Das Bild zeigt einen Jungen beim Zahnarzt.
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Zahnarztangst (Dentalphobie)

Für Menschen mit Zahnarztangst (Dentalphobie) gleicht jeder Zahnarztbesuch einem Horrorszenario. Bei manchen Betroffenen ist die Angst so stark, dass sie jahrelang nicht zum Zahnarzt gehen – auch dann nicht, wenn sie Schmerzen haben. Gegen die Angst vorm Zahnarzt kann man jedoch etwas tun. Mit ein wenig Überwindung und Geduld lässt sich eine Dentalphobie in der Regel gut behandeln!

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Krankhafte Zahnarztangst (Dentalphobie): Mehr als nur ein mulmiges Gefühl

Ein gewisses mulmiges Gefühl vor dem bevorstehenden Zahnarzttermin kennen viele von uns: Ungefähr 7 von 10 Personen in der deutschen Bevölkerung geben an, Angst vorm Zahnarzt zu haben. Bei bis zu 10 Prozent der Deutschen ist diese Angst so ausgeprägt, dass man von einer Dentalphobie spricht. Die Angst ist dann so übersteigert und unangemessen, dass ein Zahnarzttermin nur unter großer Anstrengung oder gar nicht möglich ist.

Was der Volksmund als "Zahnarztangst" bezeichnet, nennen Ärzte "Dentalphobie". Die Bezeichnung "Zahnarztangst" ist genaugenommen nicht ganz korrekt, da sich eine Dentalphobie nicht ausschließlich gegen den Zahnarzt richtet, sondern gegen die Zahnbehandlung und was damit verbunden ist.

Eine Dentalphobie kann mit ganz unterschiedlichen Ängsten verbunden sein. Viele Betroffene brechen in Panik aus, wenn

  • sie die Vibration des Bohrers spüren,
  • das Bohrergeräusch hören,
  • die Betäubungsspritze sehen oder
  • den Bohrer sehen.

Eine krankhafte Zahnarztangst ist grundsätzlich heilbar. Voraussetzung dafür ist, den ersten Schritt zu machen und Hilfe in Anspruch nehmen. Ansprechpartner kann zum Beispiel ein Zahnarzt sein, der auf Angstpatienten spezialisiert ist, oder ein Psychothererapeut. Viele Zahnärzte bieten verschiedene Methoden an, welche die Angst lindern können. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Entspannungsverfahren oder Hypnose.

Ist eine zahnärztliche Behandlung dringend notwendig, können auch Medikamente eingesetzt werden. Ein Eingriff unter Vollnarkose ist ebenfalls möglich. Langfristig ist eine medikamentöse Therapie aber nicht sinnvoll, da die ursprüngliche Angst damit nicht beseitigt wird.

Eine Dentalphobie sollte frühzeitig behandelt werden. Je eher eine Therapie begonnen wird, desto rascher kann die Angst abgebaut werden – und desto eher lassen sich Schäden an den Zähnen vermeiden. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie glauben, unter krankhafter Zahnarztangst zu leiden!

Definition

Eine krankhafte Angst vor dem Zahnarztbesuch bezeichnet der Zahnarzt als Zahnbehandlungsphobie oder auch als Dentalphobie oder Oralophobie. Die Dentalphobie zählt zu den Angststörungen.

Umgangssprachlich werden häufig die Begriffe Zahnarztangst oder Zahnarztphobie verwendet, wenn die Dentalphobie gemeint ist. Die Begriffe "Zahnarztangst" oder "Zahnarztphobie" sind allerdings streng genommen nicht korrekt, da neben dem Zahnarzt auch andere Faktoren, die zu einer Zahnbehandlung gehören, Ängste hervorrufen können. Die Dentalphobie richtet sich nicht auf den Zahnarzt als Person, sondern auf die Zahnbehandlung und das, was damit verbunden ist.

Eine gewisse Furcht oder ein "mulmiges Gefühl" vor einer Zahnbehandlung ist durchaus normal. Bei einer Dentalphobie ist diese Angst jedoch unangemessen stark. Die Befürchtungen der Betroffenen können ganz unterschiedlich sein. Manche haben zum Beispiel regelrechte Panik davor, Schmerzen zu haben. Andere fühlen sich ausgeliefert und ohne Kontrolle, oder sie haben Schamgefühle, denn der Mund ist für viele Menschen ein sehr intimer Bereich. Selbstwertprobleme aufgrund von "schlechten Zähnen" können ebenfalls eine Rolle spielen.

