Ein Kind lutscht am Daumen.
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Madenwürmer (Oxyuriasis)

Ein Madenwurm-Befall kommt vor allem bei Kindern vor, kann dann jedoch rasch die ganze Familie betreffen. Lesen Sie, wie man sich mit den Würmern ansteckt, woran man einen Befall erkennt und was dagegen hilft.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Ursachen & Ansteckung

Madenwürmer sind Parasiten, die auf den Menschen spezialisiert sind. Haustiere können sich also nicht anstecken. Der Befall mit Madenwürmern zählt zu den häufigsten Wurmerkrankungen des Menschen im Darmbereich.

  • Wissenschaftlicher Name für Madenwürmer: Enterobius vermicularis oder Oxyuris vermicularis
  • Fachausdruck für Madenwurm-Befall: Enterobiasis oder Oxyuriasis

Zu einem Madenwurm-Befall kommt es, wenn man Wurmeier schluckt oder einatmet. Das kann zum Beispiel über Lebensmittel oder Getränke, aber auch über Hände oder Gegenstände (z. B. Spielzeug) passieren, die mit Eiern verunreinigt sind. Die Wurmeier sind mit bloßem Auge nicht erkennbar.

Erreichen die Madenwurm-Eier den Darmtrakt, schlüpfen bereits nach wenigen Stunden die ersten Larven und beginnen zu wachsen. Innerhalb weniger Wochen werden die Madenwürmer geschlechtsreif und paaren sich.

Die ausgewachsenen männlichen Madenwürmer sterben nach der Paarung. Die weiblichen Madenwürmer wandern in Richtung Analbereich. Dort legen sie abends und während der Nacht Eier in den Hautfalten ab und sterben dann. Die Fortbewegung der Weibchen während der Eiablage ruft (meist erst bei ausgeprägtem Befall) starken Juckreiz hervor.

Kratzen sich Betroffene nun mit bloßen Händen im Analbereich, können Eier auf die Finger und unter die Fingernägel gelangen und so auf Oberflächen oder Gegenstände übertragen werden (wie etwa Spielzeug, Toilettensitz, Bettwäsche, Kleidung) – aber auch auf Lebensmittel. Da die Eier klebrig sind, haften sie sehr gut und können unter günstigen Bedingungen 2 bis 3 Wochen überleben.

Beim Kratzen besteht zudem die Gefahr, noch im Analbereich befindliche Madenwürmer zu zerdrücken und dadurch auf einen Schlag sehr viele Eier freizusetzen. Diese verteilen sich dann auf Hände, Kleidung und Bettwäsche.

Madenwürmer sind leicht übertragbar und sehr ansteckend. Innerhalb von Familien oder Gemeinschaftseinrichtungen (wie Kindergärten, Schulen) verbreiten sie sich rasch. Am häufigsten tritt ein Befall bei 4- bis 11-jährigen Kindern auf. Kinder unter 2 Jahren sind eher selten betroffen.

Folgende Faktoren erhöhen das Ansteckungsrisiko:

  • ungenügendes Händewaschen nach dem Stuhlgang
  • ungenügendes Händewaschen vor dem Essen
  • sich im Analbereich kratzen
  • Nägelkauen, Daumenlutschen
  • Spielzeug bzw. Gegenstände (wie z. B. Stifte) in den Mund nehmen

Madenwürmer: Inkubationszeit

Von der Aufnahme der Eier bis zur Eiablage (und dadurch möglicherweise bis zu den ersten Symptomen) vergehen zwischen 2 und 6 Wochen. Die Eier sind nicht sofort nach dem Legen infektiös, sondern erst nach etwa 6 Stunden.

Madenwürmer: Symptome

In etwa 40 Prozent der Fälle machen sich Madenwürmer nur durch wenige bis gar keine Symptome bemerkbar. Abhängig davon, wie stark der Befall ist, können jedoch verschiedene Beschwerden auftreten.

Möglich sind zum Beispiel Symptome wie abendlicher und nächtlicher Juckreiz im Analbereich – oder bei Mädchen beziehungsweise Frauen auch im Bereich der Scheide. Der nächtliche (teils quälende) Juckreiz kann zu Schlafproblemen und in der Folge zu Gereiztheit und Unruhe führen.

Durch Kratzen im Analbereich kommt es möglicherweise auch zu Entzündungen. An- und abschwellende Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen treten eher selten auf und kommen vor allem bei sehr schwerem Befall vor.

