Histamin: Gewebehormon und Entzündungs­vermittler

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (25. Januar 2018)

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Histamine haben viele Wirkungen im Körper. Zum einen bildet der Körper Histamin selbst. Zum anderen ist es in vielen Lebensmitteln enthalten. Zu viel Histamin kann zu Gesundheitsproblemen führen.

Zu große Mengen an Histamin können unangenehme Auswirkungen haben. So spielt Histamin zum Beispiel eine Rolle bei allergischen Beschwerden, kann die Ursache für Fischvergiftungen sein oder auch zu Unverträglichkeitsreaktionen (Histaminintoleranz) führen.

Was ist Histamin?

Histamin zählt zu den Gewebehormonen. Als Botenstoff spielt er bei vielen Prozessen im Körper eine wichtige Rolle, insbesondere bei Entzündungsreaktionen. Im Körper entsteht Histamin natürlicherweise aus der Aminosäure Histidin. Chemisch gesehen zählt Histamin zu den sogenannten biogenen Aminen.

Welche Wirkung hat Histamin im Körper?

Im Körper hat Histamin zahlreiche Wirkungen, es

  • erweitert die Blutgefäße in Armen und Beinen (periphere Blutgefäße).
  • verengt die zentralen Blutgefäße, also jene Gefäße, die zu Herz und Hirn führen.
  • verengt die Atemwege.
  • bewirkt, dass sich die Muskeln der Gebärmutter zusammenziehen.
  • bewirkt, dass sich die Darmmuskeln zusammenziehen.
  • ist im Gehirn unter anderem an der Regulation von Körpertemperatur, Schlaf-Wach-Rhythmen und Ausschüttung mancher Hormone beteiligt.

Wo wird Histamin im Körper gebildet?

Verschiedene Zellen im Körper können Histamin bilden und speichern, so beispielsweise:

Als Reaktion auf bestimmte Auslöser setzen sie das gespeicherte Histamin schlagartig frei.

Vor allem das in den Mastzellen gespeicherte Histamin spielt eine wichtige Rolle bei echten Allergien wie Heuschnupfen, also bei sogenannten IgE-vermittelten allergischen Reaktionen. Als Reaktion auf bestimmte Allergene setzen die Mastzellen schlagartig Histamin frei. In der Folge kommt es zu akuten allergischen Beschwerden wie zum Beispiel einer laufenden Nase, Augenbrennen, Atemproblemen oder Hautausschlag.

Aber auch IgE-unabhängige Reaktionen können laut manchen Experten zu einer Freisetzung von Histamin aus Körperzellen führen. Auslöser sollen zum Beispiel bestimmte Nahrungsmittel oder Medikamente sein, die als sogenannte Histaminliberatoren ("Histaminfreisetzer") wirken.

Histamin in Nahrungsmitteln

Histamin kommt in vielen Nahrungsmitteln natürlicherweise vor. In großen Mengen entsteht es in diesen jedoch erst, wenn Bakterien ins Spiel kommen, die Histidin zu Histamin abbauen. Deshalb ist Histamin häufig in Lebensmitteln enthalten, bei denen Bakterien für Gärungs- oder Reifeprozesse sorgen, wie etwa in

  • Käse,
  • Wein,
  • Bier
  • oder Sojasoße.

Manchen Menschen reagieren empfindlich auf Histamin in Nahrungsmitteln (Histaminintoleranz). Ursache hierfür sind pseudoallergische, also scheinbar allergische Reaktionen.


Histamin: Man sieht Parmesankäse. © Jupiterimages/iStockphoto

Histamin ist auch Bestandteil mancher Lebensmittel.

Histamin und Fischvergiftungen

Histamin ist auch die Ursache für Fischvergiftungen nach dem Verzehr von verdorbenem Fisch. Frischer Fisch enthält normalerweise kein Histamin. Erst wenn er länger lagert, bewirken Bakterien einen Anstieg des Histamingehalts. So kommt es, dass verdorbener Fisch extrem viel Histamin enthält und zu einer Histaminvergiftung führen kann.

Histamin: So baut der Körper es ab

Der Körper besitzt zwei Enzyme, die Histamin abbauen können:

  • die DAO (Diaminoxidase) und
  • die HNMT (Histamin-N-Methyltransferase)

Das Enzym Diaminoxidase (DAO)

Diaminoxidase (DAO) ist ein Enzym, das von Zellen nach außen abgegeben wird (sog. sekretorisches Protein). Bestimmte Zellen der Dünndarmschleimhaut (sog. Enterozyten) bilden zum Beispiel ständig DAO und geben diese ins Darminnere ab. Aber auch andere Zellen bilden DAO, etwa in Leber und Nieren.

Die DAO baut auch andere biogene Amine ab – vor allem jedoch Histamin, das sich außerhalb von Zellen befindet. Um funktionieren zu können, benötigt die DAO zudem zwei Co-Faktoren, nämlich:

Mit der Nahrung verzehrtes Histamin wird normalerweise im Dünndarm rasch von der DAO abgebaut und bereitet gesunden Menschen daher in der Regel keine Probleme.

Bei schwangeren Frauen ist die DAO-Aktivität im Blut bis zu 300-fach erhöht und kann Histamin besonders rasch abbauen. Das dient letztlich dem Schutz des ungeborenen Kindes, denn mit dem Blutfluss passiert die DAO auch die Plazenta – und schützt so die Gebärmutter vor plötzlichen Histamin-Anstiegen, die Muskelkontraktionen und dadurch Wehen auslösen könnten. Während der Schwangerschaft treten deshalb bei Frauen normalerweise auch kaum Beschwerden durch Histamin auf (wie z.B. Heuschnupfen, Histaminintoleranz).

Bei manchen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wiederum scheint die DAO weniger aktiv zu sein (z.B. bei Morbus Crohn ).

Das Enzym Histamin-N-Methyltransferase (HNMT)

Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) ist ein sogenanntes zytosolisches Protein. Das Enzym baut vor allem körpereigenes Histamin ab, das sich im Inneren von Zellen befindet.

Wissenswert: Auch Bakterien der Darmflora produzieren zum Teil Histamin. Dieses wird jedoch größtenteils von der DAO im Darm abgebaut. Falls Darmzellen Histamin aufnehmen, tritt dieses ins Blut über und gelangt mit dem Blutstrom zur Leber. Hier sorgt dann vor allem die HNMT für den weiteren Abbau.

Histamin: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Histaminintoleranz: Infos zur Erkrankung
Pseudoallergie: Allergische Beschwerden ohne Allergie
Forum Nahrungsmittelunverträglichkeiten (mit Expertenrat)

Quellen:

Histamin-Intoleranz. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 3.7.2017)

Graefe, K. H., et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Thieme, Stuttgart 2016

Jarisch, R.: Histaminintoleranz, Histamin und Seekrankheit. Thieme, Stuttgart 2013

Maintz, L., et al.: Die verschiedenen Gesichter der Histaminintoleranz. Deutsches Ärzteblatt, Nr. 103, Iss. 51-52, pp. A3477-A3483 (2006)

Stand: 25. Januar 2018