"Depressions-Apps": Wofür sind sie geeignet und was können sie?

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (07. April 2017)

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Der diesjährige Weltgesundheitstag am 7. April widmet sich einer Erkrankung, die jeden treffen kann: der Depression. Für so manchen, der den Gang zum Psychologen scheut oder noch auf einen Therapieplatz wartet, mag es naheliegen, einen Blick in den App-Store zu werfen. Auf dem Markt gibt es diverse Apps, die Betroffenen Hilfestellung geben wollen. Aber was bringen solche "Depressions-Apps" wirklich? Wir stellen Ihnen drei Anwendungen vor.

Schon nach kurzer Suche im "App-Store" oder bei "Google Play" wird man fündig: Verschiedenste Apps versprechen, eine Depression zu erkennen oder die Behandlung zu unterstützen – teils kostenlos, teils gegen Gebühr. Das Angebot ist nicht nur groß, es kann auch verunsichern, denn es ist auf den ersten Blick nicht immer leicht herauszufinden, welche App tatsächlich seriös ist.

Der Weltgesundheitstag findet jedes Jahr zu einem bestimmten Thema statt. Für 2017 Jahr lautet das Motto: "Depression – let`s talk". 

Depressionen erkennen mit "Moodpath"

"Nur" niedergeschlagen oder wirklich depressiv? Wer unsicher ist, ob er an einer Depression leidet, kann auf die App "Moodpath" für iPhone, iPad und iPod touch zurückgreifen. Über einen Zeitraum von 14 Tagen ermittelt Moodpath die aktuelle Stimmung des Nutzers.

So funktioniert's: Die App meldet sich dreimal täglich mit einer Frage zum persönlichen Wohlbefinden beziehungsweise zu möglichen Anzeichen einer Depression. Eine mögliche Frage lautet etwa: "Fällt es dir gerade schwer, Entscheidungen zu treffen?". Nach zwei Wochen erhält der Nutzer eine individuelle Bewertung seines psychischen Zustands. Eine zusätzliche Zusammenfassung im PDF-Format kann für das erste Gespräch mit dem Psychologen oder Arzt eine Gesprächsgrundlage bieten.

Die Android-Version der App soll im Mai 2017 erscheinen. Das Team hinter Moodpath arbeitet außerdem an einem mobilen Trainingsprogramm, mit Videos, Audio-Dateien und interaktiven Übungen zu Achtsamkeit und Psychoedukation.  

Wer die App nutzt, kann sicher sein, dass diese auf einer seriösen Grundlage entwickelt wurde. Moodpath wurde in Zusammenarbeit mit Experten von der Freien Universität Berlin entwickelt. Fragen und Auswertungen basieren auf einem wissenschaftlich anerkannten Fragebogen.

"Habe ich eine Depression?" Diese Frage will "Moodpath" beantworten (Bildquelle: Mindrise Labs GmbH).

"Habe ich eine Depression?" Diese Frage will "Moodpath" beantworten (Bildquelle: Mindrise Labs GmbH).


Unterstützung während der Therapie durch "ARYA"

Die App "ARYA" richtet sich an Personen, die sich aufgrund einer Depression bereits in psychotherapeutischer Behandlung befinden. Ziel des Programms ist es vor allem, Betroffenen in den verschiedenen Phasen der Therapie Hilfestellung zu geben.

Mit "ARYA" kann der Nutzer ein "Stimmungsprotokoll" führen, in dem er seine Stimmung, seine Gedanken und mögliche Beschwerden in verschiedenen Situationen festhält. Dies kann zum Beispiel Aufschluss darüber geben, welche Gedanken- und Verhaltensmuster für den Erkrankten eher nützlich und welche eher schädlich sind. Das Stimmungsprotokoll kann man sich wöchentlich als PDF an eine E-Mail-Adresse der Wahl schicken lassen. Auch hilft "ARYA" dabei, Aktivitäten zu finden, die das persönliche Wohlbefinden steigern.

Geplant ist, ARYA um weitere Funktionen zu erweitern. Ab Mai 2017 wird es voraussichtlich möglich sein, die eingegebenen Daten direkt an den Therapeuten weiterzuleiten. Auch ist vorgesehen, über die App Kontakt zu anderen Betroffenen aufbauen zu können. Darüber hinaus soll die App in Zukunft "lernfähig" werden: So soll sie in der Lage sein, Vorschläge für Aktivitäten und Verhaltensweisen zu machen, die sich auf Basis der bisherigen Angaben bewährt haben.

"ARYA" wurde von einer Betroffenen ins Leben gerufen. Das Projekt wird unter anderem von der Deutschen Depressionsliga unterstützt.

Die App "ARYA" soll während der Therapie Hilfestellung leisten.

Die App "ARYA" soll während der Therapie Hilfestellung leisten.


