Eine Frau liegt krank im Bett und schläft.
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Lassa-Fieber

Das Lassa-Fieber ist eine in Westafrika verbreitete Viruserkrankung, die anfangs grippeähnlich verläuft und später innere Blutungen verursachen kann (sog. hämorrhagischer Verlauf). Geeignete Hygienemaßnahmen schützen vor einer Ansteckung.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Eine durch Viren bedingte Infektion wie das Lassa-Fieber, die mit Fieber und inneren Blutungen einhergeht, bezeichnet man auch als virales oder virusbedingtes hämorrhagisches Fieber. Derartige virale Infektionskrankheiten sind meldepflichtige Krankheiten. Zur Gruppe der viralen hämorrhagischen Fieber gehören beispielsweise auch:

Voraussetzungen für eine Ansteckung mit dem Lassa-Fieber sind mangelnde hygienische Bedingungen: Die Lassa-Viren, die für das Lassa-Fieber verantwortlich sind, werden dabei durch Kot oder Urin infizierter Nagetiere sowie durch engen Kontakt mit Betroffenen beziehungsweise deren Ausscheidungen oder Blut übertragen.

In Westafrika stecken sich etwa 100.000 bis 300.000 Menschen pro Jahr mit Lassa-Viren an, wobei die Infektion in den meisten Fällen mit milden Symptomen verläuft oder gar nicht bemerkt wird. In Deutschland traten seit 1969 nur vereinzelt (aus Westafrika eingeschleppte) Fälle auf. Der letzte Fall wurde 2006 registriert.

Wer sich mit dem Lassa-Virus infiziert, hat gute Chancen, dass kaum oder nur leichte Symptome auftreten: Typischerweise entwickeln sich 3 bis 21 Tage nach der Infektion

Es folgen

Typisch für das Lassa-Fieber sind zudem schmerzhafte Schwellungen im Rachen und im Gesicht (z.B. der Augenlider) und eine erhöhte Blutungsneigung, die sich etwa an den Schleimhäuten bemerkbar macht. In manchen Fällen kann es beim Lassa-Fieber zu inneren Blutungen kommen (hämorrhagischer Verlauf). Dann kann die Erkrankung Organe schädigen und lebensgefährlich sein.

Um eine schnelle Diagnose und nachfolgende Behandlung des Lassa-Fiebers zu gewährleisten, ist es ratsam, schon beim ersten Verdacht auf Lassa-Fieber Blutproben zu entnehmen: Hierin kann man die Lassa-Viren oder spezifische Antikörper nachweisen. Je nachdem, wie gut die medizinische Versorgung ist, verläuft ein Lassa-Fieber trotz Krankenhausbehandlung in 10 bis 20 von 100 Fällen tödlich, in schweren Fällen mit inneren Blutungen verstirbt sogar jeder zweite bis dritte Patient.

Erfolgt eine frühzeitige Therapie mit dem virenhemmenden Mittel Ribavirin (über die Vene oder über den Mund verabreicht), kann dies die Sterblichkeit bei Lassa-Fieber verringern. Eine Impfung gegen Lassa-Fieber steht derzeit nicht zur Verfügung. Einer Infektion lässt sich aber vorbeugen, indem man im Verbreitungsgebiet der Infektionskrankheit Kontakt mit Nagetieren und deren Exkrementen sowie erkrankten Menschen vermeidet und allgemein auf Hygiene achtet.

In der Schwangerschaft verläuft Lassa-Fieber oftmals sehr schwer. Häufig führt die Infektion auch zu einer Fehlgeburt. Frauen sollten während einer Schwangerschaft daher möglichst nicht in Verbreitungsgebiete reisen.

Definition

Der Begriff Lassa-Fieber bezeichnet eine fieberhafte Viruserkrankung, die zu inneren Blutungen führen kann. Somit handelt es sich um eine hämorrhagische Infektionskrankheit (hämorrhagisch = mit inneren Blutungen einhergehend).

