Das Bild zeigt eine Stechmücke.
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Plasmodium

Erreger der Gattung Plasmodium sind einzellige Parasiten, die über weibliche Anopheles-Stechmücken auf den Menschen übertragen werden und Malaria verursachen. Plasmodien zählen zu den Urtierchen (Protozoen).

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Es gibt verschiedene Arten der Gattung Plasmodium. Für den Menschen sind vier Arten relevant, die unterschiedliche Malariaformen auslösen: die Arten

  • Plasmodium falciparum,
  • Plasmodium vivax,
  • Plasmodium ovale und
  • Plasmodium malariae.

Plasmodium falciparum und Plasmodium vivax sind am weitesten verbreitet.

Plasmodienart Malariaform
Plasmodium falciparum Malaria tropica
Plasmodium vivax Malaria tertiana
Plasmodium ovale Malaria tertiana
Plasmodium malariae Malaria quartana

In Südostasien kommt darüber hinaus die Art Plasmodium knowlesi vor.

Das Aussehen der Plasmodien variiert je nachdem, um welche Art es sich handelt und in welchem Entwicklungsstadium sich die Plasmodien gerade befinden. Erreger der Gattung Plasmodium durchlaufen einen zweiteiligen Entwicklungszyklus – ein Teil findet im Menschen und einer in der Mücke statt. Die weibliche Anophelesmücke nimmt den Parasiten über infiziertes Blut eines Menschen auf. Die Plasmodien entwickeln sich dort weiter, bis die Mücke diese anschließend wieder an einen anderen Menschen weitergibt und so bei diesem Malaria auslöst. Die Plasmodiumarten Plasmodium ovale und Plasmodium vivax können in einer Art Ruhezustand jahrelang im Körper verweilen und immer wieder Malariaschübe verursachen.

Malaria ist eine Tropenkrankheit, die sich durch grippeähnliche Symptome und Fieberschübe auszeichnet. Besonders schwer verläuft die Malaria tropica, die durch Plasmodium falciparum ausgelöst wird. Diese Form der Malaria kann mit schwerwiegenden Komplikationen einhergehen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Die Formen Malaria tertiana und Malaria quartana nehmen dagegen eher einen milderen Verlauf. In seltenen Fällen können Plasmodien auch durch Transfusionen, Transplantationen, Injektionen oder vor der Geburt übertragen werden.

Malaria ist in fast allen tropischen und in vielen subtropischen Ländern verbreitet. In Europa, Nordamerika und Australien kommt die Erkrankung nicht mehr vor. Vorbeugen können Sie am besten, wenn Sie sich ausreichend vor Mücken schützen! Eine Impfung gegen Malaria gibt es bislang nicht.

Entwicklungszyklus

Egal ob Plasmodium falciparum, Plasmodium vivax, Plasmodium ovale oder Plasmodium malariae: Alle vier Parasitenarten durchlaufen einen zweiteiligen Entwicklungszyklus. Dieser besteht aus dem geschlechtlichen Zyklus in der Überträgermücke und dem ungeschlechtlichen Zyklus im Menschen.

Geschlechtlicher Zyklus

Der geschlechtliche Zyklus der Gattung Plasmodium findet in der Überträgermücke statt. Damit er entstehen kann, muss die Mücke Blut eines Menschen aufnehmen, der mit Malaria infiziert ist. Im Magen der Mücke vereinigen sich die weiblichen und männlichen Geschlechtszellen des Erregers. Im weiteren Verlauf entwickeln sich daraus schließlich innerhalb von 8 bis 16 Tagen sogenannte Sichelkeime (Sporozoiten). Ist diese als Sporogonie bezeichnete Phase abgeschlossen, gelangen die Sichelkeime wieder in das Blut eines anderen Menschen – nämlich dann, wenn die Mücke das nächste Mal Blut saugt. Es folgt der ungeschlechtliche Zyklus. Diesen Wechsel zwischen Mücke und Tier nennt man Wirtswechsel, den Wechsel zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Fortpflanzung bezeichnet man als Generationswechsel.

Ungeschlechtlicher Zyklus

Der ungeschlechtliche Zyklus der Gattung Plasmodium vollzieht sich im Menschen. Durch den Stich einer infizierten Anophelesmücke gelangen die Sichelkeime des Parasiten in die menschliche Blutbahn und von dort in die Leber. In den Leberzellen entwickeln sich die Sichelkeime aller vier Plasmodienarten zu sogenannten Schizonten. Diesen Vorgang bezeichnet man als Schizogonie. Durch Teilung der Schizonten bilden sich sogenannte Merozoiten. Die Merozoiten gelangen nach mehreren Tagen aus der Leber ins Blut und greifen dort die roten Blutkörperchen an beziehungsweise vermehren in ihnen. Sie verändern die Oberfläche der roten Blutkörperchen, was dazu führt, dass die Blutkörperchen an feinsten Blutgefäßen (Kapillaren) hängenbleiben und diese teilweise verschließen.

Ab dem Stadium der Schizontenbildung unterscheidet sich die weitere Entwicklung je nachdem, um welchen der vier Malaria-Erreger es sich handelt (Plasmodium falciparum, Plasmodium vivax, Plasmodium ovale oder Plasmodium malariae). Die Zahl der gebildeten Merozoiten variiert je nach Plasmodienart. Somit kommt es auch zu unterschiedlichen Malaria-Formen.

