Ein Arzt tröstet einen Patienten, der sich die Hände an den Kopf hält
© Jupiterimages/iStockphoto

Oligodendrogliom

Ein Oligodendrogliom ist ein Hirntumor und gehört, wie auch das Astrozytom und das Glioblastom, zur Gruppe der Gliome. Gliome entstehen aus Zellen, die im Gehirn das Stützgerüst – auch Glia genannt – bilden.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Ein Oligodendrogliom kann

  • als langsam wachsender Tumor mit guter Prognose oder
  • als schnell wachsende, bösartige Geschwulst (anaplastisches Oligodendrogliom) vorkommen.

Oligodendrogliome treten am ehesten im mittleren Lebensalter zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr auf. Wie andere Gliome können sie überall im Großhirn vorkommen, befallen allerdings oftmals die Großhirnhälften im Stirnbereich.

Bislang sind die genauen Ursachen für ein Oligodendrogliom noch bekannt. Als Erstsymptome treten häufig Krampfanfälle (epileptische Anfälle) auf.

Je nach Lage und Größe des Tumors kommt es zu weiteren unterschiedlichen Beschwerden. Dazu gehören zum Beispiel:

Bei der Oligodendrogliom-Diagnose sind, wie bei allen anderen Hirntumoren, neben der ärztlichen Befragung auch spezielle Untersuchungen wichtig. Hat der Betroffene einen oder mehrere epileptische Anfälle erlitten, ist es zum Beispiel sinnvoll, die Hirnströme mittels einer Elektroenzephalographie – kurz EEG – zu messen. Besonders bedeutsam sind bei der Diagnose von Oligodendrogliomen die sogenannten bildgebenden Verfahren des Kopfes, hier vor allem:

Die optimale Therapie – eine komplette Tumorentfernung – kann dazu führen, dass der Betroffene über mehrere Jahre beschwerdefrei ist. Allerdings lässt sich ein Oligodendrogliom nicht immer vollständig operativ entfernen. Strahlentherapie und / oder Chemotherapie sind dann notwendig.

Der genaue Krankheitsverlauf bei einem Oligodendrogliom hängt vor allem von der Tumorart, der Tumorgröße und Tumorlage, den Therapieverfahren sowie vom Allgemeinzustand des Erkrankten ab. Bei einem gut differenzierten, niedriggradigen Oligodendrogliom ist die Prognose im Vergleich zu anderen Gliomen günstig.

Definition

Ein Oligodendrogliom ist ein Tumor, der aus Zellen hervorgeht, die im Gehirn das Stützgerüst für die Nervenzellen bilden. Die entsprechenden Zellen heißen Oligodendrozyten. Das Stützgerüst besteht allerdings nicht nur aus Oligodendrozyten, auch andere Zelltypen (z.B. Astrozyten) kommen vor. Insgesamt bezeichnet man das Stützgewebe auch als Glia. Alle Tumoren, die aus diesem Gewebe hervorgehen, lassen sich daher unter dem Oberbegriff Gliome zusammenfassen. Der Name Oligodendrogliom leitet sich also aus der Zellbezeichnung und der Tumorgruppe ab.

Oligodendrogliome machen etwa zehn Prozent aller Gliome aus. Sie treten am ehesten im mittleren Lebensalter (zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr) auf. Selten kommen sie bei Kindern vor. Wie andere Gliome können sie überall im Großhirn vorkommen – oft befinden sich Oligodendrogliome allerdings in den Großhirnhälften im Stirnbereich, den sogenannten Frontallappen. Pilzförmig verbreitern sie sich dabei bis zur äußeren Hirnschicht, der Hirnrinde. Gelegentlich wachsen sie weiter und können die Hirnhäute befallen, die das Gehirn umhüllen. Oligodendrogliome neigen außerdem zu Kalkablagerungen. Je nachdem, wie groß der Tumor ist und wo er sich befindet, können unterschiedliche Symptome auftreten.

Wenn Zellen unkontrolliert wachsen und entarten, ähneln die so entstandenen Tumorzellen den ursprünglichen, gesunden Zellen in unterschiedlichem Maße: Zellen, die dem gesunden Gewebe noch sehr ähnlich sind, bezeichnen Mediziner als gut differenziert. Dahingegen ähneln schlecht differenzierte Krebszellen kaum noch den Ursprungszellen. Diese Zellbeschaffenheit spielt eine wichtige Rolle bei der Einteilung der Gliome – und damit auch der Oligodendrogliome. Die Weltgesundheitsorganisatin WHO unterscheidet bei Gliomen vier verschiedene Grade. Oligodendrogliome sind vorwiegend gut differenziert und wachsen eher langsam (WHO-Grad II). Es gibt jedoch auch eine bösartigere Variante, das schnell wachsende anaplastische Oligodendrogliom (WHO-Grad III-IV).

Ursachen

Die genauen Oligodendrogliom-Ursachen sind nicht bekannt. Meist lassen sich keine auslösenden Faktoren finden. Nur in seltenen Fällen haben die Tumoren eine erbliche Kompontente: Manche Patienten haben eine Erbkrankheit wie zum Beispiel Neurofibromatose, welche die Entstehung eines Hirntumors fördern können. Eine erhöhte Belastung durch radioaktive Strahlung, etwa im Rahmen einer Strahlentherapie, steigert das Risiko für Gehirntumoren leicht.