Das Lassa-Virus ist nicht das einzige Virus, das ein hämorrhagisches Fieber auslösen kann. Weitere virusbedingte hämorrhagische Fieber sind zum Beispiel:

Die Bezeichnung Lassa-Fieber ist auf eine internationale Vereinbarung zurückzuführen, die besagt, dass ein hämorrhagisches Fieber nach dem Ort seiner Entdeckung zu benennen ist. Das Lassa-Fieber wurde 1969 in Lassa entdeckt, einem Ort im Nordosten von Nigeria: Nachdem dort zwei amerikanische Krankenschwestern einer Missionsstation an einer ungeklärten Fiebererkrankung starben, brachte man eine dritte Krankenschwester, die erste Anzeichen des hämorrhagischen Fiebers zeigte, in die USA. Sie überlebte die Erkrankung; als Erreger identifizierte man ein bis dahin unbekanntes Virus.

Alle virusbedingten hämorrhagischen Fieber (einschließlich Lassa-Fieber) sind meldepflichtige Krankheiten.

Häufigkeit

Schätzungsweise 100.000 bis 300.000 Menschen erkranken jedes Jahr an Lassa-Fieber – vorwiegend in den tropischen Regionen Westafrikas, vor allem in Nigeria, Liberia und Sierra Leone. In manchen Regionen lassen sich bei über der Hälfte der Bevölkerung Antikörper gegen das Lassa-Virus nachweisen, was bedeutet, dass sie sich in der Vergangenheit infiziert haben. Eine Ansteckung muss jedoch nicht zu eindeutigen Symptomen führen und wird daher oft nicht bemerkt. Während der Trockenzeit von Januar bis April kommen besonders viele Krankheitsfälle vor (sog. saisonale Häufung). In den USA und in Europa treten vereinzelt eingeschleppte Fälle auf – in Deutschland wurde zuletzt im Jahr 2006 ein aus Sierra Leone importierter Fall registriert.

Rechtliches

Nach dem Infektionsschutzgesetz sind die mit Lassa-Fieber infizierten Personen namentlich zu melden. Meldepflichtig sind

  • der Verdacht auf Lassa-Fieber,
  • die vorliegende Erkrankung,
  • der Tod infolge von Lassa-Fieber sowie
  • der direkte und indirekte Nachweis des Erregers.

Ursachen

Erreger

Das Lassa-Fieber geht auf eine Infektion mit dem Lassa-Virus zurück. Hierbei handelt es sich um ein RNA-Virus, das zur Gruppe der Arenaviren gehört. Das Lassa-Virus wird vor allem von einem kleinen Nagetier – der Natal-Vielzitzenmaus (Mastomys natalensis) – übertragen, das den Erreger in sich tragen kann, ohne selbst zu erkranken. Dieser Nager ist in allen afrikanischen Ländern südlich der Sahara beheimatet. Natürlicherweise kommt das Lassa-Fieber jedoch nur in mehreren Ländern Westafrikas vor. Der Grund hierfür ist, dass Mastomys natalensis nur in dieser Region das Lassa-Virus in sich trägt. In manchen Dörfern Westafrikas sind sogar alle Tiere mit dem Erreger infiziert.

Infektionswege

Die Ansteckung mit dem Lassa-Fieber erfolgt durch mangelnde hygienische Bedingungen. Als Ursachen kommen mehrere Infektionswege infrage:

  • Übertragung von Tier zu Mensch: Ursachen für das Lassa-Fieber können infizierte Nagetiere sein, die das Lassa-Virus indirekt (über virushaltige Schwebestoffe in der Atemluft, die durch eingetrocknete Ausscheidungen wie Urin oder Kot entstehen) oder direkt (über direkten Kontakt mit Blut und Ausscheidungen oder den Verzehr verunreinigter Nahrungsmittel) übertragen.
  • Übertragung von Mensch zu Mensch: Das Lassa-Fieber kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden (über bluthaltige Schwebestoffe in der Atemluft sowie durch direkten Kontakt mit Blut, Speichel, Urin, Sperma, Erbrochenem oder Kot akut Erkrankter).

