Vitamin D und Calcium zur Osteoporose-Prophylaxe sinnlos?

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (04. Januar 2018)

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Viele ältere Menschen nehmen regelmäßig Calcium und Vitamin D ein, um einem übermäßigen Knochenschwund (Osteoporose) vorzubeugen. Eine neue Studie lässt jedoch am Nutzen dieser Maßnahme zweifeln.

Als Osteoporose bezeichnet man einen Knochenabbau, der über den altersbedingten Abbau hinausgeht. Sie ist eine der häufigsten Knochenerkrankungen in Deutschland: Schätzungen zufolge gibt es etwa fünf bis sechs Millionen Betroffene. Vor allem Menschen im höheren Lebensalter erkranken daran – Frauen häufiger als Männer. Als Folge des Knochenschwunds kann es langfristig zu Knochenbrüchen und Schmerzen kommen.

Calcium und Vitamin D sind bislang Standard in der Prophylaxe

Wichtig für die bisherige Behandlung sind auch bestimmte Nahrungsergänzungsmittel. Mit der Einnahme von Calcium- und Vitamin-D-Präparaten sollen Betroffene das Herauslösen von Mineralstoffen aus den Knochen verlangsamen. Das soll das Risiko von Knochenbrüchen senken. Denn letztlich ist Osteoporose die Folge einer allmählichen Demineralisierung, bei der es dem Knochen vor allem an Calcium fehlt. Mithilfe von Vitamin D kann der Körper Calcium besser aus dem Darm aufnehmen. Gerade bei älteren Menschen liegt jedoch häufig ein Mangel an Vitamin D vor.

Man sieht die grafische Darstellung eines gesunden Knochens und eines Knochens mit Osteoporose. © iStock

Im Lauf einer Osteoporose sinkt allmählich die Knochendichte. Als Folge werden die Knochen brüchiger.

Die regelmäßige Einnahme von Calcium und Vitamin D scheint deshalb eine sinnvolle Maßnahme bei Osteoporose zu sein – und ist so auch in medizinischen Leitlinien empfohlen

Neue Ergebnisse lassen an Wirksamkeit von Calcium und Vitamin D zweifeln

Die Autoren einer neuen Übersichtsarbeit haben nun Daten aus 33 Studien mit insgesamt über 50.000 Teilnehmern zu diesem Thema zusammengefasst und ausgewertet. Die Probanden waren dabei über 50 Jahre alt und lebten nicht in Pflegeheimen oder ähnlichen Einrichtungen. In den Studien ging es jeweils um die Einnahme von entweder Calcium oder Vitamin D oder einer Kombination der beiden Nährstoffe im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo) oder ähnlichen Kontrollen.

Die Autoren kommen dabei zu dem Schluss, dass bei Osteoporose weder die Einnahme von Calcium oder Vitamin D noch eine Kombination der beiden Nährstoffe das Risiko für Knochenbrüche senken können. Die Ergebnisse widersprechen damit früheren Studien.

So kam zum Beispiel eine frühere Studie zu dem Ergebnis, dass Calcium und Vitamin D bei älteren Menschen in Pflegeheimen das Knochenbruchrisiko senken können. Diese Ergebnisse stehen laut den Autoren jedoch nicht zwingend im Widerspruch zu ihren Schlussfolgerungen. Sie vermuten vielmehr, dass das Risiko für Osteoporose bei pflegebedürftigen Menschen möglicherweise ohnehin höher ist als bei gesunden und selbstständig lebenden Menschen. Deshalb könne die Einnahme von Calcium und Vitamin D bei ihnen durchaus eine Schutzwirkung haben.

Sollten Betroffene auf Calcium und Vitamin D verzichten?

Ob sich aus der neuen Überblicksarbeit ein Handlungsbedarf ergibt und medizinische Leitlinien in Deutschland angepasst werden sollten, ist jedoch fraglich. Hierzu wären weitere Studien ratsam, in denen zum Beispiel die genaue Dosis an Calcium und Vitamin D für alle Teilnehmer einheitlich festgelegt ist. Wer auf ärztliches Anraten regelmäßig Calcium und Vitamin D einnimmt, sollte die Präparate also nicht eigenmächtig absetzen, sondern im Zweifel Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten.

Weitere Informationen

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Quellen:

Zhao, J. G., et al.: Association Between Calcium or Vitamin D Supplementation and Fracture Incidence in Community-Dwelling Older Adults. JAMA, Nr. 318, Iss. 24, pp. 2466-2482 (26.12.2017)

Osteoporose: Keine Evidenz für Kalzium und/oder Vitamin D in der Prophylaxe. Online-Informationen des Deutschen Ärzteblatts: www.aerzteblatt.de (27.12.2017)

Osteoporose. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 7.12.2017)



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