Johanniskraut: Wirkung und Nebenwirkungen

Allgemeines

Johanniskraut kann in verschiedenen Zubereitungsformen innerlich oder äußerlich angewendet werden. Mit Johanniskraut-Extrakten (flüssig in Tropfenform oder auch getrocknet als Tabletten, Filmtabletten oder Kapseln) lassen sich leichte bis mittelschwere vorübergehende depressive Verstimmungen (so genannte atypische Depressionen) sowie damit verbundene Angststörungen behandeln.

 

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • leichte bis mittelschwere vorübergehende depressive Verstimmungen (atypische Depressionen) sowie damit verbundene Angststörungen behandeln
  • Unruhezustände und Nervosität sowie nervös bedingte Schlafstörungen mindern
  • Wundheilung bei kleinen Wunden und Verletzungen oder Verbrennungen ersten Grades fördern
  • Muskelschmerzen und Verdauungsstörungen lindern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Johanniskraut im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Johanniskraut nicht verwendet werden?

Äußerlich und innerlich dürfen Johanniskraut, seine Extrakte oder Öle nicht eingesetzt werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder Zubereitungen daraus sowie bei Lichtüberempfindlichkeit der Haut.

Bei innerlich anzuwendenden Präparaten mit Johanniskraut müssen die folgenden Anwendungseinschränkungen vor allem dann beachtet werden, wenn die täglich eingenommene Dosis 200 Milligramm des Pflanzenmaterials beträgt oder, bei einem Extrakt beziehungsweise Öl, dieser Pflanzenmenge entspricht. So ist der innerliche Einsatz von Johanniskraut bei schweren Depressionen verboten. Auch eine Kombination mit anderen Antidepressiva ist nicht erlaubt.

Weiterhin darf Johanniskraut nicht gleichzeitig mit folgenden Wirkstoffen verwendet werden:

  • Immunmodulatoren wie Ciclosporin oder Immunsuppressiva wie Tacrolimus und Sirolimus
  • AIDS-Mitteln wie HIV-1-Proteasehemmern (beispielsweise Indinavir) oder Reverse-Transkriptase-Hemmern (beispielsweise Nevirapin)
  • Zytostatika wie Imatinib und Irinotecan
  • Antikoagulanzien wie Phenprocoumon und Warfarin
  • Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung.
 

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Bisher sind für die Anwendung von Johanniskraut in der Schwangerschaft und Stillzeit keine Hinweise auf eine Schädigung des Kindes bekannt. Da jedoch keine ausreichenden Untersuchungen in Studien gemacht wurden, wird eine strenge ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung der Gabe empfohlen. Ausgenommen davon ist zum Beispiel die traditionelle äußerliche Anwendung von Johanniskrautöl zu Verheilung eines Dammschnitts nach der Geburt.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Kinder unter zwölf Jahren sollten Johanniskraut nicht innerlich anwenden, da keine ausreichenden Untersuchungen für diese Altersgruppe vorliegen.

Welche Nebenwirkungen kann Johanniskraut haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Johanniskraut. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Häufige Nebenwirkungen:
Lichtempfindlichkeits-Zunahme (Photosensibilisierung), sonnenbrandähnliche Hautreaktionen, Blasenbildung.

Seltene Nebenwirkungen:
Allergische Reaktionen wie Hautausschlag, Magen-Darm-Beschwerden, Mundtrockenheit, Müdigkeit, Benommenheit, Unruhe.

Vereinzelt auftretende Nebenwirkungen:
Übersteigerte Hochstimmung (Manien).

Besonderheiten:
Nimmt ein Patient innerliche Johanniskraut-Präparate in einer täglichen Dosis von 200 Milligramm des Pflanzenmaterials oder der entsprechenden Menge des Extrakts oder Öls, sollte eine starke UV-Bestrahlung durch lange Sonnenbäder, Höhensonne oder Solarium vermieden werden.

 

Welche Wechselwirkungen zeigt Johanniskraut?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Zubereitungen aus Johanniskraut wie Extrakte oder Öle, die äußerlich verwendet werden, können Lichtüberempfindlichkeit der Haut hervorrufen. Diese Reaktion verstärkt sich im Zusammenwirken mit äußerlich oder innerlich anzuwendenden Wirkstoffen, die ebenfalls eine Lichtempfindlichkeit (Photosensibilisierung) hervorrufen.

Bei innerlichen Johanniskraut-Präparaten kommt es vor allem zu Wechselwirkungen, wenn die tägliche eingenommene Dosis 200 Milligramm des Pflanzenmaterials beträgt oder, bei einem Extrakt beziehungsweise Öl, dieser Pflanzenmenge entspricht.

  • Eine gleichzeitige Einnahme anderer Antidepressiva, insbesondere aus der Wirkstoffgruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer wie Paroxetin, Sertralin und Trazodon, ist verboten. Die Kombination kann ein lebensbedrohliches Serotonin-Syndrom mit Verwirrtheit, Zittern, Schwitzen, Fieber und Blutdruckabfall bis hin zum Koma auslösen. Daher sollten diese Wirkstoffe nicht gemeinsam mit Johanniskraut eingenommen werden.
  • Auch innerlich genommen, kann Johanniskraut Lichtüberempfindlichkeit verursachen. Dieser Effekt wird durch äußerlich oder innerlich anzuwendende Wirkstoffe verstärkt, die ebenfalls die Lichtsensibilität erhöhen.
  • Johanniskraut verringert die Wirkung von zahlreichen Wirkstoffen. Gegebenenfalls ist deshalb eine Dosisanpassung der beteiligten Wirkstoffe durch den Arzt nötig. Davon betroffenen sind:
    • Immunmodulatoren wie Ciclosporin oder Immunsuppressiva wie Tacrolimus und Sirolimus (Immunsuppressiva zur Unterdrückung der körpereigenen Abwehr)
    • AIDS-Mittel wie HIV-1-Proteasehemmer (beispielsweise Indinavir) oder reverse Transkriptasehemmer (beispielsweise Nevirapin)
    • das Herzmittel Digitoxin
    • das Asthma-Mittel Theophyllin
    • der Blutdrucksenker Verapamil
    • das Beruhigungsmittel Midazolam
    • die Antidepressiva Amitriptylin und Nortriptylin
    • Zytostatika wie Imatinib und Irinotecan. Monoklonale Antikörper sind davon ausgenommen.
    • Antikoagulanzien wie Phenprocoumon und Warfarin
    • Östrogen-Gestagen-Kombinationen zur Verhütung ("Pille"). Hier kann die Wirkungsabschwächung zu Zwischenblutungen und möglicherweise nicht mehr ausreichendem Empfängnisschutz führen.
 