"MyTherapy": Tabletten-Erinnerung mit Tagebuchfunktion

Wer Antidepressiva einnimmt und sich schwer tut, regelmäßig daran zu denken, dem kann die App "MyTherapy" des Anbieters smartpatient helfen. Das Programm erinnert daran, wann die nächste Tablette fällig ist.

Darüber hinaus kann der User verschiedene Daten in einem Tagebuch festhalten. Dazu gehören Angaben zur aktuellen Stimmungslage, aber auch zu diversen körperlichen Werten wie Puls, Blutdruck, Temperatur oder Blutzucker. Somit ist die App nicht nur für Depressive, sondern auch für Menschen mit anderen chronischen Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes geeignet. Zudem ist es möglich, die aktuellen Aktivitäten im Tagebuch festzuhalten, etwa, ob man mit dem Rad unterwegs ist oder Zeit mit dem Partner verbringt. So ist es im Nachhinein möglich, herauszufinden, was einem gut tut – zum Beispiel, ob Sport sich positiv auf die Stimmung auswirkt.

Alle Informationen kann man sich in Form eines zusammenfassenden Kurzberichts ausdrucken. Hierfür ist eine Registrierung erforderlich. Der Kurzbericht soll Arzt und Patient erleichtern, die Therapie zu optimieren.

Die App "MyTherapy" erinnert unter anderem daran, wann die nächste Tablette fällig ist (Bildquelle: smartpatient gmbh).

Die App "MyTherapy" erinnert unter anderem daran, wann die nächste Tablette fällig ist (Bildquelle: smartpatient gmbh).

Die Apps im Überblick

Moodpath Arya MyTherapy
Zielgruppe Personen, die herausfinden möchten, ob sie an einer Depression leiden Personen, die wegen einer Depression in Behandlung sind. u.a. Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen; Personen, die sich in einer Therapie befinden
Kosten kostenlos kostenlos kostenlos
verfügbar für ... Geräte mit iOS-Betriebssystem (iPhone, iPad und iPod touch) Geräte mit iOS-Betriebssystem, Geräte mit Android-Betriebssystem Geräte mit iOS-Betriebssystem, Geräte mit Android-Betriebssystem
 Funktionen persönliche Bewertung über den psychischen Zustand des Nutzers anhand von Fragen zum Wohlbefinden.

Zusammenfassung der Ergebnisse im PDF-Format

telefonische Besprechung mit einem Psychologen möglich

Hilfe bei der Suche eines Psychologen in der Nähe
Dokumentation von Aktivitäten, Gedanken, Gefühle und Beschwerden in einem Stimmungsprotokoll

Hilfe bei der Suche nach Aktivitäten, die das persönliche Wohlbefinden steigern

Weitere Funktionen in Planung
Erinnerungsfunktion für Medikamente
Dokumentation von Aktivitäten, körperlichen Beschwerden und der persönlichen Stimmung

Festhalten von diversen Werten wie Gewicht, Puls, Blutzucker, Temperatur und Blutdruck

Freunde oder der Arzt können auf Wunsch die Daten einsehen

Kurzbericht zum Ausdrucken, hierfür ist eine Registrierung erforderlich

Eine App ersetzt keinen Profi

Eine App kann ein erster Schritt sein, um sich mit dem Thema Depression auseinanderzusetzen. Auch können manche Anwendungen eine Therapie unterstützen. Ein Ersatz für eine professionelle Behandlung sind sie jedoch nicht.

Rechtzeitig Hilfe holen

Eine Depression hat viele Gesichter. Mögliche Symptome sind

  • eine gedrückte Stimmung,
  • Freudlosigkeit,
  • Interessenverlust und
  • Antriebslosigkeit

Dies sind nur einige von zahlreichen Beschwerden, mit denen sich eine Depression äußern kann. Wenn Sie glauben, möglicherweise depressiv zu sein: Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erster Ansprechpartner kann Ihr Hausarzt, ein Psychiater oder ein Psychologe sein.

Wer zunächst anonym bleiben möchte, kann sich an die Telefonseelsorge wenden. Sie erreichen diese kostenlos rund um die Uhr unter 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222.

Wenn Sie sich in einer akuten psychischen Krise befinden, zögern Sie sich, eine Klinik oder einen Arzt aufzusuchen! Anlaufstellen für die "Erste Hilfe" erhalten Sie bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Weiterführende Informationen

Onmeda-Lesetipps:


Linktipps:


Quellen:

Online-Informationen der Deutschen DepressionsLiga e.V.: www.depressionsliga.de (Abrufdatum: 3.4.2017)

Online-Informationen von "ARYA": www.aryaapp.co (Abrufdatum: 3.4.2017)

Online-Informationen der Mindrise Labs GmbH: www.moodpath.de (Abrufdatum: 3.4.2017)

Online-Informationen der smartpatient gmbh: www.mytherapyapp.com (Abrufdatum: 3.4.2017)

Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation WHO: www.euro.who.int (Abrufdatum: 3.4.2017)

Stand: 7. April 2017



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