Das Bild zeigt eingeseifte Hände.
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Shigella

Shigella ist eine Bakteriengattung, die nur im Stuhl von Menschen vorkommt und durch Schmierinfektionen übertragen wird. Indirekt kann man sich aber auch durch mit Fäkalien belastetes Trinkwasser oder kontaminierte Lebensmittel mit Shigella infizieren, insbesondere in wärmeren Ländern. Auch Fliegen oder kontaminierte Badegewässer können Shigella übertragen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Überblick

Unter schlechten hygienischen Bedingungen in Verbindung mit engen Räumen kann sich eine Infektion mit Shigella schnell ausbreiten, so etwa in Kindergärten, Heimen, Heil- und Pflegeanstalten, Gefängnissen oder Kasernen. Schon nach zwölf Stunden bis vier Tagen kann es nach einer Infektion mit Shigella zur sogenannten bakteriellen Ruhr (Shigellose) kommen, einer Durchfallerkrankung, die bis zu einem Monat dauern kann.

Bakterien der Gattung Shigella sind weltweit verbreitet. Vor allem in Ägypten, Tunesien, der Türkei und Indien kommt es häufig zu Infektionen. In Deutschland treten die meisten Infektionsfälle als Folge eines Auslandsaufenthalts auf. Shigellosen, also Infektionen mit Shigella, sind in Deutschland meldepflichtig. Die Erreger sind benannt nach ihrem Entdecker – dem japanischen Bakteriologen Shiga, der die Bakterien 1898 als Ursache der bakteriellen Ruhr identifizieren konnte.

Die Bakterien der Gattung Shigella sind stäbchenförmig. Sie bilden keine Geißeln, also Zellfortsätze, die der Fortbewegung dienen – daher sind sie unbeweglich. In flüssiger Umgebung können Shigella-Bakterien sogenannte Fimbrien ausbilden, mit denen sie sich an Schleimhautzellen anheften können. Shigella-Bakterien sind eng mit dem Bakterium Escherichia coliverwandt.

Die Gattung Shigella lässt sich serologisch in vier Arten unterteilen:

  • Shigella dysenteriae
  • Shigella flexneri
  • Shigella boydii
  • Shigella sonnei

Bakterien der Gattung Shigella können für eine kurze Zeit sehr gut in starken Säuren überleben. Aus diesem Grund überstehen sie die Passage durch den säurehaltigen Magen mehr oder weniger schadlos und können sich im Dünndarm in großen Zahlen vermehren. Im Dickdarm durchqueren sie die Wand des Dickdarms über spezielle Zellen, die sogenannten M-Zellen, und können sich so innerhalb der Darmwand weiter von Zelle zu Zelle ausbreiten. Auf diese Weise werden die befallenen Darmepithelzellen zerstört, was wiederum zu Darmblutungen führen kann.

Die Shigellen-Art Shigella dysenteriae Typ 1 stellt ein Nervengift (Neurotoxin) her, das Shiga-Toxin genannt wird. Infektionen mit Shigella dystenteriae verlaufen daher oft besonders schwer. In Deutschland treten meist Infektionen durch Shigella sonnei auf, die eher milde verlaufen.

Krankheiten

Bakterien der Gattung Shigella lösen im Körper des Menschen die sogenannte bakterielle Ruhr (Bakterienruhr, Shigellose) aus. Die bakterielle Ruhr sollte in jedem Fall behandelt werden.

Die vier Arten der Bakterien-Gattung Shigella kommen nur im Stuhl von Menschen vor und werden durch schlechte hygienische Bedingungen über Schmierinfektionen übertragen. Etwa zwölf Stunden bis vier Tage nach der Aufnahme von Shigellen kann es zum Ausbruch der bakteriellen Ruhr kommen. Dabei reichen 10 bis 200 Bakterien aus, um eine Erkrankung auszulösen.

Die bakterielle Ruhr geht mit plötzlich einsetzendem, schmerzhaftem Stuhlzwang (Tenesmen) und wässrigem Durchfall einher, zudem kann Fieber auftreten. Es können Darmblutungen oder sogar Risse im Darm (Darmperforationen) entstehen. Die Erkrankung dauert zwischen einem Tag und einem Monat, meist jedoch etwa einige Tage.

Eine Shigellose behandelt der Arzt in der Regel mit Antibiotika. Wenn der Betroffene durch den Durchfall viel Flüssigkeit verloren hat – dies kann insbesondere bei Kleinkindern lebensbedrohlich sein – muss der Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushalt durch Infusionen wieder ausgeglichen werden. Besonders schwere Fälle von Shigellose werden meist durch die toxinbildende Shigella-Art Shigella dystenteriae ausgelöst.

Vorbeugen

Einer Infektion mit Shigella können Sie vorbeugen. Shigellen werden in Deutschland meist direkt durch erkrankte Menschen übertragen. In den Tropen sowie auf Schiffen sind meist fäkale Verunreinigungen in Lebensmitteln oder Trinkwasser die Ursache.

Um einer Erkrankung durch die Bakterien der Gattung Shigella vorzubeugen ist es daher empfehlenswert, allgemeine Hygienemaßnahmen einzuhalten, wie zum Beispiel Händewaschen nach dem Toilettengang. Ist die Krankheit bereits ausgebrochen, sollten die Erkrankten sowie die sogenannten Ausscheider isoliert und behandelt werden. Außerdem ist es wichtig, die Hände gründlich zu desinfizieren, um weitere Schmierinfektionen zu verhindern.

Vor allem in Entwicklungsländern sollten Sie Wasser und Nahrungsmittel vor dem Verzehr abkochen.