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Impfungen in der Schwangerschaft

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin

Die einzige in der Schwangerschaft empfohlene Impfung ist die Grippeimpfung. Gegen andere Krankheiten sollte vor oder nach der Schwangerschaft geimpft werden.

Allgemeines

Besonders in den ersten drei Monaten sollten eine Schwangere nur geimpft werden, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Anschließend muss der Arzt abwägen, ob die potenzielle Erkrankung ein größeres Risiko für das ungeborene Kind darstellt als die Impfung. Die Grippeimpfung wird Schwangeren ausdrücklich ab dem vierten Monat empfohlen. Bei hohem Gesundheitsrisiko, etwa weil die Schwangere bereits eine andere Erkrankung hat, kann auch schon im ersten Trimester gegen Grippe geiimpft werden.

Ist die Schwangere immun gegen bestimmte Krankheiten, beispielsweise weil sie die Krankheit bereits hatte oder schon geimpft ist, so besteht dieser Schutz auch für das ungeborene Baby und auch später für das Neugeborene während der ersten Lebensmonate. Über diese Erkrankungen muss sich die Schwangere daher keine Sorgen machen.

Kritisch sind Krankheiten, mit denen sich die werdende Mutter während der Schwangerschaft infizieren kann und die damit auf das Kind übergehen können. Dem Risiko einer Ansteckung können schwangere Frauen nicht völlig aus dem Weg gehen, sie können es aber mindern:

 

Unbedenkliche und riskante Impfungen

Mit Beginn des zweiten Schwangerschaftsdrittels, also ab dem vierten Monat, sind Impfungen mit Totimpfstoffen in der Schwangerschaft erlaubt, wie beispielsweise Impfungen gegen Tetanus, Grippe, Kinderlähmung (Poliomyelitis) sowie Hepatitis A und Hepatitis B.

Impfungen mit Lebendimpfstoffen, wie Masern, Mumps oder Röteln, sind für das ungeborene Baby gefährlich, da es sich mit dem Impfvirus infizieren kann – daher gilt: Lebendimpfstoffe dürfen in der Schwangerschaft nicht verwendet werden.

Wenn die Schwangere keine Antikörper gegen Hepatitis A, Hepatitis B, FSME, Windpocken, Mumps oder Röteln hat, aber in Kontakt mit infizierten Personen kommt, wird der Arzt umgehend mit Immunglobulin-Präparaten eine sogenannte passive Immunisierung vornehmen, die prophylaktisch wirkt.

Wird die Schwangerschaft erst nach einer Impfung bekannt, ist das kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. In diesem Fall sollten Sie gemeinsam mit dem Frauenarzt das Impfrisiko abwägen und weitere Möglichkeiten besprechen.

Lebendimpfstoffe versus Totimpfstoffe

Grundsätzlich gilt in der Schwangerschaft: Wenn überhaupt eine Impfung, dann mit Totimpfstoffen, da bei letzteren die Impfrisiken für die Schwangere als auch für das Kind deutlich niedriger sind.

Lebendimpfstoffe enthalten geringe Mengen des vermehrungsfähigen Krankheitserregers, der allerdings durch spezielle Verfahren abgeschwächt wurde (Attenuierung). Mit Lebendimpfstoffen wird die echte Krankheit sozusagen im Kleinen durchgespielt, was zu einer lang anhaltenden Immunität führt. Der Nachteil von Lebendimpfstoffen ist, dass in seltenen Fällen schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten können.

Totimpfstoffe hingegen enthalten den abgetöteten oder nicht vermehrungsfähigen Krankheitserreger oder nur Teile des Krankheitserregers. Trotzdem sorgen auch Totimpfstoffe für eine ausreichende Immunisierung. Der Vorteil von Totimpfstoffen liegt darin, dass es keine schwerwiegenden Nebenwirkungen geben kann wie bei Lebendimpfstoffen. Es ist also möglich, trotz einer bestehenden Schwangerschaft bestimmte Impfungen vorzunehmen – allerdings ist die Immunisierung nicht so lange gewährleistet wie bei Lebendimpfstoffen. Diese Art der Impfung muss in gewissen Abständen erneuert werden.

Die Immunisierung sowohl mit Lebend- als auch mit Totimpfstoffen nennt man übrigens aktive Immunisierung.

