Mann mit Herzinfarkt
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Herzinfarkt: Warnzeichen frühzeitig erkennen

Ein Herzinfarkt geschieht oft urplötzlich. Dann zählt jede Sekunde: Je schneller er erkannt und behandelt wird, desto höher sind die Überlebenschancen. Deshalb ist es wichtig, die ersten Anzeichen zu kennen! Lesen Sie hier, welche Symptome auf einen Herzinfarkt hindeuten und wie Sie vorbeugen können.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Was ist ein Herzinfarkt?

Herzinfarkt – auch Myokardinfarkt oder Herzmuskelinfarkt genannt – heißt der Vorgang, bei dem ein Teil des Herzmuskels infolge einer Durchblutungsstörung abstirbt:

  • Myokard = Herzmuskel
  • Infarkt = Absterben von Gewebe durch einen Gefäßverschluss

Dazu kommt es, wenn sich ein Herzkranzgefäß verschließt. Denn dann kann diese Region nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Wenn daraufhin Teile des Herzmuskels absterben, kann die Pumpkraft des Herzens ein Leben lang gestört sein. Eine weitere mögliche Folge sind Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern), die unbehandelt tödlich sind.

Jeder Herzinfarkt gilt als Notfall

Schon beim geringsten Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt sollte man sofort den*die Notarzt*Notärztin rufen (Rufnummer 112). Denn eine möglichst schnelle Behandlung ist entscheidend, damit die mit Blut unterversorgte Herzregion keinen dauerhaften Schaden nimmt.

Einen Herzinfarkt zu erkennen kann also im Ernstfall einen lebensrettenden Zeitvorsprung bringen: Denn mit ausreichendem Vorwissen über die Infarktsymptome steigt die Chance, früh genug die richtige professionelle Hilfe zu bekommen.

Häufigkeit

In Deutschland ist der Herzinfarkt die zweithäufigste Todesursache. Im Jahr 2020 starben 48.669 Menschen an einem akuten Myokardinfarkt, wobei Männer mit einem Anteil von fast 58 Prozent häufiger betroffen waren als Frauen.

Herzinfarkt: Symptome

Oft verursacht ein akuter Herzinfarkt (Myokardinfarkt) deutliche Symptome. Die für einen akuten Herzinfarkt typischen Anzeichen sind:

  • anhaltende, heftige Brustschmerzen, die in Schulter, Arm, Unterkiefer oder Oberbauch ausstrahlen
  • Unruhegefühl bis hin zu Todesangst
  • kalter Schweißausbruch
  • Blässe
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Atemnot

Anstelle der Schmerzen verspüren manche Menschen bei einem Herzinfarkt auch nur einen starken Druck in der Brust. Beide Symptome halten typischerweise länger als fünf Minuten an.

Wie unterscheiden sich Herzinfarkt und Angina pectoris (Brustenge)?

Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist, dass die Schmerzen beim Myokardinfarkt:

  • stärker sind als bei einem Angina-pectoris-Anfall und
  • sich nicht durch die Einnahme von Nitratspray bessern.

Außerdem sind die Betroffenen ängstlich und versuchen, die mit dem Herzinfarkt verbundenen schmerzhaften Symptome durch Bewegung zu lindern. Menschen mit einem Angina-pectoris-Anfall verhalten sich hingegen ruhig, da sie befürchten, die Beschwerden durch körperliche Anstrengung zu verstärken.

