Beruf und MS: Wann ist eine Umschulung sinnvoll?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

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Werde ich auch in Zukunft meinem Beruf nachgehen können? Und wenn nicht – was dann? Solche oder ähnliche Fragen stellen sich viele Menschen, bei denen multiple Sklerose diagnostiziert wurde. Die gute Nachricht: Auch bei körperlichen oder psychischen Handicaps muss MS nicht zwangsläufig zur vorzeitigen Rente führen.

Denn es gibt viele Wege, um die Berufstätigkeit trotz MS so gut wie möglich zu erhalten. Dazu zählen etwa verbesserte Bedingungen am Arbeitsplatz, die auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt sind. Aber auch eine Umschulung kann in manchen Fällen sinnvoll sein und neue Perspektiven bieten.

Multiple Sklerose zu haben muss nicht bedeuten, in Zukunft kein erfülltes Arbeitsleben mehr führen zu können: Viele Menschen mit MS können auch weiterhin ohne große Probleme ihrem Job nachgehen.

Dennoch kann es nicht schaden, sich frühzeitig mit dem Thema "Multiple Sklerose und Beruf" auseinanderzusetzen – denn je nachdem, welchen Verlauf die Erkrankung nimmt, kann irgendwann eine berufliche Veränderung oder Neuorientierung notwendig sein. Ob durch MS oder eine andere Erkrankung: Wer sich aufgrund einer chronischen Krankheit oder einer Behinderung nicht mehr in der Lage sieht, seinen Beruf unter den aktuellen Arbeitsbedingungen auszuüben, kann die sogenannten Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben beantragen – kurz als LTA bezeichnet.

Unter den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) versteht man alle nicht-medizinischen Rehabilitationsmaßnahmen, die das Ziel haben, die Erwerbsfähigkeit zu erhalten beziehungsweise zu erlangen und somit eine Frühberentung zu verhindern. Diese Maßnahmen können ganz unterschiedlich aussehen – sie reichen von kleinen Veränderungen am Arbeitsplatz bis hin zur Umschulung mit Berufswechsel. Welche Maßnahme am besten geeignet ist, ist von Mensch zu Mensch ganz verschieden.

Berufstätigkeit erhalten: Von Arbeitsplatzanpassung bis zur Umschulung

Wenn Sie Ihrem aktuellen Beruf nicht mehr uneingeschränkt nachgehen können, ist eine Umschulung mit anschließendem Berufswechsel eine Möglichkeit, um auch weiterhin arbeiten zu können.

Es muss jedoch nicht gleich eine Umschulung sein – denn ein Berufswechsel ist meist auch mit größeren Veränderungen und Belastungen verbunden. Zudem bedeutet eine Umschulung für den Träger hohe Kosten. Daher sehen die LTA vor, den bisherigen Arbeitsplatz zunächst durch entsprechende Veränderungen und Anpassungen möglichst zu erhalten. Welche Anpassungen können das sein? Eine Veränderung im Rahmen der LTA kann beispielsweise bedeuten, eine Rampe oder einen Aufzug einbauen zu lassen. Bei starker Müdigkeit durch die MS kann es sinnvoll sein, die Arbeitsabläufe flexibler zu gestalten, bei Sehstörungen kann über eine verbesserte Bildschirmausstattung nachgedacht werden.

Der jeweilige Kostenträger zahlt den entsprechenden Zuschuss gegebenenfalls direkt an den Arbeitgeber – den Antrag muss jedoch der Arbeitnehmer selbst stellen. Eine Maßnahme zur beruflichen Rehabilitation kann auch bedeuten, im bisherigen Unternehmen die Jobposition zu wechseln, sofern das machbar und mit einer Erleichterung verbunden ist.Erster Ansprechpartner im Unternehmen kann zum Beispiel eine Schwerbehindertenvertretung sein, die es vor allem häufig in größeren Betrieben gibt. Die Schwerbehindertenvertretung steht Ihnen bei Fragen zur Verfügung und unterstützt Sie dabei, dass Ihr Arbeitgeber seinen Verpflichtungen nachkommt. 

Ist es nicht möglich, beim gegenwärtigen Arbeitgeber weiterhin beschäftigt zu sein oder kann der bisherige Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausgeübt werden, kommt eine Umschulung infrage. In der Regel handelt es sich dabei um eine Umschulung zu einem anerkannten Ausbildungsberuf. Die Ausbildungszeit ist bei einer Umschulung verkürzt: Sie beträgt zwei Jahre. Eine Umschulung bietet Ihnen die Chance, Ihre Fähigkeiten wieder voll einzubringen und zu entfalten.

Mithilfe einer Umschulung können Sie einen neuen Beruf erlernen. © iStock

Mithilfe einer Umschulung können Sie einen neuen Beruf erlernen.

An wen kann ich mich wenden und wer übernimmt die Kosten?

Wer eine Umschulung – oder auch eine andere sogenannte Leistung zur Teilhabe am Arbeitsplatz – erhalten möchte, muss dafür einen entsprechenden Antrag stellen.

Grundsätzlich haben Personen mit einer (drohenden) Behinderung Anspruch auf eine LTA-Maßnahme, wenn

  • der Job aufgrund ihrer Erkrankung gefährdet ist und die Maßnahme nötig ist, um den Beruf weiter ausüben zu können,
  • die Maßnahme voraussichtlich dazu führen wird, dass der Job erhalten wird bzw. dass die Person wieder arbeiten kann.

Wer die Kosten für eine LTA-Maßnahme trägt und somit den Antrag erhalten muss, ist von Fall zu Fall und von Maßnahme zu Maßnahme verschieden. Meist handelt es sich bei den Trägern um die Rentenversicherung, Integrationsämter oder die Agentur für Arbeit.

Wer in Ihrem Fall zuständig ist, können Sie bei den Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation erfragen. Diese Servicestellen wurden von den verschiedenen Trägern eingerichtet, um eine zentrale Anlaufstelle für die Bürger zur Verfügung zu stellen. Bei Bedarf klären die Servicestellen Ihre Fragen für Sie und helfen Ihnen bei der Antragstellung. Um LTA zu erhalten, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Ob Sie die Voraussetzungen erfüllen und Anspruch auf LTA haben, wird der zuständige Träger prüfen.

Hilfestellung bieten auch viele Landesverbände der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft: In gezielten Jobcoachings unterstützen die Mitarbeiter Sie bei Ihren Fragen rund um das Arbeitsleben bei MS.

Bei Fragen zu den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) können Sie sich an die Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation wenden.  © iStock

Bei Fragen zu den Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA) können Sie sich an die Gemeinsamen Servicestellen für Rehabilitation wenden.

Übrigens: Auch wer noch nicht berufstätig oder arbeitslos ist, kann LTA-Maßnahmen beantragen.

Fazit: Berufstätigkeit und MS schließen sich nicht aus. Es gibt viele Wege, um hier Unterstützung zu finden.



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