Das Bild zeigt eine  Mücke.
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Kutane Leishmaniose

Die kutane Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, die die Haut und je nach Form auch die Schleimhäute befällt. Jede Leishmaniose wird durch bestimmte Parasiten der Gattung Leishmania ausgelöst.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Kutane Leishmaniose: Hautschäden durch Parasiten

Leishmaniosen kommen insbesondere in Südeuropa, Süd- und Mittelamerika, dem Vorderen Orient und Asien vor.

Bei der kutanen Leishmaniose ist die Haut von Parasiten befallen (lat. cutis = Haut). Einzellige Parasiten gelangen durch einen Insektenstich der Sand- oder Schmetterlingsmücke in die Haut. An der Eintrittsstelle entwickelt sich nach dem Stich ein schmerzloses Geschwür, das in der Regel nach mehreren Wochen oder Monaten abheilt und eine Narbe zurücklässt.

Je nachdem, welcher Erregertyp die Erkrankung hervorruft beziehungsweise in welcher Region die Erkrankung aufgetreten ist, unterscheidet man zwischen der kutanen Leishmaniose der Alten Welt und der kutanen Leishmaniose der Neuen Welt – letztere nimmt meist einen aggressiveren Verlauf.

Eine Sonderform der kutanen Leishmaniose der Neuen Welt ist die sogenannte mukokutane Leishmaniose. Diese betrifft nicht nur die Haut, sondern auch die Schleimhäute. Dabei befallen die Parasiten vor allem die Nasenschleimhaut, aber auch andere Schleimhäute wie etwa die der Genitalien, des Munds, Rachens oder Kehlkopfs.

Die Therapie der kutanen Leishmaniose richtet sich vor allem nach der Form der Erkrankung. Während die kutane Leishmaniose der Alten Welt oft ohne Therapie abheilt, muss der Arzt die kutane beziehungsweise mukokutane Leishmaniose der Neuen Welt in der Regel mit speziellen Wirkstoffen behandeln.

Eine Impfung gegen die kutane beziehungsweise mukokutane Leishmaniose gibt es bislang nicht. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie vorbeugen: Bei Reisen in besonders gefährdete Regionen sollten Sie auf einen entsprechenden Insektenschutz achten, so zum Beispiel durch entsprechende Kleidung oder durch ein Moskitonetz.

Die kutane Leishmaniose ist in Deutschland nicht meldepflichtig.

Definition

Die kutane Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit, bei der Parasiten der Gattung Leishmania die Haut beziehungsweise die Schleimhaut befallen.

Mediziner unterteilen die kutane Leishmaniose entsprechend ihrer Verbreitungsgebiete beziehungsweise Erregertypen in Leishmaniose der Alten Welt und der Neuen Welt:

  • kutane Leishmaniose der Alten Welt: Die Erkrankung wird auch als Orientbeule oder Aleppobeule bezeichnet. Sie verläuft oft milde und macht sich durch Papeln oder Geschwüre auf der Haut bemerkbar.
  • kutane Leishmaniose der Neuen Welt: Die Erkrankung zeigt ähnliche Symptome wie die kutane Leishmaniose der Alten Welt, verläuft aber meist aggressiver.
  • mukokutane Leishmaniose der Neuen Welt: Bei dieser Form der Leishmaniose befallen Parasiten nicht nur die Haut, sondern auch Schleimhäute

Neben der kutanen und mukokutanen Leishmaniose gibt es auch die schwerer verlaufende sogenannte viszerale Leishmaniose. Bei dieser schweren Erkrankung befallen die Parasiten nicht nur die Haut, sondern auch die inneren Organe.

Leishmaniosen umfassen eine Gruppe von Infektionserkrankungen, die durch verschiedene Arten von Geißeltierchen, sogenannte Flagellaten, hervorgerufen werden.

Häufigkeit

Weltweit erkranken jährlich etwa ein bis zwei Millionen Menschen an kutaner Leishmaniose.