Meist kommt ein Herzinfarkt überraschend. Die ersten Symptome machen sich häufig in den frühen Morgenstunden bemerkbar. Oft gehen dem Myokardinfarkt folgende Beschwerden voraus:

  • Brustenge-Gefühl
  • Schmerzen in der linken Schulter/im linken Arm
  • Halsschmerzen bis zum Unterkiefer
  • gelegentlich Bauchschmerzen und/oder Übelkeit oder Unwohlsein
  • Schwächegefühl, Angst
  • häufig niedriger Blutdruck

Die ersten Vorboten für einen Herzinfarkt treten oft schon frühzeitig auf: Viele Infarktpatient*innen hatten bereits vor ihrem Herzinfarkt Herzprobleme. Etliche haben schon Gefäßerweiterungen (Herzkatheter-Dilatationen) oder Operationen zur Überbrückung eines verengten oder verschlossenen Herzkranzgefäßes (Bypass-Operationen) hinter sich. Aber auch Menschen ohne koronare Herzkrankheit können einen Myokardinfarkt bekommen.

Übrigens: Männer haben öfter und wesentlich früher einen Herzinfarkt als Frauen. Dahingegen ist für Frauen das Risiko höher, an einem Myokardinfarkt zu sterben. Das liegt nicht nur am durchschnittlich höheren Alter der betroffenen Frauen, sondern möglicherweise auch an ihren oft untypischen Beschwerden: In vielen Fällen deuten sowohl Betroffene als auch Ärzte*Ärztinnen die Symptome falsch und erkennen den Herzinfarkt zu spät.

Stummer Herzinfarkt: Nicht immer gibt es Symptome

Ein Herzinfarkt kann allerdings auch unbemerkt bleiben. Dann spricht man von einem stummen Herzinfarkt. Lange gingen Mediziner*innen davon aus, dass diese Form des Infarkts vor allem ältere Menschen oder bestimmte Risikogruppen wie Typ-2-Diabetiker*innen betrifft und vor allem Männer gefährdet sind. Neuere Studien zeigen, dass das nicht stimmt. Die angeblichen Risikofaktoren scheinen keinen Einfluss darauf zu haben, ob ein Herzinfarkt stumm verläuft oder Symptome hervorruft.

Herzinfarkt: Symptome bei Frauen

Die als typisch für einen Herzinfarkt geltenden Symptome können bei Frauen fehlen. Anders ausgedrückt: Oft verursacht ein Herzinfarkt bei Frauen andere Symptome als bei Männern. So können folgende Beschwerden bei Frauen im Vordergrund stehen (oder auch die einzigen Anzeichen für den Herzinfarkt sein):

  • häufiges Erbrechen
  • Übelkeit
  • Schmerzen im Schulterbereich
  • Schmerzen im Kiefer
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Atemnot

Achtung: Ein Herzinfarkt kann nicht nur bei Frauen untypische Symptome verursachen. Auch wer Diabetes, eine chronische Niereninsuffizienz oder Demenz hat oder unter 40 oder über 75 Jahre alt ist, entwickelt bei einem Myokardinfarkt nicht selten untypische Beschwerden.

Herzinfarkt: Ursachen

Typische Ursache für einen Herzinfarkt ist, dass ein Abschnitt der Herzkranzgefäße plötzlich verschlossen ist. Diese Gefäße, auch Koronararterien genannt, liegen kranzartig um das Herz herum (Korona bedeutet Kranz bzw. Krone). Normalerweise versorgen sie das Herz mit sauerstoffreichem Blut:

  • Das linke Herzkranzgefäß (Arteria coronaria sinistra) versorgt den vorderen Bereich des Herzens mit Blut,
  • das rechte (Arteria coronaria dextra) den hinteren.

Den Sauerstoff benötigt das Herz, um seine Aufgabe erfüllen zu können – also den Blutkreislauf in Gang zu halten und so den gesamten Körper (Organe, Gewebe und Zellen) mit Sauerstoff zu versorgen. Wenn irgendein Abschnitt der Herzkranzgefäße nicht mehr durchblutet ist und somit die Sauerstoffversorgung abbricht, stirbt das betroffene Herzmuskelgewebe ab: Es entsteht ein Herzinfarkt.