Wenn der Betroffene mit seiner Angst konfrontiert wird, kann dies zu körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Schwitzen und Zittern führen. Typisch bei jeder Phobie ist das Vermeidungsverhalten: Der Phobiker meidet die angstmachende Situation. Er sagt Zahnarzttermine kurzfristig ab oder zögert sie hinaus, bis die Schmerzen unerträglich sind.

Menschen mit Dentalphobie ist durchaus bewusst, dass ihre Ängste übertrieben sind. Dennoch hilft gutes Zureden in der Regel nicht, die irrationale Angst vorm Zahnarzt zu überwinden.

Was sind die Ursachen?

Krankhafte Zahnarztangst (Dentalphobie) kann durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren ausgelöst werden. Ursachen können traumatische Erlebnisse sein, die mit dem Thema Zahnarzt oder Zahnbehandlung zu tun haben. Solche Erlebnisse entstehen in der Regel, wenn die Person schlechte Erfahrungen bei Zahnarztbesuchen gemacht hat.

Dabei ist nicht nur von Bedeutung, ob der Besuch mit Schmerzen verbunden war. Auch der Zahnarzt selbst kann durch psychologisches Fehlverhalten die Angst schüren, zum Beispiel, wenn er Ängste verharmlost / nicht ernst nimmt und nicht einfühlsam genug reagiert.

Nicht nur eigene, auch übernommene unangenehme Erlebnisse können die Angst vorm Zahnarzt begünstigen. Dazu zählen zum Beispiel negative Erzählungen aus dem sozialen Umfeld, etwa über eine "missglückte Zahnarztbehandlung". Auch ist es möglich, dass ein Elternteil seine Angst auf das Kind "überträgt": Wenn sich Vater oder Mutter vor dem Zahnarzttermin ängstlich verhalten oder Terminen ausweichen, lernt das Kind, dass der Zahnarztbesuch "gefährlich" und mit Angst verbunden ist.

Nicht immer hängt die Ursache einer Dentalphobie direkt mit dem Zahnarzt zusammen. Auch traumatische Ereignisse können eine Zahnarztangst auslösen, so zum Beispiel Unfälle, Operationen, sexueller Missbrauch oder Gewalterfahrungen.

In einigen Fällen von Zahnarztangst ist die Traumatisierung auf ein einschneidendes Erlebnis im Kindes- oder Jugendalter zurückzuführen. Für Eltern ist es daher wichtig, ihre Kinder sehr behutsam und auf spielerische Weise an den Besuch beim Zahnarzt heranzuführen, um die Angst vorm Zahnarzt gar nicht erst entstehen zu lassen.

Symptome

Eine gewisse Angst vor dem Zahnarztbesuch kennen viele Menschen. Aber an welchen Symptomen erkennt man, dass es sich tatsächlich um eine krankhafte Zahnarztangst (Dentalphobie) handelt?

Bei krankhafter Zahnarztangst ist die Angst vor dem Zahnarztbesuch / der Behandlung unangemessen stark, so stark, dass der Termin nur unter großer Anstrengung oder auch gar nicht wahrgenommen werden kann. Einige Betroffene brechen schon bei dem bloßen Gedanken an die Situation beim Zahnarzt in Panik aus.

Typisch für eine Dentalphobie ist, wie bei anderen Angststörungen auch, das Vermeidungsverhalten:

  • Menschen mit Dentalphobie sagen Zahnarzttermine kurzfristig ab oder sie zögern Kontrolluntersuchungen hinaus. Manche Betroffene gehen erst zum Zahnarzt, wenn die Beschwerden unerträglich geworden sind.
  • Es entsteht ein Teufelskreis: Dadurch, dass die Termine so selten wahrgenommen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass im Mundraum Schäden entstanden sind, die unter Umständen eine kompliziertere oder größere Behandlung erforderlich machen – was die Angst meist noch mehr wachsen lässt. Die Folge: Der nächste Zahnarzttermin wird wieder herausgeschoben und die Angst wird größer.