Unter Umständen sind auf dem Stuhl, im Analbereich oder in der Unterhose sogar Madenwürmer zu sehen. Diese sind etwa 8 bis 13 Millimeter lang, sehen wie eine Art kurzer weißer Faden aus und bewegen sich womöglich.

Madenwürmer: Diagnose

Ein Madenwurm-Befall (Oxyuriasis) gilt als sicher, wenn die Ärztin oder der Arzt die Wurmeier im Analbereich nachweist. Eine Stuhlprobe nützt wenig, da Madenwürmer die Eier nicht im Darm, sondern außerhalb ablegen.

Deshalb benötigt der Arzt oder die Ärztin zum Nachweis die Mithilfe des Betroffenen (bzw. bei Kindern die Hilfe der Eltern): Kurz nach dem Aufstehen (vor dem Stuhlgang und vor dem Waschen/Duschen) klebt man einen durchsichtigen, etwa 2 mal 10 Zentimeter großen Klebestreifen im Analbereich mehrfach auf und zieht ihn wieder ab. Sofern Eier in den Hautfalten vorhanden sind, bleiben diese kleben.

Idealerweise bringen Betroffene Klebestreifen von drei verschiedenen Tagen mit in die Arztpraxis. Denn die Madenwurm-Weibchen legen nicht verlässlich täglich Eier ab.

Klebt man die Streifen auf Objektträger, kann der Arzt oder die Ärztin diese unter ein Mikroskop legen und prüfen, ob Wurmeier zu erkennen sind.

Wurden bei einem Familienmitglied Madenwürmer festgestellt, sollte sich auch der Rest der Familie untersuchen lassen. Das gilt ebenfalls für enge Kontaktpersonen. So lässt sich eine unnötige Weiterverbreitung der Würmer sowie die Gefahr von erneuten Infektionen bei den Betroffenen verringern.

Madenwürmer: Behandlung

Medikamente gegen Madenwürmer

Liegt ein Madenwurm-Befall (Oxyuriasis) vor, wird die Ärztin oder der Arzt ein Wurmmittel (Antihelminthikum) verschreiben, zum Beispiel Medikamente mit dem Wirkstoff Albendazol, Mebendazol, Pyrantel oder Pyrvinium. In der Regel ist es ratsam, gleich die ganze Familie beziehungsweise enge Kontaktpersonen mitzubehandeln.

Die Wirkstoffe töten ausgewachsene Madenwürmer ab, wirken jedoch nicht gegen Larven und Eier der Würmer. Deshalb muss man die Wurmbehandlung nach 2 und nach 4 Wochen wiederholen. In mehr als 90 Prozent der Fälle wird man Madenwürmer so los.

Ob die Behandlung erfolgreich war, wird in bestimmten Abständen erneut mit einem Klebestreifen-Abklatsch-Präparat überprüft.

Hinweis: Auch bei Madenwürmern in der Schwangerschaft ist eine Behandlung möglich. Die Wurmmittel Mebendazol, Albendazol und Pyrvinium dürfen nach ärztlichem Ermessen angewendet werden.

Neben einer Behandlung mit Medikamenten spielt außerdem Hygiene eine wichtige Rolle. Diese soll vor allem verhindern, dass man sich über möglicherweise noch vorhandene Wurmeier wieder neu mit Madenwürmern ansteckt.

Selbstbehandlung bei Madenwürmern

Rezeptfreie Wurmmittel

Die meisten Wurmmittel sind verschreibungspflichtig. Es gibt jedoch auch einige rezeptfreie Medikamente. Sich ohne Austausch mit einer Ärztin oder einem Arzt selbst zu behandeln, ist allerdings nicht ratsam. Zum einen kann man nur mit ärztlicher Hilfe sicher sein, dass es sich wirklich um Madenwürmer handelt. Zum anderen sollte besser ein Arzt das passende Medikament auswählen. Das gilt insbesondere, wenn es sich um Kinder oder Schwangere handelt. Denn als Laie kann man viele Faktoren wie Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder Gegenanzeigen nicht verlässlich abwägen.

Zudem lassen sich bei einem Arztbesuch auch verschiedene andere Punkte klären. Etwa, wer außer einem selbst oder dem betroffenen Kind vielleicht noch behandelt werden sollte und was es bei der Anwendung der Medikamente zu beachten gilt.