Verbreitung

Die kutane Leishmaniose der Alten Welt kommt vor allem in trockenen warmen Gebieten vor, so etwa in Nord- und Ostafrika, Arabien und Zentralasien, insbesondere aber in den Ländern Afghanistan, Algerien, Iran, Syrien, Irak und Saudi-Arabien. Auch in Südeuropa ist die kutane Leishmaniose der Alten Welt verbreitet – hier vor allem in Spanien und Italien.

Nach Deutschland gelangen die parasitären Erreger bislang gelegentlich durch infizierte Hunde oder Menschen. 2013 wurden in Deutschland zehn Fälle von kutaner Leishmaniose gemeldet.

Die kutane oder mukokutane Leishmaniose der Neuen Welt kommt in Süd- und Mittelamerika vor, insbesondere in Peru und Brasilien.

Ursachen

Die kutane Leishmaniose ist eine Infektionskrankheit. Sie entsteht durch einzellige Parasiten, die von der Sand- oder Schmetterlingsmücke auf den Menschen übertragen werden.

Bei den Parasiten handelt es sich um Geißeltierchen der Gattung Leishmania. Die Parasiten befallen je nach Form der Erkrankung entweder nur die Haut (kutane Leishmaniose der Alten Welt, kutane Leishmaniose der Neuen Welt) oder aber auch die Schleimhäute (mukokutane Leishmaniose der Neuen Welt).

Erreger

Je nach Region sind verschiedene Erreger der Gattung Leishmania für die Erkrankung verantwortlich. Die Erreger unterscheiden sich vom äußeren Bild her nicht voneinander. Eine Unterscheidung ist nur mithilfe molekularbiologischer oder immunologischer Methoden möglich.

Tabelle: Häufige Erreger der kutanen Leishmaniose

Leishmaniose Häufige Erreger
Kutane Leishmaniose der Alten Welt Leishmania tropica, L. major, L. donovani (selten), L. aethiopica , L. infantum
Kutane Leishmaniose der Neuen Welt L. mexicana
Mukokutane Leishmaniose der Neuen Welt L. brasiliensis

Leishmanien zählen zu den geißeltragenden Protozoen. Als innerhalb der Zelle (intrazellulär) lebende Parasiten können sie nur in bestimmten Zellen ihres Wirts überleben. Sie lösen viele Tierseuchen aus und sind weltweit verbreitet, mit Ausnahme von Australien.

Je nach Wirt und Entwicklungsstadium ändern Leishmanien ihre Form und die Position der Geißel. Heute sind mehrere Unterarten bekannt, die sich je nach Verbreitungsgebiet unterscheiden.

Übertragungsweg

Leishmanien benötigen für ihre vollständige Entwicklung zwei Wirte: In der Sand- oder Schmetterlingsmücke leben sie als begeißelte Form. Mit dem Speichel gelangen sie auf den zweiten Wirt (Wirbeltier), wo sie in die Fresszellen des Immunsystems (Makrophagen), die sich an der Einstichstelle sammeln, eindringen und sich als geißellose Form durch Teilung vermehren.

Je nach Erreger und Reaktionslage des Erkrankten, können sich die Parasiten mit dem Blut- oder Lymphstrom regional verbreiten. Nimmt eine Mücke mit Leishmanien infiziertes Blut eines Wirbeltiers auf, wandeln sich die Leishmanien wieder in die begeißelte Form um – und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Neben der direkten Übertragung von der Mücke auf den Menschen kann es auch zu einer indirekten Übertragung von anderen befallenen Wirbeltieren (wie etwa Hunden, Füchsen oder Nagetieren) auf den Menschen kommen. Mitunter übertragen sich die Erreger auch von Mensch zu Mensch. In äußerst seltenen Fällen kann eine werdende Mutter die Erreger vor der Geburt (pränatal) auf das Ungeborene übertragen. Auch die Übertragung über Blut- oder Organspenden ist möglich.