Grundsätzlich kann in jedem Abschnitt der Herzkrankgefäße ein Gefäßverschluss auftreten und einen Herzinfarkt verursachen. Je nachdem, wo diese Stelle liegt, unterscheidet man folgende Typen des Herzinfarkts:

  • Vorderwandinfarkt
  • Hinterwandinfarkt und Seitenwandinfarkt
  • Scheidewandinfarkt (Septuminfarkt)
  • Kombinationsinfarkte

In den meisten Fällen betrifft ein Herzinfarkt die Muskulatur der linken Kammer.

Der Gefäßverschluss, der zum Herzinfarkt führt, kann unterschiedliche Ursachen haben. Am häufigsten steckt ein Blutgerinnsel dahinter. Die meisten Betroffenen hatten schon vorher die koronare Herzkrankheit (KHK), bei der die Durchblutung des Herzmuskels wegen Arteriosklerose (Arterienverkalkung) der Herzkranzgefäße gestört ist:

  • Bei einer Arteriosklerose verengen sich die Gefäße aufgrund von Ablagerungen (Plaques) an den Gefäßwänden.
  • Diese Plaques bestehen aus Blutfetten, Bindegewebe, Kalk und Blutplättchen.
  • Wenn die Plaques instabil sind und aufbrechen, kann ein Blutgerinnsel (Thrombus) entstehen.
  • Das Gerinnsel verstopft das Gefäß, sodass kein Blut mehr hindurchfließen kann.
  • Dadurch bricht die Sauerstoffversorgung eines Teils der Herzmuskulatur ab.

Die koronare Herzkrankheit ist mit einem hohen Risiko für Blutgerinnsel verbunden.

Risikofaktoren

Es gibt viele Risikofaktoren, die eine Arteriosklerose und damit auch einen Herzinfarkt begünstigen. Als Ursachen für ein erhöhtes Infarktrisiko gelten zum Beispiel:

  • höheres Lebensalter
  • Rauchen
  • erhöhte Cholesterinwerte im Blut
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Stress
  • Bewegungsmangel
  • erbliche Faktoren

Dabei ist das Risiko für einen Myokardinfarkt umso höher, je stärker ein einzelner Risikofaktor ausgeprägt ist oder je mehr Faktoren gleichzeitig vorliegen.

Herzinfarkt: Diagnose

Erste Hinweise auf einen Herzinfarkt ergeben sich oft anhand der vorliegenden Beschwerden – wie heftige Schmerzen in der Brust, die sich weder durch Ruhe noch durch gefäßerweiterndes Nitroglycerinspray bessern. Jedoch können die typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt auch fehlen – vor allem bei Frauen. Um eine sichere Diagnose zu stellen, sind daher gezielte Untersuchungen nötig.

EKG (Elektrokardiogramm)

Die wichtigste Untersuchung bei einem Herzinfarkt besteht darin, die Herzstromkurve mit einem EKG (Elektrokardiogramm) zu messen. Das EKG liefert Hinweise darauf, wo sich der Herzinfarkt befindet (z. B. Herzvorderwand oder Herzhinterwand). Außerdem kann der*die Arzt*Ärztin ablesen, ob der Myokardinfarkt erst vor Kurzem aufgetreten ist oder schon längere Zeit zurückliegt.

Labordiagnostik

Bei einem Herzinfarkt ist auch die Labordiagnostik aufschlussreich. Denn das abgestorbene Herzmuskelgewebe setzt bestimmte Eiweißstoffe (Enzyme) frei, die im Blut nachweisbar sind. So sind beispielsweise die Herzmuskeleiweiße Troponin I und Troponin T im Blut vermehrt vorhanden, wenn Zellen des Herzmuskels nach einem Myokardinfarkt absterben. Bei Schäden des Herzmuskelgewebes sind ihre Werte im Blut ebenfalls erhöht. Für einen Schnelltest, mit dem man einen Herzinfarkt nach wenigen Stunden feststellen kann, sind Troponin I und Troponin T daher am besten geeignet.

