Das Bild zeigt eine Stechmücke, die in den Arm sticht.
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Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Brugia timori

Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Brugia timori: Dies sind die Namen dreier Fadenwürmer (Filarien), die über Stechmücken auf den Menschen übertragen werden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Im menschlichen Körper besiedeln Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Brugia timori das Lymphsystem und können die sogenannte lymphatische Filariose auslösen. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 120 Millionen Menschen an einer lymphatischen Filariose erkrankt – circa neun von zehn Erkrankten sind dabei mit Wuchereria bancrofti infiziert.

Außerhalb von Menschen oder Stechmücken können die Fadenwürmer nicht überleben. Wird ein infizierter Mensch von einer Mücke gestochen, nimmt die Mücke beim Saugen mikroskopisch kleine Larven auf, die im Blut des Menschen zirkulieren – die sogenannten Mikrofilarien. Beim nächsten Mückenstich gelangen die Mikrofilarien in einen anderen Menschen.

Dort wandern sie in die menschlichen Lymphknoten und Lymphgefäße, wo sie innerhalb von etwa neun Monaten zu geschlechtsreifen Filarien heranwachsen (sog. Makrofilarien). Die zusammengeknäult in den Lymphknoten lebenden, ausgewachsenen Filarien werden – wenn es sich um Wuchereria bancrofti handelt – zwischen zwei und zehn Zentimeter lang. Brugia malayi und Brugia timori können eine Länge von sechs Zentimetern erreichen. Die Dicke der Würmer beträgt etwa 0,1 bis 0,3 Millimeter.

Makrofilarien leben im Durchschnitt etwa fünf Jahre. Die geschlechtsreifen Weibchen produzieren laufend neue Mikrofilarien, die wiederum ins Blut gelangen – und von dort aus wieder von einer Mücke aufgenommen werden können.

Die Mikrofilarien passen sich an die Stechgewohnheiten der Mücken an: In Regionen, in denen nachtaktive Mücken vorkommen, sind die Mikrofilarien vor allem nachts im Blut zu finden – tagsüber halten sie sich in zentralen Blutgefäßen der inneren Organe auf.

In Deutschland sind nur wenige Menschen mit Wuchereria bancrofti, Brugia malayi oder Brugia timori infiziert – und wenn, dann haben sie sich im Allgemeinen zuvor in Risikogebieten aufgehalten. Zu den Risikogebieten zählen Südostasien, Indonesien, der Pazifik, das tropische Afrika, die Karibik und Südamerika.

Lymphatische Filariose

Eine Infektion mit den Filarienarten Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Brugia timori kann zur lymphatischen Filariose führen. Einige Wochen bis Monate nach der Infektion treten die ersten Symptome auf.

In der akuten Phase kommt es zu Fieber mit Schüttelfrost und schmerzenden Lymphknotenschwellungen. Oft schwellen auch die betroffenen Regionen an, meistens sind dies die Beine oder Füße. Diese Beschwerden können ein- oder beidseitig auftreten und bilden sich innerhalb von wenigen Tagen wieder zurück, wobei die Haut gleichzeitig schuppen kann. Derartige Schwellungen können wiederholt auftreten.

Die lymphatische Filariose kann aber auch ohne Fieber auftreten. In diesem Fall reagiert der Körper auf abgestorbene ausgewachsene Filarien, die sich in einem Lymphknoten oder einem Bereich der Lymphbahnen befinden. Bei Männern sammelt sich sich an den Genitalien häufig Flüssigkeit an (Hydrozele).

Ist die lymphatische Filariose chronisch geworden – befinden sich die Parasiten also bereits längere Zeit im Körper –, können sich Lymphödeme bilden. Dabei sammelt sich gestaute Lymphflüssigkeit in den Lymphgefäßen an (sog. Elephantiasis). Lymphödeme entstehen meistens an den Füßen oder Beinen und eher selten an den Armen, Brüsten oder Genitalien. Ebenso können chronische Hydrozelen entstehen. Manchmal treten auch rheumatische Beschwerden wie Arthritis oder Muskelentzündungen (Myositis) auf. Der Urin kann milchig-trüb gefärbt sein.

Es gibt aber auch lymphatische Filariosen, die keine Beschwerden bereiten.

Diagnose

Die Larvenstadien (Mikrofilarien) von Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Brugia kann man im Labor mithilfe eines Blutausstrichs nachweisen. Unter Umständen ist es nötig, das Blut in der Nacht abzunehmen – denn die Mikrofilarien passen sich an ihre Überträger, die Stechmücken, an: In Regionen mit nachtaktiven Mücken sind auch die Mikrofilarien nachts im Blut zu finden. Die restliche Zeit verbringen sie in den zentralen Blutgefäßen der inneren Organe.

Therapie

Eine Infektion mit den Filarienarten Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Brugia timori kann der Arzt mit Diethylcarbamazin behandeln. Dieser Wirkstoff greift hauptsächlich die Mikrofilarien an, aber auch die ausgewachsenen Fadenwürmer.

Weitere Wirkstoffe, die zum Einsatz kommen können, sind Ivermectin und Doxycyclin. Letzteres ist ein Antibiotikum, das gegen bestimmte Bakterien wirkt, die die Würmer zum Überleben benötigen.

Im Rahmen der Therapie können schwere allergische Reaktionen auftreten – dies kann passieren, wenn der Körper aufgrund der absterbenden Parasiten massenhaft Antigene ausschüttet. Daher kann es notwendig werden, dass der Patient zusätzlich Antihistaminika und Kortikosteroide einnimmt.

Vorbeugen

Da die Filarienarten Wuchereria bancrofti, Brugia malayi und Brugia timori durch Stechmücken übertragen werden, kommen in Risikogebieten Mittel zur Massenprophylaxe zum Einsatz, die gegen Mikrofilarien wirken – so etwa Diethylcarbamazin. Zudem versucht man, mithilfe von Insektiziden zu verhindern, dass sich die Überträger weiter ausbreiten.

Insbesondere Menschen, die sich über einen längeren Zeitraum in einem Risikogebiet aufhalten, sollten Insektenstichen vorbeugen, so zum Beispiel durch

  • Moskitonetze,
  • Insektenabwehrsprays oder -lotionen sowie
  • hautbedeckende Kleidung.

Wenn Sie einen längeren Aufenthalt in einem Risikogebiet planen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt! Er kann Ihnen gegebenenfalls ein Medikament zur Prophylaxe verschreiben, so zum Beispiel den Wirkstoff Diethylcarbamazin.