Rotfuchs in Nahaufnahme
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Echinococcus multilocularis

Der Parasit Echinococcus multilocularis gehört zur Klasse der Bandwürmer (Cestoda). Er löst die bläschenartige (alveoläre) Echinokokkose aus, eine lebensgefährliche Wurmerkrankung des Menschen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Die auch als Fuchsbandwürmer bekannten Parasiten benötigen zum Überleben einen Wirt – ein Lebewesen, in dem sie als eine Art „Untermieter“ wohnen und der sie mit lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt. Ausgewachsen leben die Fuchsbandwürmer im Darm von Füchsen, seltener auch von Hunden oder Katzen. Dort setzen sie sich mit ihrem Kopf – dank Saugnäpfen und einem Hakenkranz – an der Darmwand (ihrer Endwirte) fest. An den Kopf schließen sich meist vier bis fünf segmentartige Körperabschnitte (Proglottiden) an. In diesen befinden sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane: Bandwürmer sind Zwitter und vermehren sich ohne Partner.

Wie alle Bandwürmer wechselt auch Echinococcus multilocularis während der Entwicklung mehrmals seinen Wirt: Die Eier des Bandwurms werden mit dem Kot der Wirtstiere ausgeschieden und von Nagetieren mit der Nahrung aufgenommen. In diesen sogenannten Zwischenwirten wachsen die Eier im Dünndarm heran. Die geschlüpften Larven durchdringen anschließend die Darmwand und gelangen über die Blut- und Lymphbahn in andere Organe, vor allem die Leber. Dort entwickeln sich die Larven weiter und vermehren sich. Fressen Füchse, Hunde oder Katze die infizierten Nagetiere, reifen die Larven im Darm dieser Endwirte zu ausgewachsenen Bandwürmern heran und der Zyklus beginnt von vorne.

Echinococcus multilocularis ist auf der nördlichen Erdhalbkugel verbreitet und wird durchschnittlich 1 bis 3 Millimeter lang. In Deutschland kommt er gebietsweise sehr häufig vor: etwa 500 von 1.000 Füchsen und 3 von 1.000 Haushunden/-katzen sind infiziert. Dennoch ist der Mensch nur sehr selten betroffen – weltweit sind es 2 bis 2.000 Fälle pro 1.000.000 Einwohner.

Der Mensch ist ein sogenannter Fehlwirt des Fuchsbandwurms: Der Wurm gerät irrtümlich in den Menschen, wenn dieser Nahrung aufnimmt, die mit Kot von infizierten Tieren kontaminiert ist (z.B. Waldbeeren, Pilze). Auch das Berühren von infizierten Tieren kann zur Ansteckung führen, falls das Tier Eier aus dem Kot im Fell trägt. Berührt man danach mit der Hand den Mund oder isst etwas mit den Händen, ist eine Infektion möglich. Der Bandwurm kann im menschlichen Körper seinen letzten Entwicklungszyklus nicht beenden; er verbleibt im Larvenstadium. Die Larven gelangen über den Darm zur Leber und nisten sich dort ein.

Im Gegensatz zum Hundebandwurm, der unter anderem Leber, Lunge und Gehirn befällt, ist bei Echinococcus multilocularis zuerst nur die Leber betroffen. Die Bezeichnung "bläschenartige Echinokokkose" stammt von der Wachstumsform der Würmer in der Leber: Zu einem fortgeschrittenen Zeitpunkt bilden sich viele kleine Bläschen – Finnen genannt –, in denen sich die Kopfanlagen des Wurmes (Protoscolices) entwickeln. Je mehr Bandwürmer in der Leber heranwachsen, desto mehr Lebergewebe wird zerstört – bis zu 20 Zentimeter können die Bandwurm-Ansammlungen im Durchmesser sein. Ihr Wachstum ähnelt dabei bösartigen Tumoren: Sie durchsetzen das Lebergewebe und können neue Ansammlungen ("Metastasen") in anderen Organen, wie dem Gehirn oder den Knochen, bilden.

Es gibt keine spezifischen Krankheitssymptome. Oft vergehen 5 bis 15 Jahre, ehe der Befall mit dem Fuchsbandwurm beim Menschen allgemeine Beschwerden hervorruft, wie zum Beispiel:

Betroffene gehen daher oft nicht oder erst sehr spät zum Arzt – die Zerstörung der Leber ist zum Zeitpunkt der Diagnose meist schon weit fortgeschritten. In vielen Fällen erfolgt die Diagnose zufällig, etwa bei einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) aus anderem Anlass.

Die Larven von Echinococcus multilocularis lassen sich auch durch weiterführende bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT) nachweisen. Außerdem kann eine Untersuchung des Blutes auf spezifische Antikörper gegen den Fuchsbandwurm helfen, die Diagnose zu stellen. Eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm oder dem Hundebandwurm ist meldepflichtig.

Heilen kann man eine Fuchsbandwurminfektion nur operativ: Zusätzlich zu einer mindestens zweijährigen Medikamenteneinnahme müssen die Parasiten aus den betroffenen Organen chirurgisch entfernt werden. Allerdings ist das nur in etwa fünf von zehn Fällen möglich, da die Operation bei fortgeschrittenem Befall schwierig ist – ein zu großer Teil der Leber müsste entfernt werden. Dann ist eine lebenslange Medikamenteneinnahme notwendig: Die Wirkstoffe Mebendazol oder Albendazol hemmen das Wachstum des Fuchsbandwurms.

Dank der Therapiemöglichkeiten kann den meisten Patienten geholfen werden. Selten gibt es auch Spontanheilungen. Ohne Behandlung hingegen sterben über neun von zehn Patienten innerhalb von zehn Jahren nach Diagnosestellung an der Fuchsbandwurm-Infektion.

Vorbeugen

Die Eier von Echinococcus multilocularis sind sehr widerstandsfähig: Bei feuchter Umgebung überleben sie monatelang und überstehen selbst winterliche Temperaturen. Auch gegen die üblichen Desinfektionsmittel sind sie resistent.

Abgetötet werden sie durch:

  • Austrocknung,
  • Hitze (75-100 Grad Celsius über zehn Minuten) und
  • extreme Kälte (-70 Grad Celsius über vier Tage).

So schützen Sie sich vor einer Ansteckung mit Echinococcus multilocularis:

  • Waschen Sie selbstgepflücktes Obst und Gemüse vor dem Verzehr gründlich. Insbesondere auf bodennah wachsenden Pflanzen können sich die Bandwurmeier befinden. In Gebieten mit erhöhtem Infektionsrisiko sollten diese möglichst gekocht oder getrocknet werden.
  • Meiden Sie den Kontakt mit infizierter Erde – Bandwurmeier könnten über die Hände in den Mund gelangen.
  • Berühren Sie keine infizierten Tiere (auch Katzen oder Hunde) – an deren Fell haften Bandwurmeier. Tipp: An die regelmäßige Entwurmung des eigenen Haustieres alle zwei Monate denken.
  • Reinigen Sie sich nach dem Kontakt zu infizierten Tieren oder kontaminierter Erde gründlich die Hände.