Allerdings geht von einem infizierten Menschen erst dann eine Ansteckungsgefahr aus, wenn das Lassa-Fieber ausgebrochen ist. Selbst in den ersten Tagen nach einem Krankheitsausbruch reichen normale soziale Kontakte nicht aus, um sich mit dem Lassa-Fieber anzustecken – solange keine Blutungen bestehen. In der Anfangsphase der Erkrankung ist eine Infektion meist nur über stärkere Verunreinigungen mit Blut möglich, weil selbst bei einsetzendem Fieber in den ersten Tagen die Anzahl der Lassa-Viren im Blut noch gering ist. Am siebten bis zehnten Krankheitstag finden sich jedoch auch im Urin und Speichel der Erkrankten zahlreiche Lassa-Viren, sodass zum Beispiel auch eine Übertragung via Tröpfcheninfektion möglich ist.

Inkubationszeit

Beim Lassa-Fieber kann die Inkubationszeit (d.h. die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung) 3 bis 21 Tage betragen. Meistens dauert es jedoch 7 bis 12 Tage, bis die ersten Symptome auftreten.

typische Symptome

Meistens verursacht das Lassa-Fieber kaum oder nur leichte Symptome: Ein solch milder Krankheitsverlauf ist bei acht von zehn der Menschen zu beobachten, die sich mit dem Lassa-Virus infizieren. Innere Blutungen, derentwegen man das Lassa-Fieber auch als hämorrhagisches Fieber bezeichnet (hämorrhagisch = mit inneren Blutungen einhergehend), treten nur bei einem Teil der Erkrankten auf. Dann aber kann die Erkrankung lebensbedrohlich sein.

Das Lassa-Fieber setzt langsam ein, wobei die Symptome zu Beginn einer Grippe ähneln: Typischerweise kommt es zu steigendem Fieber. Die Hälfte der Betroffenen entwickelt Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen.

Gegen Ende der ersten Krankheitswoche tritt ein trockener Husten mit starken Halsschmerzen auf; oft kommt es zu Schwellungen im Bereich des Kehlkopfs (Glottisödem) und auf den Mandeln können sich weiße oder gelbe Beläge bilden. Es entwickeln sich starke Kopfschmerzen; außerdem verspüren die Betroffenen Schmerzen im Brustkorb.

Darüber hinaus kann das Lassa-Fieber auch folgende Symptome verursachen:

Diagnose

Das Lassa-Fieber lässt sich durch den direkten oder indirekten Nachweis der Erreger feststellen. Schon beim ersten Verdacht auf eine Infektion mit dem Lassa-Virus ist es ratsam, Blutproben zu nehmen, damit eine schnelle Diagnose gewährleistet ist. Die Labordiagnostik erfolgt in Deutschland nur in wenigen, speziell ausgestatteten Laboren.

Wichtig sind für den Arzt vor allem Angaben über vorangegangene Auslandsaufenthalte und die genauen Aufenthaltsorte des Patienten sowie mögliche Infektionsquellen (z.B. Kontakt zu erkrankten Einheimischen). Da die Symptome sich aber mit jenen von anderen hämorrhagischen Fiebern und Tropenkrankheiten wie der Malaria überschneiden, erfordert die Diagnose des Lassa-Fiebers eine Labordiagnostik.

Für den Nachweis von Lassa-Viren eignen sich Proben von Blut, aber auch von Speichel, Urin oder Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit). Bei Verdacht auf ein akutes Lassa-Fieber bietet sich zur Diagnose vor allem die sogenannte Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) an, die seit einigen Jahren für den direkten Erregernachweis zur Verfügung steht. Bei dieser speziellen Methode wird das Erbgut des Virus künstlich vermehrt, sodass es sich im untersuchten Material (z.B. Blut) nachweisen lässt. Es ist auch möglich, die Lassa-Viren in Zellkulturen anzuzüchten.

In manchen Fällen lässt sich der Verdacht auf Lassa-Fieber auch bestätigen, indem der Arzt das Blut auf spezifische Antikörper hin untersucht, die der Körper gegen die Erreger gebildet hat – die spezifischen Immunglobulin-M(IgM)- und Immunglobulin-G-Antikörper (IgG). Da aber nur wenige Erkrankte bereits in der frühen Krankheitsphase hohe IgM- und IgG-Werte aufweisen, wird diese Methode vor allem zur Diagnose in einem späteren Krankheitsstadium eingesetzt.

Therapie

Beim Lassa-Fieber zielt die Therapie in erster Linie darauf ab, die Symptome zu lindern. Außerdem ist es wichtig, den Betroffenen ausreichend Flüssigkeit zuzuführen.

