Onmeda.de Logo

Quecksilber: Zur Vergiftung reichen schon kleine Mengen

Letzte Änderung:
Verfasst von Astrid Clasen • Medizinredakteurin

Quecksilber ist hochgiftig. Wer mit diesem Schwermetall (auch in kleinen Mengen) in Kontakt kommt, kann schwerwiegende Gesundheitsprobleme entwickeln. Wie lässt sich das vermeiden und was ist bei einer Vergiftung zu tun?

Quecksilber: Zur Vergiftung reichen schon kleine Mengen

Quecksilber ist ein natürlicher Bestandteil der Erdkruste und kommt weltweit in der Umwelt vor. Die Quecksilberbelastung des Menschen hat teils natürliche Gründe: Das Schwermetall wird zum Beispiel bei Vulkanausbrüchen, aus Geysiren oder bei Wald- oder Steppenbränden freigesetzt.

Doch hauptverantwortlich für die Freisetzung von Quecksilber ist der Mensch: Vor allem bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe setzen wir Quecksilber frei, aber auch in Bergbau, Verhüttung und Industrie.

Das meiste freigesetzte Quecksilber gelangt in die Erdatmosphäre und verteilt sich mit den Luftströmungen rund um den Erdball. Niederschläge transportieren das Quecksilber zurück zur Erdoberfläche, wo es sich in Gewässern und Böden ablagert. Von dort gelangt es in die Nahrungskette.

Erst wenn das Quecksilber wieder in tiefen Bodenschichten eingeschlossen ist, kann es sich nicht mehr weiterverbreiten.

Übrigens: Quecksilber ist unzerstörbar.

Ist Quecksilber immer giftig?

Nein. Ob und in welchem Ausmaß Quecksilber im Körper Schaden anrichtet, hängt vor allem ab von

Elementares Quecksilber gefährdet die Gesundheit – vor allem, wenn man seine Dämpfe einatmet. Dieses bei Raumtemperatur flüssige Metall steckte früher in vielen Thermometern.

Auch die organische Quecksilberverbindung namens Methylquecksilber ist giftig – für Mensch und Tier. Methylquecksilber reichert sich im Körper an – vor allem Meerestiere sind damit stark belastet.

Hingegen ist die organische Quecksilberverbindung namens Ethylquecksilber unschädlich. Der Körper wandelt Ethylquecksilber schnell in anorganisches Quecksilber um, das er über den Stuhl ausscheidet. In kleinen Mengen ist Ethylquecksilber zum Beispiel in manchen Impfstoffen als Konservierungsmittel enthalten.

Wie giftig Quecksilber ist, zeigte sich in der japanischen Stadt Minamata

In der Bucht von Minamata entsorgte ein örtlicher Chemiekonzern über viele Jahre Abfälle, die große Mengen Methylquecksilber enthielten. In der Folge reicherte sich diese Form von Quecksilber in Fischen und Schalentieren an.

Viele dieser Meerestiere landeten weiterhin auf den Tellern der Menschen, die nichts von deren Belastung durch Quecksilber ahnten. Das Ergebnis: Vor allem in den 1950er-Jahren erkrankten in Minamata Tausende von Menschen an einer Quecksilbervergiftung – und über 2.000 Menschen starben daran.

Wozu verwendet der Mensch Quecksilber?

Weltweit findet Quecksilber in verschiedenen Bereichen Verwendung. So können zum Beispiel folgende Produkte quecksilberhaltig sein:

In vielen Ländern einschließlich Deutschland ist die Verwendung von Quecksilber jedoch inzwischen stark eingeschränkt beziehungsweise ganz verboten (z.B. in Thermometern oder hautaufhellenden Produkten).

Wie gelangt Quecksilber in den Körper?

In Deutschland sind vor allem die Ernährung und Amalgam verantwortlich für die Quecksilberbelastung des Menschen. Durchschnittlich gelangt aus Amalgamfüllungen etwa so viel Quecksilber in den Körper wie über die Nahrung.

Bei den meisten Menschen ist die messbare Konzentration von Quecksilber im Blut oder Urin jedoch so gering, dass kein ernstes Risiko für die Gesundheit besteht.

Quecksilber in der Nahrung

Quecksilber steckt vor allem in Fisch und Meeresfrüchten – in Form von Methylquecksilber. Einen besonders hohen Quecksilbergehalt haben langlebigere Fische mit räuberischer Lebensweise, weil sich in ihnen verstärkt Methylquecksilber ansammelt (z.B. Haie, Schwertfische, Hechte und Thunfische). Aber auch andere Tiere, die viel Fisch fressen, sind oft stark belastet (z.B. Wasservögel).

© iStock
Je älter ein Fisch ist und je höher er in der Nahrungskette steht, desto größer ist das Risiko, dass er viel Quecksilber enthält.

Neben Fisch können weitere Lebensmittel Quecksilber enthalten – wie Getreide, Gemüse, Fleisch, Obst, Nüsse und Kakao. Darin kommt Quecksilber jedoch überwiegend in anorganischer oder elementarer Form vor, was für die menschliche Gesundheit weniger schädlich ist.

