Jemand ist ein Schweineschnitzel mit Pommes frites und Salat-Beilage.
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Trichinella spiralis

Der Parasit Trichinella spiralis zählt zu den Rundwürmern (Nematoden). Er kann vor allem durch den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem, larvenbefallenem Fleisch in den Körper gelangen und zur sogenannten Trichinose führen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Neben Trichinella spiralis können auch andere Trichinella-Arten zu einer Erkrankung beim Menschen führen, so etwa:

  • Trichinella nelsoni,
  • Trichinella nativa,
  • Trichinella murrelli,
  • Trichinella britovi und
  • Trichinella pseudospiralis

Die Larven von Trichinella, die sogenannten Trichinen, wandern vom Darm in die Muskulatur und kapseln sich dort ein. Am häufigsten entstehen Erkrankungen beim Menschen durch Trichinen in Schweinefleisch. Aber auch andere Tierarten können von Trichinella-Arten befallen sein.

Trichinella spiralis und andere Trichinella-Arten kommen weltweit vor. In Deutschland entsteht eine Trichinose jedoch nur sehr selten: In den Jahren 2001 bis 2011 wurden insgesamt nur 63 Fälle gemeldet – wobei die eigentliche Infektion mit Trichinen hierbei oft im Ausland erfolgt ist.

Steckbrief Trichinella spiralis

Ausgewachsene Exemplare von Trichinella spiralis werden etwa 1,6 bis 4 Millimeter lang. Die Larven (Trichinen) sind etwa 0,1 Millimeter groß, solange sie über Blut- und Lymphbahn in andere Körperbereichen wandern. Sind die Trichinen in die Muskulatur eingewandert, wachsen sie weiter und werden etwa einen Millimeter groß.

Entwicklung

Durch den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch, das eingekapselte Trichinen enthält, gelangt der Parasit in den Körper. Im Magen werden die in den Kapseln befindlichen Trichinen durch den Magensaft und darin enthaltene Verdauungsenzyme frei und können sich im Dünndarm in den Zellen der obersten Hautschicht (Epithel) ansiedeln. Dort entwickeln sie sich innerhalb weniger Tage zu geschlechtsreifen Männchen und Weibchen.

Nach der Befruchtung der Weibchen sterben die Männchen ab, während die Weibchen noch etwa vier bis sechs Wochen länger leben. Etwa sieben Tage nach der Befruchtung beginnen die Weibchen damit, Trichinen freizusetzen. Jedes Weibchen produziert zwischen 500 bis 1.500 Trichinen, welche sich nun über Blut- und Lymphbahn in andere Körperbereiche wie Herz und Lunge verbreiten. Auf diese Weise gelangen sie auch zu Muskelzellen und dringen in die quergestreifte Muskulatur ein – nur dort können sie sich weiterentwickeln. Der Körper beginnt, die Trichinen in den Muskelzellen einzukapseln. Die betroffenen Muskelfasern nehmen dabei Schaden.

Nach einigen Monaten beginnt die Kapsel – und später auch die spiralig aufgerollte Larve darin – zu verkalken. Trotz der Verkalkung findet zwischen Kapsel und umliegendem Gewebe ein Stoffaustausch statt. So können die Trichinen bis zu 30 Jahre im Körper ihres Wirts überleben und infektiös bleiben. Die ausgewachsenen Exemplare von Trichinella spiralis sterben dagegen im Dünndarm nach wenigen Wochen ab, sofern das Immunsystem des Betroffenen nicht geschwächt ist.

Trichinose (Trichinellose)

Eine Infektion mit Trichinen, also den Larven des Rundwurms Trichinella spiralis, kann zu einer Erkrankung führen: der sogenannten Trichinose (auch: Trichinellose). Wie schwer eine Trichinose ausfällt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie etwa:

  • der Zahl der aufgenommenen Trichinen,
  • um welche Trichinella-Art es sich handelt und
  • wie fit das Immunsystem des Betroffenen ist.

In leichten Fällen treten bei einer Infektion mit Trichinen gar keine Symptome auf. Mit Beschwerden ist ab einer Aufnahme von etwa 100 bis 300 Trichinen zu rechnen.

Beim Verlauf der Trichinose unterscheidet man zwei Phasen:

  1. die enterale Phase (im Darm) und
  2. die extraintestinale Phase bzw. Migrationsphase (Wanderphase außerhalb des Darms).

In der ersten Phase treten etwa ein bis vier Wochen nach der Infektion eher allgemeine Beschwerden auf, die etwa sieben Tage anhalten, wie:

Je rascher nach der Infektion Beschwerden auftreten, desto schwerwiegender ist meist der Krankheitsverlauf. Die erste Phase kann jedoch auch beschwerdefrei sein.

In der zweiten Phase beginnen die Trichinen, sich vom Darm aus im Körper zu verbreiten und in die Muskelzellen einzuwandern. Das kann eine Vielzahl an Beschwerden auslösen, wie zum Beispiel:

Diese Beschwerden lassen etwa fünf bis sieben Wochen nach der Infektion nach. Zu diesem Zeitpunkt ist der Einwanderungsprozess der Trichinen in die Muskulatur in der Regel beendet.

Komplikationen

In schweren Fällen sind teils lebensbedrohliche Komplikationen möglich, wie

Diagnose

Ein Befall mit Trichinen lässt sich etwa zwei bis drei Wochen nach der Infektion über Antikörpertests nachweisen. Sind die Trichinen bereits in die Muskelzellen eingewandert, findet man diese auch bei einer Muskelbiopsie unter dem Mikroskop. In Stuhlproben sind Trichinen nur schwer nachzuweisen.

Infektionen mit Trichinella spiralis sind in Deutschland meldepflichtig.

Therapie

Eine Trichinose lässt sich mit Wurmmitteln behandeln, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Mebendazol oder Albendazol.

Unbehandelt heilt eine Trichinose nach einigen Wochen meist von selbst ab. Allerdings bleiben ohne Therapie häufige Folgeschäden zurück, wie etwa rheumatoide Beschwerden oder Schäden des Herzmuskels. Bei einem sehr seltenen, schweren Befall mit mehr als 2.000 Trichinen kann eine Trichinose unter Umständen einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.

Vorbeugen

Eine Infektion mit Trichinella spiralis entsteht in den meisten Fällen durch den Verzehr von mit Trichinen befallenem Schweinefleisch. Wer einer Infektion vorbeugen will, sollte Schweinefleisch deshalb am besten nicht roh verzehren. Bei Temperaturen ab 70 Grad Celsius im Kern des Fleischs sterben die Trichinen nach etwa einer Minute ab. Kochen oder braten Sie Schweinefleisch daher gut durch. Ein Tiefgefrieren (unter -15 Grad Celsius) des Fleischs bietet nur unzureichenden Schutz, da manche Trichinen recht kälteresistent sind.