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Durchfall: Häufige Irrtümer

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Verfasst von Wiebke Posmyk • Medizinredakteurin

Durchfall ist unangenehm und körperlich belastend. Von Durchfall sprechen Ärzte, wenn der Stuhlgang zu häufig erfolgt und eine zu flüssige Konsistenz hat. Obwohl folglich fast jeder schon unter Durchfall gelitten hat, kursieren viele Irrtümer zu diesem Thema. Wir klären diese Irrtümer für Sie auf!

Allgemeines

Die Ursachen für Durchfall sind zahlreich – angefangen von psychischen Auslösern (wie Stress), Infektionskrankheiten (z.B. Rotavirus, Norovirus, Salmonellen) bis hin zu funktionellen Störungen (wie Reizdarm-Syndrom). Pro Jahr ist durchschnittlich jeder dritte Deutsche von Durchfall betroffen.

Irrtum 1: Durchfall ist nicht ansteckend

Das ist nicht ganz richtig. Verursachen Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien den Durchfall, kann man sich durch sogenannte Schmierinfektion anstecken. Erreger im Stuhl können auf Oberflächen im Sanitärbereich geraten, oder aber sie übertragen sich über die Hände auf andere Oberflächen, Gegenstände oder Personen – und können so auf die Hände einer anderen Person gelangen. Fasst diese sich nun an den Mund, gelangen die Erreger in den Magen-Darm-Trakt und sie erkrankt möglicherweise ebenfalls. Insbesondere in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen kann man sich auch über mit Keimen verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel anstecken.

Um andere vor einer Ansteckung zu schützen, ist Hygiene das oberste Gebot. Halten Sie den Sanitärbereich deswegen sauber und waschen Sie sich nach jedem Toilettengang die Hände!

Irrtum 2: Cola und Salzstangen sind gut bei Durchfall

Wer Durchfall hat, verliert viele Elektrolyte (z.B. Natrium, Kalium) und Wasser. Erhält der Körper diese nicht ausreichend zurück, kann das zu Kreislaufproblemen führen. Viele Menschen greifen bei Durchfall auf das Hausmittel Cola und Salzstangen zurück, da sie glauben, ihrem Körper über die süße Flüssigkeit und das Salz die verlorenen Stoffe wieder zurückzugeben. Erwachsenen mit leichtem Durchfall schadet dieses Hausmittel vermutlich nicht unbedingt – wirklich empfehlenswert ist es aber auch nicht. Salzstangen sind nicht weiter kritisch, sie liefern allerdings vor allem Natrium, während der Körper auch Kalium benötigt. Der extrem hohe Zuckeranteil in Cola-Getränken fördert dagegen die bei Durchfall ohnehin schon größere Wasserabgabe aus dem Körper ins Darminnere, man verliert also noch mehr Wasser. Zudem verstärkt das in der Cola enthaltene Koffein den bereits bestehenden Kaliumverlust. Vor allem für Kinder ist die Cola-Salzstangen-Kombination ungeeignet, da sie empfindlicher als Erwachsene auf Flüssigkeitsverluste reagieren.

© Jupiterimages/Stockbyte
Cola und Salzstangen sind nicht empfehlenswert bei Durchfall.

Besser als Cola und Salzstangen eignen sich Mineralwässer und Kräutertees, um den Flüssigkeitsverlust bei Durchfall auszugleichen. Um die verlorengegangenen Elektrolyte wieder zu ersetzen, können Sie sich in der Apotheke spezielle Präparate besorgen. Auch Bananen können helfen, denn sie besitzen viel Kalium.

Irrtum 3: Durchfall hat man, sobald der Stuhl einmal zu dünnflüssig war

Das trifft nicht zu. Mediziner sprechen erst dann von Durchfall, wenn man mehr als dreimal pro Tag sehr breiigen oder dünnflüssigen Stuhlgang hat (bei Säuglingen: mehr als fünfmal pro Tag). Wer also beispielsweise lediglich einmal eine veränderte Konsistenz festgestellt hat und die folgenden Male wieder "ganz normal" ausscheidet, leidet offiziell noch nicht an Durchfall. Bei Durchfällen, die länger als drei Tage andauern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen abzuklären.

