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Reisethrombose

Letzte Änderung:
Verfasst von Dr. rer. nat. Geraldine Nagel • Medizinredakteurin

Eine Reisethrombose kann durch langes, unbewegliches Sitzen entstehen, wie es bei einem Langstreckenflug, aber auch bei langen Zugreisen oder Autoreisen der Fall ist. Allerdings ist das Risiko für eine Reisethrombose deutlich geringer, als es vielerorts dargestellt wird.

Überblick

Groß angelegte Studien zeigen, dass das Risiko, bei einem Langstreckenflug (also bei einer Flugdauer von mehr als sechs bis acht Stunden) eine Reisethrombose zu erleiden, unter einem Zehntelprozent liegt (0,02 bis 0,05%). Das heißt: Nur 2 bis 5 von 10.000 Passagieren entwickeln infolge eines Langstreckenflugs möglicherweise Symptome einer Thrombose in den Beinen. Bei Flugreisen über zwölf Stunden steigt dieses Risiko minimal. Auf kürzeren Flügen (unter sechs Stunden) besteht dagegen im Grunde kein erhöhtes Risiko für eine Reisethrombose.

Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand durch einen Langstreckenflug eine Reisethrombose bekommt, ist damit für gesunde Menschen etwa genauso hoch (oder niedrig) wie das allgemeine Thromboserisiko für Personen, die Krampfadern haben oder drei Tage bettlägerig sind (also unabhängig von einer Reise). Ob das Risiko für eine Reisethrombose in der Economy-Class durch die etwas geringere Beinfreiheit größer ist als in der Business-Class, wurde bislang nicht untersucht.

Selbst für Personen mit einem erhöhten Thromboserisiko (z.B. durch Blutgerinnungsstörungen oder starke Krampfadern) besteht nur eine Wahrscheinlichkeit von etwa 0,2 Prozent, auf einem Langstreckenflug eine Reisethrombose zu bekommen. Das entspricht 20 von 10.000 Menschen. Das Risiko ist also knapp um das Vierfache höher als bei gesunden Menschen, aber trotzdem immer noch sehr gering.

Bei einer Thrombose bilden sich in der Regel in den Venen Blutgerinnsel (Thromben), die zu einem Gefäßverschluss führen können. Im Allgemeinen lösen sich solche Blutgerinnsel von allein auf und bleiben folgenlos. Meist treten noch nicht einmal Symptome auf. Erst, wenn sich solch ein Blutgerinnsel löst und über den Blutkreislauf in Richtung Lunge geschwemmt wird, kann eine Thrombose lebensgefährlich werden, denn dann besteht die Gefahr einer Lungenembolie.

Falls es zu Symptomen kommt, macht sich eine Thrombose wie folgt bemerkbar:

Wer einer Reisethrombose vorbeugen möchte, sollte während eines Langstreckenflugs oder längeren Reisen viel trinken und immer wieder aufstehen und sich bewegen.

Ursachen

Ursache einer Reisethrombose ist langes, bewegungsarmes Sitzen (z.B. im Flugzeug, Auto oder Zug). Denn beim Sitzen werden die Venen besonders im Knie, aber auch in der Leiste, zusammengedrückt beziehungsweise abgeklemmt. Dies behindert den Rückfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen. Außerdem spannen sich die Muskeln der Beine nicht an, wie es etwa beim Gehen der Fall ist. Dadurch entfällt der "Pumpeffekt", den die Muskeln bei Bewegung auf die Venen ausüben. Die Folge: Weniger Blut strömt in Richtung Herz zurück. Der gestörte Blutfluss kann zu Blutgerinnseln (Thromben) und damit zum Gefäßverschluss (Thrombose) führen.

Gesunde Menschen haben nur ein sehr geringes Risiko, durch einen Langstreckenflug eine Thrombose zu bekommen: Nur 2 bis 5 von 10.000 Reisenden entwickeln einen solchen Gefäßverschluss. Das entspricht 0,02 bis 0,05 Prozent der Passagiere. Einige Faktoren (z.B. bestimmte Erkrankungen) erhöhen das Risiko für eine Reisethrombose, wenn auch nur leicht. Für Personen die solch einer Risikogruppe angehören, ist die Wahrscheinlichkeit für eine Reisethrombose mit 0,2 Prozent zwar etwas höher, aber immer noch gering – das entspricht 20 von 10.000 Reisenden.

Faktoren, die das Risiko für eine Reisethrombose erhöhen können, sind zum Beispiel:

Vorbeugen

Die Wahrscheinlichkeit für eine Reisethrombose auf Langstreckenflügen (Flugdauer mehr als sechs bis acht Stunden) ist mit unter einem Zehntelprozent sehr gering. Wer vorbeugen will, kann sein Thromboserisiko mithilfe einfacher Maßnahmen beinah auf null reduzieren.

Bewegen Sie sich

Vermeiden Sie stundenlanges, starres Sitzen. Ob Sie nun häufiger zur Toilette spazieren oder Beinübungen (z.B. Fußwippen, isometrische Übungen) machen – Bewegung ist in allen Verkehrsmitteln möglich, sei es nun in Flugzeug, Zug, Bus oder Auto. Laufen Sie wenn möglich herum, gehen Sie im Gang auf und ab, strecken und dehnen Sie sich.