Zudem können weitere Blutwerte bei einem Herzinfarkt Hinweise auf mögliche Risikofaktoren liefern. So kann der*die Arzt*Ärztin in einer Laboruntersuchung zum Beispiel den Cholesterinspiegel ermitteln.

Herzinfarkt: Therapie

Ein akuter Herzinfarkt macht eine schnelle Therapie notwendig, denn: Je eher die Behandlung einsetzt, desto besser stehen die Heilungsaussichten. Entscheidend sind vor allem die ersten Stunden nach dem Infarkt.

Erste Hilfe

Je nachdem, wie sich der Herzinfarkt äußert, können unterschiedliche Erste-Hilfe-Maßnahmen nötig sein. Im schlimmsten Fall kann es bei einem Myokardinfarkt zum sofortigen Herzstillstand kommen. Es ist aber auch ein stummer Herzinfarkt möglich, der praktisch unbemerkt abläuft.

In jedem Fall ist es wichtig, schon beim geringsten Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Rettungsdienst mit Notarzt*Notärztin zu alarmieren (112 oder die örtliche Notrufnummer). Bis der Rettungsdienst eintrifft, ist als Erste Hilfe Folgendes zu tun:

  • Bewusstseinszustand und Atmung prüfen: Prüfen Sie, ob die*der Betroffene bei Bewusstsein ist und atmet. Falls nicht, sofort mit Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation) beginnen.
  • Beruhigen und für bequeme Lage sorgen: Wenn die*der Betroffene bei Bewusstsein ist, reden Sie beruhigend auf sie*ihn ein und helfen Sie ihr*ihm, sich so hinzulegen oder hinzusetzen, dass das Atmen leichtfällt. Öffnen Sie dabei auch beengende Kleidung (z. B. Krawatte lockern, Hemd oben aufknöpfen). Die*den Betroffene*n keinesfalls aufstehen oder irgendwohin gehen lassen!
  • Abschirmen: Schirmen Sie die*den Betroffene*n ab und halten Sie unbedingt Unruhe, Aufregung oder Anstrengung von ihr*ihm fern.
  • Weiter beobachten: Lassen Sie die*den Betroffene*n nicht aus den Augen, bis der der Rettungsdienst eintrifft. Ist sie*er weiterhin bei Bewusstsein? Atmet und reagiert sie*er?

Sofortmaßnahmen

Die ersten Stunden nach einem Herzinfarkt können entscheidend sein: Geeignete Sofortmaßnahmen ermöglichen es am ehesten, die Durchblutung des Herzmuskels mit Medikamenten oder durch Aufdehnung der verschlossenen Herzkranzarterie wiede

Je schneller beim Herzinfarkt ärztliche Sofortmaßnahmen zum Einsatz kommen, umso weniger Herzmuskelgewebe nimmt dauerhaften Schaden und umso weniger Komplikationen treten auf.

Der*die Notarzt*Notärztin leitet die ersten Sofortmaßnahmen gegen den Herzinfarkt ein: Er kann gefährliche Herzrhythmusstörungen erkennen und entsprechend behandeln.

  • Starke Schmerzmittel (Opiate) eignen sich, um die mit dem Myokardinfarkt einhergehenden Schmerzen zu lindern.
  • Bei Bedarf können auch Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen.
  • Zudem verabreicht der*die Notarzt*Notärztin gerinnungshemmende Medikamente (wie Acetylsalicylsäure, Heparin), um zu verhindern, dass das Gerinnsel wächst oder an anderer Stelle ein weiteres entsteht.

Im Krankenhaus angekommen, erhält die*der Betroffene einen Zugang zum Gefäßsystem (zentraler Venenkatheter, ZVK), um darüber weiterhin blutverdünnende Medikamente zu erhalten. Wer Atemnot, eine akute Herzinsuffizienz oder eine Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff (Hypoxie) hat, erhält zudem Sauerstoff über eine Nasensonde. Teil der Sofortmaßnahmen ist es auch, ständig den Blutdruck zu überprüfen und bei Bedarf zu regulieren. Dies geschieht oft mit Nitraten: Nitrate entlasten das Herz und verringern die mit dem Herzinfarkt verbundenen Schmerzen.

