Ein nachdenklich aussehender Mann sitzt am Tisch mit Büchern.
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Konzentrations­schwäche, Konzentrationsstörungen

Ob Kinder oder Erwachsene: Konzentrationsstörungen können in jedem Alter vorkommen. Oft helfen einfache Maßnahmen, um die Aufmerksamkeit wieder besser bündeln zu können. Hält eine Konzentrationsschwäche jedoch länger an, ist der Arzt gefragt, denn es können auch körperliche Ursachen dahinterstecken.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Konzentrations­schwäche, Konzentrations­störungen

An manchen Tagen fällt es leicht, sich auf eine Sache zu fokussieren. An anderen hingegen reicht ein kleiner Reiz von außen, um den Faden zu verlieren. Dass die Konzentrationsfähigkeit schwankt, ist ganz normal und von vielen Faktoren abhängig. Zum Beispiel davon, wie viel Schlaf der Mensch hatte, ob er Alkohol oder Kaffee getrunken hat oder ob er gerade Stress ausgesetzt ist. Zudem ist die Zeit, in der man am Stück konzentriert sein kann, begrenzt – denn Konzentration ist mit geistiger Anstrengung verbunden.

Wenn die Konzentration jedoch wiederholt oder sogar dauerhaft nachlässt und die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigt ist, sollte man der Ursache auf den Grund gehen. Dann handelt es sich möglicherweise um eine behandlungsbedürftige Konzentrationsstörung­/Konzentrations­schwäche.

Was versteht man unter einer Konzentrationsstörung­/einer Konzentrationsschwäche?

Konzentration bedeutet, die volle Aufmerksamkeit für eine längere Zeit auf eine Person, Sache oder Tätigkeit zu lenken. Bei einer Konzentrationsstörung ist diese Fähigkeit vermindert. Die betroffene Person lässt sich sehr leicht ablenken und es fällt ihr schwer, zum eigentlichen Thema zurückzukehren.

Manche Wissenschaftler unterscheiden zwischen Konzentrationsstörungen und einer Konzentrationsschwäche:

  • Menschen mit einer Konzentrationsschwäche sind demnach dauerhaft nicht in der Lage, sich längere Zeit einer bestimmten Sache zu widmen, während eine
  • Konzentrationsstörung ein vorübergehendes Phänomen ist.

Andere Quellen wiederum setzen die Begriffe Konzentrationsstörung und Konzentrationsschwäche gleich.

Konzentrationsschwäche: Ursachen

Eine nachlassende Konzentrationsfähigkeit kann sehr viele verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel:

Häufig sind solche Konzentrationsstörungen nur vorübergehender Natur und kein Grund, einen Arzt aufzusuchen.

Eine Konzentrationsschwäche kann aber auch ein Symptom vieler organischer, psychosomatischer oder neurologischer Erkrankungen sein wie

Frauen haben außerdem häufig während der Wechseljahre mit Konzentrationsstörungen zu tun.

Konzentrationsschwäche bei Kindern

Kinder, die sich nicht konzentrieren können, lassen sich leicht ablenken. Es fällt ihnen schwer, Angefangenes zu Ende zu führen. Sie schweifen schnell mit den Gedanken ab und sind "nicht mehr bei der Sache". Auch machen sie häufiger Flüchtigkeitsfehler als andere Kinder.

Vorübergehende Konzentrationsstörungen bei Kindern müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass eine Erkrankung die Ursache ist. Die Fähigkeit, sich gut konzentrieren zu können, muss ein Mensch nach der Geburt erst entwickeln. Dies fällt vielen Kindern jedoch heutzutage nicht leicht: Die zunehmende Flut an Reizen – durch Internet, Fernsehen, Computerspiele oder Smartphones – erschwert es, die Aufmerksamkeit auf eine Sache zu lenken.

Hinzu kommt, dass viele Kinder Tag für Tag ein erhebliches Pensum vor sich haben. Mit der Zeit kann ein zu ausgefüllter Terminkalender dazu führen, dass die Konzentrationsfähigkeit nachlässt – bei Kindern wie bei Erwachsenen. Auch psychische Belastungen können hinter einer Konzentrationsstörung stecken, zum Beispiel durch

  • Scheidung der Eltern,
  • permanenten Streit im Elternhaus,
  • Leistungsdruck oder
  • Probleme in der Schule.

