Zeitumstellung von Winterzeit auf Sommerzeit

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (06. Februar 2017)

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Wie in jedem Jahr wird am letzten Sonntag im März von Winterzeit auf Sommerzeit umgestellt: In der Nacht von Samstag auf Sonntag drehen sich die Zeiger von zwei auf drei Uhr vor und die Nacht ist eine Stunde kürzer als sonst.

Auch wenn es nur eine Stunde ist, die man in dieser Nacht an Schlaf verliert, so hat die Umstellung auf die Sommerzeit doch einen spürbaren Einfluss auf den Tag-Nacht-Rhythmus (zirkardianer Rhythmus) – und damit auch auf Gesundheit und Wohlbefinden.

Innerhalb der ersten Woche nach der Zeitumstellung treten bei vielen Menschen Symptome auf, die an einen Jetlag erinnern, wenn auch in abgeschwächter Form. Mögliche Symptome sind zum Beispiel:

Die Auswirkungen der Umstellung auf die Sommerzeit bezeichnet man deswegen auch als Mini-Jetlag.

Die Bezeichnung Mini-Jetlag ist durchaus passend: Denn die Umstellung auf die Sommerzeit entspricht einer Zeitzonenverschiebung um eine Stunde oder einem Flug ins Ausland (z.B. nach Ägypten). Fast ein Viertel der Weltbevölkerung oder umgerechnet rund 1,7 Milliarden Menschen sind von der Umstellung von Winterzeit auf Sommerzeit betroffen. Einer Zeitumstellung, die weder biologisch noch gesellschaftlich notwendig ist.

Energie sparen durch Zeitumstellung

Der eigentliche Grund für die Zeitumstellung war der Wunsch, das Tageslicht optimal ausnutzen zu können, um dadurch Energie einzusparen. In ihrer heutigen Form wurden Sommerzeit und Winterzeit im Jahr 1980 eingeführt und basieren auf Paragraph 4 und 5 des "Gesetzes über die Einheiten im Messwesen und die Zeitbestimmung". Die Sommerzeit entspricht dabei der mitteleuropäischen Zeit, der eine Stunde hinzugefügt wird, während es sich bei der Winterzeit um die eigentliche mitteleuropäische Zeit handelt.

Tag-Nacht-Rhythmus gestört

Eine groß angelegte Studie mit rund 55.000 Patienten zeigte, dass die Zeitumstellung auf die Sommerzeit den im Körper eingestellten Tag-Nacht-Rhythmus spürbar und langfristig beeinflusst. Der Tag-Nacht-Rhythmus reguliert unter anderem

  • die Aufmerksamkeit,
  • die Qualität des Schlafs,
  • die Regulation vieler Hormone (z.B. das Schlafhormon Melatonin oder das Stresshormon Kortisol) und
  • die Nierenfunktion.

Der Wechsel von Hell- und Dunkelphasen beeinflusst die innere Uhr – durch ihn passt sich der Körper an den 24-Stunden-Rhythmus der Umwelt an. Diese als Entrainment bezeichnete Anpassung des Körpers funktioniert außerordentlich exakt. Der wichtigste Zeitgeber für diese innere Uhr ist das Tageslicht.

Besonders wichtig für den Tag-Nacht-Rhythmus sind dabei die frühen Morgenstunden der Morgendämmerung im Übergang von der Nacht zum Tag. Die Zeitumstellung auf die Sommerzeit wirkt sich hier spürbar aus, da die Änderung der Uhrzeit nicht mehr den tatsächlichen Zeiten der Dämmerung entspricht. Die Folge: Die innere Uhr ist weiterhin auf Winterzeit eingestellt, während alle sozialen Aktivitäten durch die Zeitumstellung auf Sommerzeit um eine Stunde vorgestellt werden, also eine Stunde früher beginnen.

Ein Beispiel verdeutlicht das: Wenn am Montag nach der Zeitumstellung der Wecker um sieben Uhr klingelt, ist es für den Körper erst sechs Uhr morgens. Blutdruck und Puls befinden sich noch genauso im Dämmerzustand wie die Hormonregulation. Die Folge können Symptome wie Konzentrationsstörungen, Müdigkeit oder vermindert Leistungsfähigkeit sein.

Auch eine Verkehrsstudie zeigt, welche Folgen die Zeitumstellung im Frühjahr haben kann. Nach der Umstellung auf die Sommerzeit steigen die Unfallzahlen merklich an – insbesondere Motorradfahrer haben unter den Auswirkungen der Zeitumstellung zu leiden: Hier nimmt die Zahl der Unfälle um 42 Prozent zu; wahrscheinlich durch die "Jetlag-bedingte" beeinträchtigte Aufmerksamkeit.

Statistisch gesehen nimmt laut einer Untersuchung einer gesetzlichen Krankenkasse auch die Zahl der Herzinfarkte in den drei Tagen nach der Umstellung auf die Sommerzeit zu – und zwar um bis zu 20 Prozent.

Stärker betroffen von den Auswirkungen der Zeitumstellung sind vor allem Menschen, die von ihrem Biorhythmus her eher spät zu Bett gehen und dafür morgens länger schlafen (Chronotyp "Eule"). "Lerchen" tun sich dagegen etwas leichter, da sie ohnehin eher Frühaufsteher sind.

Wie kommt man gut in die Sommerzeit?

Wer empfindlicher auf die Zeitumstellung reagiert, sollte sich auf die Zeitverschiebung vorbereiten beziehungsweise an dem Wochenende beginnen, die innere Uhr aktiv etwas zu verschieben:

  • Samstag vor der Zeitumstellung: Mahlzeiten eine halbe Stunde früher einnehmen als sonst, abends eine halbe Stunde früher ins Bett gehen
  • Sonntag nach der Zeitumstellung: Essen und Schlaf um eine weitere halbe Stunde vorziehen