Die Plasmodienart Plasmodium falciparum löst die schwerste Form der Malaria aus, die Malaria tropica. Besonders viele Schizonten des Erregers entwickeln sich in der Leber des Menschen zu reifen Zellen. Plasmodium vivax, Plasmodium ovale und Plasmodium malariae führen ebenfalls zu Malaria, allerdings zu Formen mit milderem Verlauf als die Malaria tropica.

Im Gegensatz zu Plasmodium falciparum kann bei den Plasmodienarten Plasmodium vivax und Plasmodium ovale ein Teil der Schizonten für Monate bis Jahre in der Leber in einer Ruhephase verbleiben (als sog. Hypnozoiten), aber durch äußere Einflüsse wie zum Beispiel Stress nachträglich zu reifen Zellen werden und zu einem Malaria-Rückfall führen.

Ein kleiner Teil der Merozoiten entwickelt sich zu Vorstufen der späteren Geschlechtszellen, den Gametozyten. Diesen Vorgang nennt man auch Gamogonie. Sticht eine infizierte Anophelesmücke den mit Malaria infizierten Menschen, nimmt sie diese Vorstufen der Geschlechtszellen auf. Anschließend treten die Erreger der Malaria erneut in den geschlechtlichen Entwicklungszyklus ein, der in der Mücke abläuft.

Malaria

Parasiten der Gattung Plasmodium führen beim Menschen zu Malaria. Die Erkrankung beginnt häufig schlagartig mit Kopf- und Rückenschmerzen, Frösteln und Hitzegefühl und vor allem deutlichem Fieber. Der Beginn einer Malariaerkrankung ist also kaum von dem Beschwerdebild einer Grippe zu unterscheiden. Erst die rhythmischen Fieberanfälle, die je nach Erreger von unterschiedlicher Dauer sind, geben einen Hinweis auf die Art der Erkrankung (ausgenommen der Malaria tropica). Dabei treten Fieberschübe bei der

  • Malaria tertiana alle 48 Stunden
  • Malaria quartana alle 72 Stunden
  • Malaria tropica unregelmäßig auf.

Da die rhythmischen Fieberschübe bei der Malaria tropica ausbleiben, ist die Gefahr einer Fehldiagnose hoch. Grundsätzlich sollte also bei Auftreten der oben genannten Beschwerden nach Aufenthalt in einem malariagefährdetem Gebiet der Arzt über diesen unbedingt informiert werden, um eine entsprechende Diagnostik möglichst schnell einleiten zu können. Im weiteren Krankheitsverlauf stellt sich eine zum Teil durch den Zerfall der roten Blutkörperchen bedingte Anämie ein. Bei der durch Plasmodium falciparum ausgelösten Malaria tropica, der gefährlichsten Form der Malaria, können sich unbehandelt innerhalb weniger Tage schwerwiegende Komplikationen entwickeln. Gefürchtet ist die "zerebrale Malaria" (Gehirnmalaria), die mit Benommenheit beginnt und im Koma mit tödlichem Ausgang münden kann. Auch Schädigungen der Nieren, des Herzens, des Magen-Darm-Traktes (Durchfälle) und der Lunge (Ödem) sind möglich.

Es gibt verschiedene Wirkstoffe, die gegen Malaria helfen können. Manche Erreger haben gegen einige Medikamente jedoch Resistenzen gebildet, das heißt, sie sind besonders widerstandsfähig, sodass die Medikamente nicht richtig helfen. Dies ist auch bei dem vor einigen Jahrzehnten eingeführten Mittel Chloroquin der Fall, da sich mittlerweile besonders der chloroquinresistente Erreger der Malaria tropica, Plasmodium falciparum, verbreitet hat.

Die Therapie gegen Malaria sollte so schnell wie möglich beginnen und hängt von der Art des Erregers und der Schwere des Verlaufs ab. Meist wirkt eine Behandlung mit dem Wirkstoff Chloroqin in Form von Tabletten. Sind die Plasmodien gegen Chloroquin resistent, kommen Wirkstoffe wie Mefloquin, Halofantrin oder Chinin zum Einsatz. Gegen die Erreger der Malaria tertiana, Plasmodium vivax und Plasmodium ovale, muss der Patient – nach der Behandlung der akuten Beschwerden – zusätzlich Primaquin einnehmen. So kann der Arzt verhindern, dass die in der Leber verbliebenen Parasiten nicht dazu führen, dass die Malaria wieder ausbricht.

Es gibt zwar keine Impfung gegen Malaria, jedoch können Sie vorbeugen. Wenn Sie in ferne Länder reisen, sollten Sie sich vorab nach dem Malariarisiko erkundigen. Dies könnten Sie am besten beim Hausarzt oder im Tropeninstitut tun.

Besonders wichtig ist, dass Sie sich in gefährdeten Gebieten vor Mücken schützen:

  • Verwenden Sie Mückenabwehrmittel.
  • Benutzen Sie Moskitonetze.
  • Tragen Sie nach Einbruch der Dunkelheit langärmlige Oberteile und lange Hosen in hellen Farben.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, mit Medikamenten vorzubeugen (sog. Chemoprophylaxe). Allerdings schützen die Medikamente Sie nicht vollständig vor einer Infektion.