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Tropisches Südamerika

Letzte Änderung:
Nächste Aktualisierung von Lydia Klöckner • Medizinredakteurin

Zu den Tropen Südamerikas gehören die Länder Bolivien, Brasilien, Ecuador, Französisch Guayana, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Surinam und Venezuela.

Länder

Im Amazonasgebiet beidseits des Äquators und im Bereich der nordöstlichen Küste Südamerikas herrscht feuchtheißes Tropenklima. So gehört die pazifische Küste Kolumbiens mit Stauregen bis 11000 mm jährlich zu den niederschlagsreichsten Gebieten der Erde. In der nach Norden bzw. Süden anschließenden Zone mit wechselfeuchtem Tropenklima (in Französisch Guayana, im Orinocobecken und im größten Teil des Brasilianischen Berglandes) nimmt die Menge der Niederschläge ab. Im Inneren Brasiliens treten häufig Dürrejahre auf, während die gebirgige Ostküste ganzjährig Niederschläge erhält. Im Süden Brasiliens herrscht feuchtwarmes Klima, nach Westen hin schließt sich immertrockenes subtropisches Klima an. Auf der Westseite der Zentralanden erstreckt sich im Windschatten des Gebirges ein ausgeprägtes Trockengebiet mit Trockensteppe und Wüste.

Südamerika gehört zum so genannten neotropischen Florenbereich. 40% aller tropischen Pflanzengattungen haben hier ihren Ursprung. Die markantesten Pflanzenfamilien sind die Bromelien mit etwa 2000 verschiedenen Arten und die Kakteen mit etwa 1500 Arten. Das Amazonasbecken bildet das größte zusammenhängende Regenwaldgebiet der Erde. Die Regenwälder sind reich an Arten, unter denen sich viele bekannte Nutzpflanzen wie Kautschuk- und Kakaobaum finden. Südlich und nördlich des Amazonasbeckens schließen sich Savannen- und Dornbuschgebiete an. Östlich der Anden erstrecken sich weite, artenarme Grasflächen (Pampa), die im Süden in Halbwüsten übergehen. Im äquatorialen Teil der Anden dominieren Nebelwälder mit Baumfarnen und tropischen Epiphyten. Das Hochland Perus und Boliviens zeigt nach Süden zunehmenden Halbwüstencharakter mit frostharten Gräsern, Hartpolster- und Rosettenpflanzen.

Gesundheitsrisiken für den Reisenden

Das tropische Südamerika ist weltweit einer der traurigen Spitzenreiter bei möglichen Infektionen und Gesundheitsgefahren. Zwar treten viele Erkrankungen örtlich begrenzt auf und beschränken sich vor allem auf ländliche Gebiete. Dennoch sollten Reisende in die tropischen Länder Südamerikas unbedingt über drohende Infektionskrankheiten informiert sein und die allgemeinen und speziellen Impfempfehlungen beachten. Insbesondere Reisende, die sich z.B. aus beruflichen Gründen häufig oder länger in einem südamerikanischen Land aufhalten, selbstständig reisen (z.B. Rucksacktouristen) oder von vornherein gesundheitliche Probleme haben, sind einem erhöhten Infektions- und Erkrankungsrisiko ausgesetzt und sollten sich gut auf die Reise vorbereiten.

Gesundheitsrisiko durch Insekten

Hauptüberträger für Infektionskrankheiten im tropischen Südamerika sind Insekten und Spinnentiere. Vor allem während der Regenzeit herrscht ein hohes Risiko für Erkrankungen, die von Mücken übertragen werden, z.B. Malaria und Dengue-Fieber. Schutz vor Insektenstichen bieten spezielle Insektenschutzmittel, Insektennetze und bedeckende Kleidung.





Gesundheitsrisiken durch Nahrungsmittel

Auch nahrungsmittelbedingte Erkrankungen sind in Südamerika sehr verbreitet. Eine gute Nahrungsmittelhygiene ist deshalb besonders wichtig. Generell ist Vorsicht gegenüber Imbissständen an der Straße geboten. Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr mit abgekochtem Wasser gründlich abgewaschen werden. Ist dies nicht möglich, sollte nur zu schälendes Obst oder Gemüse gegessen werden. Darüber hinaus empfiehlt es sich, ausschließlich abgekochtes Wasser zu trinken (Vorsicht bei Eiswürfeln!). Mikrofilter und Entgiftungstabletten zur Reinigung von Wasser sind in Europa im Handel erhältlich. Reisende sollten sich rechtzeitig vor Beginn der Reise über die verschiedenen Möglichkeiten und Wirkungsweisen solcher Mittel informieren. Mit einfachen Hygienemaßnahmen lassen sich lästige Darminfektionen oft vermeiden.

Besonders häufig sind bakteriell ausgelöste Durchfallerkrankungen (Diarrhoen), z.B. durch Infektionen mit Campylobacter, E. coli, Salmonellen (s. Typhus), Shigellen (s. Ruhr) oder Brucella (Brucellosen). In allen tropischen Ländern Südamerikas sind Cholera-Infektionen unter der einheimischen Bevölkerung verbreitet. Die Erkrankung wird durch Bakterien, sog. Choleravibrionen, ausgelöst, die über Lebensmittel und vor allem kontaminiertes Trinkwasser aufgenommen werden. Reisenden nach Venezuela wird empfohlen, auf den Verzehr von Meeresfrüchten (v.a. Austern, Muscheln) und rohem Fleisch (z.B. dem beliebten Rohfischgericht Ceviche) zu verzichten. Auch vor dem Kauf von Fisch aus Dosen wird gewarnt.