Daneben ist bei Verdacht auf eine Infektion mit dem Lassa-Virus eine Behandlung mit Ribavirin ratsam: Dieser Wirkstoff verhindert, dass sich die Viren vermehren. Die Anwendung von Ribavirin ist über die Vene (intravenös) oder über den Mund (oral) möglich – beide Verabreichungsformen haben dieselbe Wirkung.

Es ist jedoch wichtig, dass die Behandlung mit Ribavirin in den ersten sechs Krankheitstagen beginnt: Je früher das Medikament zum Einsatz kommt, umso besser ist die Prognose. Sechs bis acht von zehn Menschen, bei denen die Infektion einen schweren Verlauf nimmt, sterben am Lassa-Fieber. Beginnt die Behandlung beim Lassa-Fieber in den ersten sechs Tagen nach Einsetzen des Fiebers, kann sie die Sterblichkeit auf unter 10 Prozent senken. Bei einem späteren Behandlungsbeginn wirkt die Therapie nicht mehr so gut.

Verlauf

Das Lassa-Fieber verläuft überwiegend leicht. Innere Blutungen entwickeln sich nur bei einem Teil der Patienten. Aufgrund dieser Blutungen bezeichnet man das Lassa-Fieber auch als hämorrhagisches Fieber (hämorrhagisch = mit inneren Blutungen einhergehend). Schwere Verläufe treten häufiger bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem und bei schwangeren Frauen auf.

Typischerweise setzt das Lassa-Fieber langsam ein, wobei der gesamte Verlauf 1 bis höchstens 4 Wochen andauert. Bei schweren Krankheitsverläufen ist die Prognose schlecht einzuschätzen. Ob die Betroffenen bei einem schweren Verlauf gesund werden oder sterben, entscheidet sich meist zwischen der zweiten und dritten Krankheitswoche.

Komplikationen

Das Lassa-Fieber kann bei schwerem Verlauf mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein: So ist beispielsweise eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) möglich, die den achten Hirnnerv schädigen kann. Dies kann wiederum dazu führen, dass die Betroffenen dauerhaft schwerhörig oder gehörlos werden.

Sterblichkeit

Bei einem schweren Lassa-Fieber lässt sich die dann hohe Sterblichkeit (Letalität) durch eine frühzeitige Behandlung mit dem Wirkstoff Ribavirin deutlich senken. Durchschnittlich sterben etwa 10 bis 20 von 100 Menschen, die sich mit Lassa-Fieber infiziert haben und im Krankenhaus behandelt werden. Während der Schwangerschaft verläuft das Lassa-Fieber häufig schwer; die meisten Frauen verlieren im Verlauf der Erkrankung ihr ungeborenes Kind und haben selbst eine eher ungünstige Prognose.

Vorbeugen

Dem Lassa-Fieber können Sie am wirksamsten vorbeugen, indem Sie im Verbreitungsgebiet der Erkrankung den Kontakt zu Nagetieren, potenziell verunreinigten Lebensmitteln und erkrankten Menschen vermeiden und allgemein auf Hygiene achten.

Um die Ausbreitung von Lassa-Fieber im Krankenhaus zu verhindern, sind eine strenge Isolierung der Betroffenen und eine Schutzausrüstung für das medizinische Personal (Kittel, Handschuhe, Mundschutz und Schutzbrille) notwendig.

Erkrankte Menschen sind vor allem in der akuten fieberhaften Phase ansteckend. Allerdings scheiden sie die Lassa-Viren noch mehrere Wochen nach Beginn der Erkrankung aus, in der Samenflüssigkeit sogar bis zu 3 Monate. Daher ist bei Lassa-Fieber auch sexuelle Enthaltsamkeit zum Vorbeugen einer Infektion ratsam.

Eine Schutzimpfung gegen Lassa-Fieber steht nicht zur Verfügung. Allerdings scheint eine überstandene Erkrankung vor einem erneuten Lassa-Fieber zu schützen: Wer die Infektion überlebt, kann sich zwar erneut mit dem Lassa-Virus infizieren, erkrankt aber nicht noch einmal.