Irrtum 4: Mit Durchfall befreit sich der Körper von krankmachenden Keimen

Durchfall kann sowohl nicht-infektiöse Ursachen haben (z.B. Reizdarm-Syndrom) als auch durch Krankheitserreger wie Viren und Bakterien verursacht werden. In beiden Fällen ist Durchfall ein Symptom der jeweiligen Ursache. Bei Durchfall kann vor allem der große Flüssigkeitsverlust Probleme bereiten, da dieser den Kreislauf schwächt. Krankheitserreger werden vom Immunsystem bekämpft. Ist der Körper stark geschwächt, wirkt sich das auch auf das Immunsystem aus. Je schneller der Darm seine normale Funktion wieder aufnehmen kann, desto schneller kann eine Regeneration einsetzen. Bei Durchfällen können deshalb sogenannte Motilitätshemmer wie der Wirkstoff Loperamid kurzfristig hilfreich sein – sie normalisieren die Darmbewegungen. Eine über zwei Tage hinausgehende Behandlung mit Loperamid sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Wenn bestimmte Bakterien (z.B. Shigellen) den Durchfall verursachen, sollten Sie auf Motilitätshemmer verzichten. Allerdings kommen diese Bakterien in Deutschland sehr selten vor. In diesen Fällen wird meist eine Antibiotikabehandlung empfohlen.

Irrtum 5: Durchfallmittel sind für Kinder nicht geeignet

Richtig ist, dass Durchfallmittel für Säuglinge und Kleinkinder nicht zu empfehlen oder sogar nicht zugelassen sind. Dazu zählen Motilitätshemmer (z.B. der Wirkstoff Loperamid) und Adsorbenzien (z.B. Aktivkohle, Pektin, Colestyramin). Ab einem Alter von zwölf Jahren aufwärts dürfen Kinder den Motilitätshemmer Loperamid jedoch einnehmen, sofern die Einnahmedauer und -menge entsprechend der Packungsbeilage erfolgt. Bei Kindern von zwei bis zwölf Jahren kann der Arzt ein solches Präparat verordnen. Wichtig ist bei Kindern vor allem, den durch den Durchfall entstandenen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust wieder auszugleichen. Daher ist darauf zu achten, dass das Kind genug trinkt. Hilfreich sind spezielle Präparate aus der Apotheke, die die ideale Mischung aus Wasser, Elektrolyten und Zucker enthalten.

Da der Wasserhaushalt von Kindern empfindlicher auf den Flüssigkeitsverlust bei Durchfall reagiert als bei Erwachsenen, sollte man nicht zu lange mit einem Besuch beim Arzt warten. Grobe Anhaltspunkte liefern folgende Zahlen: Bei Babys sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn es innerhalb von 24 Stunden mehr als vier wässrige Stühle absetzt. Bei Kleinkindern ist ein Arztbesuch angesagt, wenn es innerhalb von 24 Stunden zu mehr als sechs wässrigen Stühlen kommt. Bei Schulkindern ist ein Arztbesuch notwendig, wenn innerhalb von 24 Stunden mehr als acht bis zehn wässrige Stühle gezählt werden. Unabhängig von diesen Werten sollten Sie mit Ihrem Kind umgehend zum Arzt gehen, wenn es einen schwer kranken Eindruck auf Sie macht (z.B. hohes Fieber, stark angespannte Bauchdecke oder Brechdurchfall) oder anders reagiert, als bei bisher durchgemachten Durchfallerkrankungen.

Irrtum 6: Motilitätshemmer lösen Verstopfung aus

Sogenannte Motilitätshemmer (wie der Wirkstoff Loperamid) verlangsamen zwar die bei Durchfall erhöhte Darmtätigkeit, Stuhlgang ist aber trotzdem möglich. Zu einer Verstopfung kommt es also nicht. Allerdings ist darauf zu achten, dass die im Beipackzettel angegebene Dosierung und Einnahmedauer nicht überschritten wird. Für Kinder unter 12 Jahren sind Motilitätshemmer jedoch nicht geeignet.

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013

Online-Informationen der Kinder- und Jugendärzte im Netz: www.kinderaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 18. März 2013)

Pressemitteilung des Berufsverbands Deutscher Internisten e.V.: Cola und Salzstangen bei Durchfall ungeeignet (28.2.2013)

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2013)

Feldmeier, H.: Reisediarrhö. Häufigstes Problem auf Fernreisen. Pharmazeutische Zeitung, Heft 29/2012

Shigellose. RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte. Online-Informationen des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 08.05.2012)

Koletzko, S. et al.: Akute infektiöse Durchfallerkrankung im Kindesalter. Deutsches Ärzteblatt Jg. 106, Bd. 33, pp. 539-47 (Stand: 2009)

Layer, P.: Praktische Gastroenterologie. Urban & Fischer bei Elsevier, München (2008)

Mader f.H. et al.: Allgemeinmedizin und Praxis. Springer Medizin Verlag, Berlin 2007

Bachmann, S.: Hausmittel in der modernen Medizin. Elsevier, München 2005

Kayser, F.H. et al.: Medizinische Mikrobiologie. Thieme, Stuttgart 2005

Burkart, G.: Durchfall: Vorsicht vor den "Hausmitteln". Deutsches Ärzteblatt, Jg.94, Bd. 21, Supplement (Stand: 23. Mai 1997)

Letzte inhaltliche Prüfung: 18.03.2013
Letzte Änderung: 03.02.2020