Inkubationszeit

Die Zeit, die vergeht, bis nach der Infektion erste Symptome auftreten (Inkubationszeit), ist mit wenigen Tagen bis mehreren Monaten, manchmal auch Jahren, sehr variabel.

Symptome

Eine kutane Leishmaniose kann je nach Form der Erkrankung mit verschiedenen Symptomen verbunden sein, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Kutane Leishmaniose der Alten Welt

Die sogenannte kutane Leishmaniose der Alten Welt macht sich durch Symptome bemerkbar, die in der Regel ausschließlich die Haut betreffen (lat. cutis = Haut). Einige Wochen nach dem Insektenstich durch die Sand- beziehungsweise Schmetterlingsmücke rötet sich die Einstichstelle und schwillt an. Häufig sind unbekleidete Hautareale wie Wangen und Arme betroffen.

Anschließend entwickelt sich innerhalb mehrerer Wochen ein flacher schmerzloser Knoten oder ein Geschwür. Manchmal bildet sich darauf auch eine Kruste. Das Geschwür hat etwa einen Durchmesser von zwei bis vier Zentimetern, in seltenen Fällen ist es größer. Nach mehreren Monaten heilt es meist spontan ab und lässt eine Narbe zurück. Es kann vorkommen, dass sich auch mehrere Geschwüre auf der Haut ausbreiten.

Kutane und mukokutane Leishmaniose der Neuen Welt

Die Symptome der kutanen Leishmaniose der Neuen Welt sind meist aggressiver als die der Alten Welt. Bei der kutanen Leishmaniose der Neuen Welt entstehen unterschiedliche Hautschäden bis hin zu großen Geschwüren.

Bei der mukokutanen Form entwickelt sich ebenfalls ein Geschwür. Ist dieses abgeheilt, befallen die Parasiten teilweise erst Monate bis Jahre später die Schleimhäute (lat. mucocutis = Schleimhaut), so zum Beispiel die Nasenschleimhaut. Symptome sind in diesem Fall eine behinderte Nasenatmung oder Nasenbluten. Das zerstörte Gewebe begünstigt zusätzliche Infektionen. Auch andere Schleimhäute wie etwa die der Genitalien, des Munds, Rachens oder Kehlkopfs können befallen sein. Die Parasiten breiten sich dabei langsam über die Blut- und Lymphgefäße aus.

Diagnose

Erste Hinweise auf eine kutane Leishmaniose können die Symptome geben. Hierzu zählen insbesondere Haut- und Schleimhautveränderungen, die länger als drei bis vier Wochen bestehen.

Der Arzt erfragt im Gespräch, ob sich der Betroffene in den letzten Monaten und Jahren in einem Risikogebiet aufgehalten hat. So kann er Aufschluss darüber bekommen, wie wahrscheinlich es ist, dass sein Patient an einer kutanen Leishmaniose erkrankt ist und welcher Erregertyp daran beteiligt sein könnte. Mit der körperlichen Untersuchung kann der Arzt seine Diagnose festigen.

Der Erreger der kutanen Leishmaniose kann aus einer Gewebeprobe vom Rand des Geschwürs mikroskopisch oder durch Erregeranzucht nachgewiesen werden. Mithilfe der sogenannten Polymerasekettenreaktion (PCR) kann man zudem bestimmen, um welche Erregerform es sich handelt. Somit kann der Arzt eine genauere Diagnose stellen und seinen Patienten entsprechend behandeln.

