Zwei Wanderer machen Rast an einem Fluss.
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Schistosoma haematobium

Der Krankheitserreger Schistosoma haematobium ist ein Saugwurm, der die Infektionskrankheit Schistosomiasis (Bilharziose) verursacht. Genauer gesagt kann Schistosoma haematobium eine Form der Bilharziose hervorrufen, bei der vorwiegend die ableitenden Harnwege und die Harnblase betroffen sind – Mediziner sprechen von einer sogenannten Blasenbilharziose.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Schistosoma haematobium findet sich vor allem in Afrika und im Nahen Osten, zum Teil aber auch auf der arabischen Halbinsel und in einigen Gebieten Indiens. In den letzten Jahren haben sich allerdings auch mehrere Südkorsika-Reisende mit Schistosoma haematobium infiziert.

Die erwachsenen Würmer leben hauptsächlich in den Venen, die die Harnblase umschließen, wo sie Jahre bis Jahrzehnte lang leben können. Dort ernähren sie sich von Blut. In einigen Fällen kann Schistosoma haematobium auch in den Venen des Dünndarms vorkommen.

Sobald die Weibchen geschlechtsreif sind, nehmen sie die Eierproduktion auf. Ein einziges Schistosoma-haematobium-Weibchen kann am Tag bis zu 200 Eier legen. In den kleinen Blutgefäßen bleiben die Eier stecken und verursachen dort eine lokale Entzündung, die es den Eiern erlaubt, von der Vene in die Harnblase hineinzuwandern.

Über den Stuhl oder den Urin erreichen die Eier schließlich die Außenwelt – unter anderem Flüsse und Seen. Nachdem die Schistosoma-haematobium-Eier ausgeschieden wurden und in ein Gewässer gelangt sind, schlüpfen aus den Eiern infektiöse Larven (Mirazidien).

Die Larven von Schistosoma haematobium sind im Wasser nur einige Stunden lebensfähig. Allerdings können sie die Süßwasserschnecke Bulinus befallen, wo sie sich zunächst zur Sporozyste und anschließend zu einer bestimmten Larvenform (sog. Zerkarie) weiterentwickeln.

Die Zerkarien werden von der Wasserschnecke für viele Wochen zu Tausenden in das Wasser abgegeben. Sie besitzen kleine Ruderschwänzchen, mit denen sie sich im Wasser bewegen können. Treffen die Zerkarien auf einen Menschen, können sie – häufig unbemerkt – durch die Haut oder Schleimhaut in den Körper eindringen. Dabei werfen sie ihren Ruderschwanz ab.

Nach Eindringen in den Körper wandeln sich die Zerkarien in die sogenannten Schistosomula um, die mit dem Blutstrom über die Lunge und die Leber in die Venen der Harnblasenwand wandern. Dort produzieren die Schistosoma-haematobium-Weibchen die Eier, die mit dem Harn wieder zurück ins Wasser gelangen – und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Wissenswertes

Biologisch gesehen handelt es sich bei Schistosoma haematobium um einen Pärchenegel – das bedeutet, dass das Männchen und das Weibchen gemeinsam als Paar leben. Dabei befindet sich das etwas schmalere Weibchen der Pärchenegel-Art Schistosoma haematobium in einer Bauchfalte des Männchens. Gemeinsam sind sie etwa 0,4 bis 1 Milliliter dick und erreichen eine Länge von bis zu 20 Millimetern.

Infektion mit Schistosoma haematobium

Bei einer Infektion mit Schistosoma haematobium unterscheidet man drei Erkrankungsphasen:

  1. Penetration: Eindringen der Zerkarien in die Haut.
  2. akute Phase: Fieber, Kopfschmerzen, Leberschwellung, Juckreiz. Die Symptome sind zum Teil allergischer Ursache.
  3. chronische Phase: Durch den Blutstrom werden die Eier auch in andere Organe verschleppt. Dort bilden sich bindegewebige Kapseln (Granulome), die auch als Pseudotuberkel bezeichnet werden. Diese können auch verkalken.

Die erste Phase – also das Eindringen des Erregers in die Haut – bemerken die meisten Menschen oft kaum. Häufig dauert es mehrere Wochen, bis die ersten Symptome auftreten. Der Grund: Der Saugwurm Schistosoma haematobium selbst verursacht in der Regel keine oder nur leichte Beschwerden.

Erst wenn das Schistosoma-haematobium-Weibchen sich in den Venen der Harnblasenwand eingenistet hat und mit der Eierproduktion beginnt, treten unspezifische Symptome wie

auf.

Die antigenen Eigenschaften der Eier von Schistosoma haematobium bewirken eine lokale Entzündung, die mit Beschwerden beim Wasserlassen einhergehen. Viele Patienten leiden darüber hinaus unter Blut im Urin (Hämaturie) und scheiden weiße Blutkörperchen mit dem Urin aus.

Gelangen die Schistosoma-haematobium-Eier über den Blutstrom in die Lunge, können sie dort ebenfalls zu entzündlichen Reaktionen führen – eine Lungenentzündung entsteht.

Schistosoma haematobium kann unbehandelt mehrere Jahre im Körper des Menschen überleben. Die resultierende chronische Harnblasenentzündung erhöht das Risiko für Blasenkrebs.

Die gute Nachricht: Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich. Mit Schistosoma haematobium kann man sich nur anstecken, wenn man im Süßwasser mit den Zerkarien in Kontakt kommt.

Das macht der Arzt

Zum Nachweis einer Schistosoma-haematobium-Infektion stehen dem Arzt mehrere Verfahren zur Verfügung. Etwa vier bis zehn Wochen nachdem der Erreger in den Körper gelangt ist, lassen sich die Eier im Blut, Stuhl oder Urin nachweisen. Auch Gewebeproben (Biopsien) sind möglich, um eine Infektion mit Schistosoma haematobium nachzuweisen.

Für die Behandlung kommen zwei verschiedene Wirkstoffe in Tablettenform infrage:

Das Chemotherapeutikum Praziquantel gilt als Mittel der Wahl – es wirkt gegen alle Schistosomen, also auch gegen Schistosoma haematobium. Es ist ratsam, die Therapie mit Praziquantel erst drei Monate nach dem Zeitpunkt der Infektion mit Schistosoma haematobium zu beginnen. Der Grund: Praziquantel wirkt gegen unreife Würmer nur schlecht.

Alternativ kann das Mittel Metrifonat zum Einsatz kommen. Dieses wirkt zwar gegen Schistosoma haematobium, nicht jedoch gegen andere Schistosomen wie zum Beispiel Schistosoma mansoni oder Schistosoma japonicum. Metrifonat ist in Deutschland in der Regel allerdings nicht erhältlich.