MS und Barrierefreiheit

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Multiple Sklerose verläuft bei jedem Betroffenen anders. Manchmal schreitet die Erkrankung sehr langsam voran und verursacht lange Zeit kaum Beeinträchtigungen. Dank moderner Therapien sind starke Behinderungen durch MS immer seltener. Wenn es doch zu stärkeren Einschränkungen kommt, können diese im Alltag Probleme bereiten.

Um die Beweglichkeit bei MS möglichst lange zu erhalten, ist es wichtig, körperlich aktiv zu bleiben. Denn Bewegung stärkt Ausdauer, Leistungsfähigkeit, Muskelkraft, Gleichgewicht und Mobilität – dies kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. Regelmäßiges Training im Rahmen einer Physiotherapie kann zum Beispiel dabei helfen, Fehlbelastungen vorzubeugen und das Körpergefühl sowie die Koordinationsfähigkeit zu verbessern.

Wenn es trotzdem irgendwann so weit kommt, dass die multiple Sklerose die Bewegungsfreiheit einschränkt, kann es notwendig werden, die unmittelbare Umgebung wie Wohnung und Arbeitsplatz an körperliche Einschränkungen anzupassen und barrierefrei zu gestalten.

Allgemein bedeutet Barrierefreiheit, dass Gebäude und Orte, Arbeitsplatz und Wohnung, Verkehrsmittel und Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen und Freizeitangebote so gestaltet sind, dass sie für alle zugänglich und nutzbar sind – das heißt für Menschen mit Behinderung genauso wie für Menschen ohne Behinderung. Barrierefreiheit kann man in Form von barrierefreien Umbauten, speziellen Hilfsmitteln und technischen Arbeitshilfen schaffen.

Was bedeutet Barrierefreiheit für Menschen mit MS?

Durch multiple Sklerose können Fähigkeiten wie Gehen, Greifen oder Sehen eingeschränkt sein, was im täglichen Leben Probleme bereitet. Die MS-Beschwerden sind vielfältig und unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Entsprechend groß ist die Bandbreite an Hilfsmitteln, die im Alltag der Betroffenen für Barrierefreiheit sorgen und weiterhin ein selbstständiges Leben ermöglichen.

Multiple Sklerose kann zum Beispiel motorische Störungen und Sensibilitätsstörungen hervorrufen. Wenn dadurch Muskelkraft, Mobilität und Feinmotorik beeinträchtigt sind, gibt es für den Arbeitsplatz und für die Wohnung verschiedene Hilfsmittel, die Fortbewegung und Umgang mit alltäglichen Gerätschaften erleichtern. Dazu gehören unter anderem:

  • Gehhilfen und Rollstühle
  • individuell verstellbares Arbeitsmobiliar
  • Lesehilfen und Schreibhilfen (wie z.B. Griffverdickungen, Buch- und Konzepthalter)
  • spezielle Computerhilfsmittel und Software (wie Spezialtastaturen, Mausersatzgeräte, Spracherkennungssoftware)
  • Stützvorrichtungen, Hilfen für die Überwindung von Stufen, Entriegelungssysteme
    • Stützgriffe, Handläufe, Rollstuhllifte, Treppenlifte, Rampen, automatische Tür- und Fensteröffner

Oft führt multiple Sklerose zu Sehstörungen. Diese können die Sehkraft einschränken und im Alltag Probleme verursachen. Hier können elektronische Sehhilfen, wie Leuchtlupen oder ein Bildschirmlesegerät, ein gut ausgeleuchteter Arbeitsplatz und kontrastreiche Arbeitsmittel helfen. Die Wohnung kann ebenfalls entsprechend angepasst werden.

Auch Sprechstörungen gehören zu möglichen Beschwerden bei MS. Um die Kommunikation mit anderen Menschen zu erleichtern, können daher Sprechhilfen wie Stimmverstärker oder eine Computersoftware mit Symbolanzeige zum Einsatz kommen.

Beschwerden wie Fatigue werden durch Wärme und Lärm verstärkt. Hier können Maßnahmen zum Hitzeschutz (wie z.B. Klimaanlage, Ventilatoren, Sonnenschutzblenden) oder Lärmschutz (Trennwände, Schallschutzhauben für Drucker und Kopierer) sinnvoll sein.

Barrierefreies Wohnen

Barrierefreies Wohnen ist gerade für Menschen mit MS, die im Rollstuhl sitzen, ein wichtiges Thema. Dabei sind zum Beispiel passende Durchgangsbreiten und -höhen, feste Bodenbeläge und ein behindertengerechter Zugang zur Wohnung – zum Beispiel in Form eines Treppenlifts oder einer abgesenkten Rampe, um Stufen zu überwinden – wichtig, um sich im Rollstuhl in der Wohnung bewegen zu können.

Oft sind aufwendige Umbaumaßnahmen erforderlich, um eine herkömmliche Wohnung barrierefrei zu gestalten. Dies ist mit enormen Kosten verbunden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, solche Umbaumaßnahmen bezuschussen zu lassen.

Wer aufgrund seiner Behinderung einer Pflegestufe zugeordnet wird, kann bei der Pflegekasse einen Zuschuss zur behindertengerechten Anpassung seiner Wohnung inklusive Eingangsbereich beantragen. Darüber hinaus gibt es Landesförderprogramme, die barrierefreies Bauen unterstützen.

Für die Bezuschussung zur Barrierefreiheit am Arbeitsplatz sind meist die Agentur für Arbeit, die Rentenversicherung oder das Integrationsamt zuständig. Diese sogenannten Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben umfassen unter bestimmten Voraussetzungen barrierefreie Umbauten am Arbeitsplatz und im Eingangsbereich der Wohnung.

Auch Vergünstigungen bei der Aufnahme eines Kredits oder eines Investitionszuschusses für barrierefreies Bauen sind möglich (Kreditanstalt für Wiederaufbau, KfW).

Verschiedene Stiftungen haben sich zudem der finanziellen Unterstützung von Menschen mit MS verschrieben. Auch hier müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein, damit ein Zuschuss bewilligt wird.

Wer MS hat und Arbeitslosengeld II erhält, kann sich über eine Bezuschussung von wohnumfeldverbessernden Umbaumaßnahmen bei Sozialhilfeträgern (Grundsicherungsamt oder Jobcenter) erkundigen. Vorrangig müssen jedoch Ansprüche auf Maßnahmen der Pflegekasse und öffentliche Förderprogramme ausgeschöpft werden.

Tipps für barrierefreies Wohnen

  • Erkundigen Sie sich vor Beginn des Umbaus, welche Zuschüsse Ihnen zustehen und welche Möglichkeiten es gibt. In der Regel ist es möglich, mehrere Zuschüsse miteinander zu kombinieren.
  • Anträge müssen vor Baubeginn mit den entsprechenden Kostenvoranschlägen eingereicht werden. Bevor Sie mit den Umbaumaßnahmen beginnen, warten Sie die Bewilligung ab.
  • Wenn Sie in einer Mietwohnung wohnen, müssen Sie das Einverständnis vom Vermieter einholen.


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