Man sieht eine Mücke auf einem regennassen Blatt.
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Onchocerca volvulus

Der Krankheitserreger Onchocerca volvulus gehört zu den Fadenwürmern (Nematoden) und kommt hauptsächlich in Ländern Afrikas (v.a. Westafrika bis Angola, Zentralafrika und Ostafrika) sowie in Ländern Lateinamerikas (Mexiko, Guatemala, Kolubien,Venezuela, Brasilien und Ecuador) und lokal isoliert im Jemen vor.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Der Erreger wird über Kriebelmücken der Gattung Simulium übertragen. Die Onchocercen siedeln sich entweder frei im Binde- oder Fettgewebe an oder sie winden sich knäuelartig auf und bilden Knoten (Onchozerkome) im Bindegewebe der Unterhaut oder tieferen Gewebsschichten, um ihre Larven abzulegen. Die Fadenwürmer können 15 Jahre in der Haut überleben.

Weibliche Onchocercen setzen ihre Larven in Gewebsspalten und Knoten der Haut. Von dort aus wandern sie weiter in andere Hautpartien. Wenn sich die Larven am Kopf oder in der oberen Körperregion befinden, können sie auch die Augen befallen.

Eine Infektion mit Onchocerca volvulus geht mit Juckreiz und Hautveränderungen einher. Sie kann außerdem zu chronischer Dermatitis mit Verlust der elastischen Fasern (sog. Papierhaut), Gewebeschwund (Atrophie) und zur Depigmentation der Haut (sog. Leopardenhaut) führen. Es bilden sich Knötchen, Lymphknotenschwellungen und hängende Hautfalten. Symptome machen sich erst nach ein bis zwei Jahren bemerkbar.

Bei Befall der Augen kommt es zur sogenannten Onchozerkose. Dabei treten schneeflockenartige Hornhauttrübungen auf, später kommen verschiedene Entzündungen und eine Schädigung des Sehnervs hinzu.

Eine Onchozerkose kann eine Erblindung (sog. Flussblindheit) zur Folge haben kann. Da Kriebelmücken insbesondere in Flussnähe vorkommen, treten Erblindungen durch Onchocerca volvulus in den Risikoländern gehäuft in Flussnähe auf, was zur Namensgebung beigetragen hat.

Schätzungen zufolge sind weltweit ungefähr 18 Millionen Menschen mit Onchocerca volvulus infiziert. Etwa 267.000 Personen sind in der Folge einer solchen Infektion erblindet.

Morphologie

Die Larvenstadien (Mikrofilarien) des Fadenwurms Onchocerca volvulus sind 220 bis 360 Mikrometer groß. Im ausgewachsenen Zustand werden die Weibchen 2 bis 4,5 Zentimeter lang und 0,2 bis 0,4 Millimeter dick. Männchen hingegen können 23 bis 50 Zentimeter lang werden. In der Haut bildet Onchocerca volvulus knäuelartige Knoten (Onchozerkome). Die Fadenwürmer können bis zu 15 Jahre alt werden.

Entwicklungszyklus

Der Parasit und Fadenwurm (Nematoden) Onchocerca volvulus wird durch blutsaugende Kriebelmücken (Gattung Simulium) auf den Menschen übertragen. In der Haut entwickelt sich Onchocerca volvulus vom Larvenstadium (Mikrofilarien) zu erwachsenen Fadenwürmern. Dabei bilden die Würmer nach etwa einem Jahr im Bindegewebe der Haut Knäuel (Onchozerkome) und produzieren in großen Mengen Larven. Diese gelangen jedoch nicht ins Blut, sondern breiten sich weiter innerhalb der Haut aus. Zu Beginn wandern die Larven in die Beine, nach einigen Jahren gelangen sie auch in die oberen Körperbereiche, zum Teil bis in den Kopf und in die Augen.

Krankheit

Eine Infektion mit dem Parasiten Onchocerca volvulus bezeichnet man als Onchozerkose. Die durchschnittliche Inkubationszeit, also die Zeit bis zum Ausbruch der ersten Symptome, beträgt 9 bis 24 Monate. Dabei führt der Erreger zu Beginn der Erkrankungen zu schmerzlosen Knoten (Onchozerkome) in der Haut, in denen sich die Fadenwürmer knäuelartig ansammeln.

Nach etwa einem Jahr produzieren die erwachsenen Fadenwürmer Larven, die in der Haut – zuerst in den Beinen – umherwandern und zu Juckreiz und Entzündungen führen. Besteht der Befall bereits längere Zeit, nimmt die Hautelastizität ab und es bildet sich eine so genannte Papierhaut oder Greisenhaut.

Nach mehreren Jahren beginnt der Erreger sich in die oberen Körperregionen auszubreiten, unter Umständen bis in den Kopf und die Augen. Dort ruft Onchocerca volvulus Entzündungsreaktionen hervor, die eine Erblindung (sog. Flussblindheit) zur Folge haben können.

Diagnose

Bei einer Infektion mit Onchocerca volvulus lässt sich mittels einer Hautbiopsie, der sogenannte skin snip-Methdoe, die Diagnose stellen. Dabei fasst der Arzt die Haut mittels einer Pinzette, hebt sie an und entfernt mit einem Skalpell circa zwei bis drei Millimeter Gewebe von der Hautoberfläche. Das entnommene Gewebe legt er in eine physiologische Kochsalzlösung. Sind Larven vorhanden, lässt sich unter dem Mikroskop beobachten, wie diese aus der Hautprobe austreten. In operativ entfernten Hautknoten (Onchozerkomen) können die Larven und ausgewachsenen Fadenwürmer ebenfalls mikroskopisch nachgewiesen werden.

Auch im Blut lassen sich bestimmte Antikörper nachweisen. Weitere Methoden, um bei Onchocerca volvulus die Diagnose zu stellen, sind eine Ultrasonographie und das Abtasten der Hautknoten. Sind auch die Augen befallen, werden die Larven mit einer Spaltlampe sichtbar.

Therapie

Eine Infektion mit Onchocerca volvulus kann medikamentös behandelt werden. Die in der Haut sitzenden Larven werden in der Regel mit Ivermectin, Diethylcarbamazin oder Albendazol behandelt.

Durch die Behandlung zerfallen massenhaft Larven gleichzeitig und setzen Antigene frei, die eine unerträglich juckende Entzündungsreaktion bewirken können. Aus diesem Grund ist bei dieser Therapie eine gleichzeitige Gabe von Kortison sinnvoll. Die in den Hautknoten befindlichen ausgewachsenen Fadenwürmer werden häufig operativ entfernt.

Eine Behandlung mit dem Antiprotozoikum Suramin kommt aufgrund der Nebenwirkungen in Deutschland nicht mehr zum Einsatz.

Ein neuerer Therapieansatz ist gegen Wolbachia-Bakterien gerichtet, die in den Larven von Onchocerca volvulus als Endosymbionten leben. Das Antibiotikum Doxycyclin vernichtet die Bakterien und macht die Larven dadurch unfruchtbar.

Vorbeugen

Um einer Infektion mit Onchocerca volvulus vorzubeugen, empfiehlt es sich, in Risikogebieten möglichst Insektenstiche zu vermeiden, zum Beispiel mithilfe von Insektenabwehrmitteln, langärmeligen Hemden, langen Hosen und Moskitonetzen.

In Risikogebieten nimmt man Massenbehandlungen der Bevölkerung mit niedrigen Dosen von Ivermectin vor, um die Übertragung der Erreger zu verhindern.