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Während der äußerlichen wie innerlichen Anwendung des Medikaments sollte intensive UV-Bestrahlung, also Sonnenbaden, Solarium oder Höhensonne, gemieden werden. Ein Lichtschutz kann durch entsprechende Kleidung oder Lichtschutzpräparate sichergestellt werden.
  • Die Wirkung von hormonellen Verhütungsmitteln kann durch die Einnahme des Medikaments beeinträchtigt sein. Daher sollten während der innerlichen Gabe von Johanniskraut zusätzliche Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung angewendet werden.
  • Das Medikament ist zur innerlichen Anwendung nicht für Kinder unter zwölf Jahren geeignet.
  • Johanniskraut-Medikamente zur Gabe bei mittelschweren Depressionen sind verschreibungspflichtig.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

 

Welche Medikamente beinhalten Johanniskraut?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Johanniskraut enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

 
Medikament
Darreichungsform
Filmtabletten
Kapseln
Filmtabletten
Hartkapseln
Filmtabletten
Filmtabletten
überzogene Tabletten
überzogene Tabletten
überzogene Tabletten
Dragees
Filmtabletten
Tabletten
Filmtabletten
Filmtabletten
Filmtabletten
Filmtabletten

 

So wirkt Johanniskraut

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Johanniskraut. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Antidepressiva, Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden, zu welcher der Wirkstoff Johanniskraut gehört.

Anwendungsgebiete des Wirkstoffs Johanniskraut

Johanniskraut kann in verschiedenen Zubereitungsformen innerlich oder äußerlich angewendet werden. Mit Johanniskraut-Extrakten (flüssig in Tropfenform oder auch getrocknet als Tabletten, Filmtabletten oder Kapseln) lassen sich leichte bis mittelschwere vorübergehende depressive Verstimmungen (so genannte atypische Depressionen) sowie damit verbundene Angststörungen behandeln.

Auch Unruhezustände und Nervosität können durch Johanniskraut vermindert werden. Die beruhigende Wirkung von Johanniskraut wird außerdem bei nervös bedingten Schlafstörungen genutzt und hilft abends eingenommen insbesondere bei Einschlafproblemen. Diese Wirkungen sind wissenschaftlich belegt.

Die äußerliche Anwendung von Johanniskraut beruht hingegen auf traditionellen Erfahrungswerten und ist bisher nicht wissenschaftlich überprüft. Zur Linderung der Beschwerden bei kleinen Wunden und Verletzungen sowie Verbrennungen ersten Grades wird meist das rötliche Johanniskrautöl verwendet. Es vermag auch bei Muskelschmerzen zu helfen. Nach überlieferter Tradition wird Johanniskraut außerdem als Tee bei Verdauungsbeschwerden eingenommen.

 

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Johanniskraut sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Johanniskraut

Die Blätter des einheimischen Johanniskrauts (Hypericum perforatum) enthalten eine Mischung aus pflanzlichen Wirk- und Begleitstoffen, von denen Hypericin, Pseudohypericin und Hyperforin als die wichtigsten zu nennen sind. Diese Inhaltsstoffe des Tees oder eines Extraktes aus den Johanniskrautblättern (Hypericumextrakt) besitzen, innerlich angewandt, eine antidepressive und stimmungsaufhellende Wirkung. Sie scheinen dabei genau wie tri- und tetrazyklische Antidepressiva zu wirken, indem sie die Konzentration bestimmter Nerven-Botenstoffe im Gehirn beeinflussen.

Bei einer Depression liegt ein Mangel der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin im Gehirn vor. Diese Botenstoffe werden zur Reizübermittlung von Gehirnzellen freigesetzt. Sie wirken an bestimmten Rezeptoren und werden später wieder in die Gehirnzellen aufgenommen (Reuptake) oder abgebaut. Auch Johanniskraut-Extrakte scheinen die Wiederaufnahme dieser Botenstoffe in die Gehirnzellen zu hemmen und so die Konzentration der freien Botenstoffe im Gehirn zu erhöhen. Dies wirkt sich günstig auf Depressionen aus. Diese Wirkweise von Johanniskraut wurde bisher nur im Tiermodell erforscht und ist deutlich schwächer als bei den chemischen Antidepressiva.

Zur Behandlung von Hautproblemen wird vielfach ein öliger Auszug aus Johanniskraut benutzt, den man sowohl aus den Blättern wie auch den Blüten gewinnt. Worauf die Wundheilungs-fördernde Wirkung beruht, die solchen Zubereitungen zugeschrieben wird, ist nicht bekannt.

Die Anwendung von Johanniskraut-Tee bei Verdauungsbeschwerden ist nicht wissenschaftlich begründbar. Man kann aber annehmen, dass die Inhaltsstoffe vor allem gegen nervös bedingte Probleme in Magen und Darm wirksam sind.

 

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.