Neben dem klassischen Vermeidungsverhalten gibt es noch weitere, körperliche Symptome, die auf eine krankhafte Zahnarztangst hinweisen. Dazu gehören zum Beispiel:

Diese körperlichen Symptome treten auf, wenn der Betroffene mit der Angstsituation konfrontiert wird. Dabei reicht es manchmal schon aus, wenn die Person nur an den bevorstehenden Arztbesuch denkt.

Diagnose

Meist sind sich die Betroffenen ihrer Zahnarztangst (Dentalphobie) bewusst. Bis ein Arzt die Diagnose stellt, kann jedoch viel Zeit vergehen. Der Grund: Viele Phobiker scheuen sich, den Arzt aufzusuchen – denn sie zeigen oft ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten. Sie haben so starke Angst, mit dem Zahnarztbesuch konfrontiert zu werden, dass sie einer psychotherapeutischen Behandlung aus dem Weg gehen.

Weil die Betroffenen nötige Behandlungen oftmals aufschieben, leiden sie zum Zeitpunkt der Diagnose häufig bereits unter chronischen Zahnproblemen und Zahnschmerzen.

Viele Zahnärzte sind im Umgang mit Angstpatienten geschult. In einem ersten Gespräch kann der Arzt vorsichtig herausfinden, wie stark die Angst ist. Gegebenenfalls kann auch ein Besuch beim Psychologen oder Psychiater hilfreich sein, um den Ursache der Angst auf den Grund zu gehen. Der Psychologe / Psychiater kann mithilfe bestimmter Angst-Fragebögen ermitteln, wie intensiv die Angst ist.

Therapie

Eine krankhaften Zahnarztangst (Angst vorm Zahnarzt, Dentalphobie) kann man mithilfe einer geeigneten Therapie oft gut in den Griff bekommen. Voraussetzung für die Therapie ist, den ersten Schritt zu machen und sich Hilfe zu suchen.

Zahnärzte für Angstpatienten

Immer mehr Zahnärzte sind im Umgang mit Phobikern entsprechend geschult und wissen mit den Ängsten ihrer Patienten umzugehen. Suchen Sie einen Arzt auf, zu dem Sie Vertrauen haben. Dies kann beispielsweise ein Zahnarzt sein, der spezielle Behandlungen für Angstpatienten anbietet oder der sich auf Zahnarztangst spezialisiert hat. Der erste Besuch beim Zahnarzt kann für manche Betroffene eine starke psychische Belastung darstellen. Hilfreich kann der Gedanke sein, dass zunächst keine Behandlung durchgeführt werden wird, sondern dass es erst einmal nur darum geht, über die Angst zu sprechen und sich langsam an die Situation zu gewöhnen.

Psychotherapeutische Hilfe

Wenn Sie den Gang zum Zahnarzt so sehr scheuen, dass ein Besuch dort nicht möglich ist, kann ein Psychotherapeut oder Psychiater der richtige Ansprechpartner für Sie sein.

Insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie hat sich zur Behandlung einer Dentalphobie bewährt. Hierbei lernt der Betroffene zunächst, sich seiner Gedanken und Ängste bewusst zu werden. Im nächsten Schritt geht es darum, dass er sein Denken – und damit auch die Angst – bewusst steuern kann, um auf diese Weise Angstsituationen gelassener begegnen zu können. Indem er sein Vermeidungsverhalten durchbricht und sich in die angstmachende Situation begibt, lernt der Phobiker, dass die Angst übertrieben und unangemessen ist – sodass die Angst langsam abnimmt.

Methoden zur Entspannung: Musik, Hypnose & Co.

Entspannungsverfahren können hilfreich sein, um die Angst ein wenig zu lindern. Viele Zahnärzte bieten entspannende Musik über Kopfhörer an, die Sie während der Behandlung hören können. Fragen Sie Ihren Arzt beispielsweise, ob Sie Ihre Lieblingsmusik hören können, um sich abzulenken. Diese akustische Ablenkung kann durch beruhigende Bilder unterstützt werden, die man über eine Videobrille sieht. Auch Duftstoffe können helfen, die Zahnbehandlung gelassener durchzustehen. Manchen Betroffenen mit Dentalphobie helfen auch besondere Atemtechniken gegen ihre Zahnarztangst.