Das bei einem Herzinfarkt wichtigste Ziel der Therapie lautet: das verschlossene Blutgefäß schnellstmöglich wieder freibekommen. Welche Sofortmaßnahmen zu dieser Reperfusionstherapie geeignet sind, hängt vom EKG-Befund ab: Zeigt das EKG

  • einen Myokardinfarkt mit ST-Hebung (bzw. STEMI = engl. ST-segment elevation myocardial infarction) oder
  • einen Myokardinfarkt ohne ST-Hebung (bzw. NSTEMI = non-ST-segment elevation myocardial infarction)?

Herzinfarkt mit ST-Hebung

Bei einem Herzinfarkt mit ST-Hebung sollte möglichst schnell eine perkutane Koronarintervention (bzw. PCI) stattfinden. Hierbei versucht der*die Arzt*Ärztin, die Durchblutung des Herzmuskels durch eine Ballondilatation wiederherzustellen. Das geht so:

  • Der*die Arzt*Ärztin schiebt einen feinen Kunststoffschlauch (den Herzkatheter) mit einem zusammengefalteten Ballon über ein Blutgefäß am Handgelenk oder in der Leiste bis zum verengten Herzkranzgefäß vor.
  • Dann dehnt er*sie den Ballon (mit Flüssigkeit oder Luft), um das verengte Gefäß zu erweitern.

Dass nach dem Herzinfarkt erneut eine Gefäßverengung eintritt, kann ein Stent verhindern: Dies ist eine Gefäßstütze aus Edelstahl, die der*die Arzt*Ärztin mit dem Ballonkatheter in die betroffene Stelle einsetzt. Der Stent kann zusätzlich mit Medikamenten beschichtet sein, die einen erneuten Verschluss und somit einen weiteren Myokardinfarkt abwenden sollen.

Kann die PCI nicht innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Diagnose ausgeführt werden, kommt alternativ bei einem Herzinfarkt mit ST-Hebung eine Thromboembolyse (d. h. einer Auflösung des ursächlichen Blutgerinnsels) infrage: Hierzu bekommt man (per Spritze oder Katheter) Enzyme verabreicht, die das Gerinnsel abbauen, oder Mittel, die körpereigene Enzyme für den Abbau aktivieren.

Herzinfarkt ohne ST-Hebung

Bei einem Herzinfarkt ohne ST-Hebung ist hingegen weder die Ballondilatation noch die Thromboembolyse geeignet. Stattdessen bestehen die Sofortmaßnahmen darin, die Blutgerinnung zu hemmen (z. B. mit Acetylsalicylsäure, Clopidogrel und Heparin).

Nach einem Herzinfarkt ist mindestens zwei bis drei Tage lang eine Überwachung auf der Intensivstation nötig, da die ersten 48 Stunden nach dem Infarkt besonders kritisch sind.

Weitere therapeutische Maßnahmen

Verläuft ein Herzinfarkt ohne Komplikationen, dauert der Aufenthalt im Krankenhaus 7 bis 14 Tage. Darauf folgen weitere Maßnahmen in einer Rehabilitationsklinik oder einem ambulanten Therapiezentrum. Dazu gehören:

  • Bewegungstherapie
  • psychische Stabilisierung
  • Aufklärung über eine gesundheitsbewusste Lebensweise wie:
    • richtige Ernährung nach Herzinfarkt
    • geeignete Sportarten
    • Vermeidung von Stress
    • Gewichtskontrolle

Eine weitere wichtige Maßnahme nach einem Herzinfarkt besteht darin, dauerhaft Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung einzunehmen. Die wichtigsten Mittel für diese Langzeitbehandlung sind:

  • Acetylsalicylsäure (lebenslang) sowie
  • Prasugrel, Ticagrelor oder Clopidogrel (für 12 Monate).

