Man sieht eine Wasserschnecke.
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Schistosoma mansoni

Bei dem Krankheitserreger Schistosoma mansoni handelt es sich um einen Saugwurm, der vor allem in Afrika und gewissen Gebieten Südamerikas verbreitet ist. Schistosoma mansoni gilt als Erreger der afrikanischen Darmbilharziose. Weltweit sind mehr als 80 Millionen Menschen mit Schistosoma mansoni infiziert – doch nur ein Teil der Infizierten ist ernsthaft erkrankt.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Schistosoma mansoni: Erreger der afrikanischen Darmbilharziose

Die Larven von Schistosoma mansoni gelangen über infiziertes Gewässer durch die Haut in den menschlichen Körper, wo sie sich in den großen Venen (sog. Mesenterialvenen) des Dünndarms einnisten – genauer gesagt in der Vena mesenterica inferior. Dort wachsen die Larven zu adulten Würmern heran und ernähren sich von Blut.

Sobald das Schistosoma-mansoni-Weibchen geschlechtsreif ist, nimmt es die Eierproduktion auf. Ein einziger Saugwurm kann bis zu 300 Eier pro Tag in die engen Kapillaren des Dünndarms legen. Die Eier des Schistosoma mansoni reifen innerhalb von ca. 6 bis 10 Tagen heran.

Die Mehrzahl der Eier erreicht vom Dünndarm das umliegende Gewebe, wo sie vor allem in die Harnblase und den Mastdarm gelangen. Diejenigen Wurmeier, die den Weg in den Darm oder die Blase nicht finden, lagern sich in der Leber und anderen Organen ab und werden dort von Wirtszellen abgekapselt (Granulombildung).

Wissenswertes

Biologisch gesehen handelt es sich bei Schistosoma mansoni um einen Pärchenegel. Das etwas schmalere, aber längere Weibchen befindet sich in einer Bauchfalte des Männchens – gemeinsam erreichen sie eine Länge von etwa 15 Millimetern und eine Dicke von rund einem Millimeter.

Über den Stuhl oder den Urin gelangen die Schistosoma-mansoni-Eier schließlich in die Außenwelt – unter anderem in Flüsse und Seen. Dort angekommen schlüpfen aus den Eiern infektiöse Larven (Mirazidien). Im Wasser sind die Larven allerdings nur 48 Stunden überlebensfähig – daher suchen sie sich einen passenden Zwischenwirt. Der Zwischenwirt von Schistosoma mansoni ist die Wasserschnecke Biomphalaria.

Aus dem Wasser nimmt die Schnecke die infektiöse Larve auf. Dieses entwickelt sich zur Sporozyste aus der sich weitere Sporozysten bilden. Die Sporozysten befallen ein bestimmtes Organ des Verdauungstracks der Schnecke – das sogenannte Hepatopankreas. Dort entwickelt sich aus der Sporozyste eine bestimmte Larvenform, die man Zerkarie nennt.

Die Zerkarien werden von der Wasserschnecke für viele Wochen zu Tausenden in das Wasser abgegeben. Die 400 bis 600 Mikrometer langen Zerkarien des Schistosoma mansoni bestehen aus einem länglichen Körper mit einer Art Kopf und einem langen gegabelten Schwanz. Am Kopf befinden Saugnäpfe, die dazu dienen, an der Haut des Menschen anhaften zu können.

Die Zerkarien, die sich mithilfe eines Ruderschwanzes im Wasser bewegen, dringen durch die Haut in den menschlichen Körper ein. Dabei werfen sie ihren Ruderschwanz ab. So beginnt der Entwicklungskreislauf von Schistosoma mansoni von Neuem.

Infektion mit Schistosoma mansoni

Eine Infektion mit Schistosoma mansoni lässt sich in drei Phasen gliedern:

  1. Penetrationsphase: Die Zerkarien dringen durch die Haut in den menschlichen Körper ein.
  2. Akute Phase: Etwa zwei bis zehn Wochen nachdem ein große Anzahl von Zerkarien in den Körper eingedrungen sind, können allgemeine Krankheitssymptome und Fieber auftreten.
  3. Chronische Phase: Nach etwa acht Wochen beginnt das Schistosoma-mansoni-Weibchen mit der Eiablage. Die Eier, die nicht über den Urin und Stuhl ausgeschieden werden, gelangen in verschiedene Organe (z.B. Leber oder Lunge) und lösen dort eine entzündliche Reaktion aus.

Die erste Phase – also das Eindringen des Erregers – geschieht meist unbemerkt. Nur im Einzelfall tritt an der Eintrittsstelle eine Hautrötung mit Juckreiz auf.

Erst einige Wochen später – in der sogenannten akuten Phase – lässt sich die Infektion mit Schistosoma mansoni im Blutbild nachweisen. Aufgrund dessen, dass im menschlichen Körper gleichzeitig viele Zerkarien zu adulten Würmern heranreifen, erhöht sich die Anzahl von weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und eosinophilen Granulozyten. Als Folge können unter anderem

entstehen.

Dieses sogenannte Katayama-Syndrom bildet sich aber in der Regel innerhalb einiger Wochen zurück.

Jeden Tag produziert das Schistosoma-mansoni-Weibchen bis zu 300 Eier und legt sie in den kleinen Blutgefäßen des Dünndarms ab. Der Großteil der Eier gelangt über eine Entzündungsreaktion in den Mastdarm oder die Harnblase und wird anschließend mit dem Urin und dem Stuhl ausgeschieden.

Ein Teil der Eier wird allerdings über den Blutstrom in weiter entfernte Organe wie die Leber oder die Lunge gespült. Dort bleiben die Eier in den kleinsten Blutgefäßen stecken, die nachfolgend veröden können. Mit der Zeit kommt es durch den narbigen (fibrotischen) Umbau der Leber zu einer Verschlechterung der Leberdurchblutung mit einem Druckanstieg im Bereich der Pfortader (portaler Hypertonus). Die Venen der Umgehungskreisläufe halten dem Druck nicht auf Dauer stand. Es kann zu lebensgefährlichen Blutungen in Speiseröhre und Magen kommen.

Für die Behandlung kommen zwei verschiedene Wirkstoffe in Tablettenform infrage:

Praziquantel gilt als Mittel der Wahl – es wirkt gegen alle Schistosomen, also auch gegen Schistosoma haematobium und Schistosoma japonicum. Alternativ kann das Mittel Oxamniquin zum Einsatz kommen.

Oxamniquin hilft nur bei einer Infektion mit Schistosoma mansoni – gegen Schistosoma japonicum und Schistosoma haematobium bleibt es wirkungslos.