Man sieht einen Mückenstich auf dem Arm einer Person.
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Leishmania brasiliensis

Leishmania brasiliensis ist ein einzelliger Parasit aus der Gruppe der Geißeltierchen, der vor allem Säugetiere befällt. Durch den Stich einer infizierten Mücke kann der Parasit in die Haut des Menschen gelangen und eine Erkrankung verursachen: die sogenannte Leishmaniose.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Die Art Leishmania brasiliensis ist nicht der einzige Vertreter der Gattung Leishmania, der beim Menschen als Krankheitserreger wirken kann: Auch andere Leishmanien können eine Leishmaniose auslösen. Leishmanien sind weltweit in den Tropen und Subtropen sowie in Südeuropa verbreitet. Die einzigen nicht betroffenen Kontinente sind Australien und die Antarktis. Etwa 350 Millionen Menschen sind dem Risiko ausgesetzt, sich mit den Parasiten zu infizieren. Dies geschieht durch blutsaugende Insekten oder Zecken – die wichtigsten Überträger sind jedoch ganz bestimmte Mücken: sogenannte Sandmücken. Schlechte hygienische Verhältnisse fördern deren Verbreitung und erhöhen somit das Ansteckungsrisiko.

Weltweit sind rund 12 Millionen Menschen mit Leishmanien infiziert.

Die Gattung Leishmania besteht aus zwei Untergattungen:

  • der weltweit verbreiteten Untergattung Leishmania und
  • der nur in Amerika (v.a. in mittel- und südamerikanischen Ländern) vorkommenden Untergattung Viannia – hierzu gehört auch Leishmania brasiliensis.

Wer in ein Verbreitungsgebiet der Leishmanien reist und sich dort ansteckt, kann die Infektion bei der Rückkehr ins Heimatland einschleppen. Entsprechend treten auch in Deutschland vereinzelt Fälle von Leishmaniose auf. Zudem gelangen ab und zu Überträgermücken nach Deutschland. Es ist also nicht völlig auszuschließen, dass sich Menschen in Deutschland anstecken können. Allerdings gibt es hierzulande bisher keinen verseuchten Tierbestand, an dem sich die Mücken selbst infizieren könnten.

Auf dem amerikanischen Kontinent ist Leishmania brasiliensis einer der wichtigsten Erreger der Leishmaniose. Die Übertragung von Leishmania brasiliensis passiert hauptsächlich durch weibliche Sandmücken der Gattung Lutzomyia: Wenn die Sandmücke bei einem infizierten Tier (z.B. Nagetier, Hund, Pferd) Blut saugt, nimmt sie die Leishmanien auf. Die Erreger vermehren sich im Darm der Mücke und sammeln sich schließlich im vorderen Darmabschnitt an. Von dort können sie bei der nächsten Blutmahlzeit der Mücke in den Körper des gestochenen Tieres oder Menschen gelangen.

Im Körper des Menschen befällt Leishmania brasiliensis vorwiegend bestimmte weiße Blutkörperchen – sogenannte Fresszellen. Innerhalb dieser Zellen befinden sich die Leishmanien in einem flüssigkeitsgefüllten Hohlraum (sog. parasitophore Vakuole): Hier vermehren sie sich durch Zellteilung, bis sie die befallene Zelle regelrecht sprengen – so kommen die Parasiten frei und können weitere Zellen befallen.

Wenn ein mit Leishmania brasiliensis oder anderen Leishmanien infizierter Mensch Blut spendet, können die in den weißen Blutkörperchen angereicherten Parasiten in einer Blutkonserve noch bis zu 25 Tage ansteckend bleiben. Das bedeutet: Auch durch Bluttransfusionen (genauer: durch Erythrozyten-, Granulozyten- und Thrombozytenkonzentrate) kann sich der Mensch mit Leishmanien infizieren. Außerdem ist die Ansteckung über Blut bei der sogenannten Blutwäsche (Dialyse), bei Nadelstichverletzungen und beim Konsum von Drogen per Spritze (intravenös) möglich. In Deutschland ist das Risiko einer Ansteckung über Blut jedoch sehr gering. Von Produkten aus Blutplasma geht gar kein Ansteckungsrisiko aus. Auch die direkte Übertragung der Leishmaniose von Mensch zu Mensch gilt als unwahrscheinlich.