Regelmäßige Pausen bieten sich gerade bei längeren Reisen mit dem Auto auch aus mehreren Gründen an: Sie fördern nicht nur die Durchblutung der Beine, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit des Fahrers.

Wer die Beine übereinanderschlägt, verlangsamt den Blutfluss in den Beinen zusätzlich. Stellen Sie die Beine deshalb lieber locker nebeneinander auf.

Übungen im Sitzen

Einfache Übungen im Sitzen regen die Blutzirkulation an:

Trinken Sie viel

Achten Sie bei Langstreckenflügen oder langen Reisen darauf, ausreichend zu trinken: idealerweise einen Viertelliter Flüssigkeit auf zwei Stunden. Entscheiden Sie sich am besten für Wasser mit wenig Kohlensäure, Saftschorlen sowie Kräuter- oder Früchtetee. Halten Sie sich dagegen bei alkoholischen Getränken ein wenig zurück, da sie zu einer Entwässerung über die Nieren führen. Kaffee und schwarzer Tee entwässern dagegen nach neueren Erkenntnissen nicht und können ebenfalls zur Flüssigkeitsbilanz beitragen. Wegen des Koffeingehalts sollte man jedoch generell nicht mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag trinken.

'No smoking, please'

Dass Rauchen in Flugzeugen und in vielen Ländern auch in Zügen verboten ist, ist nicht nur angenehm für Nichtraucher, es kommt auch den Rauchern zugute. Denn Rauchen hat sowohl einen nachteiligen Einfluss auf die Blutgerinnung als auch auf die Gefäßwände: Das Blut gerinnt schneller und die Blutgefäße verengen sich – diese Faktoren begünstigen eine Thrombose.

Kleidung

Tragen Sie auf langen Reisen eher lockere Kleidung und weite Schuhe, die den Körper und die Durchblutung nicht einengen. Bevorzugen Sie Strümpfe mit nicht zu engen Bündchen.

Kniehohe Stütz- oder Kompressionsstrümpfe können das Risiko für eine Reisethrombose auf Langstreckenflügen nachweislich senken. Diese sollten Sie jedoch mindestens zwei Stunden vor dem Flug anziehen und für die Dauer des Fluges tragen.

Medikamente

Immer wieder wird empfohlen, zum Vorbeugen einer Reisethrombose den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) einzunehmen. Zwar gibt es inzwischen Studien mit Patienten mit sehr hohem Thromboserisiko, die zeigen, dass ASS nicht nur im arteriellen Blut, sondern auch im venösen System der Bildung von Blutgerinnseln entgegen wirken kann. Im Rahmen der Studie nahmen die Probanden ASS jedoch monatelang ein. Aus den Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, wie lange vor einer Reise man mit der Einnahme von ASS beginnen sollte, um ein eventuelles Risiko für eine Reisethrombose zu senken beziehungsweise ob auch eine kurzfristige Einnahme vor Antritt der Reise das Risiko verringert.

Verschreibungspflichtige Wirkstoffe wie Phenprocoumon oder Heparin, die die Blutgerinnung hemmen (sog. Antikoagulanzien), senken dagegen nachweislich das Thromboserisiko. Allerdings gibt es bislang keine Studie in Zusammenhang mit Langstreckenflügen. Die blutgerinnungshemmende Wirkung setzt im Fall des Phenprocoumons jedoch erst nach circa drei Tagen ein – mit der Einnahme müsste daher einige Tage vor der Reise begonnen werden.

Risikopassagiere

Manche Passagiere haben ein erhöhtes Thromboserisiko (z.B. durch Diabetes mellitus, Blutgerinnungsstörungen, Übergewicht, Schwangerschaft o.Ä.). In solchen Fällen ist es sinnvoll, sich vor einem Langstreckenflug oder einer langen Reise mit seinem Arzt zu beraten. Dieser kann abwägen, ob besondere Vorbeuge-Maßnahmen zu treffen sind und verschreibt eventuell ein Medikament, das die Blutgerinnung hemmt.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Quellen:

Becattini, C., et al.: Aspirin for Preventing the Recurrence of Venous Thromboembolism. The New England Journal of Medicine, No.  366. pp. 1959-1967 (Mai 2012)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de. Tiefe Venenthrombose (TVT): Wie hoch ist das Risiko durch Flugreisen, und ist eine TVT vermeidbar? (Stand: 31.07.2009)

Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de. Gefahr einer tiefen Venenthrombose bei Flugreisen wird oft überschätzt (Stand: 23.07.2009)

Online-Informationen der Deutschen Venen-Liga e.V.: www.venenliga.de (Stand: 2008)

Pressemitteilung der WHO: Study results released on travel and blood clots. WHO project finds VTE risk higher after long travel, but still relatively low (29.06.2007)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2007

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ist Kaffee ein "Flüssigkeitsräuber"? (12.01.2005)

Kretschmer, H., Kusch, G., Scherbaum, H.: Reisemedizin. Urban & Fischer, München 2005

Online-Informationen der Stiftung Warentest: www.test.de. Thrombosen durch langes Sitzen: Gymnastik an Bord. (Stand: 18.08.2003)

Letzte inhaltliche Prüfung: 18.06.2012
Letzte Änderung: 09.03.2016