Drei Personen arbeiten in Asien auf einem Reisfeld.
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Tsutsugamushi-Fieber

Das Tsutsugamushi-Fieber ist eine ernstzunehmende, akut verlaufende Infektionskrankheit, die vor allem in Zentral,- Ost- und Südostasien, Indien, Ozeanien und Nordaustralien verbreitet ist.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Das Tsutsugamushi-Fieber ist auch unter den Begriffen Japanisches Flussfieber, Milben-Fleckfieber und Scrub Typhus bekannt. Es wird durch eine Infektion mit der Bakterienart Orienta tsutsugamushi (früher auch als Rickettsia tsutsugamushi bezeichnet) ausgelöst. Der Erreger wird durch Milben übertragen.

Nach einer Inkubationszeit von 6 bis 21 Tagen treten die ersten Symptome auf. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen ist ein rotes Knötchen an der Stelle sichtbar, wo das Insekt zugestochen und die Bakterien übertragen hat. Außerdem schwellen die benachbarten Lymphknoten an. Typischerweise beginnt das Tsutsugamushi-Fieber sehr rasch mit Beschwerden wie:

Das Tsutsugamushi-Fieber wird mit Antibiotika behandelt. Die Erkrankung kann unbehandelt schwer verlaufen – die Angaben zur Sterblichkeit bei Tsutsugamushi-Fieber liegen je nach Quelle zwischen 1 und 60 Prozent. Unter antibiotischer Behandlung ist die Prognose aber sehr gut.

Am besten schützt man sich vor dem Tsutsugamushi-Fieber, indem man Insektenstiche vermeidet. Personen, die sich in Risikogebieten aufhalten, erreichen das zum Beispiel durch geeignete Kleidung und spezielle Insektenabwehrmittel (sog. Repellents).

Definition

Das Tsutsugamushi-Fieber ist eine akute Infektionskrankheit, die in

  • Zentral-, Ost- und Südostasien,
  • Nordaustralien,
  • Indien
  • Ozeanien,
  • sowie seltener in Chile und Afrika vorkommt.

Gefährdet sind die einheimische Bevölkerung sowie Touristen.

Übrigens: Veraltete Synonyme wie Lazarettfieber, Gefängnisfieber und Kriegstyphus geben Aufschluss darüber, wo und in welchen Situationen sich die Erkrankung früher verbreitete. Die damals mangelnden Hygienemaßnahmen trugen ihr Übriges zur raschen, epidemieartigen Ausbreitung bei, die zahlreiche Todesopfer forderten.Auch heute liegt die Sterberate ohne antibiotische Behandlung noch bei 40 Prozent.

Das Tsutsugamushi-Fieber gehört zu den sogenannten Rickettsiosen, einer Gruppe von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien der Gattung Rickettsia verursacht werden. Überträger von Rickettsiosen sind verschiedene Gliederfüßer (Arthropoden), wie

Das Tsutsugamushi-Fieber wird dabei ausschließlich durch Milben übertragen.

Häufigkeit

Schätzungen zufolge erkranken weltweit rund eine Million Menschen pro Jahr am Tsutsugamushi-Fieber.

Ursachen

Die Ursache des Tsutsugamushi-Fiebers ist eine Infektion mit Bakterien der Gattung Rickettsia – genauer gesagt, mit der Bakterienart Orienta tsutsugamushi (veraltet: Rickettsia tsutsugamushi).

Infektionsweg

Bestimmte Milben übertragen in Risikogebieten die Bakterien durch einen Stich auf Warmblüter wie Nagetiere, Huftiere oder Hunde – und auch auf den Menschen. Diese Milben leben in der freien Natur auf niedrig wachsenden Pflanzen wie Gestrüpp und Büschen, aber auch in Reisfeldern, wenige Zentimeter über dem Boden. Die Milbenlarven suchen für eine Blutmahlzeit bevorzugt kleine Nagetiere und Ratten, seltener Vögel auf. Sie können aber auch den Menschen befallen und dabei den Erreger des Tsutsugamushi-Fiebers übertragen.

Inkubationszeit

Beim Tsutsugamushi-Fieber liegt die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung – bei etwa 6 bis 21 Tagen.

Symptome

Beim Tsutsugamushi-Fieber ist eines der ersten Symptome eine Papel (Knötchen) auf der Haut. Sie bildet sich bei etwa der Hälfte der Betroffenen und entsteht dort, wo eine Milbe zugestochen und die Bakterien übertragen hat. Die Papel entwickelt sich oft im weiteren Verlauf zu einem schmerzhaften Geschwür (Ulzeration) und ist mit schwarzem Schorf bedeckt.

Das Tsutsugamushi-Fieber äußert sich außerdem durch folgende plötzlich einsetzende Symptome:

Die Erkrankten fühlen sich sehr schlecht – gelegentlich sind sie auch verwirrt. Innerhalb weniger Tage entwickelt sich bei der Mehrzahl der Betroffenen ein Hautausschlag mit etwa zwei bis vier Millimeter großen, anfangs blass-rötlichen, später dunkel-bräunlichen Flecken. Der Ausschlag ist über den gesamten Körper verteilt, einschließlich der Handflächen und Fußsohlen.