Übersicht über kritische und unbedenkliche Impfungen in der Schwangerschaft

Legende: ++ = empfohlen, + = erlaubt, (+) = Impfung bei gefährdeten Personen vorzuziehen, - = kritisch
Impfung gegen ... bedenklich / unbedenklich Art des Impfstoffs
Grippe ++ Totimpfstoff
Kinderlähmung (Polio) + Totimpfstoff
Tetanus + Totimpfstoff
Hepatitis A / Hepatitis B (+) Totimpfstoff
FSME (durch Zecken übertragen) (+) Totimpfstoff
Keuchhusten (+) Totimpfstoff
Diphtherie (+) Totimpfstoff
Meningokokken (+) Totimpfstoff
Pneumokokken (+) Totimpfstoff
Tollwut (+) Lebendimpfstoff
Masern - Lebendimpfstoff
Mumps - Lebendimpfstoff
Röteln - Lebendimpfstoff
Windpocken - Lebendimpfstoff

Passive Immunisierung

Wenn jemand eine Krankheit wie beispielsweise Windpocken durchgemacht hat, so hat der Körper entsprechende Antikörper gebildet, die auch Immunglobuline genannt werden. Diese Immunglobuline können für die sogenannte passive Immunisierung oder Passivimpfung genutzt werden, indem die Antikörper über eine Injektion auf den Empfänger übertragen werden. Das kann nötig sein, wenn eine normale Impfung nicht möglich ist – wie in der Schwangerschaft oder weil es zu lange dauern würde, bis der Impfschutz greift. Immunglobuline für die passive Immunisierung werden gewöhnlich aus dem Blutplasma von Blutspendern gewonnen.

Die passive Immunisierung ist nicht von Dauer, sondern hält höchstens wenige Wochen an. Sie bietet Schwangeren aber die Möglichkeit, sich und das ungeborene Baby zu schützen, wenn sie in Kontakt mit einer Krankheit gekommen sind, gegen die sie nicht immun sind, wie beispielsweise Tollwut.

Wichtig ist, dass die passive Immunisierung möglichst zeitnah nach dem Kontakt mit dem Erreger erfolgt. Allerdings ist nicht in allen Fällen eine Passivimpfung möglich – für Röteln beispielsweise sind keine Immunglobuline auf dem deutschen Markt.

Impfungen für Fernreisen

Wer eine Reise in die Tropen oder zu anderen exotischen Zielen plant, sollte sich grundsätzlich im Voraus über mögliche Infektionskrankheiten und die entsprechenden Impfempfehlungen informieren. Allerdings wird von solchen Reisen in der Schwangerschaft generell abgeraten.

Wer dennoch nicht darauf verzichten möchte, sollte sich klarmachen, dass vor allem Impfungen gegen Gelbfieber, Cholera, Pocken, Tuberkulose und Typhus in der Schwangerschaft nicht ungefährlich sind. Ist das Risiko für eine Ansteckung nur gering oder die Krankheit kein Risiko für das ungeborene Kind, kann in Absprache mit einem Tropeninstitut oder dem Gesundheitsamt auf eine Impfung verzichtet werden.

Am sichersten ist es, sich wenn möglich bereits vor einer Schwangerschaft gegen entsprechende Krankheiten impfen zu lassen, wenn in näherer Zukunft eine geplante Fernreise ansteht.

Sind bei der Einreise ins Urlaubsland nur routinemäßig bestimmte Impfungen (z.B. Pockenimpfung) vorgeschrieben, kann das Gesundheitsamt ein Impfbefreiungszeugnis ausstellen. Dafür muss aber vorher nachgewiesen werden, dass die Schwangere nicht unter der entsprechenden Krankheit leidet oder Träger des Erregers ist.

Übersicht über Impfungen bei Fernreisen

Legende: (+) = Impfung nur bei Reisen in Endemiegebiete oder nach Kontakt, – = kritisch
Impfstoff Impfung gegen ... bedenklich / unbedenklich
Totimpfstoff Typhus (oral) (+)
Totimpfstoff Cholera (+)
Totimpfstoff Hepatitis A / Hepatitis B (+)
Lebendimpfstoffe Gelbfieber (+)
Lebendimpfstoffe Tuberkulose -
Lebendimpfstoffe Pocken -

Malaria

Gegen Malaria gibt es keine Impfung, trotzdem können und sollten Sie dieser Erkrankung vorbeugen (Malariaprophylaxe). Malaria verläuft bei Schwangeren oft wesentlich gefährlicher als bei nicht-schwangeren Frauen. Keines der vorbeugenden Medikamente ist aber in der Schwangerschaft völlig risikofrei. Nach genauer Abwägung durch den Arzt können die Mittel Proguanil und Chloroquin verabreicht werden. Mefloquin darf während der ersten drei Monate (1. Trimester) einer Schwangerschaft und während der Stillzeit nicht eingenommen werden. Doxycyclin ist in der gesamten Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, solte also nicht angewendet werden. Für weitere mögliche Medikamente liegen nicht genügend Daten vor.