Mithilfe einer Hypnose kann der Arzt die Schmerzempfindlichkeit herabsetzen. Der Zahnarzt versetzt den Patienten zunächst in eine leichte Trance. Er leitet die hypnotisierte Person dazu an, die Zahnbehandlung vom Bewusstsein fernzuhalten beziehungsweise gar nicht erst in das Bewusstsein "hineinzulassen". Die Hypnose ist bei einer Dentalphobie eine sehr wirkungsvolle Therapie, da sie direkt angstlösend wirkt.

Auch Medikamente können das Schmerzempfinden mildern. Dadurch ist es möglich, trotz der Zahnarztangst dringend notwendige Behandlungen durchzuführen. Langfristig sind Medikamente bei Dentalphobie aber nicht zur Therapie geeignet, da die Ängste dadurch nicht beseitigt werden.

 

 

 

Vollnarkose

Sind komplizierte, langwierige und unter Umständen schmerzhafte Zahnbehandlungen bei einem Patienten mit Dentalphobie unumgänglich, so kann in letzter Konsequenz auch eine Zahnbehandlung unter Vollnarkose ratsam sein. Eine Vollnarkose bei Angstpatienten ist jedoch nur im Einzelfall empfehlenswert, da sich dadurch an der Ursache der Angst nichts ändert. Außerdem ist mit jeder Vollnarkose ein gewisses Risiko verbunden, weswegen sie bei Menschen mit Dentalphobie als "Dauermethode" zur Therapie nicht empfehlenswert ist. Dennoch kann die Vollnarkose ein wichtiger Schritt sein, um überhaupt den Gang zum Zahnarzt zu wagen und eine nötige Behandlung durchführen zu lassen.

Verlauf & Vorbeugen

Krankhafte Zahnarztangst (Dentalphobie) lässt sich im Allgemeinen gut behandeln. Wichtig ist, sich bei einer solchen Angststörung rechtzeitig Hilfe zu suchen, um einen chronischen Verlauf zu vermeiden.

Je früher die Angst vorm Zahnarzt bearbeitet wird, desto besser kann man die Dentalphobie in den Griff bekommen!

Eine Dentalphobie kann über Jahre hinweg bestehen, dabei aber in ihrer Intensität schwanken. Manchmal fällt es dem Patienten phasenweise etwas leichter, den Zahnarzt aufzusuchen, dann wieder hat er so starke Angst, dass er den Besuch konsequent meidet. Andere Menschen wiederum gehen jahrzehntelang nicht zum Zahnarzt.

Wie jede Angststörung kann auch die Zahnarztangst sehr belastend sein. Im weiteren Verlauf können zum Beispiel Depressionen die Folge sein – aber auch Schäden an den Zähnen. Im Extremfall führt die Angst vorm Zahnarzt dazu, dass Zähne verloren gehen. Daher gilt: Überwinden Sie sich und machen Sie den ersten Schritt raus aus der Angst!

Vorbeugen

Vorbeugen kann man einer Zahnarztangst (Dentalphobie) nur bedingt. Wer sein Kind zum Beispiel frühzeitig spielerisch an das Thema Zahnarzt heranführt, trägt dazu bei, dass der Arztbesuch für den kleinen Patienten gar nicht erst zu einer angstbesetzten Situation wird. Sicher verhindern lässt sich eine Dentalphobie so zwar nicht – aber positive Erfahrungen mit dem Zahnarzt reduzieren das Risiko ein wenig.

Wichtig ist, dass Sie erste Anzeichen für eine mögliche Dentalphobie erkennen und entsprechend handeln, egal, ob es sich dabei um Ihr Kind oder um Sie selbst handelt. Wenn Sie feststellen, dass Sie anstehende Termine aus Angst immer wieder absagen oder gar nicht erst einen Termin vereinbaren, kann dies ein Hinweis auf eine (beginnende) Dentalphobie sein.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie unter krankhafter Zahnarztangst leiden, sollten Sie sich mit ihr auseinandersetzen: Suchen Sie sich dazu Unterstützung und Hilfe bei einem Arzt und / oder Therapeuten. So können Sie gemeinsam versuchen, die Angst zu reduzieren, damit Sie in Zukunft der Angst vorm Zahnarzt – und damit nötigen Zahnbehandlungen – nicht länger aus dem Weg gehen müssen.