Das Bild zeigt abgestummelte Zehen.
© Jupiterimages/iStockphoto

Mycobacterium leprae

Die Bakterien-Art Mycobacterium leprae ist der Erreger der Lepra. Lepra-Bakterien werden hauptsächlich durch engen Hautkontakt übertragen und können auch viele Jahre nach der Infektion noch zu Lepra führen.

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Mediziner*innen geprüft.

Überblick

Eine Infektion mit Mycobacterium leprae außer über engen Hautkontakt zudem über das Nasensekret sowie über die Muttermilch erkrankter Frauen möglich. Eine wichtige Rolle für die Ansteckung mit Mycobacterium leprae spielt ein enges Zusammenleben über längere Zeiträume.

Aber nicht bei jedem Lepra-Infizierten bricht die Krankheit auch aus. Ob es zur Ausprägung von Symptomen kommt, scheint unter anderem von genetischen Faktoren und dem Immunstatus des Betroffenen abzuhängen: Rund 95 Prozent aller Infizierten erkranken nicht an Lepra.

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, ist bei einer Infektion mit Mycobacterium leprae vergleichsweise lang – sie kann mehrere Monate bis 20 Jahre betragen.

Lepra-Erkrankungen werden durch schlechte soziale Lebensumstände begünstigt, da diese häufig auch mit ungünstigen hygienischen Bedingungen einhergehen. Lepra-Fälle treten vor allem in den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer Südostasiens, Chinas, Südamerikas und des tropischen Afrikas auf. Weltweit erkranken jedes Jahr rund 250.000 Menschen neu an Lepra, die Zahl geht jedoch durch die relativ guten Behandlungsmöglichkeiten stetig zurück.

Beim Ausbruch der Lepra-Erkrankung kann es zu verschiedenen Hautveränderungen sowie zu einer Schädigung der Nerven in Armen und Beinen kommen. Welche Symptome im Laufe der Lepra-Erkrankung auftreten, hängt vor allem davon ab, welche Form der Erkrankung vorliegt und wie stark diese ausgeprägt ist. Je nach Erkrankungs-Form kann Lepra wenig bis sehr ansteckend sein.

Mediziner unterscheiden vor allem zwei Lepra-Typen:

  • tuberkuloide Lepra
  • lepromatöse Lepra

Die tuberkuloide Lepra verläuft leichter und ist wenig ansteckend. Bei dieser Form ist eine zelluläre Immunantwort vorhanden, der Erreger Mycobacterium leprae jedoch selten nachweisbar. Bei der tuberkuloiden Lepra kommt es typischerweise zu vereinzelten, meist klar begrenzten Hautschädigungen. Die veränderten Hautareale sind auf dunkler Haut heller als der umliegende Bereich oder bei heller Haut gerötet. Neben diesen Hautveränderungen geraten außerdem die Nervenbahnen in Armen und Beinen, speziell von Händen und Füßen, in Mitleidenschaft. Die Haut der Extremitäten verliert an Sensibilität, wodurch es leichter zu Verletzungen oder Unfällen mit nachfolgender Wundinfektion kommt – sowie unter Umständen zu spontanen Amputationen. Zum Teil bessert sich diese Form der Lepra von selbst.

Die lepromatöse Lepra ist die schwerste Lepra-Form und sehr ansteckend. Sie entsteht, wenn die zelluläre Immunantwort ausbleibt. Lepra-Bakterien sind bei den Betroffenen zum Teil in großer Menge nachweisbar. Typisch für diese Lepra-Form sind zahlreiche gleichmäßige, fleckig-knotige Hautschädigungen. Unter Umständen ist auch die Schleimhaut von Nase und Rachen von der Infektion betroffen. Je nach Schwere des Falls können Nasenscheidewand und Kehlkopf Schaden nehmen und unter Umständen auch zerstört werden. Bei einer lepromatösen Lepra mit Nasenbeteiligung ist das Nasensekret blutig-schleimig und in der Regel ansteckend.

Neben den beiden Hauptformen gibt es außerdem die sogenannte Borderline-Lepra, die in ihrer Ausprägung zwischen den beiden anderen Formen liegt. Sie kann sich in eine der anderen beiden Formen weiterentwickeln.

Dank relativ wirksamer medikamentöser Therapiemöglichkeiten, sinkt die Zahl der Lepra-Erkrankten ständig weiter. In der Regel erfolgt über einen Zeitraum von circa 6 bis 18 Monaten eine Behandlung mit Antibiotika, wie zum Beispiel den Wirkstoffen Dapson, Rifampicin, Clofamizin, Ofloxacin oder Minocyclin.

Morphologie:
Bakterien der Art Mycobacterium leprae haben eine gebogene, stäbchenförmige Gestalt. Sie sind unbeweglich und bilden keine Sporen. Unter tropischen Bedingungen können die Bakterien außerhalb des menschlichen Körpers bis zu 9 Tage überleben.

Lepra-Bakterien sind sehr säurebeständig, was sich durch den speziellen Aufbau ihrer Zellwand erklären lässt. Die Zellwand besteht zu einem ungewöhnlich großen Anteil aus Fetten (Lipiden) und besitzt eine Art Wachshülle, wodurch die Bakterien für die Fresszellen des Immunsystems schwer angreifbar sind. So können sie sogar im Inneren der Fresszellen überleben und sich hier auch vermehren.

Lepra-Bakterien brauchen sehr lange, um sich zu vermehren: Eine einzelne Lepra-Zelle benötigt rund 10 bis 14 Tage, um sich zu teilen – E.-coli-Bakterien benötigen hierfür nur circa 20 Minuten.

Vorbeugen

Bislang gibt es keine Schutzimpfung gegen Mycobacterium leprae und damit keine direkte Möglichkeit, einer Infektion vorzubeugen. Einen gewissen Schutz scheint jedoch eine Impfung mit dem Impfstoff BCG gegen die eng verwandte Bakterienart Mycobacterium tuberculosis (Tuberkulose) zu bieten.

Mycobacterium leprae führt vor allem in Entwicklungsländern unter schlechten sozialen Bedingungen zu Erkrankungen. Als Ursachen dafür gelten die nur ungenügend vorhandenen Hygienemöglichkeiten und das Zusammenleben auf engem Raum. An Lepra erkrankte Menschen müssen zwar nicht isoliert werden – um weiteren Lepra-Fällen vorzubeugen, sollte man ein längeres Zusammenleben auf engem Raum jedoch vermeiden. Von großer Bedeutung ist außerdem die möglichst frühzeitige Behandlung erkrankter Personen.