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Vergewaltigung, sexuelle Nötigung

Veröffentlicht von Wiebke Raue

Eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung verändert das ganze Leben: Die Opfer leiden sehr darunter – mitunter sogar ein Leben lang. Manche Frauen sind nach einer Vergewaltigung nicht in der Lage, wieder ein erfülltes Sexualleben zu führen und Vertrauen zu einem Partner aufzubauen.

Allgemeines

Viele Frauen fühlen sich nach einer Vergewaltigung am Geschehen mitschuldig. Aber: Egal, wie sich eine Frau verhalten hat – eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung ist körperliche Gewalt, für die einzig und allein der Vergewaltiger verantwortlich gemacht werden kann!

Eine sexuelle Nötigung ist jede sexuelle Handlung, zu der eine Person durch Drohungen oder durch Ausnutzen einer hilflosen Lage gezwungen wurde.

Jede Vergewaltigung ist sexuelle Nötigung in ihrer stärksten Ausprägung. Bei einer Vergewaltigung zwingt der Täter sein Opfer mit Gewalt zu erniedrigenden sexuellen Handlungen, die "mit dem Eindringen in den Körper" verbunden sind. Dabei ist es egal, ob der Täter den Finger, seinen Penis oder einen Gegenstand verwendet, oder ob er vaginal, anal oder oral eindringt. Meist droht der Täter seinem Opfer, ihm etwas anzutun oder er nutzt eine hilflose Lage des Opfers gezielt aus.

Eine Vergewaltigung ist eine sexuelle Nötigung, die immer gegen den Willen des Opfers geschieht und daher eine Straftat darstellt!

Sowohl eine Vergewaltigung als auch eine sexuelle Nötigung sind Straftaten, die rechtlich verfolgt werden. Im Jahr 2010 wurden der Polizei in Deutschland insgesamt 7.724 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung gemeldet – knapp 82 Prozent dieser Fälle wurden aufgeklärt. Jedoch ist die Dunkelziffer hoch: Viele Frauen trauen sich nicht, den Täter anzuzeigen, auch, weil sie sich für das Geschehene schämen oder aber weil sie sich vor Rache fürchten. Meist zeigen die Opfer ihren Vergewaltiger nur dann an, wenn sie diesen nicht persönlich kennen – circa drei Viertel der Täter stammen jedoch aus dem Freundeskreis oder der Familie des Opfers. Nicht zu unterschätzen ist auch die Zahl der versuchten Vergewaltigungen.

Die Dunkelziffer bei Vergewaltigungen ist sehr hoch.

Sexuelle Nötigung und Vergewaltigung betreffen nicht nur Frauen. Auch Männer können Opfer werden – da dieses Thema jedoch häufig ein Tabu bleibt, dürfte die Dunkelziffer hoch sein.

Täter und Opfer

Sexuelle Nötigung oder eine Vergewaltigung können das ganze Leben umkrempeln. Opfer kann jeder werden – unabhängig vom Alter oder Aussehen einer Person. Auch die soziale Herkunft oder die Kleidung spielen keine oder nur einer untergeordnete Rolle. Vielmehr sucht der Täter nach einem Opfer, das er relativ leicht überwältigen kann und das gerade "verfügbar" ist. Einen 100%igen Schutz vor einer Vergewaltigung gibt es also nicht.

Eine Vergewaltigung hat nicht nur körperliche, sondern auch seelische Folgen, die ein Leben lang anhalten können. Das Geschehen ist häufig mit Todesangst verbunden – durch den Schock sind viele Frauen nicht in der Lage, sich zur Wehr zu setzen.

Jeder reagiert unterschiedlich auf eine Vergewaltigung, sowohl währenddessen als auch danach. Zunächst einmal setzt meist ein Schutzmechanismus ein. Während sich einige Opfer vor Angst nicht regen können, versuchen andere, sich zu verteidigen. Wieder andere sind besonders freundlich zum Täter, um ihn so milde zu stimmen und Schlimmeres zu verhindern.

Die Täter

Bei einer Vergewaltigung demütigt und erniedrigt der Täter sein Opfer ganz gezielt. Eine Vergewaltigung hat also weniger etwas mit unkontrolliertem Lustgewinn eines Mannes zu tun. Es geht ihm weniger um Sex, sondern vielmehr um das Gefühl von Macht, das der Täter über das Opfer empfindet. Für den Täter ist es eine Befriedigung, einen anderen Menschen zu kontrollieren und Macht über ihn auszuüben. Viele Vergewaltiger haben nur ein geringes Selbstwertgefühl.

Die meisten Täter:

In mehr als der Hälfte der Fälle erfolgt die Vergewaltigung in der Wohnung von Opfer oder Täter.