Daneben spielen Parasiten eine zentrale Rolle bei der Auslösung von lebensmittelbedingten Erkrankungen. Dazu zählen vor allem Fadenwürmer, z.B. Spulwurm, Peitschenwurm und Hakenwurm, und Bandwürmer wie der Rinderfinnen- und der Schweinefinnenbandwurm, die durch den Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Rind- bzw. Schweinefleisch (z.B. in Form von Tatar) übertragen werden (Taeniose). Weit verbreitet sind in den tropischen und subtropischen Gebieten Südamerikas Infektionen mit Amöben, die zu Bauchschmerzen, Durchfällen und Leberabszessen führen können ("Amöbenruhr"). Ein anderer typischer Erreger von infektiösen Darmerkrankungen ist Giardia lamblia, ein Dünndarmparasit, der Darmentzündungen und Durchfall verursacht (Giardiasis). In Ecuador, Peru und Venezuela sind über den Verzehr von rohen oder ungenügend erhitzten Krabben und Krebsen Infektionen mit dem Lungenegel möglich. Lungenbeschwerden, aber auch Bauchschmerzen, Leber- und Bauchspeicheldrüsenbeschwerden oder Hautveränderungen sind die Folge. Infektionen mit dem Großen Leberegel (Fasciola hepatica) entstehen durch den Verzehr roher Pflanzenteile. Vor allem aus Peru ist ein endemisches Vorkommen des Parasiten bekannt.

Für Reisende in die tropischen Gebiete Südamerikas besteht generell ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit Hepatitis A. Das Virus wird vor allem durch Lebensmittel und Trinkwasser, seltener durch direkten Körperkontakt zu Erkrankten übertragen.

Sonstige Gesundheitsrisiken

Pflichtimpfungen

Reisende in die tropischen Gebiete Südamerikas sollten sich grundsätzlich beim zuständigen Arzt oder Tropeninstitut bzw. der betreffenden Landesvertretung nach der aktuellen gesundheitlichen Situation im jeweiligen Reiseland und den Einreisebestimmungen hinsichtlich geforderter Impfungen und Gesundheitszeugnisse erkundigen.

Allgemeine Impfempfehlungen

Spezielle Impfempfehlungen

Sonstige Reisetipps

In den höher gelegenen Andenregionen ist die Intensität der Sonneneinstrahlung durch die sauerstoffarme Höhenluft und den geringen atmosphärischen Druck extrem hoch. Für ausreichenden Schutz der Haut gegen direkte Sonnenbestrahlung sollte deshalb unbedingt gesorgt werden. Die teilweise sehr hohen Temperaturen können zu erheblichen Belastungen des Herz-Kreislaufs führen. Wichtig ist deshalb, immer reichlich zu trinken!

In den Höhenlagen ab 2500 m (Bolivien, Ecuador, Peru) kann es etwa 6-12 Stunden nach Ankunft zur Ausbildung von Symptomen einer Höhenkrankheit wie Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, verstärkte Atmung, beschleunigter Puls, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Schlafstörungen sowie Schwellungen der Gliedmaßen und des Gesichts kommen. Einige Grundregeln helfen, das Auftreten einer Höhenkrankheit zu vermeiden:

In einigen Regionen können dem Reisenden Gifttiere wie Schlangen, Spinnen, Feuerameisen und Blutegel gefährlich werden, weshalb bestimmte Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden sollten. So ist das Schlafen auf dem Boden zu vermeiden. Vor dem Zubettgehen sollte unter die Decke geschaut werden, geschlossene Schuhe sind vor dem Anziehen auszuschütteln. Bei Ausflügen in die Natur ist knöchelhohes Schuhwerk zu tragen, in Büschen oder auf Bäumen sollte nicht herumgeklettert werden und im Dunkeln ist eine Taschenlampe zu benutzen, um zu sehen, wohin man tritt. Darüber hinaus können Bisse von Sandflöhen unangenehme oder allergische Hautreaktionen hervorrufen. Verschiedene Mittel, die vor Stichen schützen (z.B. Kokosöl), sind vor Ort erhältlich.

Insbesondere für gesundheitlich gefährdete Menschen ist zu beachten, dass die medizinischen Versorgungsstandards in den meisten Ländern Südamerikas erheblich schlechter sind als die in Europa. Die Mitnahme einer Reiseapotheke ist daher unerlässlich. Für den Aufenthalt sollten spezielle Reisekrankenversicherungen, die auch einen Rücktransport bei schweren Erkrankungen oder Unfällen beinhalten, abgeschlossen werden. Vor Reiseantritt sind ausführliche Informationen darüber bei der jeweils zuständigen Krankenkasse einzuholen.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

Buchtipps:

Was kriecht und krabbelt in den Tropen? Plagegeister und Gifttiere

Reto Kuster
176 Seiten Reise Know-How

Der Genuss des Tropenurlaubs ist oft belastet von unangenehmen Gedanken an die vielen Insekten und Kriechtiere, die das Reiseziel bevölkern. Der Autor bringt dem Leser die unbekannte Kleintierwelt mit schlechtem Ruf näher und schafft Klarheit über vermeintliche und tatsächliche Gefahren. Das Buch geht auf regionale Besonderheiten ein, gibt Tipps zum Schutz vor Bissen oder Stichen und zeigt, wie man sich im Notfall richtig verhält.

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Quellen:

Letzte inhaltliche Prüfung: 01.12.2006
Letzte Änderung: 24.09.2020