitsverlauf kann dadurch positiv beeinflusst werden.

Welche Sportarten sind besonders geeignet?

Mediziner und Sportwissenschaftler sehen besonders im Krafttraining den idealen Sport, um Knochen zu stärken und einer Osteoporose vorzubeugen. Denn durch das Muskeltraining entstehen größere Druck- und Zugbelastungen auf den Knochen als im Vergleich zu einem reinen Ausdauerprogramm. Der Knochen passt sich diesen Belastungen an: Er baut vermehrt Knochenmasse auf.

Zu empfehlen sind daher alle Fitnessübungen, die kräftigen und die Knochen dazu anregen, neue Knochenzellen zu bilden, wie zum Beispiel Kraftübungen aus der Gymnastik, Hanteltraining oder Übungen an Fitnessgeräten. Oder probieren Sie doch mal Klettern aus: Wer klettert, beansprucht die Muskeln und Knochen des gesamten Körpers und betreibt zudem ein ideales Muskelaufbautraining für den Rumpfbereich. Letzteres verhindert vor allem den Knochenabbau im Bereich der Wirbelsäule: Der Körper bleibt dadurch beweglicher.

© Jupiterimages/iStockphoto
Besonders Kraftübungen beugen effektiv einer Osteoporose vor

Ähnliche Wirkungen auf das Knochenwachstum haben auch Sportspiele wie Fußball, Handball, Basketball, Tennis oder Badminton. Der Grund: Das ständige Schießen, Werfen, Springen, Schlagen, Fangen oder Abstoppen bringt ebenfalls den Knochenstoffwechsel in Schwung. Allerdings sind diese Sportarten nicht für jedermann geeignet, weil sie sehr belastend für den Körper sein können – kleine oder größere Verletzungen an Muskeln, Gelenken oder Bändern können entstehen.

Deswegen sollten sich besonders ältere Menschen und Personen mit Übergewicht zunächst sportmedizinisch untersuchen lassen, bevor sie beispielsweise mit Tennis beginnen. Dies gilt auch für Sportmotivierte, die seit einigen Jahren nicht mehr sportlich aktiv waren.

Auch Ausdauersportarten wie Walking, Nordic Walking, Wandern oder Joggen wirken einer Osteoporose entgegen. Diese Sportarten regen zwar nicht so intensiv den Knochenstoffwechsel an wie etwa Krafttraining. Trotzdem fordern sie unsere Muskeln und Knochen und beugen ganz nebenbei Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen effektiv vor.

Für das allgemeine Wohlbefinden und das Herz-Kreislauf-System sind auch Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren günstig. Allerdings fördern diese Bewegungsformen weniger den Aufbau und Erhalt der Knochenmasse. So ist etwa beim Schwimmen die Schwerkraft im Prinzip außer Kraft gesetzt. Dadurch entstehen kaum Zug- und Druckbelastungen auf den Knochen – der Knochenstoffwechsel wird weniger angeregt.

Ideal ist es, sich einen gesunden Mix aus verschiedenen Sport-Trainingsformen zusammenzustellen und diese vielleicht durch Bewegungsformen wie Gymnastik, Tai-Chi oder Yoga zu ergänzen. Dadurch trainieren Sie alle Teilbereiche der körperlichen Fitness: Kraft, Ausdauer, Koordination, Beweglichkeit und Gleichgewicht – und beugen neben einer Osteoporose auch noch anderen Erkrankungen vor.

Grundsätzlich gilt: Irgendeine Bewegung ist immer noch besser als gar keine. Falls Sie also zu den Sportmuffeln zählen sollten, dann tun Sie sich und Ihrem Körper bereits etwas Gutes, wenn Sie häufiger die Treppe anstatt den Fahrstuhl benutzen oder mal das Auto stehen lassen und in die Pedalen Ihres Fahrrads treten.

Weitere Informationen

Quellen:

Felsenberg, D.: Wie man Frakturen verhindern kann. Deutsches Ärzteblatt, Jahrgang 106, Heft 47 (20. November 2009)

Halle, M., Schmidt-Trucksäss, A., Hambrecht, R., Berg, A.: Sporttherapie in der Medizin. Schattauer Verlag, Stuttgart 2008

Braumann, M.: Die Heilkraft der Bewegung. Heinrich Hugendubel Verlag, München 2006

Letzte inhaltliche Prüfung: 08.02.2010
Letzte Änderung: 11.11.2015