Eine Frau sitzt im Flughafenterminal mit Blick auf das Vorfeld auf einer Bank und hat ihre Füße auf einem Koffer abgelengt.
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Schützen Kompressionsstrümpfe beim Flug vor Thrombose?

Kompressionstrümpfe oder Reisestrümpfe sollen bei einem längeren Flug das Risiko für Thrombose senken. Aber ist eine solche Thrombose­prophylaxe wirklich nötig – und funktioniert sie überhaupt?

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Thrombose: Wie hoch ist das Risiko beim Fliegen?

Bei Thrombose ist ein Gefäß durch ein Blutgerinnsel verstopft. Am häufigsten sind die Becken- und Beinvenen betroffen. Das kann sich bemerkbar machen durch Druckempfindlichkeit, eine gerötete Haut, Erwärmung oder Schwellung.

Oft löst sich das Blutgerinnsel aber von selbst wieder auf, ohne Beschwerden zu bereiten. In seltenen Fällen kann eine Thrombose jedoch auch zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie führen.

Wie kann Thrombose beim Flug entstehen?

Kurzstreckenflüge bedeuten kein erhöhtes Risiko für Thrombose. Dauert der Flug länger, kann das jedoch Thrombosen begünstigen. Das liegt vor allem am langen Sitzen im Flugzeug.

Denn dabei sind die Knie überwiegend so angewinkelt, dass die Venen in der Kniekehle abgeknickt sind. In dieser Position muss das Herz-Kreislauf-System Höchstleistungen vollbringen, um das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen zu befördern. Zudem ist die Luft an Bord so trocken, dass der Körper vermehrt Flüssigkeit verliert. Die Folge: Das Blut verdickt, fließt langsamer und staut sich.

Nach einem Flug von über vier Stunden entwickeln etwa 2 von 10.000 Fluggästen eine Thrombose, die zu Beschwerden führt. Das Risiko für Thrombose nimmt zu, je länger der Flug dauert.

Wie und wann Kompressionsstrümpfe helfen

Was bewirken Kompressionsstrümpfe beim Flug?

Wer mindestens zwei Stunden vor einem längeren Flug kniehohe Kompressionsstrümpfe anzieht und sie während des gesamten Flugs trägt, hat nachweislich ein geringeres Risiko für geschwollene Beine sowie für Thrombose.

Der Grund: Kompressionsstrümpfe fördern den Rückfluss des Bluts aus den Beinen zurück zum Herzen. Denn sie üben leichten Druck auf den Unterschenkel aus, der von der Fessel in Richtung Knie abnimmt – das verbessert den Blutfluss und senkt das Risiko, dass das Blut in den tiefen Venen verklumpt. Besonders gut funktioniert das in Kombination mit Bewegungen der Beine.

Also helfen Stützstrümpfe bei einem längeren Flug – vorausgesetzt, sie passen gut. Denn jedes Bein ist anders. Darum ist es ratsam, medizinische Kompressionsstrümpfe im Sanitätshaus oder in der Apotheke individuell anpassen zu lassen.

Für wen sind Kompressionsstrümpfe beim Fliegen sinnvoll?

Insgesamt ist die Wahrscheinlichkeit, dass es durch einen Langstreckenflug zu gesundheitlichen Problemen infolge einer Thrombose kommt, sehr gering. Das gilt vor allem für gesunde Menschen ohne erhöhtes Thrombose-Risiko. Für sie haben Kompressionsstrümpfe bei einem Flug wahrscheinlich kaum zusätzlichen Nutzen.

Doch für Menschen, deren Risiko für Thrombose erhöht ist, können Kompressionsstrümpfe zur Thromboseprophylaxe auf einem längeren Flug sinnvoll sein. Das ist beispielsweise der Fall bei:

  • Menschen über 60 Jahre,
  • Venenschwäche,
  • stark ausgeprägten Krampfadern,
  • Thrombose in der Vorgeschichte,
  • einer vorausgegangenen Operation (z. B. am Knie oder im Bauchraum),
  • Gerinnungsstörungen,
  • Herzschwäche,
  • Krebserkrankungen,
  • starkem Übergewicht (BMI über 30),
  • Rauchern,
  • Verhütung mit der Antibabypille,
  • Schwangeren oder
  • einer Hormonbehandlung in den Wechseljahren.

Tipps gegen Reisethrombose

Egal, ob Sie sich für oder gegen Kompressionsstrümpfe entscheiden – bei einem längeren Flug können folgende Tipps helfen, das Thrombose-Risiko zu senken:

  • Ziehen Sie am Reisetag bequeme, locker sitzende Kleidung an.
  • Wählen Sie wegen der größeren Bewegungsfreiheit möglichst einen Sitzplatz am Gang.
  • Stehen Sie während des Flugs möglichst oft auf und gehen Sie im Gang zwischen den Sitzreihen einige Schritte.
  • Machen Sie im Sitzen leichte Gymnastikübungen für die Wadenmuskulatur, um den Blutfluss anzuregen (z. B. mit den Füßen wippen).
  • Trinken Sie ausreichend Wasser oder verdünnten Fruchtsaft.
  • Auf Kaffee und Alkohol sollten Sie besser verzichten.