Bei vielen Krebserkrankungen können bestimmte Lebensgewohnheiten das Risiko für einen Tumor erhöhen. Für Hirntumoren wie das Oligodendrogliom konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen Faktoren wie Rauchen, Ernährung oder Alkoholkonsum festgestellt werden. Auch Stress scheint keine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung zu spielen. Darüber hinaus gibt es keine Beweise dafür, dass Schädel-Hirn-Verletzungen oder Einflüsse wie elektromagnetische Felder das Risiko für ein Oligodendrogliom erhöhen.

Bei molekulargenetischen Untersuchungen haben Forscher herausgefunden, dass Oligodendrogliom-Zellen besonders oft ganz bestimmte Veränderungen (Mutationen) auf ihren Chromosomen – den Trägern des Erbguts – aufweisen. Oft fehlen bestimmte Gene auf Chromosom 1 und Chromosom 19. Die Ursachen für diese Mutationen sind jedoch nur teilweise bekannt.

Symptome

Bei einem Oligodendrogliom sind die ersten Symptome oft plötzliche Krampfanfälle (epileptische Anfälle). Es kommt zu diesen Anfällen, weil sich das Oligodendrogliom im Gehirn, wo es wie alle sogenannten Gliome aus dem Stützgewebe (Glia) entsteht, weiter ausbreitet.

Je nach Lage und Größe des Oligodendroglioms treten weitere Symptome auf, zum Beispiel typische Hirndruckzeichen:

Diagnose

Bei der Oligodendrogliom-Diagnose sind, wie bei allen anderen Hirntumoren, neben der ärztlichen Befragung auch spezielle Untersuchungen wichtig.

Eine besonders große Rolle spielen die sogenannten bildgebenden Verfahren, hier vor allem die Magnetresonanztomographie (MRT). Für die Diagnose ist die Magnetresonanztomographie wichtig, um die Tumorausbreitung genau einzuschätzen und so die Therapie planen zu können. Auch bei der Nachsorge kommt diese Methode oftmals zum Einsatz.

Als Alternative zur MRT kann auch eine Computertomographie (CT) zum Einsatz kommen. Mit einer Computertomographie lassen sich Verkalkungen beim Oligodendrogliom gut nachweisen.

Um die Diagnose zu sichern, wird der Arzt in der Regel eine Gewebeprobe entnehmen (Biopsie) und genau untersuchen.

Therapie

Bei einem Oligodendrogliom ist eine Operation oft die beste Therapie. Oligodendrogliome sind Hirntumoren und zählen zu den sogenannten Gliomen. Sie kommen in unterschiedlich bösartigen Varianten vor:

Ein weniger bösartiges Oligodendrogliom (WHO-Grad II) kann der Arzt meist vollständig entfernen, weil sich der Tumor häufig auf eine Hirnregion beschränkt.

Im Anschluss kann eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung nötig sein. Diese Behandlungsansätze sollen die möglicherweise im Schädel verbliebenen Tumorreste bekämpfen und damit verhindern, dass der Tumor wieder auftritt (sog. Rezidiv) beziehungsweise den Zeitpunkt hinauszögern, an dem er sich neu bildet.

Die sogenannten anaplastischen Oligodendrogliome wachsen häufig unkontrolliert ("diffus") in das Hirngewebe hinein. Es ist dann schwierig bis unmöglich, einen solchen Tumor vollständig operativ zu beseitigen. Der Neurochirurg kann den Tumor dann nur teilweise entfernen und so lediglich verkleinern. Nach der Operation schließt sich daher in der Regel eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie an. Wenn die Biopsie ergeben hat, dass die Oligodendrogliom-Zellen des Patienten bestimmte Mutationen aufweisen (auf Chromosom 1 und 19), besteht die Therapie nach der Operation meist aus einer Kombination von Strahlen- und Chemotherapie.

Verlauf & Vorbeugen

Beim Oligodendrogliom hängen Verlauf und Prognose wesentlich davon ab, ob die Tumorzellen noch den gesunden Zellen ähneln (gut differenziertes, niedriggradiges Oligodendrogliom) oder ob der Tumor aus stark entarteten Zellen besteht (anaplastisches, höhergradiges Oligodendrogliom mit WHO-Grad III-IV).

Bei differenzierten, gut vom umgebenden Gewebe abgrenzbaren Tumoren, ist die Prognose im Vergleich zu anderen Gliomen günstig: Etwa 8 von 10 Personen mit einem Oligodendrogliom Grad II leben länger als 5 Jahre. Sie haben eine wesentlich bessere Prognose als anaplastische Oligodendrogliome.

Bei einem Oligodendrogliom hängt der Verlauf im Einzelfall aber immer – wie bei allen Krebserkrankungen – von Tumorgröße und Tumorlage, Therapieverfahren sowie vom Allgemeinzustand des Erkrankten ab.

Vorbeugen

Allgemeine Maßnahmen, die einem Oligodendrogliom vorbeugen, sind nicht bekannt. Generell empfiehlt es sich, unnötige Strahlung (v.a. bei Kindern) sowie Kontakt mit krebserregenden Chemikalien und Schadstoffen zu vermeiden.