Das Bild zeigt eine Mücke.
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Fadenwürmer (Filarien)

Fadenwürmer (Filarien) zählen zu den Parasiten. Sie sind sehr dünn und können 2 bis 50 Zentimeter lang werden. Die Larven der Fadenwürmer gelangen über blutsaugende Insekten wie Stechmücken, Kriebelmücken und Bremsen in den menschlichen Körper.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Da Fadenwürmer bei der Verbreitung an ihre Zwischenwirte – vor allem Stechmücken – gebunden sind, kommen diese auch hauptsächlich in Gewässernähe vor. Die verschiedenen Fadenwürmer-Arten findet man überwiegend in tropischen und subtropischen Gebieten wie Teilen Afrikas, Asiens, Südamerikas und einigen karibischen Inseln.

Terminologie:
Der Begriff Fadenwürmer wird häufig synonym für die Überfamilie Filarien verwendet. Das ist im Grunde jedoch nicht ganz korrekt: Biologisch gesehen zählen Filarien, zum Stamm der Nematoden – den eigentlichen Fadenwürmern. Filarien sind also auch Fadenwürmer, aber eben nicht die einzigen.

Wer von Fadenwürmern im Sinne von Filarien spricht, meint dagegen in der Regel bestimmte Vertreter der beiden Nematoden-Familien Filariidae und Onchocercidae.

Eine Infektion mit Fadenwürmern nennt man Filariose. Je nach Erregerart kommt es zu unterschiedlichen Krankheitsbildern, so etwa zur:

  • lymphatischen Filariose,
  • sog. Flussblindheit (Onchozerkose) oder
  • Loiasis

Tabelle: Erkrankungen durch Fadenwürmer (Filarien)

Krankheitsbild: Lymphatische Filariose
Erreger: Wuchereria bancrofti, Brugia malayi, Brugia timori
Überträger: Stechmücken
Vorkommen: Asien, Afrika, Pazifik, Mittel- und Südamerika
Beschreibung: Die ausgewachsenen Fadenwürmer (Makrofilarien) besiedeln das Lymphsystem des Menschen, ihre Larven (Mikrofilarien) zirkulieren im Blut. Bei einer akuten Infektion treten vermehrt weiße Blutkörperchen auf (Eosinophilie) und es kommt zu Beschwerden wie Fieber, Lymphangitis und einer Lymphadenitis. Ebenso können Schwellungen an Armen und Beinen sowie der Brüste oder der Hoden auftreten. Entzündungen des Hodens (Orchitis) sind möglich. Teilweise entwickelt sich ein Lymphödem des Hodensacks (sog. Lymphskrotum). Ist die Infektion nach mehrjährigem Verlauf chronisch geworden, kann es zum Verschluss der Lymphgefäße durch absterbende Fadenwürmer kommen und dadurch zu einem Lymphstau. Damit einhergehen kann zum Beispiel auch eine Elefantiasis.
Krankheitsbild Onchozerkose
Erreger: Onchocerca volvulus
Überträger: Kriebelmücken (Simulium)
Vorkommen: Mittel- und Südamerika, Afrika
Beschreibung: Fadenwürmer der Art Onchocerca volvulus besiedeln das Bindegewebe und wandern über die Unterhaut in andere Körperbereiche. Sie können ein Alter von bis zu 16 Jahren erreichen. Die in der Haut lebenden Larven rufen Juckreiz hervor und können zu einer chronischen Hautentzündung führen, die die elastischen Fasern der Haut zerstört und die Haut papierähnlich werden lässt. Befallen die Larven auch die vorderen Augenabschnitte, droht eine Erblindung des Betroffenen. Aus diesem Grund wird die Onchozerkose auch Flussblindheit genannt.
Krankheitsbild Loiasis
Erreger: Loa loa
Überträger: Bremsen (Chrysops)
Vorkommen: Zentralafrika
Beschreibung: Ausgewachsene Fadenwürmer dieser Art bewegen sich durch das Bindegewebe der Unterhaut und teilweise auch unterhalb der Bindehaut des Auges (Subkonjuktiva). Dort wird er unter Umständen als Schlängelung sichtbar und deshalb auch Augenwurm genannt. Die Wanderung der Fadenwürmer in der Haut verursacht plötzliche und juckende Schwellungen, die 2 bis 3 Tage andauern können.

Man nimmt an, dass weltweit 108 Millionen Menschen mit der Filarien-Art Wuchereria bancrofti infiziert sind und etwa 12 Millionen Menschen mit Brugia-Arten. Mehr als 17 Millionen Menschen sollen von Onchocerca volvulus befallen sein, wobei beinah hundert Prozent der Betroffenen in Afrika leben. 3 bis 13 Millionen Menschen sind Schätzungen zufolge mit der Filarien-Art Loa loa infiziert. In Deutschland treten Infektionen durch Fadenwürmer sehr selten auf. Die Erkrankten haben sich zuvor meist in tropischen Ländern aufgehalten.

Morphologie:
Die infektiösen Larven der Fadenwürmer, die über blutsaugende Insekten auf den Menschen übertragen werden, sind circa 1 bis 2 Millimeter lang. Die Larven, die sich im Körper des Menschen entwickeln, sind mit etwa 0,2 bis 0,32 Millimeter etwas kleiner und heißen Mikrofilarien. Ausgewachsene Fadenwürmer nennt man Makrofilarien – sie sind im Durchschnitt zwischen 2 bis 7 Zentimeter lang. Eine Ausnahme bilden weibliche Filarien der Art Onchocerca volvulus: Sie werden circa 30 bis 50 Zentimeter lang, in Einzelfällen sogar bis zu 70 Zentimeter.

Diagnose und Therapie

Diagnose

Abhängig von der Art der Fadenwürmer (Filarien) kann die Diagnose mithilfe unterschiedlicher Methoden erfolgen, so zum Beispiel:

Therapie

Eine Infektion mit Filarien lässt sich medikamentös mit zum Beispiel mit Wurmmitteln wie Diethylcarbamazin, Ivermectin oder Albendazol behandeln. Unter Umständen können während der medikamentösen Therapie schwere allergische Reaktionen auftreten, da es durch die absterbenden Parasiten zur einer massenhaften Ausschüttung von Antigenen kommen kann. Daher kann es notwendig werden, zusätzlich Antihistaminika und Kortikosteroide zu verabreichen.

Ansammlungen von Fadenwürmern unter Haut wie im Falle einer Infektion mit Onchocerca volvulus können operativ entfernt werden.

Vorbeugen

Einer Infektion durch Fadenwürmer können Sie nur indirekt vorbeugen, indem Sie versuchen, Insektenstiche in Risikogebieten zu vermeiden und entsprechende Schutzmaßnahmen ergreifen. Tragen Sie zum Beispiel langärmelige Hemden und lange Hosen, schlafen Sie nachts unter einem Mückennetz und verwenden Sie tagsüber und nachts Mückenabwehrmittel.