Die Beschwerden ähneln denen bei Fleckfieber. Möglich sind auch Symptome wie Tinnitus (Ohrgeräusche) und/oder Taubheit. Ohne Therapie kann das Tsutsugamushi-Fieber lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen und die Organe angreifen. So kann es zum Beispiel zu einer Gehirnentzündung (Enzephalitis) oder Herzmuskelentzündung kommen. Dann treten bei den Betroffenen folgende Symptome auf:

Infolge der Herzmuskelentzündung können zudem massive Kreislaufprobleme mit Blutdruckabfall und Herzrasen mit teils tödlichem Ausgang entstehen.

Diagnose

Vermutet die*der Arzt*Ärztin, dass bei der*dem Betroffenen das Tsutsugamushi-Fieber vorliegen könnte, wird eine Blutuntersuchung veranlasst, um Antikörper gegen die Bakterien festzustellen. Dieser Bluttest muss allerdings zweimal in einem Abstand von 1 bis 3 Wochen wiederholt werden. Nur so kann kontrolliert werden, ob sich der Antikörperspiegel erhöht hat. Ist dies der Fall, liegt zwar noch keine sichere Diagnose vor. Das Ergebnis kann aber bereits wertvolle Hinweise liefern.

Zudem wird häufig auch ein sogenannter Immunfloreszenztest durchgeführt. Hierzu wird eine Hautprobe der betroffenen Körperstelle benötigt (Biopsie). Eine weitere gängige Methode, um das Tsutsugamushi-Fieber zu diagnostizieren ist die Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Mithilfe dieses Verfahrens lassen sich Bakterien schneller nachweisen.

Die Befragung der*des Betroffenen beziehungsweise der Angehörigen nach Aufenthalten in Risikogebieten sowie nach Milbenstichen ist für die Diagnose ebenfalls sehr wichtig.

Therapie

Da das Tsutsugamushi-Fieber auch einen schwer Verlauf nehmen kann, erfolgt die Therapie in der Regel stationär im Krankenhaus. Hier erhalten die Erkrankten Antibiotika, zum Beispiel Wirkstoffe wie:

In der Regel genügt es, die Antibiotika in Form von Tabletten zu verabreichen. Patienten*innen sollten den Wirkstoff mindestens sieben Tage lang ein, und darüber hinaus so lange, bis sich ihr Zustand bessert und sie mindestens 48 Stunden am Stück kein Fieber gehabt haben. Nur bei schweren Krankheitsverläufen kann es notwendig werden, die Wirkstoffe über die Vene (intravenös) zu verabreichen.

Verlauf

Bei frühzeitiger Behandlung nimmt das Tsutsugamushi-Fieber in der Regel einen guten Verlauf. Erhält ein Erkrankter jedoch erst spät ein Antibiotikum oder gar keine medizinische Behandlung, kann es zu Komplikationen kommen, wie:

Die Angaben zur Sterblichkeit variieren in den verschiedenen Quellen stark: Je nach Quelle nimmt das Tsutsugamushi-Fieber ohne Behandlung bei 1 bis 60 Prozent einen lebensbedrohlichen Verlauf. Unter Antibiotika-Therapie ist die Prognose aber sehr gut. Die Erkrankung dauert (sofern keine Komplikationen auftreten) – auch ohne Therapie – gewöhnlich etwa zwei Wochen.

Das Tsutsugamushi-Fieber bewirkt bei Betroffenen nach durchgemachter Erkrankung nur eine kurzfristige Immunität von etwa einem Jahr.

Vorbeugen

Wer dem Tsutsugamushi-Fieber vorbeugen will, sollte bei einem Aufenthalt in Risikogebieten versuchen, Milbenstiche zu vermeiden. Hierzu empfiehlt es sich, schützende Kleidung zu tragen, zum Beispiel:

  • feste Schuhe,
  • lange Hosen und Ärmel sowie eine
  • Kopfbedeckung.

Nach dem Aufenthalt im Freien sollten Sie alle Körperteile nach Milbenlarven beziehungsweise Milbenstichen absuchen.

Manchen Quellen zufolge können Reisende, die einen Aufenthalt in Risikogebieten planen, sich das Antibiotikum Doxycyclin verschreiben lassen und vorbeugend einnehmen, um das Infektionsrisiko zu senken. Eine derartige Antibiotika-Prophylaxe ist theoretisch über einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten möglich. Andere Quellen empfehlen dies jedoch nicht oder raten davon ab. Was hier im Einzelfall sinnvoll ist, sollten Reisende am besten mit ihrer*ihrem Hausärztin*Hausarzt abklären.

Ein Impfstoff gegen das Tsutsugamushi-Fieber steht bisher nicht zur Verfügung.