Die medikamentöse Dauertherapie nach einem Herzinfarkt ist dieselbe, die auch gegen die koronare Herzkrankheit (KHK) zum Einsatz kommt. Die verwendeten Medikamente verringern das Risiko für erneute Infarkte. Zudem ist es nach einem überstandenen Myokardinfarkt ratsam,

  • sich regelmäßig von einem*einer Internist*in beziehungsweise Kardiolog*in untersuchen zu lassen und
  • konsequent Risikofaktoren wie Übergewicht oder Rauchen auszuschalten bzw. zu vermeiden.

Herzinfarkt: Prognose, Komplikationen und Verlauf

Die ersten Stunden nach einem Herzinfarkt sind für die Prognose entscheidend: Nur wenn es in diesem Zeitfenster gelingt, die Durchblutung des verschlossenen Gefäßes wiederherzustellen, entsteht an dem mit Blut unterversorgten Herzmuskel kein dauerhafter Schaden.

Nach einem Herzinfarkt wandelt sich beschädigtes Herzmuskelgewebe im weiteren Verlauf in Bindegewebe um und vernarbt. Dieses Gewebe kann sich nicht zusammenziehen und aktiv bewegen. Somit ist es für die Pumpleistung des Herzens unbrauchbar – daran kann auch keine Therapie mehr etwas ändern. Darum ist es lebenswichtig, beim ersten Anzeichen für einen Myokardinfarkt sofort die 112 zu rufen!

Mehr als jeder zweite Todesfall durch einen Herzinfarkt tritt noch vor der stationären Aufnahme der Betroffenen in ein Krankenhaus ein (plötzlicher Herztod). Wer die ersten Tage nach einem Myokardinfarkt überlebt, kann jedoch mit einer günstigen Prognose rechnen.

Ein Jahr nach ihrem Herzinfarkt leben noch mindestens 80 Prozent der Betroffenen. Dabei haben diejenigen mit den wenigsten Risikofaktoren (wie Rauchen, Übergewicht, hohes Alter) die beste Prognose.

Allgemein haben auch Männer eine bessere Prognose als Frauen. Denn ein Herzinfarkt verläuft bei Frauen oft untypisch. So kann es leicht passieren, dass sowohl die betroffene Frau selbst als auch die behandelnden Ärzte*Ärztinnen den Myokardinfarkt nicht als solchen erkennen – und lebensrettende medizinische Hilfsmaßnahmen zu spät kommen.

Komplikationen

Das Herz zieht sich – angeregt durch elektrische Reize – zusammen und pumpt Blut in den Körperkreislauf. Bei einem Herzinfarkt kann die elektrische Reizausbreitung an den betroffenen Bereichen gestört sein. Dadurch kann es zu schweren Herzrhythmusstörungen kommen. Außerdem können an den geschädigten Bereichen spindel- oder sackförmige Erweiterungen (Aneurysmen) entstehen, die lebensbedrohliche Komplikationen zur Folge haben:

  • Der Herzmuskel kann reißen (Ruptur) oder
  • es können Blutgerinnsel (Thromben) entstehen.

Von den Menschen, die einen Myokardinfarkt nicht überleben, sterben die meisten in einer frühen Phase des Infarkts an plötzlich einsetzenden Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern). Diese können zum Herzstillstand führen. Dann muss ein*e Ersthelfer*in sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen. Wer innerhalb von drei bis fünf Minuten nach Herzinfarkt mit Herzstillstand eine Herzmassage und Beatmung erhält, kann wieder zum Leben erwachen und hat eine Überlebenschance.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass sich Angehörige von Menschen mit hohem Herzinfarktrisiko in der Herz-Lungen-Wiederbelebung ausbilden lassen, damit im Notfall keine wertvolle Zeit verloren geht.

