Im Sand ist das Wort SOS geschrieben.
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Suizid

Suizid ist ein Thema, über das niemand gern spricht. Dem eigenen Leben ein Ende zu setzen, scheint einem Suizidgefährdeten der einzige Ausweg zu sein. Aber: Mithilfe eines Experten kann man eine unlösbar wirkende Situation überstehen und neuen Lebensmut fassen. Ansprechpartner sind hier zum Beispiel Seelsorger, Psychologen oder auch der Arzt des Vertrauens.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Wenn das Leben aussichtslos erscheint

Holen Sie sich Hilfe!
Wenn Sie in letzter Zeit öfter über Suizid nachdenken, zögern Sie nicht, sich Hilfe zu holen. Die Telefonseelsorge steht Ihnen anonym und kostenlos rund um die Uhr zur Verfügung: 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222.

Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland rund 10.000 Menschen das Leben. Im Jahr 2013 waren es 10.076. Damit kommt Suizid fast dreimal so häufig vor wie ein tödlicher Verkehrsunfall.

Der Gedanke an Selbstmord kann jeden treffen. Nicht nur Menschen mit einer psychischen Erkrankung wie einer Depression oder einer Angststörung können so verzweifelt sein, dass sie nicht mehr leben wollen und an Suizid denken. Auch für Personen, die sich in einer persönlichen Krise befinden, kann die Situation ausweglos erscheinen, so zum Beispiel bei hoher Verschuldung oder nach dem Verlust eines geliebten Menschen. Ob arm oder reich: Selbstmord kommt in allen sozialen Schichten vor.

Die meisten Selbstmordversuche unternehmen Jugendliche und junge Erwachsene – Frauen häufiger als Männer. Den tatsächlichen Selbstmord begehen jedoch wesentlich mehr Männer. Dies mag zum Teil auch daran liegen, dass Männer bei dem Versuch, einen Suizid zu begehen, eher zu "härteren" Mitteln greifen.

Von Suizid spricht man, wenn sich eine Person gezielt und mit bewusster Absicht das Leben nimmt. Einem Suizid (lat. sui caedere = sich töten) geht in der Regel der Wunsch voraus, dem eigenen Dasein ein Ende zu setzen. Personen mit Selbstmordgedanken sehnen sich nach Ruhe oder möchten einer belastenden Situation entkommen. Sie glauben, dass es keinen anderen Ausweg als den Suizid für sie gibt. Diese Absicht zum Selbstmord, die mit entsprechenden Phantasien einhergeht, bezeichnet man auch als Suizidalität oder Suizidgefährdung.

Was sind die Ursachen?

Ein Suizid oder Suizidversuch kann viele Ursachen haben. Betroffen sind zwar häufig Personen mit einer psychischen Erkrankung – aber auch Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden, können an Selbstmord denken.

Mögliche Gründe für den Wunsch, sich das Leben zu nehmen, sind zum Beispiel:

  • Man befindet sich in einer belastenden Situation, aus der man keinen Ausweg mehr findet. Der Selbstmord erscheint die einzig mögliche Alternative.
  • Man möchte mit der Tat einen Hilferuf aussenden und beachtet werden.
  • Man möchte den Protest gegen etwas ausdrücken.

Manche Menschen versuchen auch, durch einen Selbstmordversuch andere Menschen unter Druck zu setzen.

Selbstmord kommt in jeder sozialen Schicht vor. Bestimmte Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko für Suizidalität. Hierzu zählen:

  • Menschen mit Depressionen
  • Suchtkranke, z.B. Alkoholiker
  • Menschen mit einer Psychose wie z.B. Schizophrenie
  • Menschen, die sich in einer Lebenskrise befinden oder eine traumatische Erfahrung gemacht haben, z.B. durch Trennung, Liebeskummer, berufliche Probleme, finanzielle Schwierigkeiten, Konflikte, Kriminalität oder Tod eines Angehörigen
  • Ältere Menschen, die an einer schmerzhaften, chronischen oder einschränkenden Erkrankungen leiden oder die einsam sind
  • Jugendliche und junge Erwachsene, die z.B. familiäre Probleme haben oder sich in einer Krise befinden
  • Personen, die schon einmal Suizidgedanken hatten oder bereits versucht haben, sich umzubringen
  • Personen mit Erkrankungen wie Krebs, starken Schmerzen, chronischen Krankheiten oder Verstümmelungen

Daten & Fakten

Suizid ist eine häufige Todesursache. Circa 800.000 Menschen nehmen sich weltweit pro Jahr das Leben – demnach begeht im Durchschnitt alle 40 Sekunden eine Person Selbstmord.

Viele Suizide könnten mit rechtzeitiger professioneller Hilfe verhindert werden. Scheuen Sie sich nicht, einen Experten zurate zu ziehen – egal, ob es sich um einen Angehörigen, einen Freund oder um Sie selbst handelt!

Einige Daten & Fakten zum Thema:

  • Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland ist niedriger als noch vor ein paar Jahrzehnten. Während es Mitte der 1970er Jahre noch etwa 20.000 Menschen pro Jahr waren, nahmen sich im Jahr 2013 rund 10.000 Menschen das Leben.
  • Dennoch: Es sterben hierzulande fast dreimal so viele Menschen durch Selbstmord wie an einem Verkehrsunfall: 2013 gab es 3.306 Verkehrstote. Nicht zu unterschätzen ist die mögliche Dunkelziffer – beim Tod nach einem Autounfall oder nach Drogenkonsum beispielsweise kann nicht immer eindeutig geklärt werden, ob es sich vielleicht um Selbstmord gehandelt hat.
  • Während sich weitaus mehr Männer als Frauen auch tatsächlich umbringen – im Jahr 2013 waren 7.449 der 10.076 Toten in Deutschland männlich –, ist die Anzahl der Selbstmordversuche bei den Frauen höher. Insbesondere junge Frauen haben häufiger die Absicht, sich das Leben zu nehmen. Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Suizidversuche um ein Zehnfaches höher als der eigentliche Suizid.
  • Die Annahme, dass ein angekündigter Selbstmord doch nicht begangen wird, ist ein Irrglaube: In acht von zehn Fällen hat der Betroffene seine Suizidabsichten vorher geäußert.