Therapie

Die kutane Leishmaniose erfordert nicht immer eine medikamentöse Therapie. Vielmehr ist die Therapie davon abhängig, um welche Form es sich handelt und wie schwer der Betroffene erkrankt ist. Besonders bei Hautveränderungen im Gesicht oder bei ausgeprägtem Befall ist eine Therapie sinnvoll, um die Narbenbildung zu verringern. Zur örtlichen (lokalen) Behandlung können antibiotisch wirkende Salben den Heilungsprozess fördern, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Paromomycin. Aber auch lokale Injektionen mit einem sogenannten Antimon-Präparat oder mit Wirkstoffen wie Pentamidin sind zur Therapie der kutanen Leishmaniose geeignet. Manchmal bietet es sich auch an, die betroffene Stelle zusätzlich zu vereisen (Kryotherapie) oder zu erhitzen (Thermotherapie).

In schweren Fällen der kutanen Leishmaniose, insbesondere der der Neuen Welt, ist eine systemische Therapie nötig, das heißt, es werden Medikamente verabreicht, die auf den ganzen Körper wirken. Hier kommen je nach Erreger zum Beispiel Wirkstoffe wie Miltefosin, Fluconazol, Ketoconazol oder ein Antimon-Präparat infrage.

Liegt eine mukokutane Leishmaniose vor, bei der in der Regel nicht nur die Haut, sondern auch die Schleimhäute von Parasiten befallen sind, muss die Erkrankung in jedem Fall behandelt werden. In der Regel reicht es dabei nicht, die Beschwerden lokal zu behandeln. Vielmehr ist eine systemische Therapie nötig. Dabei kommen Antimon-Präparate in Kombination mit Pentoxifyllin oder mit der Wirkstoff Amphotericin B zum Einsatz. Die Medikamente verabreicht der Arzt als Infusion beziehungsweise er spritzt sie unter die Haut. Eine Alternative ist Miltefosin, das der Patient als Tablette einnehmen kann.

Verlauf

Die kutane Leishmaniose kann je nach Form sowohl einen milden als auch einen schweren Verlauf nehmen.

Die kutane Leishmaniose der Alten Welt heilt in den meisten Fällen spontan nach mehreren Monaten wieder ab. Häufig sind die Symptome nur schwach ausgeprägt.

Der Verlauf der kutanen Leishmaniose der Neuen Welt ist meist aggressiver. Eine unbehandelte mukokutane Leishmaniose kann schwer wiegende Folgen haben. Dadurch, dass die Schleimhäute zerstört sind, kann auch das umliegende Gewebe in Mitleidenschaft gezogen werden, wodurch schwere Schäden im Gesicht entstehen können.

Nach einer Erkrankung ist man gegen den jeweiligen Erreger immun, kann also nicht erneut an der speziellen Form erkranken.

Komplikationen

Insbesondere die mukokutane Leishmaniose kann Komplikationen nach sich ziehen: Infolge der Zerstörung der Schleimhäute können Verstümmelungen im Gesicht oder am Hals entstehen. Da das Immunsystem geschwächt wird, können verschiedene Infektionserkrankungen die Folge sein.

Die Sterblichkeit (Letalität) der mukokutanen Leishmaniose hängt in hohem Maße davon ab, ob der Patient zusätzliche Infektionen entwickelt. So kann beispielsweise eine Lungenentzündung auftreten, die nach Verschlucken (Aspiration) von infiziertem Gewebe entsteht und die Sterblichkeit erhöht.

Vorbeugen

Einer kutanen Leishmaniose können Sie vorbeugen, indem Sie sich möglichst gut vor den Überträgerinsekten schützen, wenn Sie sich während einer Reise in einem Risikogebiet aufhalten. Zum persönlichen Schutz vor Insektenstichen sollten Sie vorbeugen und geeignete Kleidung tragen sowie während des Schlafs ein sehr feinmaschiges Moskitonetz verwenden. Besonders in der Dämmerung und nachts ist der Schutz besonders wichtig – denn zu dieser Zeit sind die Mücken aktiv.

Da die Mücken in der Regel nicht besonders hoch fliegen können, sind Sie in höheren Stockwerken besser geschützt.

Eine Impfung gegen die kutane Leishmaniose ist noch in der Entwicklung.