Folgen

Eine Vergewaltigung kann auf vielen Ebenen Folgen nach sich ziehen. Auf körperlicher Ebene besteht die Gefahr, dass das Opfer Verletzungen davonträgt, so zum Beispiel im Intimbereich. Darüber hinaus kann es sich mit einer Geschlechtskrankheit anstecken. Ein Albtraum für sexuell missbrauchte Frauen ist wohl vor allem die Vorstellung, vom Täter schwanger zu werden.

Auch die psychischen Folgen einer Vergewaltigung oder einer sexuellen Nötigung sind nicht zu unterschätzen. Jede Frau reagiert unterschiedlich auf ein derartiges Ereignis. Während einige Opfer eine Vergewaltigung sogar ohne fremde Hilfe relativ gut bewältigen, leiden andere über Jahre hinweg unter den Folgen – mitunter ein Leben lang. Viele Frauen sind nach einer Vergewaltigung nur schwer oder kaum in der Lage, wieder Vertrauen zu anderen Männern zu fassen, sodass häufig auch eine Beziehung darunter leidet. Andere haben Schuldgefühle und glauben, für die Vergewaltigung mitverantwortlich zu sein.

© Jupiterimages/iStockphoto
Eine Vergewaltigung hat körperliche und psychische Folgen.

Langfristig kann eine Vergewaltigung weitere psychische Folgen nach sich ziehen, so zum Beispiel:

Wer eine Vergewaltigung oder eine belastende sexuelle Nötigung erlebt hat, sollte sich professionelle Hilfe suchen, um das Ereignis zu verarbeiten.

Rechtliche Aspekte

Nach § 177 des deutschen Strafgesetzbuches ist sexuelle Nötigung und Vergewaltigung strafbar und wird je nach Schwere mit Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten geahndet. Verursacht der Täter dabei den Tod des Opfers, greift der §178. In diesem Fall beträgt die Freiheitsstrafe mindestens zehn Jahre oder lebenslänglich.

Manche Täter nutzen die hilflose Lage ihres Opfers aus oder sie versetzen ihr Opfer vor der Vergewaltigung aktiv in eine hilflose Lage, aus der sie sich nicht wehren können – beispielsweise durch K.-o.-Tropfen. In diesem Fall wird § 179 angewandt.

Darüber hinaus kann auch der § 179 zum Tragen kommen, wenn der Täter die hilflose Situation des Opfers gezielt ausnutzt. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das Opfer geistig behindert ist oder aber, wenn der Täter sein Opfer durch K.-o.-Tropfen außer Gefecht setzt.

§ 177 Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

(1) Wer eine andere Person

nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn

(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter

(4) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter

(5) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen der Absätze 3 und 4 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

Vergewaltigung in der Ehe

Bis zum Jahr 1997 konnte eine Vergewaltigung in der Ehe – auch bei getrennt lebenden Eheleuten – nur als Körperverletzung und / oder Nötigung bestraft werden. Seit 1997 ist eine Vergewaltigung unter Eheleuten rechtlich der einer Vergewaltigung durch eine andere Person völlig gleichgestellt.

Was tun nach einer Vergewaltigung?

Was tun, wenn es tatsächlich zu einer Vergewaltigung gekommen ist? Ein Ereignis wie eine Vergewaltigung ist eine Extremsituation, die mit Todesängsten, Panik und Schock verbunden ist.

Wichtig ist, sich als Opfer klarzumachen, dass die Schuld einzig und allein beim Täter liegt – egal, was vorher vorgefallen ist.

Scham, Ekel und Angst sind Gefühle, die nach einer Vergewaltigung im Vordergrund stehen. Viele Betroffene schaffen es nicht, sich zu überwinden und Hilfe zu holen, zum Beispiel bei der Polizei, im Krankenhaus oder beim Frauenarzt.

Jedoch: Nach einer Vergewaltigung ist es wichtig, rasch zu handeln – insbesondere, was die gynäkologische Untersuchung betrifft.

Nach einer Vergewaltigung sollte sich eine Frau möglichst innerhalb von 24 Stunden gynäkologisch untersuchen lassen.

Auch wenn es schwerfällt: Versuchen Sie, sich nicht zu waschen und wechseln Sie die Kleidung nicht, bis Sie untersucht worden sind. Nur so können wichtige Beweise gesammelt werden. Ob Sie tatsächlich Anzeige erstatten wollen, können Sie später immer noch entscheiden.

Wählen Sie möglichst eine Ärztin Ihres Vertrauens aus und scheuen Sie sich nicht, eine Vertrauensperson zu fragen, ob Sie sie begleitet.

