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Beschneidung beim Mann (Zirkumzision)

Letzte Änderung:

Bei der Beschneidung beim Mann (Zirkumzision) entfernt der Arzt die Vorhaut des Penis chirurgisch ganz oder teilweise. Dies kann aus religiösen, medizinischen, hygienischen oder ästhetischen Gründen erfolgen.

Allgemeines

In Deutschland übernehmen die Krankenkassen die Kosten, sofern die Zirkumzision medizinisch notwendig ist, zum Beispiel aufgrund einer Vorhautverengung (Phimose) oder anderen, meist chronischen Erkrankungen, die durch die Vorhaut bedingt sind.

Im Judentum und Islam spielt die Beschneidung beim Mann eine wichtige Rolle. Sie findet in ritueller Form und in einem festlichen Akt statt. Diese religiöse Bescheidung von Jungen erfolgt in der Regel durch eine speziell ausgebildete Person. Bei einer jüdischen Beschneidung "Brit Mila" ist dies der sogenannte Mohel, während die rituelle Bescheidung von Muslimen, auch "Sünnet" genannt, der Sünnetci vornimmt.

Ebenfalls lassen auch in Deutschland viele Eltern jüdischen oder muslimische Glaubens ihre Söhne beschneiden. Das geschieht in der Regel im Kindesalter und ohne Einwilligung der Jungen. Nachdem dies in der Vergangenheit als rechtswidrige Körperverletzung diskutiert wurde, legte der Deutsche Bundestag in einem Gesetz fest, dass die medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen auch in Zukunft weiter zulässig ist.

In den USA wurden bis vor wenigen Jahrzehnten routinemäßig fast alle neugeborenen Jungen beschnitten (engl. Routine neonatal circumcision, RNC). Im Jahr 2005 waren es noch rund 56 Prozent.

Die Zirkumzision beim Jungen beziehungsweise Mann ist – unter Einhaltung der hygienischen Bedingungen – ein relativ komplikationsarmer Eingriff. Schmerzen entstehen allerdings meist durch eine Beschneidung, wobei weitere mögliche Komplikationen beispielsweise Blutungen und Infektionen sein können. Für manche Krankheiten im Bereich des Penis kann das Risiko nach einer Beschneidung gemindert sein.

Historisches

Die Beschneidung beim Mann (Zirkumzision) ist eine sehr früh überlieferte, vorwiegend religiös motivierte Handlung. Die Vorhaut des Penis wird in der Regel unter örtlicher Betäubung ganz oder teilweise entfernt; Kinder werden auch in Vollnarkose beschnitten. Im Judentum beruht das Ritual der Beschneidung auf einer biblischen Überlieferung: Gott hat Abraham "angewiesen", dass alle Neugeborenen am achten Lebenstag und nicht vorher beschnitten werden sollen. Noch heute wird daher im Judentum meist am achten Lebenstag die Zirkumzision vorgenommen.

Neben den religiösen Gründen vermutet man auch rationale Überlegungen hinter der Beschneidung: Sie könnte vor allem aus hygienischen Gründen praktiziert worden sein, da es in den Ursprungsregionen der religiösen Gemeinschaften an Wasser mangelte und man mit der Zirkumzision eine gewisse Sexualhygiene erreichen konnte: Smegma nennt sich das Sekret zwischen Vorhaut und Eichel; in ihm können sich Krankheitserreger befinden, die eine mögliche Quelle für Penisinfektionen beziehungsweise Scheideninfektionen durch Geschlechtsverkehr sein können. Wird die Vorhaut durch die Beschneidung entfernt, kann sich das Smegma nicht mehr ansammeln, was die Infektionsgefahr senkt. Bei ausreichender Hygiene ist ein "vorbeugendes" Entfernen der Vorhaut aus medizinischer Sicht jedoch nicht nötig.

Medizinisches

Bei der medizinischen Beschneidung beim Mann (Zirkumzision) entfernt der Arzt die Vorhaut des Penis vollständig oder teilweise. Die Vorhaut ist ein kleiner beweglicher Hautlappen, der die Eichel des Penis umschließt. Als Folge einer Beschneidung liegt die Eichel frei; die empfindliche Haut der Eichel verändert sich im Laufe der Zeit derart, dass sie sich verdickt. Dies dient dem Schutz der Eichel gegenüber Reizung und Trockenheit.

Als Gründe für eine Beschneidung von Jungen führte man lange Zeit an, dass dies die Häufigkeit für Peniskrebs und für Harnwegsinfektionen (beides aufgrund der besseren Hygiene) senke. Dies hat sich mittlerweile jedoch als unwesentlicher Faktor herausgestellt – insbesondere für Männer in den Industrieländern und sogenannten Schwellenländern, in denen alle Möglichkeiten für eine angemessene Körperhygiene gegeben sind.

Bei einer Vorhautverengung (Phimose) kann eine Beschneidung beim Jungen oder Mann medizinisch notwendig sein. Bei unkomplizierter Phimose bis zum dritten Lebensjahr wartet man ab, ob sich der Befund bessert – eine Vorhautverengung ist bei Säuglingen normal; sie bildet sich gewöhnlich in den ersten Lebensmonaten zurück.

Rechtliches

Die Beschneidung von männlichen Kindern und Jugendlichen (Zirkumzision) ist in Deutschland, wie jeder medizinische Eingriff, juristisch betrachtet eine Körperverletzung, bei der eine gewisse Menge an Gewebe entfernt wird. Mit rechtswirksamer Einwilligung der Eltern wird er jedoch juristisch nicht verfolgt.

Nachdem dies in der Vergangenheit wiederum als rechtswidriger Vorgang sowohl im Rahmen der jüdischen als auch muslimischen Beschneidung in Deutschland diskutiert wurde, legte der Deutsche Bundestag in einem Gesetz fest, dass die medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen auch in Zukunft weiter zulässig ist.

Weitere Informationen

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Quellen:

Beschneidung von Jungen bleibt erlaubt. Online-Informationen der deutschen Bundesregierung: www.bundesregierung.de (Stand: 14.12.2012)

Haag, P. et al.: Gynäkologie und Urologie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2012

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 264. Auflage. De Gruyter, Berlin 2012

Statistical Brief #45. Online Informationen des Ministeriums für Gesundheitspflege und Soziale Dienste der Vereinigten Staaten (AHQR): hcup-us.ahrq.gov (Stand: 15.1.2008)

Gerabek, E. et al.: Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2007