Herz- und weitere Begleiterkrankungen bei multipler Sklerose (MS)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

© iStock

Wer multiple Sklerose (MS) hat, kann daneben auch andere Erkrankungen entwickeln. Wenn solche Begleiterkrankungen auftreten, kann das an der MS oder an gemeinsamen Risikofaktoren liegen, aber auch völlig unabhängig davon passieren.

Treten bei einem Menschen gleichzeitig mehrere diagnostisch unterscheidbare Krankheitsbilder auf, sprechen Mediziner auch von Komorbidität. Komorbiditäten können mit der eigentlichen Grunderkrankung (z.B. MS) zusammenhängen und den Verlauf beeinflussen, müssen es aber nicht.

Das heißt aber auch: Nicht immer, wenn ein Mensch mit MS neue Symptome entwickelt, steckt auch die multiple Sklerose dahinter. Um die Ursache abzuklären, sollten Betroffene ihren Neurologen oder ihren Hausarzt aufsuchen.

In vielen Fällen gelingt es, MS und ihre Begleiterkrankungen gut zu behandeln und den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Wer sich frühzeitig und konsequent um seine Gesundheit kümmert, hat darum gute Chancen, ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben zu führen und den Alltag flexibel gestalten zu können.

Zu den fünf häufigsten Begleiterkrankungen von MS zählen:

  • Depressionen
  • Angstzustände
  • Bluthochdruck
  • erhöhte Cholesterinwerte
  • chronische Atemwegserkrankungen

Dabei kommt es bei Weitem nicht in jedem Fall von multipler Sklerose zu einer Begleiterkrankung. Wie hoch das Risiko genau ist und ob – neben der MS – weitere Faktoren eine Rolle spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. Zwar gibt es hierzu schon eine Reihe von Studien, die sind aber allesamt nur schwer miteinander zu vergleichen und berücksichtigen oft nur einen Teil der Menschen mit MS. Beispiele:

  • In einer populationsbasierten Studie (das heißt, die untersuchte Gruppe repräsentiert alle Menschen mit MS und nicht nur einen bestimmten Teil) konnten die Wissenschaftler feststellen, dass gerade mal 20 Prozent der MS-Betroffenen Bluthochdruck haben. Zum Vergleich: In der Kontrollgruppe mit gesunden Menschen lag die Häufigkeit von Bluthochdruck bei 22 Prozent.
  • Einigen Untersuchungen zufolge ist multiple Sklerose mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (wie Schlaganfall oder koronare Herzkrankheit, KHK) verknüpft – vor allem bei älteren Menschen. Doch auch hier lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen: Betrachtet man nur die wenigen populationsbasierten Studien, so beträgt die Häufigkeit der KHK und des Schlaganfalls bei MS weniger als 5 Prozent.

Welche Begleiterkrankungen können bei MS noch vorkommen?                            

Neben Depressionen, Angstzuständen, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten und chronischen Atemwegserkrankungen sind bei MS folgende Begleiterkrankungen häufig zu beobachten:

  • Aus dem Bereich der Autoimmunerkrankungen treten Schilddrüsenerkrankungen und Schuppenflechte (Psoriasis) am häufigsten gemeinsam mit MS auf.
  • Die Krebserkrankungen, die am häufigsten neben MS diagnostiziert werden, sind Gebärmutterhalskrebs, Brustkrebs und Krebsarten des Verdauungssystems.

Aufgrund unterschiedlicher Untersuchungsmethoden und -teilnehmer ist es allerdings schwierig, verlässliche Informationen über die genaue Häufigkeit dieser Begleiterkrankungen zu bekommen. Nach derzeitigem Wissensstand ist davon auszugehen, dass die genannten Krebs- und Autoimmunkrankheiten bei Menschen mit MS etwa genauso häufig auftreten wie in der Gesamtbevölkerung.

Einige Untersuchungen deuten sogar darauf hin, dass multiple Sklerose insgesamt ein geringeres Risiko bedeutet, Krebs zu bekommen – nur Harnwegstumoren und das Meningeom (eine Form von Hirntumor) kommen bei Menschen mit MS möglicherweise häufiger vor.

Darüber hinaus haben Menschen mit multipler Sklerose laut einigen Studien häufiger chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Epilepsie, bipolare affektive Störungen, Katarakt und das Restless-Legs-Syndrom (RLS). Um sichere Aussagen zur Häufigkeit von Begleiterkrankungen bei MS treffen zu können, sind allerdings noch weitere Untersuchungen notwendig.

Was tun bei Begleiterkrankungen?

Tauchen neben MS plötzlich noch weitere Symptome auf, stellt sich zunächst die Frage: Ist das ein neues MS-Symptom, eine Nebenwirkung der MS-Behandlung oder vielleicht ein Anzeichen für eine ganz andere Erkrankung?

Daher sollte zunächst ein Neurologe abklären, ob ein Zusammenhang zwischen den neuen Problemen und MS besteht. Deutet nichts darauf hin, wenden Sie sich am besten als Nächstes an Ihren Hausarzt. Dieser wird Sie bei Bedarf an die richtigen Fachärzte überweisen.

Für alle Gesundheitsprobleme bei MS gilt: Es ist wichtig, dass die behandelnden Ärzte in den jeweiligen Fachgebieten erfahren sind.

Stellt sich heraus, dass Sie tatsächlich mehrere Erkrankungen gleichzeitig haben, gilt: Das schwerwiegendere Problem immer als Erstes angehen!

Was gilt es zu beachten?

Schon die MS-Behandlung an sich ist umfassend genug – kommen dann noch Begleiterkrankungen hinzu, gilt es, alle Behandlungsschritte aufeinander abzustimmen und mögliche Neben- und Wechselwirkungen im Blick zu behalten. Deshalb sollte jeder Ihrer behandelnden Ärzte stets über all Ihre Medikamente und sonstigen Behandlungsmaßnahmen informiert sein – vor allem, wenn sich die einzelnen Fachärzte nur um den Teil der Behandlung kümmern, der ihr Fachgebiet betrifft. Nur so können Ihre Ärzte beispielsweise mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten berücksichtigen.

Vergessen Sie auch nicht, Ihren Ärzten mitzuteilen, wenn Sie selbst gekaufte, nicht verschreibungspflichtige Medikamente anwenden oder wenn Sie alternative und ergänzende Behandlungsmaßnahmen in Anspruch nehmen. So helfen Sie Ihren Ärzten, die beste und sicherste Behandlung für Sie zu finden.

Hilfreich ist es auch, immer zur selben Apotheke zu gehen. Denn die meisten Apotheker verwenden Verschreibungscomputer, die automatisch auf mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten aufmerksam machen. Wenn Sie eine Stammapotheke haben, sorgen Sie bei umfassenderen Medikamentenkombis für noch mehr Sicherheit.

Was tun, wenn Sie sich überfordert fühlen?

Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihnen die Koordination der ganzen Arztbesuche, Tests und Behandlungsmaßnahmen langsam über den Kopf wächst? Dann scheuen Sie sich nicht, Hilfe zu suchen! Unterstützung finden Sie zum Beispiel bei den Beratungsstellen in den Landesverbänden der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).



Apotheken-Notdienst