Hausmittel und alternative Methoden

Wer Madenwürmer hat und im Internet nach Hausmitteln sucht, wird schnell fündig – helfen tun diese jedoch nicht beziehungsweise nicht sicher. Unwirksam sind folgende Hausmittel:

Auch den Blinddarm zu entfernen, hilft nicht gegen Madenwürmer. Solch ein Eingriff ist nur angebracht, wenn auch eine Blinddarmentzündung vorliegt.

Dürfen Kinder mit Würmern in die Schule?

Im Prinzip dürfen Kinder mit Madenwürmern Gemeinschaftseinrichtungen wie Schule oder Kindergarten weiter besuchen. Vorausgesetzt, sie sind in der Lage, die nötigen Hygienemaßnahmen einzuhalten, um das Ansteckungsrisiko zu senken. Wichtig ist vor allem, sich nach dem Stuhlgang gründlich die Hände zu waschen.

Madenwürmer: Verlauf

In vielen Fällen ist ein Madenwurm-Befall (Oxyuriasis) harmlos und bleibt oft sogar unbemerkt. Solange man sich selbst nicht erneut mit den Eiern infiziert, endet der Befall nach einer gewissen Zeit theoretisch von selbst, da die ausgewachsenen Madenwürmer nicht sehr lange leben. Ohne eine Behandlung mit Medikamenten ist das Risiko, sich selbst, Familienmitglieder oder enge Kontaktpersonen (wieder) anzustecken, jedoch hoch.

Mithilfe von Medikamenten wird man Madenwürmer in den meisten Fällen nach wenigen Wochen los. Mitunter entpuppt sich ein Befall jedoch selbst mit fachgerechter Behandlung als hartnäckig und langwierig.

Mögliche Komplikationen

Bei einem schweren Madenwurm-Befall bei Mädchen oder Frauen kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass Madenwürmer vom Analbereich in die Scheide gelangen und eine Infektion des Genitalbereichs hervorrufen (sog. Vulvovaginitis).

Madenwürmer: Vorbeugen

Madenwurm-Eier können auf Oberflächen 2 bis 3 Wochen lang überleben. Wer einem (erneuten) Befall vorbeugen will, sollte deshalb vor allem auf Hygiene achten.

Hygienemaßnahmen und Tipps zum Vorbeugen

  • Analbereich bzw. Intimbereich täglich waschen, am besten morgens. Madenwürmer legen Eier in der Nacht. Wer sich morgens wäscht oder besser noch duscht, kann so die Zahl der Eier gleich verringern. Ein Vollbad ist hingegen weniger ratsam, da man sich über das Badewasser unter Umständen erneut anstecken kann.
  • Beim Waschen des Intimbereichs gilt für Mädchen und Frauen: von vorn nach hinten.
  • Fingernägel kurz schneiden und bei jedem Händewaschen mit Nagelbürste reinigen
  • Bettwäsche, Unterwäsche und Schlafanzüge täglich wechseln
  • Handtücher, Bettwäsche und Unterwäsche bei 60 Grad Celsius oder höher waschen
  • Kleidung und Kuscheltiere bei 60 Grad Celsius waschen
  • Spielzeug mit heißem Wasser reinigen
  • Betten nicht aufschütteln. Das verringert das Risiko, Eier einzuatmen.
  • Oberflächen regelmäßig reinigen, insbesondere Toiletten und Türklinken
  • Handtücher und Waschlappen nicht teilen
  • nicht im Anal- bzw. Intimbereich kratzen
  • nicht an den Nägeln kauen oder Finger in den Mund nehmen
  • nach dem Stuhlgang und vor dem Essen gründlich Hände waschen

Ob eine Reinigung mit Desinfektionsmitteln gegen Madenwürmer hilft, ist unklar. Während einigen Quellen zufolge Desinfektionsmittel wirkungslos gegen Madenwurm-Eier sind, können laut anderen Quellen Flächendesinfektionsmittel aus der Gruppe der Biguanide und Phenole die Eier zerstören. In puncto Händehygiene können Mittel mit Chlorhexidin wirksam sein – wobei Händewaschen in der Regel ausreicht, wenn man es richtig macht.

 

Auch beim Thema Staubsaugen herrscht offenbar Uneinigkeit: Manche Quellen empfehlen das regelmäßige Staubsaugen des Schlafzimmers, während andere davon abraten, weil dabei nur die Eier im Raum verteilt würden.