Zu weiteren Faktoren, die eine Konzentrationsschwäche bei Kindern begünstigen können, zählen

Eine länger anhaltende Konzentrationsschwäche bei Kindern kann auch auf eine Erkrankung/Störungen zurückzuführen sein, zum Beispiel auf:

  • ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung)
  • Legasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung)
  • eine Wahrnehmungsstörung, z.B. infolge einer spät entdeckten Seh- oder Hörschwäche

Konzentrationsschwäche im Alter

Vor allem bei älteren Menschen kann eine Konzentrationsschwäche die Folge einer gestörten Gehirndurchblutung sein – verursacht durch eine Arteriosklerose der Blutgefäße im Gehirn.

Und auch eine Demenz wie die Alzheimer-Erkrankung geht mit einer zunehmenden gestörten Konzentration einher. Gerade bei Älteren ist es nicht immer leicht, eine beginnende Demenz von einer Depression zu unterscheiden. Im Rahmen einer Depression kann die Konzentrationsfähigkeit so sehr nachlassen, dass die Symptomatik sehr an eine Demenz im Anfangsstadium erinnert. Ein stark vermindertes Konzentrationsvermögen durch eine Depression bezeichnen Ärzte daher als Pseudodemenz.

Konzentrations­schwäche: Diagnose

Wenn sich Kinder nicht gut konzentrieren können, ist der Kinderarzt der erste Ansprechpartner. Erwachsene können zunächst den Hausarzt aufsuchen, der sie gegebenenfalls an einen Facharzt überweist.

Beim ersten Termin wird sich der Arzt zunächst einen Eindruck von den Beschwerden machen und einige Fragen stellen. Zum Beispiel wird er wissen wollen, seit wann der Patient die Probleme bemerkt hat und ob ihm noch weitere Symptome aufgefallen sind.

Hilfreich ist für den Arzt oft ein Gespräch mit Menschen aus dem persönlichen Umfeld der Betroffenen – bei Kindern vor allem mit den Eltern und Lehrern.

Um zu prüfen, ob und in welchem Umfang die Konzentration gestört ist, kann der Arzt oder Psychologe auf standardisierte Testverfahren (z.B. den Aufmerksamkeit-Belastungstest d2) zurückgreifen.

Wenn der Arzt den Verdacht hat, dass die Konzentrationsstörung eine körperliche Ursache hat, wird er entsprechende Untersuchungen veranlassen, zum Beispiel

  • Hörtests,
  • Sehtests oder
  • eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der Hormonkonzentrationen im Blut.

Konzentrations­schwäche: Therapie

Bei Konzentrationsschwäche­/Konzentrationsstörungen hängt die Therapie immer von den individuellen Ursachen ab. Steckt zum Beispiel eine bestimmte Erkrankung oder ein körperliches Problem hinter den Beschwerden, etwa eine Depression, ADHS oder eine Hörschwäche, wird der Arzt diese entsprechend behandeln. Sind Konzentrationsstörungen dagegen auf Stress und Überforderung zurückzuführen, können zum Beispiel Entspannungsübungen, Atemübungen und ausreichend Schlaf helfen.

Wie Sie Ihre Konzentrationsfähigkeit verbessern können

Wer sich allgemein schlecht konzentrieren kann und seine Konzentrationsfähigkeit fördern möchte, kann selbst einiges tun:

  • Achten Sie auf viel Bewegung, am besten an der frischen Luft.
  • Kaffee, Nikotin und Alkohol können die Konzentration vermindern.
  • Eine fett- und zuckerarme, dafür aber vitaminreiche Ernährung wirkt sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit aus.
  • Sorgen Sie für regelmäßige Atempausen zur Entspannung.
  • Versuchen Sie, die Zeit vor dem Fernseher oder mit anderen Medien zu begrenzen.

Sofern die Probleme keine körperliche Ursache haben, kann man die Konzentration mit speziellen Übungen steigern. Hierzu gehören beispielsweise Fehlersuch-Bilder, Kreuzwort- und Zahlenrätsel. Hilfreich bei Konzentrationsschwäche­/Konzentrationsstörungen sind zudem sogenannte Über-Kreuz-Übungen, mit denen Sie Ihre Konzentration immer wieder zwischendurch trainieren können:

  • Berühren Sie zum Beispiel erst das rechte Knie mit dem linken Ellenbogen und danach das linke Knie mit dem rechten Ellenbogen oder
  • reiben Sie mit der linken Hand das rechte Ohr und danach mit der rechten Hand das linke Ohr.

Für Kinder mit Konzentrationsschwäche bei Kindern sind viele Spiele geeignet, um die Fähigkeit zur Konzentration zu fördern. Ein Beispiel für solche Konzentrationsspiele: Ändern Sie doch einfach mal "heimlich" die Anordnung von Spielsachen oder Büchern in einem Regal und bitten Sie Ihr Kind anschließend, die Veränderungen zu benennen.