Wer besonders häufig Seefisch isst (v.a. bestimmte Raubfische wie Hecht oder Thunfisch), riskiert, Quecksilber in gesundheitlich bedenklichen Mengen aufzunehmen.

Quecksilber in Amalgam

Das als Zahnfüllung verwendete Amalgam enthält Quecksilber. In der Regel bedeuten Amalgamfüllungen aber keine gesundheitsschädliche Quecksilberbelastung.

Die Freisetzung von Quecksilber aus Amalgamfüllungen kann jedoch erhöht sein, wenn

Darum darf Amalgam bei Schwangeren und Stillenden sowie bei Kindern unter 15 Jahren vorsorglich nur noch in absoluten Ausnahmefällen als Zahnfüllung verwendet werden.

Was richtet Quecksilber im Körper an?

Ist die Magen-Darm-Schleimhaut unbeschädigt, gelangt verschlucktes Quecksilber praktisch gar nicht aus dem Magen-Darm-Trakt in den Körper. Gesundheitsschädlich können jedoch eingeatmete Quecksilberdämpfe oder organische Quecksilber­verbindungen sein.

Elementares Quecksilber und Methylquecksilber werden besser vom Körper aufgenommen und können auch aus dem Blut ins Gehirn eindringen. Sie sind giftig für das Nervensystem. Das Einatmen von Quecksilberdampf kann das Nervensystem, das Verdauungssystem, das Immunsystem sowie Lungen und Nieren schädigen und im Extremfall tödlich sein.

Anorganische Quecksilbersalze können zu Verätzungen an Haut, Augen und Magen-Darm-Trakt führen und (nach Verschlucken) die Nierenfunktion einschränken.

Zudem kann Quecksilber die Entwicklung von Kindern im Mutterleib und in der frühen Lebensphase nach der Geburt beeinträchtigen.

Wie sich eine Quecksilbervergiftung bemerkbar macht, hängt vor allem davon ab,

Quecksilbervergiftung: Symptome & Therapie

Vergiftung durch dampfförmiges metallisches Quecksilber

Dampfförmiges metallisches Quecksilber (z.B. aus zerbrochenen Quecksilber­thermometern) gelangt leicht über die Lunge in den Körper und reichert sich im Gehirn an. Wenn es im Körper in anorganische Quecksilbersalze umgewandelt wird, können diese nicht mehr vom Blut ins Gehirn übergehen. Der Körper scheidet sie über Nieren und Stuhl aus.

Die Symptome einer akuten Vergiftung durch dampfförmiges Quecksilber ähneln einer Lungenentzündung mit:

Ein ständiger Langzeitkontakt mit Quecksilberdampf kann zudem folgende Symptome verursachen:

Zur Therapie eignet sich das Gegenmittel DMPS (Dimercaptopropansulfonat).

Vergiftung durch anorganische Quecksilbersalze

Wenn man anorganische Quecksilbersalze (z.B. Quecksilbersulfid, Quecksilberoxid oder Quecksilberchlorid) verschluckt, gelangen sie zu zehn Prozent über den Magen-Darm-Trakt in den Körper. In die Plazenta und ins Gehirn können sie nur unvollständig eindringen. Der Körper scheidet sie ebenfalls über Urin und Stuhl aus.

Die wichtigsten Symptome der akuten Vergiftung mit anorganischen Quecksilbersalzen sind:

Bei akuten Vergiftungen mit Quecksilbersalzen ist schnelles Handeln erforderlich. Wenn die verschluckte Menge anorganischer Quecksilbersalze potenziell giftig ist, besteht die Therapie in:

Vergiftung durch organische Quecksilbersalze

Organische Quecksilbersalze gelangen nach Verschlucken zu 90 Prozent vom Magen-Darm-Trakt in den Körper. Sie gehen leicht aus dem Blut ins Gehirn über und reichern sich dort an.

Typische Symptome für eine akute Vergiftung mit organischen Quecksilbersalzen sind:

Zur Therapie eignen sich dieselben Mittel wie bei anorganischen Quecksilber­verbindungen:

Tipps gegen vermeidbare Quecksilberbelastungen …

Quellen

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 16.7.2018)

Fact Sheet: Mercury and health. Online-Informationen der Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO): www.who.int (Stand: 31.3.2017)

Quecksilber – Risiko für Mensch und Umwelt? Online-Informationen des Umweltbundesamts: www.umweltbundesamt.de (Stand: 4.5.2016)

Graefe, K.H., et al.: Duale Reihe Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2016

Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2014

Informationsbroschüre des Bundesamts für Risikobewertung (Hrsg.): Aufnahme von Umweltkontaminanten über Lebensmittel. Bundesamt für Risikobewertung, Berlin (4.1.2011)

Pressemitteilung des Umweltbundesamts: Quecksilber aus zerbrochenen Energiesparlampen (2.12.2010)

Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Amalgam (Amalgamfüllung): Das sollten Sie wissen 
Aus für Amalgam bei Kindern, Schwangeren und Stillenden

Letzte inhaltliche Prüfung: 16.07.2019
Letzte Änderung: 30.03.2020