Anzeichen erkennen

Ein Suizid geschieht selten aus heiterem Himmel. Vielmehr kündigen sich Suizidabsichten häufig durch bestimmte Anzeichen und Verhaltensweisen an, so zum Beispiel:

  • Die Person zeigt sich resigniert, niedergeschlagen und hoffnungslos.
  • Die Person zieht sich zunehmend zurück.
  • Die Person äußert Suizidgedanken und -pläne.
  • Die Person bereitet einen Selbstmord vor, zum Beispiel durch das Sammeln von Tabletten.
  • Die Person verabschiedet sich von nahestehenden Personen oder verschenkt persönliche Dinge.

Hilfe holen

Beachten Sie: Handelt es sich um einen Notfall, müssen Sie sofort Hilfe holen! Rufen Sie umgehend den Notarzt (112)! Teilen Sie ihm mit, dass die betroffene Person selbstmordgefährdet ist!

Wer mögliche Anzeichen für einen bevorstehenden Suizid erkennt und rechtzeitig handelt, kann möglicherweise Leben retten. Scheuen Sie sich nicht, einen Experten zu Rate zu ziehen, wenn Sie glauben, dass eine andere Person suizidgefährdet ist! Der Großteil der Menschen mit Suizidabsichten ist im Nachhinein froh, wenn er Hilfe bekommen hat und gerettet wurde.

Was können Nahestehende tun?

Auch, wenn es schwierig erscheint: Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine Person ernsthaft darüber nachdenkt, sich das Leben zu nehmen, sollten Sie sie konkret darauf ansprechen und fragen, ob solche Gedanken bestehen.

Vermeiden Sie es, Ihrem Gegenüber Vorwürfe oder moralische Vorhaltungen zu machen. Zudem sollten Sie die Situation nicht herunterspielen oder bagatellisieren ("Das wird schon wieder"), sondern den anderen ernst nehmen. Auch wenn der Betroffene vielleicht abweisend erscheint: Lassen Sie ihn in seiner Situation nicht allein, sondern zeigen Sie ihm, dass Sie für ihn da sind!

Acht von zehn aller Suizidversuche werden vorher angekündigt – daher sollten Sie entsprechende Äußerungen nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Suchen Sie sich im Zweifelsfall Hilfe! Bei starker Selbstmordgefährdung muss der Betroffene zu seinem eigenen Schutz in einer Klinik untergebracht werden.

Wenn Angehörige trauern

Ein Suizid oder Selbstmordversuch betrifft immer auch die Menschen, die der Person nahe sind oder waren. Angehörige, Lebenspartner, Freunde und Bekannte werden durch den Suizid eines geliebten Menschen oft aus der Bahn geworfen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass jeder Suizid beziehungsweise Suizidversuch das Leben von mindestens sechs weiteren Menschen beeinträchtigt.

Wenn ein für Sie nahestehender Mensch Suizid begangen hat oder versucht hat, sich umzubringen: Suchen Sie sich Unterstützung, um mit Ihrer Situation fertig zu werden! Seelsorger, Psychologen und Berater können Ihnen zur Seite stehen und dabei helfen, die schwierige Lebenslage zu meistern. Manche Menschen erleichtert es auch, wenn Sie in einer Selbsthilfegruppe über ihren Kummer sprechen können.

Anlaufstellen

Wenn Sie in letzter Zeit öfter daran denken, Suizid begehen zu wollen oder wenn Sie einen Menschen kennen, bei dem Sie Suizidgedanken vermuten, sollten Sie Hilfe holen.

Es gibt viele Möglichkeiten, um mit professioneller Hilfe eine scheinbar ausweglose Situation zu beleuchten und zu lösen – bei Bedarf auch anonym. Wenden können Sie sich zum Beispiel an:

  • niedergelassene Psychiater und Psychotherapeuten, Psychologen
  • Institutsambulanzen
  • den Hausarzt
  • die Telefonseelsorge oder andere Notrufeinrichtungen
  • Beratungsstellen und spezielle Einrichtungen für Suizidgefährdete
  • Seelsorger

 

 

 

Adressen und Telefonnummern

Rufen Sie in einem Notfall immer den Rettungsdienst (112) und teilen Sie ihm mit, dass die betroffene Person selbstmordgefährdet ist!

Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge steht Ihnen anonym und kostenlos rund um die Uhr zur Verfügung: 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222
www.telefonseelsorge.de

Nummer gegen Kummer
Beratungszeiten: Montag bis Freitag von 9.00 - 11.00 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 17.00 - 19.00 Uhr
Elterntelefon: 0800 1110550
Kinder- und Jugendtelefon: 0800 1110333
www.nummer-gegen-kummer.de

AGUS – Angehörige um Suizid e.V.
AGUS ist eine Selbsthilfeorganisation für Menschen, die eine nahe stehende Person durch Selbstmord verloren haben.
www.agus-selbsthilfe.de

Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS)
Die DGS bietet auf ihrer Website unter anderem eine Liste von Anlaufstellen.
www.suizidprophylaxe.de

In Österreich
Wenn Sie in Österreich leben, erreichen Sie die Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 142.
www.telefonseelsorge.at