Nachsorge

Sind die Behandlung im Krankenhaus und die Reha nach einem Herzinfarkt abgeschlossen, ist eine gründliche Nachsorge angesagt. Nach überstandenem Myokardinfarkt sind die meisten Betroffenen ihr Leben lang auf Medikamente angewiesen. Dabei kommen (wenn nichts gegen ihre Einnahme spricht) vor allem folgende Mittel zum Einsatz:

  • Acetylsalicylsäure, um die Blutgerinnung zu hemmen
  • Cholesterinsenker (Statine), um den Cholesterinspiegel zu senken
  • ggf. Betablocker, um das Herz wirtschaftlicher arbeiten zu lassen
  • ggf. ACE-Hemmer oder AT1-Antagonisten, um den Blutdruck zu senken

Außerdem ist es nach einem Myokardinfarkt wichtig, einen erhöhten Blutzucker zu behandeln.

Wegen der möglichen Nebenwirkungen ist eine regelmäßige und gründliche fachärztliche Überwachung (durch Internist*innen bzw. Kardiolog*innen) ratsam, um unerwünschte Auswirkungen der Langzeitbehandlung frühzeitig zu erkennen und ihnen gegenzusteuern.

Neben der medizinischen Nachsorge spielt nach einem akuten Herzinfarkt auch eine Lebensumstellung eine große Rolle. Denn auf lange Sicht ist es für die Prognose nicht nur wichtig, die Risikofaktoren für einen weiteren Myokardinfarkt medikamentös auszuschalten. Entscheidend für die Genesung ist auch, konsequent auf eine gesunde Lebensweise zu achten.

Herzinfarkt: Vorbeugen

Einem Herzinfarkt können Sie vorbeugen, indem Sie Ihr Herz schonen und Risikofaktoren für Arteriosklerose (Arterienverkalkung) vermeiden. Das gelingt Ihnen so:

  • Verzichten Sie auf Nikotin.
  • Achten Sie auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig (z. B. durch tägliche Spaziergänge von mindestens 30 Minuten).
  • Treiben Sie kontrolliert Sport. Geeignete Aktivitäten, um einem Herzinfarkt vorzubeugen, sind gemäßigte Ausdauersporteinheiten wie
    • leichtes Joggen
    • Fahrradfahren
    • Schwimmen
  • Führen Sie ein möglichst stressfreies Leben.
  • Senken Sie Übergewicht beziehungsweise kontrollieren Sie Ihr Gewicht.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (trinken Sie täglich 1,5 bis 2 Liter Wasser).
  • Lassen Sie sich regelmäßig untersuchen, z. B. mit einem Belastungs-EKG.
  • Wenn Sie unter Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder einem erhöhten Cholesterinwert leiden, lassen Sie sich entsprechend behandeln.

Einem Herzinfarkt durch gesunde Ernährung vorbeugen bedeutet vor allem, wenig tierisches Fett und wenig zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Stattdessen sind Obst und Gemüse sehr empfehlenswert. Greifen Sie anstelle von zuckerhaltigen Limonaden lieber auf verdünnte Obstsäfte oder Gemüsesäfte zurück. Auch auf Fast Food sollten Sie Ihrem Herzen zuliebe besser verzichten.

Gerade bei einem erhöhten Risiko für einen Myokardinfarkt ist außerdem Vorsorge wichtig. Wer also beispielsweise raucht oder Diabetes, Bluthochdruck, starkes Übergewicht oder erhöhte Cholesterinwerte hat, sollte regelmäßig seine*n Ärztin*Arzt aufsuchen. Das gilt auch für Menschen, die All diese Maßnahmen sind auch nach einem überstandenen Herzinfarkt ratsam, um weiteren Infarkten vorzubeugen.

Video: 5 Tipps für ein gesundes Herz-Kreislauf-System