Vor der Schwangerschaft

Wenn Sie schwanger werden möchten, sollten Sie vorher bestimmte Impfungen auffrischen beziehungsweise mit Ihrem Arzt besprechen, welche Impfungen vor einer Schwangerschaft wichtig und notwendig sind. Wenn sie beispielsweise ausreichend Röteln-Antikörper haben, ist eine Impfung nicht nötig – finden sich in Ihrem Blut keine Antikörper, sollten Sie allerdings dringend die Rötelnimpfung vornehmen lassen, bevor Sie schwanger werden.

Unabhängig davon, wogegen Sie sich vor einer geplanten Schwangerschaft impfen lassen: Wenn es sich um eine Impfung mit Lebendimpfstoffen handelt, sollten Sie wenn möglich mindestens drei Monate warten, bevor Sie schwanger werden. Diese Wartezeit ist nötig, um das Restrisiko auszuschließen, dass die Impfung sich negativ auf die Schwangerschaft auswirkt.

Welche Impfungen sollte man in der Schwangerschaft haben?

Wenn möglich, sollten alle Krankheiten der Mutter, die dem Fötus gefährlich werden können, im Vorfeld ausgeschlossen werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts (RKI) empfiehlt daher für Frauen, die keine oder nicht genügend Antikörper gegen diese Krankheiten besitzen, mindestens drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft die Impfung gegen folgende Erkrankungen:

Welche Impfungen sind vor einer Schwangerschaft nötig?

Impfung gegen … STIKO-Empfehlung Wer sollte geimpft werden?
Masern einmalige Impfung Frauen mit unklarem Impfstatus oder nur einer Impfung als Kind
Röteln zweimalige Impfung
  • Frauen mit unklarem Impfstatus
  • ungeimpfte Frauen
  • nur einmal geimpfte Frauen
Varizellen (z.B. Windpocken) zweimalige Impfung Frauen ohne Antikörper gegen Varizellen
Keuchhusten (Pertussis) einmalige Impfung
  • Frauen die länger als zehn Jahre nicht dagegen geimpft wurden – spätestens nach der Geburt des Kindes
  • enges Umfeld (Partner, Erzieherinnen, ...)
Tetanus neu impfen oder auffrischen wenn nötig Frauen mit unklarem oder ungenügendem Impfstatus
Diphterie neu impfen oder auffrischen wenn nötig Frauen mit unklarem oder ungenügendem Impfstatus
Kinderlähmung (Polio) neu impfen oder auffrischen wenn nötig Frauen mit unklarem oder ungenügendem Impfstatus

Wer sollte sich impfen lassen?

Grundsätzlich sollte jede Frau im gebärfähigen Alter ihren Impfstatus im Auge behalten. Besonders aber Frauen mit Kinderwunsch sollten rechtzeitig vor der geplanten Schwangerschaft mit dem Arzt ihren Impfstatus überprüfen und mögliche und nötige Impfungen besprechen.

Im Fall von Keuchhusten ist es außerdem sinnvoll, wenn auch das nähere Umfeld geimpft ist. Das bezieht beispielsweise den Partner mit ein, aber auch Erzieher(innen), Tagesmütter und andere Betreuungspersonen. Keuchhusten ist hochansteckend und besonders für noch ungeschützte Neugeborene gefährlich.

Weitere Informationen

Quellen:

Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de (Abrufdatum: 10.12.2018)

Online-Informationen des Gemeinsamen Bundesausschusses: www.g-ba.de (Stand: 20.7.2016)

Kann in der Schwangerschaft und Stillzeit geimpft werden? Online-Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI): www.rki.de (Stand: 17.4.2015)

Weyerstahl, T., Stauber, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Epidemiologisches Bulletin, Nr. 31/2009: Zusätzliche Pertussis-Impfung im Erwachsenenalter als Tdap-Kombinationsimpfung bei der nächsten fälligen Td-Impfung. Robert Koch-Institut, Berlin (Stand: 3.8.2009)

Letzte inhaltliche Prüfung: 10.12.2018
Letzte Änderung: 06.02.2020