Der Gang zum Arzt kostet zwar viel Überwindung, ist aber dringend anzuraten: In der Untersuchung kann der Arzt nicht nur feststellen, ob die Gesundheit beeinträchtigt ist – er kann auch Beweise für die Tat sicherstellen, so zum Beispiel Verletzungen. Geschlechtskrankheiten wie Syphilis oder Tripper kann der Arzt rasch diagnostizieren und behandeln. Nicht zu vergessen ist auch das Handeln zum Ausschluss einer potenziellen Schwangerschaft: Die "Pille danach" kann in einer Notfallsituation den Eisprung verzögern oder verhindern, sodass sich eine befruchtete Eizelle nicht in die Gebärmutter einnistet.

Darüber hinaus kann der Arzt die nötige psychische Begleitung sicherstellen und die Betroffene gegebenenfalls krankschreiben.

Rechtliche Schritte

Insbesondere, wenn sie den Täter persönlich kennen, erstatten nur wenige Frauen nach einer Vergewaltigung Anzeige. Man sollte den Gedanken an eine Anzeige nicht sofort verwerfen, sondern in Ruhe überlegen, welche Vor- und Nachteile dieser Schritt bringen könnte. Manchmal kann es hilfreich sein, eine vertraute Person um Rat und Beistand zu bitten. Ein Vorteil einer Anzeige ist, dass Sie damit aktiv gegen den Täter vorgehen und das Geschehen öffentlich machen, anstatt sich passiv und ohnmächtig fühlen zu müssen. Eine Anzeige könnte auch davor schützen, dass der Täter erneut zum Vergewaltiger wird. Andererseits kann ein gerichtliches Verfahren sehr anstrengend sein, denn es erstreckt sich häufig über einen langen Zeitraum und ist mit belastenden Untersuchungen und Erinnerungen sowie meist auch mit der Konfrontation des Täters verbunden. Daher ist es wichtig, das weitere Vorgehen genau zu überdenken.

Geht die Frau unmittelbar nach der Vergewaltigung zur Polizei, schließt sich in der Regel direkt danach eine ärztliche Untersuchung an, um Beweismaterial zu sichern. Ob eine Anzeige richtig ist oder nicht, kann letzten Endes nur das Opfer selbst entscheiden. Nehmen Sie sich im Zweifelsfall die Zeit, die Sie brauchen. Eine Vergewaltigung verjährt aus rechtlicher Sicht erst nach 20 Jahren. Daher können Sie auch Jahre später noch eine Anzeige erstatten – allerdings wird es der Polizei dann schwerer fallen, entsprechende Beweise zu sammeln.

Hilfe holen

Eine Vergewaltigung ist ein traumatisches Ereignis, eine Extremsituation, die nicht nur körperlich, sondern vor allem psychisch belastend ist.

Egal, ob eine Vergewaltigung erst vor Kurzem stattgefunden hat oder schon länger zurückliegt:

Es ist nie zu spät, sich Hilfe zu holen, um die Vergewaltigung zu bewältigen!

Manche Frauen leiden ein Leben lang unter dem Erlebten, während andere eine Vergewaltigung besser verkraften. Mit professioneller Hilfe erhalten Sie den nötigen Beistand, den Sie in dieser Extremsituation benötigen. Zusätzlichen Halt können Familie und Freunde bieten.

Es gibt spezielle Beratungsstellen für Vergewaltigungsopfer, deren Mitarbeiter genau wissen, was jetzt zu tun ist. Darüber hinaus können Frauen das Geschehene in einer Psychotherapie verarbeiten.

Um eine Vergewaltigung zu verkraften, braucht es viel Geduld – nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen!

© Jupiterimages/Hemera
Mit professioneller Hilfe kann man das Erlebte besser verarbeiten.

Vorbeugen

Treffen kann es jede Frau, unabhängig von Aussehen oder sozialer Schicht – einer Vergewaltigung können Sie daher nicht zu 100 Prozent vorbeugen. Jedoch können Sie einiges tun, um sich sicherer zu fühlen:

Weitere Informationen

Linktipps:

  • wildwasser.deWildwasser.de richtet sich vor allem an Mädchen und Frauen, die Opfer sexueller Gewalt wurden und bietet Hilfe und Informationen zum Thema.

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

Quellen:

Online-Informationen von Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen - Frauen gegen Gewalt e.V.: www.notruf-koeln.de (Abrufdatum: 23.9.2011)

Online-Informationen des Berufsverbands der Frauenärzte e.V.: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 23.9.2011)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2011)

StGB Strafgesetzbuch in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. November 1998, Bundesgesetzblatt Teil 1 S. 3322, zuletzt geändert durch Artikel 4 des Gesetzes vom 23. Juni 2011 (BGBl. I S. 1266)

Bundesministerium des Inneren: Polizeiliche Kriminalstatistik 2010. Publikationsversand der Bundesregierung, Rostock 2010

Stand: 26. September 2011