Krankheiten

Die von Leishmania brasiliensis und anderen Leishmanien verursachen Krankheiten bei Mensch und Tier bezeichnet man als Leishmaniosen. Da Mücken die Leishmaniose vom Tier (z.B. Hund, Nager, Pferd) auf den Menschen übertragen können, gehört die Krankheit zu den sogenannten Zoonosen (= zwischen Tier und Mensch übertragbare Erkrankungen). Beim Menschen kommt Leishmaniose in über 90 Ländern mit vorwiegend tropischem bis subtropischem Klima vor. Je nachdem, welche Körperstellen die Leishmanien befallen, können die Infizierten verschiedene Krankheitsbilder entwickeln:

  • Leishmaniose der Haut (bzw. kutane Leishmaniose – lat. cutis = Haut): Dies ist die häufigste Form der Leishmaniose, die im Allgemeinen mit unterschiedlichen Hautveränderungen verbunden ist.
  • Leishmaniose der Schleimhäute (bzw. mukosale Leishmaniose – lat. mucus = Schleim): Dieses Krankheitsbild entsteht, wenn sich die Parasiten von der Haut auf die Schleimhaut (Mukosa) des Nasen-Rachen-Raums ausbreiten.
  • Leishmaniose der Eingeweide (bzw. viszerale Leishmaniose – lat. viscus = Eingeweide): Diese Form entsteht dadurch, dass sich die Erreger von der Einstichstelle aus im Körper verbreiten. Dann können u.a. die Lymphknoten krankhaft anschwellen sowie Leber und Milz fortschreitend größer werden.
Leishmania brasiliensis gehört in Amerika zu den Haupterregern der kutanen und mukosalen Leishmaniose.

Die durch Leishmania brasiliensis verursachte kutane Leishmaniose des amerikanischen Kontinents ist wegen ihrer Symptome auch als warzenförmige Leishmaniose bekannt. Nach der Infektion durch einen Mückenstich vermehren sich die Erreger in der Haut. Die typischen Hautveränderungen entwickeln sich normalerweise innerhalb weniger Wochen oder Monate nach der Infektion: Es entstehen zunächst trockene Papeln, die in knotige und später in geschwürige Veränderungen übergehen. In manchen Fällen verharrt die Leishmaniose auch im knotigen Stadium. In der Regel sind die Hautveränderungen schmerzlos, können aber vereinzelt auch Schmerzen verursachen – vor allem, wenn Geschwüre durch Bakterien infiziert sind oder im Bereich eines Gelenks liegen. Die Hautveränderungen können über Monate – teils auch über Jahre – bestehen bleiben.

Selbst Menschen mit örtlich begrenzter kutaner Leishmaniose entwickeln neben den ersten häufig weitere Hautveränderungen – im selben oder an anderen Bereichen des Körpers – und können zusätzlich Schwellungen der regionalen Lymphknoten (gelegentlich ähnlich wie bei der Beulenpest) und/oder eine Entzündung der Lymphgefäße bekommen, bei der die Lymphgefäße knotig verändert sind (sog. noduläre Lymphangitis). Wenn die Geschwüre abheilen, bleiben typischerweise Narben zurück. Da Leishmania brasiliensis in einigen Zellen überdauert und vereinzelt freikommen kann, bricht die kutane Leishmaniose in manchen Fällen erneut aus.

Wenn sich Leishmania brasiliensis von der Haut auf die Schleimhäute von Mund, Nase und Rachen ausbreiten, entsteht als Spätkomplikation die mukosale Leishmaniose – auch Espundia genannt: In der Regel macht sich diese Krankheit erst mehrere Jahre (manchmal Jahrzehnte) nach der – meist nicht oder nur unzureichend behandelten – Hautinfektion bemerkbar. Haut und Schleimhaut können aber ebenso gleichzeitig von Leishmanien befallen sein (sog. mukokutane Leishmaniose). Manche Menschen entwickeln auch eine mukosale Leishmaniose, ohne vorher deutliche Anzeichen einer Hautinfektion entwickelt zu haben.

Typische erste Anzeichen einer mukosalen Leishmaniose sind hartnäckige Beschwerden im Bereich der Nase (wie verstopfte Nase oder Nasenbluten). Teils verursacht der Schleimhautbefall durch Leishmania brasiliensis aber auch zuerst Symptome im Mund- oder Rachenbereich. Wenn die Krankheit unbehandelt bleibt und so ungestört fortschreitet, kann sie mit ausgedehnten Gewebszerstörungen einhergehen (wobei es z.B. zur Durchlöcherung der Nasenscheidewand kommen kann).

Vorbeugen

Einer Infektion mit Leishmania brasiliensis können Sie nur vorbeugen, indem Sie sich bei Aufenthalten auf dem amerikanischen Kontinent ausreichend vor Mücken schützen: Tragen Sie bedeckende Kleidung und schlafen Sie unter einem Moskitonetz, um Mückenstiche zu vermeiden. Solche individuellen Schutzmaßnahmen tragen jedoch nicht dazu bei, das allgemeine Infektionsrisiko in den Verbreitungsgebieten der Leishmanien einzudämmen: Hierzu wäre es wichtig, ...

  • die Überträgermücken dort, wo sie in besonders großer Zahl vorkommen, durch Insektenbekämpfungsmittel (Insektizide) einzudämmen sowie
  • mit Leishmanien infizierte Viehbestände und Haustiere, an denen sich Mücken und andere potenzielle Überträger infizieren können, angemessen zu behandeln oder notzuschlachten beziehungsweise einzuschläfern.